Verjüngung durch Kampinaturen! m Ruhrgebiet in voller Revolte SA

Die illegale Arbeit in Deutschland - Trotz aller Gefahren- Neue Menschen- Unbekannte in die Front!

Aus Deutschland wird uns geschrieben:

Die neue Welle der Sozialistenverfolgung, die übrigens schon einige Tage vor dem Verbot der SPD . eingesetzt hat, erfaßt feineswegs nur die Spißenfunktionäre. Die Nazi interessieren sich mindestens ebensosehr für die opferwilligen Vertrauensleute in den Betrieben, den Wohnblocks, den Arbeitsnachweisen. Denn die Zehntausende von unbekann­ten Vertrauensleuten sind die Träger der illegalen Arbeit, die nach dem Verbot der SPD . allein möglich ist.

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche illegale Arbeit im Dritten Reich sind örtlich verschieden. Die Kommunisten haben hier einen gewissen Vorsprung, weil ein Teil ihres Apparats auch schon vorher nur halblegal arbeiten konnte. Sie besitzen darum auch in vielen Fällen die größeren tech­nischen Erfahrungen für diese Form des Kampfes. Mit Stolz darf man aber sagen, daß sich die sozialdemokratischen Bertrauensleute den neuen Erfordernissen mit einer Opfer­bereitschaft und einem Eifer anpassen, für die kein Wort der Bewunderung und der Anerkennung zu groß ist.

Troß mannigfacher Ueberschäßung der Möglichkeiten le= galer Parteitätigkeit im Dritten Reich hat die illegale Arbeit allerorten bereits vor vielen Wochen begonnen. Es ist klar, daß sie nicht in großen Körperschaften beschlos­sen und von Massenorganisationen

durchgeführt werden kann. Vor allem mußten die bekannten Vertrauensleute der Arbeiterbewegung von der illegalen Arbeit freigehalten

Friedrich Stampfer :

Oesterreich

werden, weil sonst sie selbst und die neuen Formen der Par­teiarbeit unnötig gefährdet worden wären. Die Folge war ein unauffälliger, aber außerordentlich tiefgreifender Re= generationsprozeß innerhalb der Sozialdemokratie. Was müde, verbraucht, den neuen Anstrengungen und An­forderungen nicht mehr gewachsen ist, verschwindet ganz selbstverständlich aus den Zentren der Aktivität. Das hat bisher nur in den seltensten Fällen zu einem Mangel an Menschen geführt. Von einer Anzahl von Orten kann schon icht versichert werden, daß begeisterte, zuverlässige, ener­gische und geschickte Vertrauensleute in großer Zahl vor­handen sind.

So gefährlich die illegale Arbeit auch ist, so sehr sie Rück: schlägen aller Art ausgesetzt sein muß, so unvermeidlich es ist, daß es der Polizei immer wieder gelingt, Genossen zu verhaften bisher ist es nicht gelungen, die illegale Parteiarbeit zu unterbinden.

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Für die deutsche Arbeiterschaft geht es darum, die verlorene Freiheit und Menschenwürde wiederzugewinnen, und sie weiß, daß das Ziel nicht leicht und nicht ohne Verluste er­reicht werden wird. Was sich aber in Deutschland abspielt, erzeugt in jedem einzelnen Menschen das Gefühl, daß das Leben nicht zu ertragen wäre, wenn nicht die Aussicht be= stünde, selbst mit dem Einsatz dieses Lebens dem deutschen Volke das wiederzugeben, was es jetzt nicht mehr hat, darum aber doppelt liebt: die Freiheit!

Wie das Mordkommando Puppe in Elberfeld haust

Saarbrüden, 30. Junt.

Flüchtlinge berichten uns über ihre Erlebnisse im Ruhrs gebiet. Danach ist in den Städten Essen , Bochum , Dortmund die SA. in voller Revolte gegen die SS. Ent waffnete SA.- Leute entwaffneten ihrerseits wieder den Stahlhelm", um in den Besitz von Waffen zu kommen. Ernste Auseinandersetzungen zwischen SA. und SS. scheinen nicht mehr aufzuhalten zu sein.

