derungen bewilligt worden wären. Der Direktor der Fabrik, Namens Kirchweger, glaubte damit eine Concession zu machen, daß er nur bestimmten, von ihm auserlesenen Arbeitern die gestellten Forderungen bewilligen, die anderen dagegen weiter striken d. h. hungern lassen wollte. Das empörte die Arbeiter, die sich nun verschworen, teinen Schacher mit sich treiben zu lassen. Der Direktor gab nicht nach, die Wuth der Hungernden steigerte sich. Da zogen am Dienstag den 7. Sept. ihrer Tausend in Reih und Glied nach dem Fabrikgebäude. Es kam zu tumultua= rischen Auftritten zwischen den Strikenden und denjenigen, welche die Arbeit in der Fabrik wieder aufgenommen hatten. Der Direktor Kirchweger glaubte dem dadurch ein Ende machen zu müssen, daß er unter die Arbeiter aus dem Fenster seiner Wohnung schoß. Jetzt kannte die Aufregung der Arbeiter keine Grenze mehr, sie stürmten in das Innere ,, der Zwingburg". Was im Wege stand, fiel den Stürmenden zum Opfer, Fenster, Thüren, Möbel, Alles wurde verwüstet, die Betten wurden zerschnitten, die Federn ausgestreut, furzum die Erbitterung war grenzenlos. Dann ging es zum Wohnhause des Direktors Kirchweger. Dieser entfloh. Der Schmied Wunzel trat ihm drohend entgegen, Kirchweger zog seinen Revolver, schoß auf den Andrängenden und setzte seine Flucht weiter. Diesen Vorgängen folgten weitere am Donnerstag 9. und Freitag 10. Sept. Das Lauenstein'sche demolirte Fabrikgebäude war unterdessen mit einigen 100 Polizeiwächtern besetzt worden, die Arbeiter rückten an genannten Tagen wieder vor das Gebäude und sollen einige Steinwürfe vorgekommea sein; die Polizeiwächter, kommandirt von ihrem Hauptmann Mathäus machten deshalb einen Ausfall und gebrauchten die blanke Waffe, wobei mehrere Arbeiter sehr gefährlich verwundet wurden. Nach wiederholten Angriffen, wobei es zu einem starken Handgemenge zwischen den Tumultuanten und der Polizei kam, entfernten sich endlich die Arbeiter. Der Schmied Wunzel, den der Direktor Kirchweger in den Leib geschossen, ist unterdessen gestorben. 2000 Arbeiter begleiteten seine Leiche zum Grabe.
Wie die Thatsachen liegen, kommen, wenn wir ein Urtheil über die Vorgänge abgeben sollen, hier offenbar zwei Fragen, man nenne sie Rechtsfragen, in Betracht: Wer war im Rechte, ist die eine, wer war im Unrechte, die andere. Die erstere haben einerseits die Bourgeois und deren Presse beantwortet, die Bourgeois- Richter werden sie beantworten; ihr Urtheil hat sich und wird sich zu Gunsten derjenigen entscheiden, die ihre geborenen Klienten sind, denn eine Hand wäscht die andere". Ihre Rechtsbegründung scheint sehr plausibel ,, sie waren in der Nothwehr", in der Nothwehr haben sie Bajonette und Säbel angewandt, in der ,, Nothwehr" haben sie einen Todtschlag verübt.
