Die vereinsamten Frontisten"

Keine faschistischen Neigungen in Unmittelbar nach der Auslieferung der deutschen Repu­blik an die Nazis war die Situation für den Faschismus auch in der Schweiz günstig. Bei der allgemeinen Rat­losigkeit der Bourgeoisie gegenüber der Wirtschaftskrise schien es, als hätten die Faschisten in Deutschland mit einem Schlage eine Patentlösung für die soziale Frage gefunden. Durch die Vernichtung der margistischen Organisationen" war die proletarische Klasse wehrlos ge macht worden. Die Macht der Großkapitalisten und der Junker schien unbestritten. Siegestrunken schickte sich die arische Herrenschicht", um Hitlers Wort zu gebrauchen, an, die Befreiung" der Deutschen in Europa in die Wege zu leiten: in Dänemark , in Holland , in Belgien , in Frankreich , in der Schweiz , in Desterreich, in der Tschecho­flowakei, in Ungarn , auf dem Balkan , in Polen und in den Gebiete arisch gereinigt" und dann in das große ger menische Weltreich heimgeführt werden.

Sieben Desterreich wurde zunächst die Schweiz von den deutscher Faschisten systematisch bearbeitet. Hier bildeten fie verschiedene nationale Fronten, die nach preußisch deutschen Anweisungen anfingen vorzugehen. Giftiges Sci. nterreißen, Beschimpfen und Berleumden, verlogene und verschwommene Phrasen, Propagierung einer mittel alterlichen Idolatrie und allerlei altertümlich betonte Mäßchen und Fegereien waren die bewährten Methoden". Die bürgerlichen historischen" Parteien fühlten sich von bem maulgewaltigen faschistischen großen Bruder mächtig angezogen. Zugleich fürchteten sie, von ihm erdrückt zu werden. So kam es zu Verbrüderungen zwischen bürger lichen Parteien und faschistischen Fronten und zu reaktio­nären Borstößen der großkapitalistischen Kreise gegen Liberalismus, Demokratie Sozialismus. faschistische Bewegung sollte affimiliert und die bürger­liche Gesellschaft überzeugt werden, daß ihre führenden Männer ohnehin mit den Margisten fertig werden könnten.

und

Die

Den machtlüsternen Reaktionären wurde das Rezept aber gründlich verdorben. Von den Marxisten, von den wahnsinnigen Uebersteigerungen der faschistischen Macht haber im britten Reich" und von den eigenen ökonomi­schen und politischen Unzulänglichkeiten.

Die Sozialdemokratie beschränkte sich nicht nur auf die Abwehr, sie ging durch eine positive Politik auf der ganzen Linie zum Angriff über. Für die Lösung der Tagesnöte hatte die Sozialdemokratie zweckentsprechende praktische Vorschläge. Nicht nur für die Arbeiter, Ange tellten und Beamten, sondern auch für die Kleinbürger und Bauern. Darüber hinaus bewies fie die Notwendig keit der sozialistischen Ueberwindungen der kapitalistischen Grundübel. Für die sozialistischen Grundsäge und Forde­rungen ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen in weitesten Bolksschichten mehr Verständnis vorhanden, als allgemein angenommen wird.

Die Reaktion erhielt schwere Schläge und geriet in Berwirrungen und 3erwürfnisse. Die Sozialdemokratie befindet sich auf dem Vormarsch. Das rote Zürich wurde nach einem heftigen Wahlkampf glänzend behauptet. Bei

den Staatsratswahlen in Genf errang bie Sozialbemo kratie, zum ersten Male in der schweizerischen Geschichte, in einem Kanton die Regierungsmehrheit. In Basel , in Luzern , in Neuenburg, überall, wo Wahlschlachten zu Schlagen waren, konnten sozialdemokratische Erfolge fest grftellt werden.

