DAS BUNTE BLATT
TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE
Der Entmannungsprozess von Graz
Betrachtungen über einen Freisprud
Nach mehr als dreiwöchiger Dauer ist der Grazer Ste rilisationsprozeß zu Ende gegangen. Das Gericht hat alle achtzehn Angeklagten vom Verbrechen der schweren körperlichen Beschädigung und von der Beihilfe zu diesem Verbrechen freigesprochen. Das ist ein rechtlich unanfechtbares und ein moralisch mutiges Urteil, ein Urteil gegen dunkle Duckmäuserei und ein Urteil gegen das Wegschauen von Tatsachen, die heute unser Leben beherrschen.
Um was ging es in dem Prozeß? Da haben sich junge Proletarier, Verheiratete und Ledige, unfruchtbar machen laffen, um ihren Frauen, ihren Freundinnen, die Schwangerschaft zu ersparen. Angeklagt wurden alle, die die Ope= ration vorgenommen, die ihre Wohnungen zur Verfügung gestellt oder für die Sterilisation geworben hatten. Welches Verbrechen sollten sie begangen haben? Das Verbrechen der schweren körperlichen Beschädigung. Nach österreichischem Strafgesetz ist zum Verbrechen der böse Vorsatz erforderlich, jemandem Schaden zuzufügen. Wie war nun der Vorgang? Die Männer famen, so wie man ins Spital geht, um sich den Blinddarm oder die Mandeln operieren zu lassen, zu den Operateuren und verlangten die Operation. Da mit ihnen Schaden zugefügt werde? Nein, damit ihre Frauen vor Schaden bewahrt werden. Es heißt heucheln und blind sein, wenn man heute nicht erkennen will, daß in dieser Zeit der Not die Geburt eines Kindes in einer Proletarierfamilie als ein Schaden empfunden wird, den die Familie und das Neugeborene mit Hunger und oftmals mit Krankheit zu be= zahlen haben.
Die Operateure handelten also im Einverständnis mit den Operierten. Diesen Tatbestand kannte der Staatsanwalt, als er die Klage erhob, diesen Tatbestand sowie daß sich keiner der Operierten geschädigt fühlte, mußte das Gericht im Verlaufe des Prozesses feststellen. Daß keiner der Operierten von einer Rückoperation, von einer WiederherstelIung ihrer Zeugungsfähigkeit, wissen wollte, kam in der Verhandlung einmal recht drastisch zum Ausdruck. Da hatte die Frau eines Sterilisierten, der aus St. Pölten zur VerhandIung gekommen war, aus den Zeitungsberichten erfahren, daß in der Verhandlung sehr viel von der Rückoperation gesprochen werde. Sie schrieb ihrem Mann einen Brief, in dem es hieß:„ Wenn Du Dich rückoperieren läßt, dann trau Dich nicht mehr nach Hause!" Dieser Sat sagt mehr über die sozialen Verhältnisse, unter denen wir leben, mehr auch über das Maß an einzelmenschlichem Leid, das heute in jeder Proletarierfamilie zu Hause ist, als lange Abhandlungen. In dieser Zeit beispiellosen Massenelends liegt der Kinderfegen" wie ein Fluch über jeder Fa= milie, über jedem Bett, in dem Arbeitslose ihre freudearmen Nächte verbringen. Aber klagt nicht die Proleten an, die keine Kinder mehr zur Welt bringen wollen, klagt den Kapitalismus an, der es so herrlich weit gebracht hat, daß
hunderttausende Kinder heute nur noch für die Arbeitslosig= keit und die Tuberkelbazillen zur Welt kommen!
