silnen

Frethei

Nummer 120-1. Jahrgang

Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands gige Tageszeitung Deutschlands

Einzige unabhängige

Saarbrücken , Donnerstag, den 9. Nov. 1933 Chefredakteur: M. Braun

Aus dem Inhalt

Göbbels als Zeuge Dimitroff wieder in Front

Seite 2

Dec meineidige Göring

Seite 3

Thyssens Raubzug

Seite 4

Inseratenteil beachten!

Vom 9. November zum..?

Amtliche Kundgebung betreffend Auflösung des, Notrings"

Die Regierungskommission des Saargebietes schreibt an sämtliche Zeitungen des Saargebiets:

Gemäß Artikel 13 der Verordnung vom 20. Mai 1983 zur Aufa rechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit ersuche ich um unentgeltliche Aufnahme ohne Einschaltung oder Weglassung der beigefügten Anlagen. Die Veröffentlichung hat unverzüglich zu er

ersten Seite in der Spalte. Beschluß

In Erwägung, daß

Charakters entbehrt,

1. die NSDAP . öffentlich und den Behörden gegenüber ständig erflärt hat, daß der von ihr gegründete Rotring" nur dem 3wecke der Unterstüßung armer und minderbemittelter Volks­genossen" sowie der Linderung von Armut und Not" diene, dieser Zweck jedoch ausweislich der eingesehenen Unterlagen nicht verfolgt wurde, so daß der Notring" jeden karitatives 2. der genannte Notring" teine den anerkannten Grundsäßen sozialer Fürsorge entsprechende Verwendung der aufkommenden Mittel nachgewiesen hat, 3. dagegen die dem genannten Rotring" zugeflossenen Mit­gliederbeiträge nach Deckung der Verwaltungskosten in ihrer Gesamtheit der Stasse der politischen Partei aus geführt worden sind und erst nach dem Einschreiten der Bee hörde ein Betrag der Ne.- Wohlfahrt überwiesen wurde, 4. unter Mißbrauch der für karitative Zwede gesammelten Mittel und trotz der anfänglich geringen verfügbaren Kassenbestände ein neuer Personenkraftwagen für den persönlichen Gebrauch des Leiters des Notringes" angeschafft worden ist,

5. seit dem Inkrafttreten des Erlasjes des Mitgliedes der Re­gierungskommission für die Angelegenheiten des Innern vom 2. November 1932, durch welchen der Notring" gemäß§§ 5 und 6 der Bundesratsverordnung vom 15. Februar 1917 unter Verwaltung gestellt worden ist, von unbefugter Seite entgegen der Bestimmung des§ 6 der genannten Berordnung Rechts­handlungen für den Rotring" vorgenommen worden sind, Beschließe ich hiermit auf Grund des§ 6 der Bundesratsverord nung vom 15. Februar 1917 und im Einvernehmen mit dem Mitglied der Regierungskommission für die Angelegenheiten des Innern:

das unter dem Namen Notring der nationalsozialistischen Vars tei" bekannte Unternehmen wird aufgelöst.

Saarbrücken , den 7. November 1988.

Der mit der Verwaltung des Notringes" beauftragte Beamte: gez.: Bacher, Finanzkontrolleur.

Berfügung

Auf Grund des§ 8 der Bundesratsverordnung vom 15. Februar 1917 wird der Oberregierungsrat bei der Abteilung des Innern, Herr Kloppenburg um

Verwalter des au fo

gelösten Notringes" der NSDA P. des Saargebietes

ernannt.

Saarbrücken , den 7. November 1938. Das Mitglied der Regierungskommission für die Angelegenheiten des Innern: gez. G. G. Knox.

Aufforderung

Un alle Personen, insbesondere diejenigen, welche in der Ber­waltung des aufgelösten Notringes der NSDAP ." tätig waren, ergeht hiermit die Aufforderung: sämtliche noch in ihrem Besitz befindliche und für den Notring" bestimmt gewesene Geldbeträge in bar, insbesondere eingezogene Mitgliedsbeiträge sowie Schrift­stüde, Aften, Verzeichnisse, Mobiliar, Außenstände, Vermögens­gegenstände überhaupt, auf dem Büro des unterzeichneten Ver­alters( Saarbrücken , Neues Landgericht, Zimmer 108) anzu­melden. Ebendort find sämtliche Forderungen an den früheren " Notring" geltend zu machen.

