anschluß überwacht wurde. Donnerstag erwartete ich sie in einer kleinen Gartenwirtschaft. Sie kam verspätet, eilig, drängte zum Gehen es waren wieder Kriminalbeamte dagewesen, um nach mir zu suchen.

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Da meine Frau befürchtete, daß man ihr nachgegangen sein könnte, war sie unter mehrfachem Wechseln der Straßenbahn­linie durch die halbe Stadt gefahren, um etwaige Beobachter irrezuführen. Nun bat sie mich, doch auch über die Grenze zu gehen. Sie würde um vieles ruhiger sein, wenn sie mich in Sicherheit wisse. Am heutigen Morgen ist wieder ein Freund über die Grenze gegangen, zwei andre sind gestern verhaftet worden. Ein Genosse ist freiwillig in Schuzhaft gegangen, weil er nicht mehr wußte, wohin. Die Energie zur Flucht hatte er nicht mehr aufgebracht. Nun saß seine Frau weinend daheim. Tatsächlich wird der Raum, in dem man sich bewegen kann, immer enger, und man gefährdet auch die, bei denen man sich verborgen hält Wir gingen zu den Freunden, deren Wohnung jetzt mein Obdach ist, und besprachen alle Einzel­heiten. Spät in der Nacht trennten wir uns.

Was soll ich tun?

Weil ich es meiner Frau hatte versprechen müssen, bin ich den ganzen nächsten Tag nicht aus dem Zimmer gegangen. In großer Unruhe kreisten die Gedanken immer um die eine

turm ragt einsam über die fahlen Buchenwipfel, Wir steigen nicht hinauf; am Fuße des Berges erreichen wir den Fremdenweg, der zur Grenze führt. Noch ein kurzes Stück Weg und nun stehen wir am ersten Grenzstein; er leuchtet weiß am Waldrand. Endlich! Auf dem Winterberg waren wir vor Jahren einmal mit ausländischem Besuch. Die fremden Gäste wollten gern einmal bis an die Grenze gehen. Wir führten sie hierher. Sie faßten sich an den Händen und zogen sich zum Scherz über den Grenzstein hinüber, mit einem kleinen Freudensprung in die Tschechoslowakei ". Dann pflückten sie Gräser, die sie mitnahmen zur Erinnerung daran, daß sie auch in Böhmen " gewesen waren.

Der schmale Weg läuft über Felsplatten noch eine Strecke genau an der Grenze entlang; ein Schritt nach links und man steht wieder auf deutschem Boden. Endlich aber biegt er ab- noch hundert Schritte weit über die kritische Grenzzone hinaus: jetzt sind wir in Böhmen , und das ist jetzt die Frei­heit. Es sind dieselben Felsen, feucht und dunkel vor Nässe; ich berühre ihre rauhe Steinhaut. Es sind dieselben Kiefern,

deren stachlige Nadelbüschel mich streifen. Aber sie streifen mich fünfzig Meter weit von der deutschen Grenze entfernt hier ist die Tschechoslowakei und hier ist jetzt die Freiheit! Drüben leuchtet ein weißer Stein. Dahinter liegt Deutsch­ land . Es ist die Heimat. Auf wie lange gehe ich fort? Soll ich mich freuen?

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Wir wandern mit der steigenden Sonne durch Felder und Dörfer. Schon immer wollten wir, mein Freund und ich, ein­mal zusammen wandern; es ist nie dazu gekommen I und dies ist nun das erstemal. Und für wie lange das leztemal? Rosendorf, Binsdorf, Loosdorf , Tetschen der Markt, die Brücke. Die Elbe strömt unter uns. Und nun Bodenbach. Am Elbufer steht eine Luftschaukel. Die Drehorgel spielt: Die Fenster auf! Der Lenz ist da!" Dann eine Tür die Tür zum Volkshaus: das ist nun das Tor in die Freiheit... Zwei bekannte Gesichter an einem Tisch. Emigranten. Eine überraschte Frage: Nun, einen Sonntagsausflug gemacht?" - Ja, es wird nur ein wenig lange dauern."- Ach soo0: also auch!"- Ja, auch!"

Dollfuß - Liebling der Welt

Frage: Was soll ich tun? Dieses Versteckspiel, diese Flucht Die Engländer reisen nach Tirol durch die Stadt von einem erborgten Bett zum andern fort­setzen, bis man eines Tages doch verhaftet wird oder schließ­lich zermürbt freiwillig in die Falle geht? Wenn es sich um eine normale Schußhaft handelte- gut, das wäre zu ertra­gen. Aber Monate, Jahre vielleicht hinterm Stacheldraht eines Konzentrationslagers, kommandiert und schikaniert von uniformierten Sadisten, mißhandelt, seelisch gequält, aufbe­wahrt für irgendeinen Schauprozeß oder bereitgehalten als Geisel für Rachebedürfnisse und eines Tages vielleicht auf der Flucht" erschossen?