Auf der anderen Seite d. h. neben der Bourgeoisie und ihren Helfershelfern erlaubt sich aber noch Jemand diese Frage zu entscheiden und dieser Jemand ist kein anderer, als das Volk, das arbeitende Volk! Dieses stützt sich natürlich nicht auf die sittlichen Entrüstungen" der Bourgeoisblätter, nicht auf die Sätze des heutigen positiven Bourgeoisrechtes" nein, es stellt sich auf den Boden des Naturrechts und glaubt sich vollberechtigt, so und nicht anders, als es geschehen, gehandelt zu haben. Und wie begründet das Volk sein Recht? Nun es befand sich ebenfalls in ,, Nothwehr", in Nothwehr hat es gehandelt, hat es Revolution gemacht; es mußte und suchte sich zu schützen gegen seine Bedränger, wenn es nicht vorzog zu verhungern, wenn es nicht vorzog sich als feile Waare verschachern zu lassen. Doch gehen wir zur zweiten Frage über, wer hat Unrecht gehabt? Diese ist schon gelöst, sobald man weiß, wer Recht gehabt. Die Bourgeois und ihre Kumpane werden sagen: der empörte Böbel hatte keine Rechtsgründe für sich, er hat aller Civilisation, allem Geseze, allem Rechte ins Gesicht geschlagen, er hat Unrecht, ist zu verurtheilen, zu richten, zu züchtigen.- Das arbeitende Volk wird da= gegen sagen: Unsere Beiniger hätten den Gewaltakt der verzweifelten Masse verhindern tönnen, wenn sie menschlich gewesen wären, so aber haben sie sich unseres Hungers, unserer Noth gefreut, sie sind nicht nur jetzt, nein sie sind immer im Unrecht, so lange sie uns ausbeuten, so lange sie von unserem Schweiße prassen.
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Ein Dilemma, ein schwieriges Entweder Oder! Wer wird es lösen, wer entscheiden? ich glaube, nur ein Gericht nur ein Obertribunal, und das heißt: die Revolution. Sie wird kommen, sie muß unausbleiblich kommen, wenn man fortfährt, die Rufe des Volkes nach seinem Rechte mit Bajonettstichen, mit Revolverschüssen zu beantworten.
Dresden , 5. Septbr.( Verspätet.) Nachdem die Annahme des Eisenacher Programms von dem Vorstand des hiesigen Arbeiterbildungsvereins abgelehnt worden, beschlossen einige unserer Freunde, das Programm in der gestrigen, start besuchten Versammlung durchzubringen. Unsere Gegner, welche mit Gründen uns nicht widerlegen konnten, indem sie erklärten, persönlich nichts gegen das Programm einwenden zu tönnen, suchten mehr passiven als aktiven Widerstand zu leisten. Intereffant war unter Anderm die Ansicht des Vorsitzenden, Tischler Hendel, daß der Verein seit Jahren in politischer wie sozialer Hinsicht immer vorgeschritten sei, jetzt aber Halt gemacht werden müsse, denn sonst könnte leicht die Subvention des Stadtraths wegfallen.(!!) Das Programm wurde schließlich gegen 30 Stimmen verworfen*). Doch steht es
*) Wenn die Arbeiter einer Geldunterstützung wegen schnöde das Prinzip verleugnen, dann ist das Feigheit und Charakterlofig= leit und derjenige ein unwürdiger Vorstand, der solche Handlungen unterstützt. Der Leipziger Arbeiterbildungsverein befindet sich in derfelben Lage, wie der Dresdener; er hat sich aber von solchen Strupeln nicht beirren lassen, sondern das Programm gegen 1 Stimme angeDie Red.
tommen.
Berantwortlicher dedatteur: W. Liebknecht. ( Redaktion Busu
hier um unsere Sache gut; es hat sich bereits ein sozial- demokratischer Arbeiterverein gegründet und zum großen Schrecken jener Spießbürger werden auch die sozialen und politischen Wühlereien"*) im Arbeiterbildungsverein nicht aufhören**), denn das Programm muß schließlich duch angenommen werden.