Der praktische Anschauungsunterricht, den die Faschisten im dritten Reich" aller Welt erteilen, hat auf die Bürger

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der Schweiz

und Bauern ernüchternd gewirkt. Seit Jahrhunderten ist Generation um Generation herangewachsen, gewöhnt, in allen kommunalen Angelegenheiten mitzuraten, mitzu taten und mitverantwortlich zu sein. Sie wollen nicht rechtlos werden, wie ihre Klaffengenossen draußen", sondern sie wollen mehr zur Geltung kommen, wollen, daß sie mehr und nicht weniger Einfluß und Ent­scheidungsrecht auf die Politik im Staat und in den Ge­

memben erhalten, weil sie sich benachteiligt fühlen und ihre Nöte zum großen Teil auf diesen Umstand zurück­führen. Die Warenhäuser und die industriellen Groß­betriebe sind im dritten Reich" nicht verschwunden. Die Schulden und Zinsen bei den Bürgern und Bauein ind geblieben. Wo man hinschaut, ist die wirtschaftliche Lage schlechter, statt besser geworden. Dazu kommen die faschistische Gottlosenbewegung, die Kämpfe gegen die faschistische Gottlosenbewegung, die Kämpfe gegen die Kirchen und innerhalb der kirchlichen Gemeinschaften. Das preußische" Gebaren der schweizerischen Frontisten erweckt alles andere, nur keine Sympathien für eine Be­wegung, die ohnehin, wie wiederholt aufgezeigt worden i, unter Leitung von landfremden, von deutschen faschisti­schen Interessenten steht.

Groß ist die Empörung über die unverschämte Rebe des Reichsbankpräsidenten Schacht am 10. Dezember in Basel , in der er meinte, daß das dritte Reich" nicht imstande sei, auch nur die Hälfte seiner Schuldenzinsen an das Ausland weiterhin zu zahlen. An die Schweiz richtete Schacht die Drohung, daß sie vorhandene Bestrebungen, zu einem Clearing mit Deutschland zu kommen, nicht durchbringen lassen dürfe, weil das dritte Reich" sonst Gegenmaßregeln herbeiführen müßte, die die ganzen finanziellen und kommerziellen deutsch - schweizerischen Beziehungen für lange Zeit aufs schwerste beeinträchtigen würden". Deutschland hat von der Schweiz rund 2700 Mil­lionen Schweizerfranken geborgt. Es handelt sich um An­leihen, die dem Reich, den Ländern, den Gemeinden und der Wirtschaft von schweizerischen Banken und Kapi­talisten gegeben worden sind. Die Schachtsche Rede wurde als Broschüre gleichzeitig in Basel und in Berlin der Preffe übergeben, was auf ein organisiertes Manöver schließen läßt, um die Schweiz auch politisch unter Druck zu setzen und ber hart bedrängten Frontenbewegung durch eine Entlastungsoffensive zu helfen. Diese Absicht ist aus folgender Stelle in der Schachtschen Rede deutlich zu er kennen: Die sich ständig verschlechternde wirtschaftliche Lage und die wenig freundliche Stimmung gegen den deutschen Nationalismus, ge­schürt durch die deutschen Emigranten, wurden zum Anlaß, daß man in Deutschland vorstellig ge­worden ist, um die volle Transferierung der Zinsen zu erreichen.

Jm Nationalrat interpellierte die Sozialdemokratie den Bundesrat über seinen Standpunkt zu den Schacht schen Aeußerungen. Der Bundespräsident schob die Jrr­tümer und alle Mißverständnisse" in den Schachtschen Darlegungen beiseite und wies die Unterstellung, daß deutsche Emigranten auf die Politik des Bundesrats gegenüber Deutschland Einfluß ausgeübt hätten, ent­schieden zurück. der

bes Eidgenössischen Bolkswirtschaftsdepartements, in einer Versammlung der Züricher Volkswirtschaftlichen Gesellschaft mit großer Eindringlichkeit nach dem dritten Reich" hinüber die Bedeutung des Rechts unterstrichen und außerordentlich stark betont, daß abgeschlossene Ber­träge in erster Linie dazu da sind, um gehalten zu werden, und erst in zweiter Linie, um abgeändert, erst in dritter Linie, um gebrochen zu werden".

Allgemein wird darauf hingewiesen, daß das britte Reich" Millionen um Millionen übrig habe für Auf­rüstung, Auslandspropaganda und allerlei Sinekuren für seine Bonzen und man fragt erstaunt, wo die Nazis das moralische Recht hernehmen, ihre Gläubiger um ihr Geld bringen zu wollen. Moral und Recht? Treu und Glauben? Wie sollten die dort Geltung haben, wo Lug und Trug und Willkür zu Hause sind.