Es wird darauf hingewiesen, daß mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bestraft wird: wer vorfäßlich der an geordneten, Verwaltung Gegenstände ganz oder teilweise entzieht oder wer Mittel einem anderen als dem bestimmungsgemäßen 3weck oder einem Nichtberechtigten zuführt. Saarbrücken , den 7. November 1933.

Der Verwalter: gez. E. Kloppenburg, Oberregierungsrat.

Wehrhafte Demokratie

Die Demokratie ist keine Schwäche und darf keine Schwäche fein und es ist Pflicht der Demokratie, alles zu tun, um sich im Innern und auch nach Außen wehren zu können. Unser Bolk hat dies während des Krieges begriffen und in dieser Hinsicht seine Pflicht getan. Auch heute müssen wir bereit sein, die Demokratie zu verteidigen. Wir müssen immer wieder dessen eingedenk sein, daß der Kampf um die Freiheit schwer und daß die Arbeit für ihre Aufrechterhaltung immer noch schwerer sein wird.

Benesch, ischechischer Außenminister, am 28. Oktober 1933,

Die Revolution!

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Und ob ihr sie. ein edel Wild, mit euren Henkersknechten fingt; und ob ihr unterm Festungswall standrechten die Gefangene gingt; und ob sie längst der Hügel deckt, auf dessen Grün ums Morgenrot die junge Bäurin Kränze legt doch sag ich euch: sie ist nicht tot! Und ob ihr von der hohen Stirn das wehnde Lockenhaar ihr schort; und ob ihr zu Genossen ihr den Mörder und den Dieb erkort; und ob sie Zuchthauskleider trägt, im Schoß den Napf voll Erbsenbrei; und ob sie Werg und Wolle spinnt doch sag ich kühn euch: sie ist frei! Und ob ihr ins Egil sie jagt, von Lande sie zu Lande hetzt; und ob sie fremde Herde sucht, und stumm sich in die Asche setzt; und ob sie wunde Sohlen taucht in ferner Wasserströme Lauf doch ihre Harfe nimmermehr an Babels Weiden hängt sie auf! Onein sie stellt sie vor sich hin; sie schlägt sie trotzig, euch zum Trozz! fie spottet lachend des Erils, wie sie gespottet des Schafotts! fie singt ein Lied, daß ihr entsetzt von euren Sesseln euch erhebt; daß euch das Herz das feige Herz, das falsche Herz! im Leibe bebt!

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Rein Klagelied! fein Tränenlied! kein Lied um jeden, der schon fiel; noch minder gar ein Lied des Hohns auf das verworfene Zwischenspiel, die Betteloper, die zur Zeit ihr plump noch zu agieren wißt,

wie mottig euer Hermelin, wie faul auch euer Purpur ist!

Onein, was sie den Wassern singt, ist nicht der Schmerz und nicht die Schmach- ist Siegeslied, Triumpheslied, Lied von der Zukunft großem Tag! Der Zukunft, die nicht fern mehr ist! Sie spricht mit dreistem Prophezein: So gut wie Weiland euer Gott: Ich war, ich bin ich werde sein! Ich werde sein, und wiederum voraus den Völkern werd' ich gehn! Auf eurem Nacken, eurem Haupt, auf euren Kronen werd' ich stehn! Befreierin und Rächerin und Richterin, das Schwert entblößt, ausrecken den gewalt'gen Arm werd' ich, daß er die Welt erlöst! Ihr seht mich in den Kerkern bloß, ihr seht mich in der Grube nur, ihr seht mich nur als Jrrende auf des Eriles dornger Flur- ihr Blöden, wohn' ich denn nicht auch, wo eure Macht ein Ende hat: bleibt mir nicht hinter jeder Stirn, in jedem Herzen eine Statt?

In jedem Haupt, das trotzig denkt! das hoch und ungebeugt sich trägt? Ist mein Asyl nicht jede Brust, die menschlich fühlt und menschlich schlägt? Nicht jede Werkstatt, drin es pocht? Nicht jede Hütte, drin es ächzt- bin ich der Menschheit Odem nicht, die rastlos nach Befreiung lechat? Drum werd' ich sein, und wiederum voraus den Völkern werd' ich gehn! Auf eurem Nacken eurem Haupt, auf euren Kronen werd' ich stehn! Es ist der Geschichte ehrnes Muß! es ist kein Rühmen, ist kein Drohn­der Tag wird heiß wie wehst du kühl, o Weidenlaub von Babylon!

