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Deutsche Zukunft:: Kulturpolitische Beilage zur Deutschen Freiheit:: Blick über Zeitfragen und Bücher storbaspbislp spoznable
Die fortschrittlich gesinnte Presse der Welt bezeichnet den gegenwärtig in Deutschland herrschenden Antisemitismus allgemein als einen Rückfall" ins Mittelalter. So unzutreffend diese Formulierung als Werturteil auch ist, so muß man sich nichtsdestoweniger darüber im klaren sein, daß der heutige deutsche Antisemitismus soziologisch auf durchaus anderen Grundlagen basiert, als es im Mittelalter der Fall Es handelt sich nicht bloß um ein„ Wiederaufleben" einer Strömung der Vergangenheit, sondern unzweifelhaft um ein in der Hauptsache neues Phänomen.
war.
In Kürze nur sei darauf hingewiesen, daß der Jude im Mittelalter von jeder Teilnahme am Leben des Staates, der Zünfte und anderer Korporationen vollkommen ausgeschlossen war, weil alle diese Gemeinschaften mit den Lehren der christlichen Theologie untrennbar verbunden waren und somit als rein weltliche, religiös ,, neutrale" oder gar indifferente Institutionen gar nicht gedacht werden konnten. Und wenn der Jude im Mittelalter periodischen Verfolgungen ausgesetzt war, so deshalb, weil er, von andern Betätigungen ferngehalten, inmitten einer noch vorwiegend naturalwirtschaftlich- feudalen Gesellschaft als Pionier der Geldwirtschaft, somit als Vorläufer einer neuen, sich unaufhaltsam durchsetzenden Wirtschaftsgestaltung wirken mußte.
Der neuzeitliche Staat hat sich unter den Leitsatz der religiösen Toleranz gestellt, und die Geldwirtschaft ist allgemein anerkannte Form der ökonomischen Beziehungen geworden. Die Ideologie des modernen Antisemitismus ist ja dementsprechend auch nicht so sehr vom Motiv der religiösen Zugehörigkeit, als vielmehr in erster Linie vom Begriff der Rasse beherrscht. Die heutige judenfeindliche Bewegung in Deutschland muß daher im wesentlichen von anderen Beweggründen getragen sein, als früher.
Die agitatorischen Anfänge des modernen deutschen Antisemitismus gehen bekanntlich auf die 1870er Jahre zurück. Der Propaganda des Hofpredigers Stoecker wurde jedoch allgemeine Ablehnung zuteil, was insbesondere in der Haltung des Reichskanzlers Bismarck deutlichsten Ausdruck fand. Im Jahre 1880 stellte sich der Kolonialtheoretiker Bern hard Förster an die Spitze der antisemitischen Bewegung in Berlin und gründete den;, Deutschen Volksverein".( Bekanntlich hat Nietzsche gegen die Ehe seiner Schwester Elisabeth mit Förster heftigen Einspruch erhoben, mit der ausdiücklichen Motivierung, daß diese Verbindung auch ihn in den peinlichsten Verdacht bringe, dem Antisemitismus irgendwie nahezustehen.) 1893 wurden achtzehn Antisemiten in den Reichstag gewählt, doch sank ihre Zahl bei den folgenden Wahlen unaufhaltsam. Selbst das mit unbestreit barem Talent geschriebene, 1899 publizierte Werk von Housten Stewart Chamberlain: Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" vermochte, trog lebhafter Verherrlichung des arischen Geistes" der abflauenden antisemitischen Bewegung keine neuen Impulse mehr einzuflößen.
Und wenn nun in der Gegenwart( ich gebrauche eine von Theodor Mommsen geprägte Metapher) die Cholera- Epide mie" des Antisemitismus innert so kurzer Zeit zu einer Massenbewegung von unerhörtem Umfang angewachsen ist, so müssen dieser Erscheinung tiefe Wandlungen des deut schen Volksbewußtseins vorausgegangen sein, die nicht anders als durch soziologische Betrachtungsweise erfaßt werden können.
