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Senifare

Freiheit

Nummer 32 1. Jahrgang

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Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands

Saarbrücken, Donnerstag, den 27. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun

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,, Festen Mut in schweren Leiden,

Hilfe, wo die Unschuld weint, Ewigkeit geschworenen Eiden, Wahrheit gegen Freund u. Feind. Männerstolz vor Königsthronen­Brüder, gält es Blut und Gut Dem Verdienste seine Kronen- Untergang der Lügenbrut."

( Schiller.)

In Hitlers Folterkeller

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126. Tod

Hier berichtet einer für Tausende

Ein 21jähriger junger Sozialdemokrat aus dem Rheinland , ber dieser Tage als Flüchtling das Ausland erreichte und die Spuren seines Erlebnisses deutlich an sich trägt, berichtet uns das folgende fiber seinen Leidensweg in der Hölle des Dritten Reichs:

Das Wohlfahrtsamt meines Heimatortes verweigerte meinem seit Jahren arbeitslosen Vater einen Mietzuschuß, wenn ich nicht ins Arbeitslager ginge. So mußte ich denn, um meinen Angehörigen das Leben zu ermöglichen, ins Arbeitslager des sogenannten Freiwilligen Arbeitsdienstes", das sich in einem Fort befindet, Dort mußten wir in den feuchten und verschimmelten Kasematten auf dem Boden fchlafen. Das Essen war kümmerlich. Außer Erbsen-, Bohnens und Linsensuppen gab es für zwei Tage ein fleines Kommißbrot und für drei Tage ein Viertel Pfund Butter. Im übrigen ging es streng militärisch zu. Der Kasernenhof im Vorkriegsdeutschland soll dagegen ein Kindergarten ges wesen sein. Die Leiter und Aufsichtsbeamten trugen graue Militäruniformen und hatten umgeschnallt.

Man betonte immer, daß wir die Soldaten des neuen Deutschland seien.

Die am meisten verordnete Strafe war die Strafwache". Wenn einer etwas ausgefressen hatte, dann mußte er außer bem Tagesdienst, der von morgens 7 bis abends 8 Uhr bauerte, drei Nächte lang Wache schieben ohne zu schlafen. Mit wem die Führer" gar nicht einverstanden waren, der wurde ins SA- Straflager bei Aachen abgeschoben.

Inzwischen hatte die SA. erfahren, daß ich mich im Lager befinde. Um von mir Angaben über andere Genossen zu bes kommen, holte mich die Geheime Staatspolizei ab.

Die Folterkammer, in die man mich per Auto schleppte, befand sich in einem gut bürgerlichen Hotel, dessen, harmlose Straßenfaffade nicht vermuten ließ, welch viehischen Taten von den entmenschten Banden in den Hinterhanstellern bes gangen wurden. x102 stay

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Zuerst wurde ich von den sogenannten Beamten in einem Sotelzimmer verhört, Um mich zum Reden zu bringen, bot man mir sogar Zigaretten an. Man fragte mich nach dem Berbleib anderer Genossen. Da ich erstens nichts wußte und zweitens niemals meine Kameraden verraten hätte, schlepp

ben zur Fortseßung. Von Zeit zu Zeit hielt man an und fragte mich, ob ich immer noch nicht reden wollte.

Ich blieb stumm. Nach einer halben Stunde verlor ich die Besinnung. Ich merkte nur, wie ich auf die Erde fiel. Als ich wieder zu mir tam, hatte ich das Gefühl, daß der ganze Körper steif und tot war. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Inzwischen brachte man andere Opfer, denen es genau so ers ging wie mir. Ich mußte noch sechsmal aufs Schafott, dann war der Tag und die kommende Nacht vorüber. Es war der erste Sonntag in meinem Leben, an dem mir der Tod lieber gewesen wäre, als nochmals diese Qualen zu erleiden. In einem dumpfen nassen Keller lag ich noch drei Tage halb tot. Danernd hörte ich das Schreien und Stöhnen meiner Leidenss genossen. Ich weiß nicht, wieviele diese Folterkammer übers haupt noch lebendig verlassen haben. Ich muß noch hinzus gefügen:

ten mich die Kerle in den dunklen Folterkeller, der nur durch eine Laterne erleuchtet war. Hier riß man mir die Kleider vom Leibe und warf mich über einen Holzbock, auf dem man mich feftband. Nachdem man mir über den nachten Körper in Simer Maller solchüttet hatte und die großen Hundes peitschen, an deren Enden Bleiflumpen angebracht waren,

dur los.

mouse ausgequollen hatte, ging die Prozes

Sechs Mann schlugen nun wie wahnsinnig auf mich ein, bis mein Rüden eine blutige Masse war. Dann tamen die fechs folgens

Diese entmenschten SA. Bestien waren alle höhere Führer, die an ihrem Brannhemd Sterne und Tressen trugen.