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Der Weg zur Freiheit

G. D. Der Tag, an dem vor 15 Jahren die deutsche Republik ausgerufen wurde, ist heute nur noch eine Er­innerung. Die deutsche Republik ist nicht mehr. Sie ist nicht formell abgeschafft, und es lebt noch der alte Mann, nicht formell abgeschafft, und es lebt noch der alte Mann, den man gelegentlich als Reichspräsident", als Präsident der deutschen Republik bezeichnet. Es gibt in Deutsch land keine Monarchie mit einem gekrönten Monarchen und keine Dynastie, zumal Adolf Hitler keine Nach­kommen hat. Die am 9. November 1918 ausgerufene deutsche Republik ist trotzdem nicht mehr. Sie ist zwar nicht durch eine formelle Monarchie, aber durch eine Despotie abgelöst worden, die nicht einmal als aufge: klärter Despotismus" gelten darf und die trotz der ver logenen Farce der Reichstagswahl und des Volks­entscheides dem Bolke alle Rechte restlos geraubt hat. Sollen wir heute versuchen, einen Ueberblick über die lekten 15 Jahre der deutschen Geschichte zu geben? Wir fagen offen: dafür haben wir heute kein seelisches Gleich­gewicht, das gestatten würde, die einzelnen Tatsachen der Entwicklung zu ordnen, die Fäden der Entwicklung sorg fältig zu verfolgen, die Fortschritte und Rückschläge rück­schauend zu registrieren, die Leistungen und die Fehler gerecht zu würdigen. Nein! Heute können und wollen wir keine Geschichte der deutschen Republik, ihres Glückes und ihres Endes schreiben. Der heutige Erinnerungstag soll kein Tag der Erinnerungen, sondern des leidenschaft lichen Erlebens der Gegenwart sein. Aus diesem leiden schaftlichen Erleben soll die Erkenntnis der tieferen Ur sachen der gewaltigen geschichtlichen Katastrophe, der furchtbaren Niederlage der deutschen Demokratie kommen. Ein deutschschweizerischer Schriftsteller hat por kurzem

Aslana

Freiligrath

einen Aufsatz über Deutschland veröffentlicht: Der Name Mensch in Gefahr!" Wer wird es wagen, die Berechtigung dieser Ueberschrift zu bestreiten? Was jetzt in Deutsch­ land geschieht, ist doch nichts anderes, als ein geradezu grandioser Triumph der Unmenschlichkeit. Und hierin liegt die tiefste Tragik des deutschen Schicksals. Die Männer, von denen die deutsche Republik aufgebaut wurde, mögen sie das noch so unvollkommen getan und noch so viele Fehler begangen haben, haben an die Macht der Menschlichkeit geglaubt und sie sind gescheitert. Wird nun das Werk derjenigen gelingen, von denen die Mensch­lichkeit mißachtet und mit den Füßen getreten wird? Jit es wahr, daß die deutsche Republik, wie das so oft be hauptet wird, an ihrer Menschlichkeit, an ihrer Humani wissensfrage für jeden Deutschen . In einem Artikel, der tät zugrunde gegangen ist? Diese Frage ist jetzt die Ge den deutschen Reichsfinanzminister zu einem heuchlerischen Protestbrief an den Herausgeber des Londoner Eco­ nomist " veranlaßt, hat diese in der ganzen Welt hoch angesehene Zeitschrift von der Orgie der Barbarei und der Brutalität" in Deutschland gesprochen. Jetzt sieht die zivilisierte Welt das deutsche Volk wirklich als blonde Bestie" an. Ist das die Wahrheit? Ist das die ganze

Wahrheit?

nicht da, so dürfte man vielleicht die wirtschaftlichen Er­Wäre jene Orgie der Barbarei und der Brutalität" schütterungen der letzten Jahre und die politischen Fehler der republikanischen Parteien als Gründe ansehen, die für die Erklärung der Katastrophe der deutschen Demo­kratie ausreichen. Sie reichen aber sicher nicht aus, um den gegenwärtigen Rückfall Deutschlands in die Barbarei zu erklären. Vieles scheint doch an der Kritik des deutschen Volkscharakters, die der Ausdruck blonde Bejiie" enthält, wahr zu sein. Zeichnet nicht auch den