Und klagt auch nicht über die Proletarierfrauen und Proletariermädchen, wenn sie den Kindersegen fürchten! Tief innen, ihr von der Natur mit auf den Weg gegeben, lebt in der Frau die Sehnsucht nach der Mutterschaft, nach dem Kind. Wer wissen will, was Mutterschaft bedeutet, der muß in diesen Tagen in die Proletarierwohnungen gehen und sehen, wie heldenhaft die Frauen um ihre Kinder kämpfen, wie sie sich alles und jedes versagen, um ihren Kindern das Stückchen Brot herbeizuschaffen, wie sie selbst täglich mehr verfallen und Hunger leiden, um nur ihren Kindern den Hunger zu ersparen und wie die Kinder doch immer schmächtiger und bletcher werden. Deshalb wollen sie keine Kinder mehr, deshalb werden sie verzweifelt und grau, wenn ihre Muttersehnsucht wieder in Erfüllung zu gehen droht. Da schreckt sie nicht die Drohung des§ 144, nicht die Tortur einer öffent lichen Verhandlung, die mit dürren Paragraphenfingern in
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ihr intimites Leben greift. Sie wollen feine Kinder mehr in. die Welt setzen. Etwa darum, weil es mehr Arbeit, mehr Sorgen für sie bedeutet? Ach, Arbeit und Sorgen, das ist ja ihr Leben und sie scheuen sie nicht. Nein, fragt nur einmal eine der Frauen, die nach so einer Verhandlung den Verhandlungssaal verlassen: die meisten haben Kinder, mehrere Kinder, an denen sie mit großer Liebe hängen. Aber noch ein Kind, das man mit seinen Bitten um Brot auf bes= fere Tage vertrösten soll? Nein- dann lieber es nicht zur Welt bringen! Lieber Leid auf sich nehmen auch um des Ungeborenen willen.
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Dieses Leid wollten die Männer, die sich sterilisieren ließen, ihren Frauen und Freundinnen ersparen und das Gericht hat nun ausgesprochen, daß niemand, der dies tut, eine strafbare Handlung begeht. Die juristische Begründung daß der
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Hoffnung
Herz, schon so alt und noch immer nicht flug, hoffft zu von Tage zu Tagen,
was dir der blühende Frühling nicht trng, wird dir der Herbst wohl tragen!
Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch, immer zu schmeicheln, zu kosen.
Knospend entfaltet am Morgen sein Hanch, abends verstrent er die Rosen.
Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch, bis er sich völlig gelichtet,
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch, was ihr geliebt und gedichtet.
Friedrich Rüdert,
Was es alles gibt
Die Frau im Urteil der Chinesen
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Der Chinese ist härter in seinen Aussprüchen als wir, er sagt: Die Zunge der Frau ist ihre Waffe, und die läßt sie niemals rosten. Tausend böse Geister sind besser als ein böses Weib. Eine kluge Frau bekommt stets einen Dummkopf zum Mann. Man muß seine Frau anhören, ihr aber nicht glauben. Das furchtsame Weib hat Mut genug, um üble Nachrede zu führen. Wenn Männer beieinander sind, so hören sie einander. Mädchen und Frauen besehen sich. Die hübschen Frauen sind gewöhnlich sehr unglücklich, die häßlichen sind dagegen kostbare Schäße.- Die Seele der Frau ist aus Quecksilber und das Herz aus Wachs.
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Tatbestand sich nicht in die gesetzlichen Bestimmungen ein Foreffen in der Wüste
Im vorigen Jahre sind durch Flugzeuge 600 Forellen in die Jupiter- Ammon- Oase in Lybien gebracht und in den dortigen Gewässern ausgesetzt worden. Die Fische haben sich außerordentlich gut afklimatisiert, eine fürzliche Untersuchung hat ergeben, daß die Gewässer voll junger Fische sind.
ordnen lasse, ist nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist der soziale Sinn dieses Urteiles. Daß in diesem Gericht feine dreimal verdammten Freidenker saßen, sondern daß sich unter den Schöffen ein„ Silfspolizist", also ein ganz be= sonders bodenständiger Destereicher, befand, zeigt nur, wie man in allen Bevölkerungskreisen über den Kindersegen denkt: um die Menschen wieder zu der Ueberzeugung zu bringen, daß das Leben lebenswert und daß es wert set, fort Verfiängnisvoller Abschiedsgruß gepflanzt und fortgesetzt zu werden, dazu muß man heute schon andere Beweismittel herbeischaffen als Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch- und auch diese, wie sich zeigt, ohne Erfolg.
Jene besseren Beweise aber wird die Welt des Kapitalismus nicht mehr beibringen. Erst wenn sie überwunden ist, wird die Zeugungsfähigkeit des Mannes und die Muttersehnsucht der Frau nicht mehr als ein Uebel empfunden werden, daß man beseitigen muß.
Bei der Stadt Almelo wollte ein holländischer Sportflieger nach dem Aufstieg zu einer Geschäftsreise vor dem Verlassen der Stadt seiner Mutter noch einen Abschiedsgruß aus der Luft zuwinken. Er flog daher in geringer Höhe über deren Haus, wobei das Flugzeug mit einem Signalmast der Eisenbahn zusammenstieß. Der Apparat stürzte ab und fiel unweit des Hauses der Mutter des Piloten in einen Garten nieder. Das Flugzeug wurde zerstört, sein Führer erlitt schwere, aber nicht lebensgefährliche Verlegungen.