Der SA.- Oberführer Palm, der bei uns als einer der ges meinsten Verbrecher bekannt ist, leitete die Aktion. Der ehes malige Kommunist und heutige braune Beigeordnete Schaller aus Köln war auch im Hause und wurde von mir gesehen. Gaidas mi novi sidod tim Dem glücklichen Zufall, daß mich einer von den anderen Mißhandelten, der wieder herausfam und die Bevölkerung meines Stadtteils alarmierte, verdanke ich, daß man mich nach fünftägigem Martern wieder laufen ließ und mich nicht fertig" machte, wie man mir in Aussicht gestellt hatte. Ich mußte das Versprechen abgeben, daß ich sofort wieder ins Arbeitslager zurückkehre und mich bereithalte für neue Vers nehmungen". Ich benußte die Gelegenheit zur Flucht. Zers schlagen und zermartert, seelisch gebrochen, schleppte ich mich über die Grenze. Das Bewußtsein der Sicherheit meines Lebens war mir allein eine Erlösung. Ich werde es nie vers gessen, was ich als sozialistischer Streiter im Kerker des Dritten Reiches erlebt habe und ich verspreche, daß ich mit den vielen Tausenden, die noch am Leben geblieben find, den braunen Mörderbanditen alles heimzahlen werde, was wir erbulden mußten."

100000 Mann Polizei mobil

Der Ueberfall auf alle Verkehrsmittel- Ein großer Theaterschlag Tausende Verhaftungen- Tatsächliches Ergebnis gleich Null

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Berlin , 26. Juli. ( Eig. Drahtb.) Von beteiligter Seite wird angegeben, daß gestern bei der politischen Nazzia auf alle Eisenbahnzüge und Landstraßen mindestens 100 000 Mann Polizei, Hilfspolizei, Bahnschutz and SA. und SS. beteiligt waren. Alle waren schwer bes waffnet. Auch ein Teil der SA. und SS. war mit

Karabinern ausgerüstet. Das Eindringen in die Eisenbahnzüge erfolgte überfallartig und dauerte etwa von 12 Uhr bis 1 Uhr mittags. Es verursachte zahlreiche Zugs verspätungen. Nach den hier vorliegenden amtlichen Mels dungen, die natürlich nicht veröffentlicht werden, hat das Ers gebnis dem Auswand bei weitem nicht entsprochen. Einige steckbrieflich verfolgte Personen wurden gefunden, aber die Ausbeute an verbotenen Druckschriften und deren Verbreiter, nach denen man fahndete, war sehr gering. Bis zur Stunde ist nur davon die Rede, daß bei vereinzelten Reisenden einzelne verbotene Zeitungsblätter gefunden worden sind. Man hoffte, kommunistische und sozialdemokratische Ruriere mit Briefen und großem Gepäck an verbotenen Flugschriften festnehmen zu

in ihren Familienverhältnissen und in ihren Bekanntens kreisen das Belastungsmaterial zu finden, das noch fehlt. Es besteht der Verdacht, daß die Geheime Staatspolizei selbst illegales" Material herstellen und verbreiten läßt, um durch die Entdeckung dann ihre Tüchtigkeit und Unents behrlichkeit zu beweisen. In dieses Gebiet gehört die Be=

hauptung, in Stuttgart sei anläßlich des Deutschen Turns

festes beabsichtigt worden, marristisches Schriftenmaterial in großem Maße zu verbreiten. Es wurden in Stuttgart zwar hunderte Personen in Schußhaft genommen, aber niemand hat dort auf dem Deutschen Turnfest bisher ein tommus nistisches oder sozialdemokratisches Flugblatt gesehen. Die zweifellos anwachsende marxistische Agitation vollzieht sich viel mehr von Mund zu Mund als durch Flugschriften, ob­wohl Neuer Vorwärts"," Rote Fahne" und auch die Deutsche Freiheit" in einzelnen Exemplaren von Hand zu Hand gehen. Auch die Drohung mit Todesstrafe wird dies ienigen, die jetzt noch aur Werbearbeit entschlossen sind, an ihrer Tätigkeit nicht hindern.

können. Das scheint nicht in einem einzigen Falle gelungen Nächtliche Autokatastrophe

Bu sein. Unter normalen Zeiten würde die Masse der Fests gestellten sofort wieder freigelassen werden müssen, weil nichts gegen fie vorliegt, jetzt aber werden sie als verdächtig" festgehalten und man wird versuchen, durch Herumschnüffeln

Ein Toter, mehrere Verletzte la t

Königsberg, 26. Juli. ( Eig. Meld.) In der Nacht ann Mittwoch fuhr im Kreise Fischhausen ein mit vier Personen

besetzter Kraftwagen in voller Fahrt gegen einen Baum und wurde vollständig zertrümmert. Der Lenker des Wagens, Rittergutsbefizer Freiherr von Gimmich, war auf der Stelle tot. Von den Mitfahrenden erlitt eine junge Dame einen schweren Schädelbruch, zwei Damen wurden leicht verlegt

Auf der Flucht erschossen"

SA.- Justiz im Dritten Reich

Landsberg, 26. Juli, Die Brüder Erich und Gustav Rudolf aus Dühringshof, die den Hitlerjungen Liebsch aus Dechsel ermordet hatten, sind bei einem Fluchtversuch ers schoffen worden.

Der Raubsfaat Rechtsmittel gibt es nicht

Berlin , 26. 7. Der Preußische Minister des Innern gibt. in einem neuen Runderlaß für die Einziehung von Ver­mögensgegenständen staats- oder volksfeindlicher Organt­sationen nähere Anweisungen. Danach sind gegen die Ein­ziehung von Vermögensgegenständen staatsfeindlicher Dr ganisationen zu Gunsten des Landesfiskus die gegen polis zeiliche Verfügungen zulässigen Rechtsmittel nicht gegeben. Die Einziehungsverfügung wird vielmehr mit der 3. stellung oder öffentlichen Bekanntmachung rechts träfita

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