Bisher konnten die Nazis mit ihren frontistischen Trabanten in der Schweiz keine Eroberungen machen. und es ist bemerkenswert, daß im schweizerischen Rund­funk seit einiger Zeit öfter aufklärende Vorträge über das Wesen der Demokratie, des Parlamentarismus usw. gehalten werden. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß es in der Schweiz reaktionäre Bestrebungen nicht mehr gibt. Die großkapitalistischen Parteien suchen ihren reaktionären Rurs auch ohne faschistische Hilfe zu halten. Der Sozialdemokratie stehen weitere schwere Kämpfe be­vor. Bir dürfen hoffen, daß sie mit jeder Form von Reaktion auch fernerhin fertig werden wird.

Faulhaber für Moses

Der Ruhm des Alten Testaments

Walter Sturm.

Wir haben die gegen das in Deutschland regierende anti­semitische Seidentum gerichteten ersten beiden Advents predigten des Sardinals& aulhaber ausführlich ge­würdigt. Nun liegt auch die dritte Predigt vor. Sie schließt:

" Die soziale Ordnuna des vorchriftlichen Judentums hatte einen religiösen Unterbau. Die Gefeße der Rechts- und Wirtschaftsordnung waren Sabungen des Herrn". Menschenrechte werden auf die Dauer nur dort anerkannt, wo die Rechte Gottes geachtet werden.

Das Evangelium hat die Gesetze des vorchristlichen Juden­

tums erfüllt und in höhere Formen des Geiftes und der Wahrheit übersetzt. Das Alte Testament gestattete, den hat dem Begriff der Treue einen tieferen Sinn und eine Frauen der ersten Wahl den Scheidebrief zu geben. Christus höhere Weihe gegeben und die Ausstellung des Scheide­briefes verboten. Es wäre ein Rückfall in das altjüdische Eherecht, heute noch einer rechtmäßig angetrauten Frau den Scheidebrief zu geben.

Wir rufen die mosaische Lebens- und Rechtsordnung nicht zurück. Wir müssen aber anerkennen, die Heiligen Schriften des Alten Testamentes haben für die soziale Ordnung aller Zeiten auch wertbeständige Bausteine geliefert. Wir können von diesen sozialen Werten, wie von den religiösen und sittlichen Werten nur sagen: Volt Jfrael, das ist nicht als deine Pflanzung in deinem Garten gewachsen. Dieses Wehe über den mucherischen Großgrundbesitz, dieser Kampf gegen die Ueberschuldung der Landwirtschaft, dieses Verbot, Zins zu nehmen, ist nicht Geist von deinem Geiste." Wir glauben an die Inspiration, und fordern deshalb, daß die Heiligen Bücher des Alten Testamentes anfammen mit dem Evange linm dem Kulturleben und den Schulen des deutschen Volkes erhalten bleiben."

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deben auricue bache fagte het Bundespräsident ,, Unerwünschter Zuzug" eindeutig: Sie können darauf zählen, daß wir die Rechte der Schweiz und ihre Finanz- und Wirtschaftsinteressen mit aller Entschiedenheit wahrnehmen werden und bei aller Versöhnlichkeit hinsichtlich der Form keine Lösung akzeptieren werden, die ungünstiger ist als die gegenwärtig in Kraft stehende." Borher hatte Minister Dr. W. Stucki, Direktor der Handelsabteilung

Stuttgart , 22. Dez. Unter Hinweis auf den großen Zuzug auswärtiger Familien und Einzelpersonen, die öffentliche Unterstüßung in Anspruch nehmen, richtet die Stutt garter Stadtverwaltung an alle Hausbesitzer und

Fünfzehnjähriger Muttermörder

Und sein Vater

In Budapest wurde ein 15jähriger Junge wegen Muttermord verurteilt. Sein Vater ist einer der Haupt­hführer der nationalistischen Jugend. Ueber Vater und Sohn wird der Wiener Arbeiter- Zeitung" aus Budapest geschrieben:

Der fünfzehnjährige Muttermörder Dionys 8 emplen ist zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, Ger rüchte wollen wissen, daß der unglückliche Junge von seinem Vater, dem Hochschulprofessor Geza Zemplen zum Morde an­geftiftet worden sein soll. Die juristischen Beweise für diese Behauptung eines Zeugen werden faum aufzubringen sein, aber in dieser Anklage läßt sich die unterdrückte Stimme eines ganzen Volfes hören. Seine Hochwohlgeboren", der mächtige, gefürchtete, politisch einflußreiche Profeffor der Chemie an der technischen Hochschule zu Budapest , Geza Semplen, war in einem andern, sozialen und moralischen, Sinn zweifellos der Anstifter, als der fünfzehnjährige Dio­ys in einer verwahrlosten Vorstadtvilla seine leibliche Mut­ter mit einer Hacke erschlug, dann zur zweiten Frau des Baters ging und ihr verstört mitteilte: Ich habe das Aas erfchlagen, das Hirn ist aus dem Schädel gefallen wie ein Haufen Zigarettenasche..."