Leipzig . Wir erhalten Folgendes zur Veröffentlichung:
Jeder Politiker muß einsehen, daß der Parteikampf auch innerhalb der Reihen des Volks nothwendig oder wenigstens unvermeidlich ist, und wird, wenn es dabei dann und wann zu Ausschreitungen kommt, diese mit möglichster Schonung beurtheilen. Wenn aber die Tumulte in den Versammlungen, wegen der Vorsitzendenwahl, wie es jetzt den Anschein hat, zu einem chronischen Uebel werden, so möchte man doch an Abhilfe denken, da andernfalls,( ganz abgesehen von etwaigen polizeilichen Maßnahmen), das Versammlungsrecht und die Pflicht zur Diskussion allge meiner Angelegenheiten durch das Volk selbst illusorisch gemacht werden. Ich verzichte darauf, eine Sache, über die Jeder von vornherein klar sein sollte, des Weiteren zu besprechen und wende mich mit der Bitte an den Ausschuß:
zu berathen, wie den oft wiederkehrenden Streitigkeiten bei der Vorfitzendenwahl in Volksversammlungen zu steuern sei,
und hierbei folgende Ansichten in Betracht zu ziehen: Die sozialdemokratische Arbeiterpartei erklärt:
1) Es erscheint unpassend unsererseits eine Versammlung zu besuchen, zu welcher von Gegnern unter Formen eingeladen wird, welche uns ausschließen;
2) Sofern die Parteigenossen eine von Gegnern ausgeschriebene Versammlung besuchen, weil die Einladung eine allgemeine war, mögen sie den letzteren die Constituirung des Bureau's überlassen;
3) Sofern dieses Verfahren nicht auch von den Gegnern in gleicher Weise in den von Seiten der sozialdemokratischen Partei einberufeneu allgemeinen Versammlungen eingehalten wird, sollen die von den Gegnern einberufenen Versammlungen unsrerseits nicht mehr besucht werden. Maren, 15. September 1869. Zwickan. In der Versammlung des hiesigen Volksvereins vom 11. September wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt:
Vahlteich.
" In Erwägung, daß es der Würde der sozial- demokratischen Partei nicht angemessen, das ihr zugehörige Preßorgan zum Tummelplatz persönlicher Streitigkeiten zu machen, ist der Ausschuß, resp. die Redaktion des Parteiorgans zu ersuchen, in Zukunft so viel wie möglich zu verhindern, daß Artikel, welche persönliche Angriffe oder gar Schimpfereien enthalten, Aufnahme finden. Persönliche Angriffe von gegnerischer Seite werden nie im Stande sein, das Vertrauen, welches wir unsern Parteiführern geschenkt, zu erschüttern, eben so wenig wie Leidenschaftliche Entgegnungen ihrerseits dasselbe stärken können. Das edle Ziel, welches wir erstreben, wollen wir mit eisener Energie, aber auch mit ehrlichen Waffen und blankem Schilde erfämpfen; deshalb kann es der Volksverein Zwickau ebenfalls auch nicht billigen, wenn von gegnerischer Seite ausgeschriebene Versammingen durch unsere Parteigenossen gestört werden. Wir würden da in einen Fehler ver= fallen, den wir früher selbst energisch bekämpft; wir wollen uns unser Recht auf das Entschiedenste wahren, jedoch auch die Rechte Anders= gefinnter achten."
Der Ausschuß des Volksvereins Zwickau wurde beauftragt, diesen Beschluß zu veröffentlichen, und kommt derselbe hiermit diesem Auftrage in der Hoffnung nach, daß dieser, in der lautersten Absicht gefaßte Beschluß keine Mißdeutung erfahren möge.
*) Ausdruck des Vorsitzenden. **) Wir rechnen darauf.
Im Auftrage des Vereins: H. Dozzauer.
Die Red.
Zur Beachtung. Alle für die Redaktion bestimmten Einsendungen müssen, um Zeitverlust zu vermeiden, direkt an die Redaktion, Braustraße 11, adressirt werden.
Notiz. Theils wegen Mangels an Raum, theils wegen zu späten Eintreffens müffen wieder viele Berichte zurückgestellt werden. Wir benutzen diese Gelegenheit zu der dringenden Bitte, die Berichte möglichst kurz zu fassen, und, außer wo zwingende Gründe vorliegen, sich der Polemik mit dem ,, Sozial- Demokrat" nebst Allem, was drum und dran hängt, zu enthalten. Eine solche Polemik kann uns weder Ehre noch Vortheil bringen.
Quittung und Dank. Durch Hrn. Somann vom Altonaer Tischler- Verein zur Reise nach Eisenach erstattet: 17 Mart 13 Schillinge Theodor Yort. gleich 7 Thlr. 28 Ngr. 3 Pf.
Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London . Für Leipzig .
Intern. Gewerksgenossenschaft der Solzarbeiter. Freitag, den 24. Septbr., Abends 8 Uhr: Versammlung bei ter Boren, Windmühlenstraße.
Reinzia
Druct und Verlag: biele