Giftangriff gegen die Forleule Tod des Eiffelturms
Einer der gefährlichsten Waldschädlinge ist bekanntlich die Forleule. Wenn man einmal ausrechnen wollte, was sie schon an Waldbestand in Deutschland allein im letzten Jahrzehnt vernichtet hat, käme man auf eine siebenstellige Biffer, die auch dem Laien klarmachen würde, daß der Kampf gegen diesen Schädling eine nationalwirtschaftliche Notwen digkeit ist.
Bis vor wenigen Jahren glaubte man sich gegen das weitere Vorrücken der Forleulenraupen nicht anders retten zu können, als indem man tiefe Gräben im Walde in der Richtung des Raupenvormarsches zog. Man opferte den Baumbestand viele hundert Meter breit, um dem weiteren Vorrücken, das übrigens in einem unheimlich schnellen Tem20-25 Kilometer täglich vor sich geht, Einhalt zu tun. Der Erfolg dieser teuren und umständlichen Methode war meist recht problematisch.
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Oft zeigte es fich, daß die Forenle ganz plötzlich die Richtung des Vorrückens änderte,
worauf diese ganze Abwehrarbeit umsonst war und von neuem begonnen werden konnte, soweit noch Zeit und Möglichkeit dazu war.
In den letzten Jahren ist man mehr und mehr dazu übergegangen, gegen diesen Forstschädling das modernste aller Fortbewegungs- und Kampfmittel einzusetzen: das Flugzeug. Versuche, vom Flugzeug aus auf die gefährdeten Waldpartien Gift auszustreuen, haben überraschenden Erfolg gehabt. Dieses Verfahren ist immer mehr vervollkommnet worden und kommt jetzt in immer größerem Maße zum Einsatz. Man verwandte in den früheren Jahren meist Freßgifte".
arsenhaltige Pulver, die die Raupen töteten, wenn sie vow ihnen in den geringsten Mengen eingenommen wurden. In neuerer Zeit ist man aber dazu übergegangen, sogenannte Kontaktgifte" zur Anwendung zu bringen, also Gifte, die ihre tödliche Wirkung auf die Raupen ausüben, sobald sie den Raupenkörper berühren. Diese Gifte werden von Spezialflugzeugen als Pulver auf die Wälder gestreut. Für Men schen und Tiere, vor allem für Vögel, sind sie unschädlich.
Auf diese Weise sind bisher fast eine Million Hektar deutscher Wald bestreut und damit vor völliger Vernichtung durch den gefährlichen Baumschädling gerettet worden. Welche Riesenmengen giftiger Chemikalien dabei zur Verwendung gekommen sind, kann man daran erkennen, daß auf den Hektar ungefähr fünfzig Kilogramm Kontaktgift zur Bestreuung gelangen.
Die Wirkung auf die Forleule ist verblüffend. Augenzeugen berichten übereinstimmend, wie schon eine halbe Stunde nach dem Giftangriff" die Raupen zu Millionen von den Bäumen auf den Waldboden zu fallen beginnen. Es ist wie ein unaufhörlich klatschender Regen. Die Raupen winden sich auf dem Boden noch in Todeszuckungen, gehen aber sehr bald ein.
Man hat in einigen Fällen einen fast hundertprozentigen Erfolg mit diesem Verfahren erzielt. Aber auch dort, wo der Erfolg nicht ganz so groß war Wind und Regen tun dem Verfahren oft Abbruch ist das gefährdete Waldgebiet immerhin im großen und ganzen gerettet werden.
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sagt...
Eines Tages hatte Bernard Shaw ein Gespräch mit Sir Conan Doyle , dem Erfinder Sherlock Holmes '. Conan Doyle war ein überzeugter Spiritist. Er erzählte dem skeptischen Gesprächspartner von der Berufung eines Klopfgeistes:
" Ich kann Ihnen versichern, der Tisch begann dann wirklich zu rücken."
" Warum nicht?" meinte G. B. S. Der Klügere gibt eben nach."