Ten, der geistige Anführer dieser Mörderjugend, auch heute noch ein mächtiger Mann ist.

Die ungarischen Zeitungen fonnten sich bei der Besprech ung des Falles an der Aufbietung des ganzen Arsenals moderner Seelenforschung nicht genugtun. Da wurde ge­zeigt, wie im Pubertätsalter Mordphantasien" gegen die ( frern entiteben fönnen und wie diese Phantasien durch die Lebensweise der offenbar geistesschwachen Mutter, bei der der junge Dionys lebte, genährt wurden. Kein Wort aber durfte darüber fallen, daß der angebetete große Vater der Anführer eines Mörderbataillons und der Anstifter der gräßlichsten Folterungen und Verbrechen war, daß die Mo ral des Baters, des Vorbildes, den Mord aus höheren" Rücksichten rechtfertigte, ia geradezu gebot, und daß vielleicht zwischen der Existenz des Mördervorbildes und der Tatsache, daß sich hier eine jugendliche Mordphantafie" bis zum wirt­lichen Mord verdichten konnte, ein Zusammenhang besteht. In den Zeitungen war zuerst tagelang nur die Ermordete schuld. Bom Vater, dem mächtigen Erwachenden, führer",

war in diesen Speichelleckereien nur in den Ausdrücken tief­ster Devotion die Rede. Profeffor Zemplen, der seinen jun­gen Sohn verstieß, vernachlässigte, einer Jrrsinnigen aus­lieferte, war nach den Berichten, jeder Zoll ein Ritter, ein anbetungswürdiger Held. Aber das Publikum, das an der Sache begreiflicherweise leidenschaftliches Interesse nahm, rebellierte. Es ist wahrhaft bemerkenswert, wie der ganze verhaltene Groll der Oeffentlichkeit gegen alle diese Ver­brecher, diese Verderber der Jugend und des Landes in dem Falle des Profeffors 3emplen zum Ausbruch fam: ein Leidenschaften. Sind doch ießt Tage gekommen, ba bie ei ſter jener Zeit, als Profeffor 3emplen als Reftor der Tech nischen Hochschule das Mörderbataillon befehligte, wieder umgeben: sämtliche Hochschulen, in erster Reihe die Technik, widerhallen von den Schreien geprügelter Juden Die Zeitungen mußten umschwenken und nun wurde, behutsam zwar und ohne die heldische Bergangenheit des Profeffors zu berühren, auch seine merkwürdige Rolle im Leben des jungen Muttermörders behandelt. Als aber dann während der Verhandlung ber ganze Schmub dieſer Heldenfamilie an die Deffentlichkeit fam, die nächtlichen Hurengelage des Herrn Brofefford, von denen er som Diener stockbefoffen nach Hause geschleppt werden mußte, die Tatsache, daß im trauten Familienkreis von der Mutter der Kinder nicht an ders als vom Aas" aefprochen wurde- als so ber Herr Professor in seiner ganzen Größe, in seiner unglaublichen

Aus der Verhandlung ist bekannt geworden, daß Dionys feine Mutter haßte, während er den Vater, den großen Profeffor, anbetete. Der bochmögende Professor Geza Zemp­bitan Mbaptt, bem, nachaueifern, deffen männlichstarker. len war aber nicht nur für seinen verstoßenen Sohn Vor­patriotisch- fraftvoller Persönlichkeit würdig zu werden, höchscheinbar unpolitischer Prozeß wurde zum Anstoß politischer ites littliches Gebot schien. Er war der große Führer" für eine ange Generation erwachender Jugend in Budapest . Bevor er diesen grauenhaften Mord durch sein Vorbild, burch das Helbenideal feiner Persönlichkeit veranlaßte, hatte er viele, viele andre Morde angeftiftet und war sicher auch in vielen Fällen von vatriotischen Entgleisungen" selbst als mörget dabei. Profeffor 3emplen war nämlich einer der Fauptorganisatoren fenes Techniferbataillons", das in den Fahren des äraften weißen Terrors in Ungarn wütete. Sume, aus dem frica surückaekehrte Leute wurden an der Technischen Hochschule zu Offiziersfompanien zusammen gefaßt, fie bekamen vom Staat Offiziersfold und wurden dafür au Morden an Juden und Arbeitern verwendet. Die­Sea Tecniferbataillon war auch die Garde Gömbös , als er bei Butanra mit( rmachenden die Truppen Karl Habsburgs verjagte; es ist also verständlich, daß Professor Geza Zemp­