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war das Nationalgefühl der Deutschen verhältnismäßig noch schwach entwickelt. Der klägliche Verlauf der März- Revolution von 1848 hatte weder eine Vereinigung der Kleinstaaten, noch eine Demokratisierung des politischen Lebens erreicht und hinterließ daher in der Seele des deutschen Volkes ein eher niederdrückendes, als erhebendes Gefühl. Die Entfaltung eines Die Entfaltung eines nationalen Selbstbewußtseins wurde durch die ökonomische Rückständigkeit gegenüber England und Frankreich ebenfalls empfindlich gehemmt.
Nach 1850 allerdings sette in Deutschland der Aufbau vorher akkumulierten Goldvorräte wurde die Organisation einer hochkapitalistischen Volkswirtschaft in Angriff genommen. Der Aufschwung der Industrie, speziell der Montan- und Textilindustrie, unter gleichzeitigem Ausbau des deutschen Eisenbahnnetzes, brachte es mit sich, daß die Grenzen der deutschen Kleinstaaten bald als Hindernisse der weltwirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung empfunden wurden. Es entstand das Bedürfnis nach Ueberwindung der Binnenzölle, nach ,, Gleichschaltung" des Rechtes, der Maße und Münzen, kurz nach Verwandlung Deutschlands in ein einheitliches Wirtschaftsgebiet, in einen einheitlichen Lebens
einer modernen Industrie sehr lebhaft ein. Mit Hilfe der
raum.
Diesem Bedürfnis erst entsprang die neuzeitliche Prägung des deutschen Nationalismus. Die siegreichen Kriege gegen Oesterreich ( 1866) und gegen Frankreich ( 1870-71) führten denn auch zur Aufrichtung eines deutschen Kaiserreiches, und aus diesem Ereignis schöpfte das deutsche Volk ein erhebendes Selbstgefühl, wie es ihm zuvor seit Jahrhunderten nicht mehr vergönnt gewesen war. Der gewaltige Ausbau der industriellen Produktionsmittel Deutschlands ( die von Frankreich bezahlten fünf Milliarden Goldfranken fanden ja auch Verwendung dabei) hatte im weiteren Verlaufe der Entwicklung das Auftreten des deut. schen Exportes auf dem Weltmarkte zur Folge. Made in Germany" ergoß sich über den Erdball. Die früher so demitigende Rückständigkeit gegenüber andern Großmächten war ein für allemal überwunden. Der Konkurrenzkampf um auswärtigen Warenabsatz und um auswärtige Kapitalanlagemöglichkeiten wurde mit umso größerer Zuversicht auf genommen, als manche Zweige der deutschen Technik eine unbestreitbare Ueberlegenheit gegenüber dem Ausland erreicht hatten. In dieser Zeit ging der deutsche Nationalismus in einen ausgesprochenen Imperialismus über. Gerade der Umstand, daß das deutsche Volk seine Ansprüche auf Beteiligung an der Weltwirtschaft später geltend machte, als andere Nationen, zu einer Zeit, da die Welt sozusagen schon aufgeteilt zu sein schien. hatte zur Folge, daß das Auftreten Deutschlands als„, Störung" eines schon vorhandenen Gleichgewichts" wirken mußte. Das Deutsche Reich ließ sich daher, um seinen Forderungen besonderen Nachdruck zu verleihen, zur See und zu Lande auf einen gewaltigen Ristungswettlauf ein urden Nationalismus Imperialis. eather Merk
Von Valentin Gitermann ( Zürich ) malen der deutschen Mentalität. Zusammenwirkend, erzeug ten diese Momente ein übersteigertes Selbstbewußtsein, das mit Verachtung anderer Nationen sich paarte.
Ernst Glaeser hat in seinem Roman ,, Jahrgang 1902" dem größenwahnsinnig gewordenen Bürgertum" Deutsch lands einige gewiß nicht ganz aus der Luft gegriffene Be. merkungen gewidmet: In den einflußreichen Kreisen von dem Niveau des Dr. Brosius wurde französisch mit degenedem Niveau des Dr. Brosius wurde französisch mit degeneriert, syphilitisch und pervers gleichgesetzt"( S. 27). In den Familien, Gesellschaften, Versammlungen, in den Straßen, Zeitungen, Eisenbahncoupés, in den Reden des Parlaments überall tönte es dem Major entgegen: unsere Armee, unsere Industrie, unsere Wissenschaft, unsere Kunst, unsere Frauen, unser Charakter, unsere Kinder, unser Gemüt, alles was wir haben, ist das Beste auf der Welt!"