In Elberfeld , Barmen und den Städten, die dem Rhein zu liegen, läßt die SA ihre Wut an der Arbeiter­schaft aus oder vielmehr ihre Führer befehlen zur Ablenkung Allnächtlich Razzias nach Landesverrätern". werden die Bewohner der Arbeiterviertel aus dem Schlafe aufgeschreckt. Türen werden eingeschlagen oder eingeschossen. ( Man schießt jezt mit Vorliebe die Schlösser aus den Türen.) Die Männer werden als Hoch- und Landesverräter" ver­haftet. Frauen und Kinder werden niedergeschlagen. Die Vorgänge wiederholen sich Nacht für Nacht von abends 11 bis morgens 4 Uhr. Alle Arrest lokale sind überfüllt. Die Po­lizei steht dem Treiben der Nazihorden machtlos gegenüber, obgleich sie die Unsinnigkeit der Verhaftungen einsieht. Bet der Polizei tätige Nationalsozialisten find empört über das Treiben ihrer Parteisreunde. Sie vermögen aber nichts da­gegen zu tun. So wurden in Elberfeld in den letzten Tagen fünf Arbeiter in grauenhafter Weise er= mordet. Es handelt sich um die Arbeiter Werner Dreier, Erwin Greg kamp, Franz K. Gottschalk( Vater von fünf Kindern), Johann Gorsmeier und den Reichs­bannermann R. Kurz, der vom Dache herunter geschossen wurde, wohin er sich vor den SA.- Horden geflüchtet hatte.

In Düsseldorf wurden auf der Rheinbrücke den Ar­beitern Fey und Zimmermann die Schädel eingeschlagen. Die Mörder warfen das eine ihrer Opfer in den Rhein , wohl weil es anscheinend noch nicht ganz tot war. Beide gehörten teiner Partei an.

Das sind bekannt gewordene Namen von Ermordeten. Es gibt aber auch unbekannte Tote". Wer nur halbtotgeschlagen die SA- Kaserne verlassen darf, so meint der Flüchtling( der uns diese Vorfälle erzählt und der selbst von oben bis unten blaugeschlagen ist), der kann von Glück" sagen.

Ein Brief aus dem Erzgebirge

verteidigt deutsche Kultur Schlimmer als Vich...

Folgenden Brief übergibt uns ein Genoffe zur Veröffent

Gegen eine Verbrecherhorde, die sich Partel nenntung:

Während Hitler Friedensreden hält und Viererpakte unterschreibt, betreiben seine Agenten mit Mordanschlägen und Sprengstoffattentaten die Eroberung Desterreichs.

Das ist die erste reife Frucht nationalsozialistischer Außenpolitik: eine bis zum Zerreißen verschärfte Span­nung zwischen den beiden deutschen Staaten und ge­schloffene Parteinahme der Mächte für den anegegriffenen schwächeren Teil. Desterreich ist heute der Liebling der Welt, wie es vor neunzehn Jahren Belgien war.

Wie dieser Konflikt entstand, zu schildern, wäre keine Satire bitter, kein Hohn blutig genug. Er beginnt mit einigen ordinären Lausbübereien der sogenannten Minister" Goebbels und Frank II, begangen auf österreichischem Boden. Er führt, weil sich Wien diese Lausbübereien nicht schafsgeduldig gefallen läßt, zur Ver­hängung der 1000- Mark- Gebühr, das heißt zur tatsäch lichen Grenzsperre gegen Desterreich und zu dem räuber­mäßigen Ueberfall auf den egterritorialen Vertreter Desterreichs, Dr. Wasserbäck, schließlich zu dem Mordanschlag auf Steidle, zu Sprengstoffangriffen auf die Heimwehr und weiteren blutigen Gewalttaten. Die Regierung Do II fuß antwortet auf diese Eröffnung der Feindseligkeiten mit dem Verbot der NSDAP . und seiner bewaffneten Formationen. Dazu schreibt nun das Leib­organ der christlichsozialen Regierung, die Reichspost: " Das Maß war voll. Nun hat alle Nachsicht und alle Schonung ein Ende. Desterreich kann seine Landeskinder nicht von Absolventen einer Verbrecherschule, die sich Partei nennt, heimtüdisch ermorden lassen. Das ist der neue Geist, die Erneuerung der deutschen Nation, der Um- und Aufbruch der deutschen Seele, die restlose Säuberung des deutschen Volkes von allem Fremdartigen, die der Nationalismus in täglichen Prahlereien zu bringen ver­Spricht? Das ist das neue, das bessere Deutsch tum, daß er uns bescheren will? Nun kennen wir die

zur Wehr, und die Sympathien der ganzen Welt fliegen ihr zu.

In Genf schmachvolle Niederlage gegenüber dem jüdischen Angestellten Bernheim aus Oberschlesien , ein paar Tage später blamabler Abmarsch der Len­Delegation aus der Arbeitskonferenz, im Baltikum plög­licher Boykott gegen Lettland und gleich darauf kläglicher Widerruf. Rückzug bei der Verhaftung Wasser bäcks, Rückzug der deutschen Delegation nach Ueber­reichung des Hugenberg- Memorandums auf der inter -. nationalen Wirtschaftskonferenz, welche Regierung vor Hitler hätte sich eine solche Fülle außenpolitischer Nieder­lagen und Blamagen leisten können, ohne mit Schimpf lagen und Blamagen leisten können, ohne mit Schimpf und Schande fortgejagt zu werden?