Vermieter die Aufforderung, feine Wohnungen und Zimmer sonen zu vermieten,

an arbeits- oder mittellose, von auswärts zugezogene Per­

Brutalität und Roheit vor den Richter trat, da brach der Skandal los. Die Regierung verordnete den Ausschluß der Deffentlichkeit, um ihren verdienstvollen Er­wachendenprofessor zu retten. Es war zu spät. Professor Bemplen, das Führer" ideal der Erwachenden Jugend, ist gefallen: er hat um seine Pensionierung einreichen müssen. Ein Sohn ist Offiziersaspirant an der Ludovikaakademie, eine Tochter Nonne wahrscheinlich hat der Skandal die Karriere der ganzen Familie weggefegt. Es fann feiner Offizier der ungarischen Armee werden, von deffen Mutter sämtliche Beitungen der Welt berichteten, daß sie mit jüdischen Arbeitern Verhältnisse gehabt hat.

Damit aber hat die ganze herrschende Klasse einen empfind­lichen Schlag bekommen; das ganze schmusige, zynische In­nere diefer Raste liegt vor der Deffentlichkeit bloß.

Wer ist schuld daran? Natürlich der gute, alte Richter Dr. Nemeth, der Vorsitzende und Einzelrichter beim Jugend­gericht. Er wird penfioniert und das ganze Jugendgericht wird umorganisiert". Man hat nämlich dieses Jugendgericht ganz vergessen gehabt; eine vorfintflutliche Einrichtung, die noch nach humanitär- liberalistischen Grundsäßen der Vor­friegszeit funktioniert! Der Jugendrichter hatte, nach sei­ner gewohnten Praris, nur das Kind, das vor ihm saß, vor Augen, er fümmerte sich nicht um das Interesse der Gesell­ichaft", um die Geheimnisse der Erwachenden, die dabei zum Vorschein kamen. Der Justizminister erschien persönlich im Gerichtssaal, um den Ausschluß der Oeffentlichkeit durchzu setzen. Das genügte nicht, das Ganze muß weg!

Ein alter ungarischer Dichter, der aur Zeit der französi schen Revolution lebte, fang: Ihr Mächtigen der Erde, um euer Schicksal zu schauen, richtet eure Blicke nach Paris !- und wurde dafür auf der Festung Kufstein eingesperrt. Die vom Faschismus bedrohten Völker sollten ihre Blicke nach Budapest richten, um ihr Schicksal zu schauen. Was das faschi­fierte Leben nach einem Dußend Jahren für Früchte trägt, fann man im fleinen nur in ganz winzigem Maßstab im

Vergleich zu Deutschland dort studieren. Die unglaubliche Verrohung des Lebens und der Verhältnisse, die Unter­mürfigkeit unter die Bestien, die grinsende Storruption, die brutale, ſchon taum mehr wahrgenommene Klaffenunter drückung und die finstere Unwissenheit, die sich überall spreist. Vor einiger Zeit ging durch alle Beitungen die grauenvolle Nachricht, daß vier ungarische Aerzte, Dot­toren der Medizin, eine blühend ſchöne junge Frau bei einem verbotenen Einariff buchstäblich zerfleischten: fie riffen und schnitten blind an den Eingeweiden, bis die Frau tot war. Das sind die Aerzte, die ihre Jugend an den Universi täten mit Jubenprügeln und Arbeitermorden verbracht haben und dann auf die Gesellschaft losaelaffen werden. Die Nation zählt was zählt schon ein Menschenleben?, so pre­diate auch Professor Zemplen feinen Jüngern, unter denen sich sein eigener Sohn befand,

Ihr Völker, um euer Schicksal im Faschismus zu schauen, richtet eure Blicke nach Budapest !