Aber über die Grenze. Durch welches dunkle Tor ging man da? Ohne Mittel, ohne Existenz. Wie geht es weiter, wenn die letzte Mark vertan sein wird? Es gab keine Ant­wort.

Spätabends fam meine Frau. Sie brachte mir den Ruck­sack mit einiger Wäsche und dem Allernötigsten. Ein junger Mann hatte ihr den Rucksack bis zu einer bestimmten Stra­ßenbahnhaltestelle gebracht, bis zu der sie wieder auf Um­wegen gefahren war. Während sie daheim die Sachen zurecht­machte, war wieder Kriminalpolizei dagewesen. Wieder war die ganze Wohnung nach mir durchsucht worden. In die Schränke und unter die Betten hatten die Beamten geguckt, aber die bereitgelegte Wäsche war ihnen nicht verdächtig er­schienen.

Flucht durch die Sächsische Schweiz

Also heute! Mein Feund, in dessen Wohnung ich die letzten Nächte verbracht hatte, begleitet mich auf den Weg über die Grenze. Zwei Touristen mit Rucksäcken am Sonnabend- das fällt nicht auf.

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Ein Bekannter meines Freundes hatte sich bereit erklärt. uns in seinem Wagen bis nahe an die Grenze zu bringen, damit wir nicht mit der Bahn fahren müßten, weil da mit unerwünschten Begegnungen zu rechnen war. Es war ein alter, flappriger Wagen, wegen dessen antiquarischen Aus­sehens sein Besizer oft gehänselt wurde. Er aber trennte sich nicht von diesem Vehikel, weil der Motor ausgezeichnet arbeitete besser als mancher neue, versicherte er, und uns erschien heute sein Wagen als der schönste.

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Pünktlich stand er an der vereinbarten Straßenecke. Meine Frau hatte zum Abschied dahin kommen wollen fie war nicht da. Unser Führer drängte zum Einsteigen und wäh­rend der Wagen schon fuhr, berichtete er: Meine Frau war nicht gekommen, weil am frühen Morgen schon wieder zum viertenmal die Polizei dagewesen war und meine Frau sich beobachtet fühlte. Sie wollte uns nicht in letzter Minute gefährden."

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London , im Juni 1938. Der Kampf Nazi- Deutschlands gegen Desterreich hat be­wirkt, daß Oesterreich und sein Bundeskanzler Dollfuß in England höchst populär geword.n sind. Der kleine Dollfuß ist drauf und dran den populärsten Sportgrößen den Rang streitig zu machen. Sensationsbläter, die nur selten Politik bringen, cpfern eine ganze Seite für den österreichischen Bundeskanz­ler, der in allen Stellungen photographiert wird. Kaum ein ler, der in allen Stellungen photographiert wird. Kaum ein Tag vergeht, wo nicht in den englischen Zeitungen aufgefor­dert wird, nach Desterreich zu reisen, um den Schlag der Hit­Terregierung zu parieren. In Reisebüros liegen Werbepro­frefte für Oesterreich aus. Und als Dollfuß auf der Welt­mirtschaftskonferenz sprach, wurde er nicht nur mit demon­ſtativem Beifall begrüßt, sondern seine Rede wurde auch ausführlicher wiedergegeben, als die Rede des deutschen Außenministers. Nichts tennzeichnet die Stimmung in Eng­land besser als ein Leitartikel im Observer", dem ange= sehensten englischen Sonntagsblatt, überhaupt einem der be­deutendsten und bis zu Hitler deutschfreundlichsten Blätter Englands. Dort heißt es unter der Ueberschrift Oesterreich und die Tyrannei":

Sitler hat nach tausenden von aufreizenden Reden eine

diplomatische Rede gehalten. Die diente Exportzweden, nicht dem Hausgebrauch. Der Nazigeist hat seine Gewalttätigkeiten nicht gert. Er ist eine Explosion on Tyrannei. Jede andre Mein ng trampelt er nieder and sucht sie zu morden. Eine Gemütsart, die sich so in der Ju: nenpolitik äußert, ist stets auch in der Außenpolitik gerähr= lich. Die Ausschre angen gegen die bayrischen Katholiken- fie tamen na den Juden an die Reihe zeigen den Sru

talen Wahnwiz des Fanatismus. Es ist wesentlich sich dar­über flar zu sein, daß der gleiche Geist eines Tages eine internationale Krise in der österreichischen Frage hervor: infen kann.