Die isolierte Situation des Weltkrieges vollends steigerte das aus den Leistungen der Technik, der Wissenschaft und der Kriegskunst hervorgegangene deutsche Selbstgefühl zu wahrhaften Paroxysmen. Werner Sombart , den man gewiß wahrhaften Paroxysmen. Werner Sombart , den man gewiß als repräsentativen Deutschen bezeichnen kann, schrieb in seinem Buche Händler und Helden" u. a. was folgt:
,, Die Idee der Menschheit, also die Humanitätsidee in ihrem tiefsten Sinn. kann nicht anders verstanden werden als dahin: daß sie in einzelnen Edelvölkern zu ihrer höchsten und reinsten Auswirkung gelangt. Das sind dann jeweils die Vertreter des Gottesgedanken auf Erden: das sind die auserwählten Völker. Das waren die Griechen, das waren die Juden. Und das auserwählte Volk dieser Jahrhunderte ist das deutsche Volk... Wir müssen als tief unter uns stehend erkennen, was nach westeuropäischen Ideen ausschaut, was mit Kommerzialismus auch nur entfernt ver wandt ist. So sollen auch wir Deutsche in unserer Zeit durch die Welt gehen, stolz, erhobenen Hauptes, in dem sicheren Gefühl, das Gottesvolk zu sein. So wie der deutsche Vogel, der Aar , hoch über allem Getier dieser Erde schwebt, so soll der Deutsche sich erhaben fühlen über alles Gevölk, das ihn umgibt und das er unter sich in grenzenloser Tiefe erblickt."
Man wende nicht ein, daß es sich um eine Aeußerung einer längst überwundenen Kriegsstimmung handle, denn diese Stimmung ist wieder da. Sie ist aus vorübergehend zugedeckten Schichten des deutschen Seelenlebens wieder aufgestiegen, und die Worte Sombarts könnten( abgesehen natürlich von der Bezeichnung der Juden als eines einst ,, auserwählten Volkes") heute oder gestern geschrieben worden sein. Dabei Volkes") heute oder gestern geschrieben worden sein. Dabei ist Sombart nur einer von Hunderten, die in diesem Zusammenhang zitiert zu werden verdienten. vad sill
Es unterliegt absolut keinem Zweifel, daß das deutsche Volk im Zeitalter des Imperialismus und während des WeltVolk im Zeitalter des Imperialismus und während des Weltkrieges von einem„ Hochgefühl durchdrungen worden ist, dessen Intensität mehr als ausreichend war, die frühere nationale ,, Bescheidenheit" zu kompensieren.
Nun geriet dieses in der wilhelminischen Aera förmlich gezüchtete imperialistische Selbstbewußtsein 1918 und in den folgenden Jahren in eine unausweichliche seelische Krise. Der Zusammenbruch der deutschen Armee, des deutschen
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emütigende Friedenadil Kaiserreiches, das demütigende Friedensdiktat, der klägliche Verlauf der republikanisch- demokratischen Revolution", die Aushöhlung des Volkswohlstandes in der Inflation, der Ruin der Wirtschaft durch die ökonomische Weltkrise, all dies zusammengenommen bildete für die an stolze, selbstbewußte Haltung gewohnte Psyche des Deutschen eine geradezu unerträgliche Belastung, und angesichts dieses Druckes war die Flucht in eine Psychose unvermeidlich. Vernichtet war ja, woraus man zuvor die Berechtigung abgeleitet hatte, alles Gevölk" dieser Erde unter sich in grenzenloser Tiefe zu erblicken". Die Seele des Deutschen brauchte, um sich vor jähem Absturz in der eigenen Wertschätzung zu retten, eine neue Rechtfertigung ihres ,, Hochgefühls" eine neue ,, Distan sierung nach unten", und sie fand, was sie suchte, in der Rassentheorie. Am Idealbild des ,, nordischen Menschen" konnte sich die imperialistische Megalomanie notdürftig festhalten, nachdem auch der letzte Funke sachlicher Besinnung im Rausch der Selbstverherrlichung erstickt worden war. Auf diese Weise konnte das Bewußtsein, ein ,, Edelvolk" zu sein, mit etwas veränderter Begründung beibehalten werden. Der verloren gegangene Stolz auf die ,, Leistung" wurde ersetzt durch den Stolz auf ein angeblich hochqualifiziertes ,, biologisches Erbgut".