Ein junger Schauspieler erbat sich von G. B. S. eine
Wie in der französischen Presse mitgeteilt wird, endet der Eiffelturm am 15. Januar 1934. Das heißt, der Turm selbst bleibt stehen, nur die Funkstation hört auf. Infolge der Beschlüsse von Luzern muß nämlich Frankreich eine von seinen beiden langen Wellen, entweder Radio Paris mit 1725 Meter oder den Eiffel mit 1445 aufgeben und hat sich für das Begräbnis der Eiffelwellen entschieden. Zugleich wird der Sender Saint Remy l'Honore stattlich. Die Linkspresse weint dem scheidenden Eiffelriesen keine großen Tränen nach. Populaire" schreibt, Eiffel habe seit geraumer Zeit viele Sympathien verloren. Die gesprochene Zeitung" des Turms sei wohl vor Jahren eine ausgezeichnete Neuerung gewesen, aber verblaßt. Das musikalische Programm habe ebenfalls nicht allen Erwartungen entsprochen. Die künstlerische Leistung von Radio- Paris dagegen wird als ausreichend und sogar bemerkenswert bezeichnet und die Opferung der ältesten französischen Antenne" zugunsten der jüngeren Stations- Schwester, wenn man so sagen darf, wird begrüßt.
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Empfehlung an den Direttor eines Theaters, der Shan Lachen nicht verlernen
sehr verpflichtet war. G. B. S. willfahrte der Bitte des jungen Mannes und schrieb:
„ Lieber X! Ich empfehle Ihnen den Schauspieler N. auf das allerwärmste. Er spielt Hamlet , Shylock , Cäsar, Flöte und Billard. Billard spielt er am besten."
Mark Twain , dem berühmten amerikanischen Humoristen, passierte es eines Tages, daß er wegen einer boshaften Bemerkung von einem polnischen Adligen auf Pistolen gefordert wurde. Er beantwortete die Forderung schrift lich:
" Dear Sir! Ich bedaure lebhaft, Ihren Wünschen nicht entsprechen zu können, und zwar aus zwei Gründen. Erstens könnte ich Sie erschießen, und ich kenne Sie zu wenig, um zu wissen, ob dazu ein unbedingter Anlaß vorliegt. Zweitens aber könnten Sie mich erschießen, und das wäre geradezu ein Unglück. Ich mache Ihnen aber einen Vorschlag zur Güte. Gehen Sie in den nächsten Wald und suchen Sie sich einen Baum von meinem Leibesumfang aus. Zählen Sie dann richtig die Schritte ab und schießen Sie. Treffen Sie den Baum, dann will ich zugeben, daß Sie Grund zum Beleidigtsein gehabt haben, treffen Sie nicht, dann werde ich der Beleidigte sein, aber großmütig auf Ihre Entschuldigung verzichten. Auf diese Weise wird es für jeden von uns eine nette Erinnerung bleiben."
Befofinter Scfimerz
Bei Sprengungsarbeiten in Merced in Kalifornien wurde ein Arbeiter von einem Quarzblock getroffen. Als er aus Wut über seinen Schmerz den Block zertrümmerte, fand er in ihm ein Stück Gold im Werte von 700 Pfund.
„ Ich habe aber auch gar kein Glück bei den Frauen!" „ Sie Glücklicher!"
(„ Daily Mirror.)
„ Bei Neumanns wird auf Gesellschaften der Champagner immer mit umwickelter Serviette gereicht. Ist das besonders vornehm?" „ Hm wie man's nehmen will die Etikette verlangt's wahrscheinlich."
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(„ Tit- Bits".)
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es ist
Tante Sybille aus Mieshagen ist wieder einmal Anfang Februar- bei Feldsteins als mit süßsauren Mienen begrüßter Besuch erschienen. Ja, wie lange sie wohl bleiben wird, das ist jetzt die Frage.
Tante Sybille packt aus und richtet sich im Fremdenzimmer ein. Frau Feldstein schaut dabei zu und hilft auch ein wenig. Jezt kommt sie zu dem Gatten, mit dem sogenannten umflorten Blick.
" O je!" sagt Feldstein.„ Sie will wohl lange bleiben, was?" ,, Gesagt hat sie nichts, aber einen Nagel will sie in die Wand geschlagen haben sie hat sich von zu Hause ihren Abreißkalender mitgebracht." ( Flieg. Blätter".)
Reicher Schwiegervater zu seinem Schwiegersohn, welcher sich ständig über seine Frau beklagt:„ Ja, mein Lieber, du hast recht; das nächstemal, wenn du dich wieder über meine Tochter zu beklagen hast, werde ich sie enterben!"
,, Sind Sie mit Ihrer neuen Sekretärin zufrieden?" ,, Sie ist mir unentbehrlich geworden. Sie hat alles so durcheinandergebracht, daß ohne sie nichts mehr zu finden ist." ( Wesolek".)