Im Augenblick ist das kleine Oesterreich der Schlüssel Europas ." de schon zermalmt worden sein, wäre nicht der kleine Kanzler Dr. Dollfuß, der vorige' oche in London Lorbeeren erntete. Als gerüber em Goliath würde er der Liebling der Ihn und die Fr' heit seines Lan

des zu unterf her ist wesentlich für den endgültigen Frie den Erropas. Defterreich hätte sich wohl, wenn es na ú sei: nem freien Willen gegangen wäre, inem föderativen Deutschland ingeschlossen. Aber vom Naziterrer unterjocht zu werden rn, wäre da ärgste er Uebel.

or einigen Wochen schickten die Nazis Kommissare, um Oesterr wie ein bereits annektiertes Lad zu behandeln. Dollfuß weis zu widersetzen. Ber hieb mit Knütteln auf Desterreich los, indem es den Reiseverkehr nach efter: reich zerstörte, wo die Naz'gruppe genau so unverschämt und drohend ist wie anderswo. Dr. Dollfuß wies einen Schein: diplomate aus, der als Aufr'esler nach Wien geschickt: or: den war. Berlin werf Herrn Wasserbaed heraus, den öfter: reichischen Presseattache, der seit Jahren die Rechte eines Diplomaten genoß. Er wurde nach London versetzt, wo er herzlich willkommen ist. Unseres Erachtens müßte Endlich erhebt sich der Winterberg vor uns. Der Aussichts- die Unabhängigkeit Oesterreichs definitiv

Wir fahren in flottem Tempo nach Schandau und biegen dort in das fast menschenleere Kirnißschtal ein Im Garten eines Gasthauses hängen Frauen Wäsche auf; oben stehen die Fenster offen, hinter denen wir einmal quartiert haben- vorbei. Lichtenheiner Wasserfall, ein Wegweiser nach dem Kuhstall vorbei. Kein Mensch, kein Fuhrwerk be= gegnet uns.

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und unabänderlich garantiert werden. Man sollte ihm finanziell helfen. Mehr denn je sollten in diesem Sommer britische Touristen Oesterreich besuchen. Sie werden entzückt sein von der Anmut der Landschaft und der Leute."

England war bisher das Land, das dem Gedanken des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland am freundlichsten ge­genüberstand. Das war einmal. Nekt ist England, um die Trennung Oesterreichs von Deutschland zu benegeln, sogar bereit, die Wiederherstellung der Habsburger Monarchie in Oesterreich und Ungarn zu unterstützen. en den dahin zielenden Plan Mussolinis hat sich in England bisher außer dem sozialistischen Daily Herald" nur noch der ,,, Manchester Guardian" gewandt, Ser auch nicht mehr wie früher den Anschlußgedoux.' ritt, sondern den von Frankreich pro­pagierten Gedanken einer Union der Do:* aaten( Tschecho­Irwakei, Desterreich, Ungarn , Rumänien , Jugrawien). Die Fitlerpolitik hat also auch im Südosten in furzer Zeit alles verschüttet.

Abrüstungskonferenz stockt Wie zu erwarten war

Genf , 27. Juni. ( Wolff.) Botschafter Na dolny hatte heute vormittag Besprechungen mit dem Präsidenten der Abs rüftungskonferenz Henderson und dem englischen Vers treter Unterstaat etär Eden. Henderson teilte in der Unterredung mit Nadolny mit, daß es ihm nicht ges lungen sei, bis iekt für die Vorbereitung der zweiten Le= fung des englischen Konventionsentwurfes die in Aust genommenen Verhandlungen zu führen. Er sehe nicht, wie gegenwärtig die Arbeit des Hauptausschusses mit Erfolg weitergeführt werden könnten, und er sei infolgedessen für eine Vertagung der Konferenz bis nach der Völker­bundsversammlung im Herbst. Einen ähnlichen Stand­punkt nahm der enalische Vertreter Eden gegenüber Botschaf ter Nadolny ein. Auch er vertrat die Auffassung, daß man Henderson noch Zeit geben müsse, um die zweite Lefung des englischen Konventionsentwurfes vorzubereiten.

Demgegenüber betonte der deutsche Delegationsführer so­wohl Eden als Henderson gegenüber, daß die Arbeiten der Konferenz fortgelegt werden müßten, und daß kein Anlaßzur Vertagung vorhanden sei. Eventuell tönne Senderson die notwendigen Besprechuns gen ja hier in Genf führen.

Das erweiterte Präsidium der Konferenz tritt am Nachs mittag zusammen, um eine Entscheidung zu treffen.

SPD . Ortsgruppe Paris

Donnerstag, den 29. Juli, 20 Uhr, im Lokal Bal Pont Marie, 1 rue Normains Hycres, Mitgliederversammlung.

Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Pizz: Inserate Hubert Jüttner, beide in Saarbrücken . Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. 6 H., Saarbrücken , Schüßenstraße 5.

Der umsichtige Geschäftsmann inseriert von nun ab in der

,, Deutschen Freiheit"

dem Weltblatt

das in 7 Tagen eine feste Bezieherzahl erreicht hat, die alle Erwartungen weit übertrifft Inserieren in der ,, Deutschen Freiheit" verbürgt allerbeste Erfolge