Der deutsche Jude ist heute das Opfer dieser komplex. haften Konstruktion: ihm fiel die Aufgabe zu, die dunkle Folie zu bilden, von der sich der hellblonde Arier" umso strahlender abheben sollte. Die Erniedrigung des Juden diente als letztes, verzweifeltes Mittel für die Selbsterhöhung des Deutschen .
Das ist die eine, die wichtigste massenpsychologische Wur zel des gegenwärtigen deutschen Antisemitismus. Eine zweite steht mit dem Bedürfnis politischer Gleichschaltung in eng stem Zusammenhang.
Der Nationalsozialismus ging in der Hauptsache von der Stimmung des verarmten deutschen Mittelstandes aus. Diese existenzlos gewordene Bevölkerungsschicht sträubte sich da gegen, mit dem wirklichen Proletariat identifiziert zu wer den, und lehnte daher die marxistische Kritik der heutigen Wirtschaftsverhältnisse ab. Andererseits mußte aber dieser durch Inflation und Wirtschaftskrise ruinierte Mittelstand seiner Unzufriedenheit mit den aktuellen ökonomischen Zuständen doch Ausdruck geben. Und hier bot der Antisemitismus ein ausreichendes Ventil für seelische Spannungen: er erlaubte, gewisse Energien des Klassen gegensatzes in Kanäle des Rassen hasses abzuleiten. Gegen den ,, jüdischen" und den„ ,, verjudeten" Kapitalismus rief_man_zum Kampfe auf, und für eine antikapitalistische" Einstellung in diesem Sinne ließ sich( nebst einer Quote des Proletariates) bald auch ein beträchtlicher Teil des nationalgesinnten ruinierten Mittelstandes gewinnen. Damit aber waren nationaler Antimarxismus" und judenfeindlich gefärbter Antikapitalismus"( soweit man einen solchen z Beginn der Hitler- Revolution noch nötig hatte) auf gemeinsamen Nenner gebracht. So wurde die Zwitter- Ideologie des ,, National- Sozialismus" geschaffen; der Antisemitismus bil. dete dabei den gleichschaltenden Bindestrich.s
Der Führerbazillus
In der Politik, in der Kultur und in der Wirtschaft sieht man Führer und Diktatoren, Meister" und Heilige", wohin man immer blickt. Es scheint, als ob eine große Epidemie über die Völker gekommen ist, daß die Massen das Vertrauen in ihre eigene Denkfähigkeit vollkommen verloren haben und daß sie nur noch von einem Wunder die Hilfe aus tiefester Krisennot erhoffen. In Ita lien
fing es an, in Hitler- Deutschland treibt diese Entwicklung immer sonderbarere Blüten, so daß man von einer der größten Grotesken der Weltgeschichte sprechen müßte, wenn die Angelegenheit nicht für 65 Millionen Menschen so unsagbar traurig wäre.
Manches deutet darauf hin, daß die Welt müde am Denken geworden ist. Das Denken war niemals eine Angelegenheit der großen Massen, aber man hat doch ein gewisses Vertrauen in diejenigen, von denen man wußte, daß sie sich nicht durch Gefühle, wie Nationalsozialismus , Religion und ähnliche Dinge treiben lassen, sondern die man für nüchtern und sachlich genug hielt, um von ihnen Handlungen zu erwarten, die nur vernünftiger Erwägung entsprangen. Man würde einen großen Fehler begehen, wenn man auch heute noch behaupten wolle, daß dieses rationelle Handeln der auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete maßgebenden Persönlichkeiten keine großen Schlappen erlitten habe. Aber diese oft- keineswegs immer- negativen Ergebnisse ihrer Arbeit sind keineswegs auf die Fehler ihrer Arbeitsmethoden zurückzuführen, sondern vielmehr auf gewisse Strukturfehler der politischen und wirtschaftlichen Systeme unserer Zeit, die genau so verbesserungsbedürftig ist, wie andere frühere Zeiten es auch waren. Materielle Not und Verzweiflung, mit gefährlicher Geschicklichkeit ausgebeutete Herdeninstinkte haben diejenigen, die diese Probleme in vernünftiger und sachlicher Arbeit mit sicherer Erfahrung und positiven Kenntnissen lösen konnten, ihre Werkzeuge aus der Hand geschlagen.