Es ist sicher wahr, daß dieses ganze Treiben, das den Namen Außenpolitik" nicht mehr verdient, nicht nur un­verschämt, sondern noch mehr als das feige ist. Gänzlich unempfindlich gegen alle Argumente des gesunden Menschenverstandes und der Moral, reagiert es mit der Empfindlichkeit eines Seismographen auf alle Argumente der Gewalt. Es kennt keine Schonung für den Schwächeren, tritt aber mit Bestimmtheit den Rückzug an sowie er sich einem Stärkeren gegenüber sieht.

Diese längst klar erkannte Seeleneigenschaft des Nationalsozialismus bietet dem Ausland eine gewisse Be­ruhigung. Für das deutsche Inland kann sie nur eine Quelle dauernder Beunruhigung sein. Das Ausland hat das Vertrauen zu der gegenwärtigen Reichsregierung, daß sie im Ernstfall entweder klein beigeben oder unter den ungünstigsten Voraussetzungen für Deutschland in einen Krieg hineinschlittern wird. Dieser Gedanke ist für alle Gegner Deutschlands sehr beruhigend. Jst er es für uns auch?

Nationalsozialistische Wirklichkeit, sie ist hemmungslosester seinem Kampfe mit dem Dritten Reich bie beutsche

Fanatismus, das ist nicht mehr Partei, sondern organisierte Verschwörung, organisierter Ueberfall, orga nisierter Heimatsverrat, das ist nicht mehr Politit, weder nationale, noch soziale, sondern systemisiertes Berbrechen. In Oesterreich ist der Nationalsozialismus von heute an bis auf weiteres nicht mehr eine politische, sondern eine kriminelle Angelegen heit."

Desterreich befindet sich heute in einem ähnlichen zu stand wie Deutschland im Juli 1932, als in Ostpreußen und Schlesien die nationalsozialistischen Revolver knall­ten und die nationalsozialistischen Bomben krachten. Jn Deutschland war aber an leitenden Stellen nicht die Er­kenntnis vorhanden, daß man den Staat gegen eine Ver­brechergesellschaft mit allen Mitteln verteidigen muß.

Dieser Berteidigungswille, den man eigentlich bei jedem ehrlichen Menschen als vorhanden annehmen muß, wurde geschwächt einmal durch den Aberglauben, daß diese Ber brechen aus irgend einer nationalen" Gesinnung heraus verübt worden seien und zweitens durch den anderen Aberglauben, man könne eine Verbrechergesellschaft zur Sachlichkeit erziehen, indem man ihr die Regierung in die Hand gebe.

Auch in Desterreich waren zeitweise solche gefährliche Gedankengänge häufig anzutreffen, und die christlichsoziale Partei schien bereit, sich mit den Nazis zu koalieren. Erst die letzten Tage und Wochen haben eine gründliche Er­nüchterung gebracht. Mit dem Anspruch, auf diese Weise die deutsche Kultur gegen das Bandalentum des Nordens zu verteidigen, setzt sich die Wiener Regierung

Herr Dollfuß hat mit Recht gesagt, daß Oesterreich in Kultur verteidigt. In gleicher Weise verteidigen alle Deutschen , die den Kampf gegen die Hitlerbarbarei füh­ren, die deutsche Nation. Die Hitlerbarbarei ist trotz ihrer nationalen Tiraden nichts anderes als der will. trotz ihrer nationalen Tiraden nichts anderes als der will. kommene Bundesgenosse aller Feinde Deutschlands . Der unablässige, unerbittlichste Rampf gegen sie ist daher die national ste Aufgabe, die es heutzutage für einen Deutschen gibt. Wer das zuſieht, wie Deutschland dem

Abgrund zugeführt wird und sich dagegen nicht auflehnt, der begeht wirklichen Landesverrat!

Als Deutsche wünschen wir dem kleinen Deutsch- Dester reich im Verteidigungskampf gegen die braune Flut ieden Erfolg!

Nationalistisch- revolutionärer

Rundfunk" Schwätzer Göbbels

Beim Besuch des Süddeutschen Rundfunks hat Göbbels

folgende Sätze geprägt: Der Rundfunk ist für uns nicht

ein objektives Uebertragungsinstrument, ihm muß eine Tendenz innewohnen. Ich habe ihm feine natio Tendenz innewohnen. Ich habe ihm seine natio nalistisch- revolutionäre Tendenz zurück­gegeben!" In weiteren Ausführungen wandte sich dann Göbbels gegen die antihitlerische Propaganda der außerdeutschen Grenzlandsender, die an und für sich ja nur eine Antwort darstellt auf die unflätigkeit der deutschen Nazi- Sender.

H., d. 26. 6. 33.

Werter Freund Franz! Deinen Brief vom 24. habe ich erhalten... Du hast ja den Umsturz nicht miterlebt, wie es da zuging. So sind wir im Kriege mit unseren Feinden nicht umgesprungen, schlim mer wie Vieh wurden die Genossen zusammen getrieben, auf Lastautos verladen und fort ging es in Schußhaft, wo sie 7, 9, 10 und 13 Wochen fizzen mußten, ehe sie wieder zu ihren Fas milien konnten. Kamen sie dann zu Hause an, waren sie aus der Arbeit entlassen. Heute gehen sie mit uns stempeln. Ich bin nochmal mit blauem Auge davon gekommen, obwohl mein Name auch mit auf der Liste stand. Einem Umstand habe ich es zu verdanken, den kann ich dir aber nicht schreiben. Falls der Brief in unrechte Hände fällt, hätten sie mich doch gleich beim Kanthaken, da könnte ich auf fünf Jahre von meiner Familie Abschied nehmen. Wir sind hier vollständig mundtot gemacht. ebenso wie die, welche in Schutzhaft ge= wesen sind. Bei der Entlassung haben dieselben einen Revers unterschreiben müssen, unter Androhung von acht Jahren Gefängnis, daß es ihnen gut gegangen sei", obwohl sie miß­handelt worden sind nach allen Regeln der Kunst". Einer ist Sonnabends eingeliefert worden, ferngesund, Sonntags war er eine Leiche. Andere sind lebenslang Invaliden durch die unmenschlichen Mißhandlungen. Sämtliche Arbeiterzeitungen und Vereine sind verboten und aufgelöst worden. Der ASB. ( Arbeiter- Samariter- Bund ) ist in Sachsen verboten, die Aus­rüstungen beschlagnahmt, sogar was Privateigentum war. Der Arbetter- Radfahrer- Bund Solidarität" ist ebenfalls verboten und aufgelöst usw. Viel persönliche Heße ist ja auch mit dabei. Aus unserem Orte sind allein über 20 in Schutz­haft; bis heute sind noch nicht alle wieder zu Hause, die bei Nacht und Nebel aus den Betten geholt worden sind. Die wiedergekommen sind, sind alles geworden, bloß keine Nazis. Wenn hier ein Umsturz kommt, dann gibt es eine furchtbare Abrechnung..

Obwohl die oberen Führer fortwährend predigen, wir wollen alle Volksgenossen sein, sind doch immer wieder Ueber­griffe von den unteren Organen zu verzeichnen, und dadurch wird immer mehr böses Blut gemacht. Einer guten Zeit gehen wir nicht entgegen. Arbeit wird es wahrscheinlich dieses Jahr keine mehr geben, und nächstes Jahr nicht gleich. Ich will nun schließen.

Herzliche Grüße Dir und Deiner Familie.

Nazi- Blatt verboten Für acht Tage

M."

Die Regierungskommiffion erläßt folgende Verfügung: Auf Grund des§ 6 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom 18. Juni 1923, betreffend Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit im Saargebiet wird in Ers wägung, daß die Saar- NS3.- Front" vom 26. Juni 1933, Nr. 111, unter der Ueberschrift: Bersailles und das Saars gebiet" einen Artikel enthält, welcher den Tatbestand des§ 3 Abs. 2 Ziffer 1 der Verordnung vom 18. Juni 1923 erfüllt,

folgendes verfügt.

Art. 1. Die Veröffentlichung, der Verkauf und die Vertei lung der Tageszeitung, Saar- NS3.- Front" und jeder ans geblich nenen Drudichrift, die sich fachlich als die alte bars stellt, wird mit sofortiger Wirkung im Saargebiet auf die Dauer von einer Woche verboten.

Art. 2 Der Direktor des Innern wird mit der Durch führung dieser Verfügung beauftragt.

Saarbrüden, 28. Juni 1988.

Das Mitglied der Regierungskommission für die Angelegenheiten des Innern. Gez. G. G. Knog.

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Auch die Merziger Boltszeitung" ist für die Dauer einer Woche verboten.

Exzesse gegen Juden in Landau

In Landau haben in der letzten Woche wieder schwere Ausschreitungen gegen Juden stattgefunden. SS. und SA. besetzten lezte Woche ein Cafe, in dem viele Juden zu vers lehren pflegten. Die anwesenden Juden wurden gezwuns gen, die Hofen herunterzulassen und alle wurden dann eins gehend verprügelt. Ein jüdischer Rechtsanwalt wurde in der gleichen Woche nachts aus seiner Wohnung geholt und so übel zugerichtet, daß an seinem Aufkommen lanae aes zweifelt wurde.