Die Erfolge der Pferdekuren, die man heute an einem Volke nach dem andern ausprobiert, sind in der Tat erschreckend, um nicht zu sagen phantastisch. Immer kleiner wird die Anzahl der Völker und der Menschen, die sich der Wirkung dieser, dem Denkunfähigen so überaus einleuchtenden Parolen noch zu entziehen vermögen. Man empfindet den Parolen noch zu entziehen vermögen. Man empfindet eine wahre Freude an dem Spiel mit großen Worten und an der Abschiebung aller Verantwortung an den oder jenen„ Führer", dessen Kenntnisse man nicht nachzuprüfen braucht, weil es ja auf Kenntnisse nicht ankommt, wenn man nur von seinem guten Willen, seiner Ueberzeugungstreue, seinem Opfermut und ähnlichen schönen Dingen überzeugt ist. In den erkorenen Führern selbst gehen unausbleiblich große Verwandlungen vor, soweit es sich
Von Jan Severin
nicht von vornherein um ausgesprochene Scharlatane gehandelt hat. Während man bei ihnen, zumeist wenigstens, bis zu einem Zeitpunkt, an dem ihnen Millionen zu folgen be. gannen, eine gewisse Demut und eine Kenntnis der eigenen Grenzen ihrer Fähigkeit feststellen konnte, stürmt jetzt die Massensuggestion über sie hinweg. Sie glauben tatsächlich, daß man nicht nur ein bescheidenes Haus, sondern ganz gewaltige Gebäude ohne Fundamente aufbauen kann und selbst ohne daß es notwendig sei, auch nur die einfachsten Regeln der Baukunst zu beherrschen.
Muß man noch im einzelnen darlegen, daß diese Luftschlösser und Kartenhäuser zusammenbrechen werden, weil man den ungeheuer komplizierten wirtschaftlichen und sozialen Aufbau unserer modernen Welt nicht mehr dadurch vereinfachen kann, daß man von den zahllosen feinen Verknüpfungen und Verästelungen, die hier bestehen, einfach keine Kenntnis nimmt? Muß man hinzufügen, daß es nichts nützen wird, wenn man aus der Weltwirtschaft Nationalwirtschaft herausschneidet, um später die Schnittstellen mit dem Blute kommender Kriege unkenntlich zu machen? Das Erwachen der Völker aus ihren religiösnationalistischen und mystischen Wahnvorstellungen, aus ihrem Glauben und ihrem fast rührenden Vertrauen zu
Führern" und anderen Wunderheilkundigen wird entseglich sein. Aber es ist schwer, bei alledem an Rache oder gar nur an Rache zu denken. Für diejenigen, die sich den Glauben an die menschliche Vernunft in allem Phrasenwirrwarr unserer Tage nicht rauben lassen, wird alles darauf ankommen, daran mitzuhelfen, daß die schwärenden Krankheitsherde des Führerbazillus so weit als irgend möglich beschränkt werden, damit die Epidemie nicht weiter um sich greift. Es gibt innerlich gesunde und widerstandsfähige Völker, von denen man überzeugt sein darf, daß sie sich gegen das Eindringen des Führerbazillus bis zum letzten zur Wehr setzen werden. Ihre gesunden Instinkte immer wieder aufzurufen, ihre Widerstandskräfte zu stählen ist nicht nur Aufgabe eines echten und richtig verstandenen Nationalismus, sondern es ist eine Menschheitsaufgabe von entscheidender Bedeutung.
Die Zeit, wo diejenigen, die an Verstand und Fortschritt glauben, von der Abwehr zum Angriff gegen den gefährlichen Bazillus übergehen werden, wird kommen, wenn der mystische Wahn. der in gewissen Völkern wachgerufen und immer aufs neue geschürt worden ist, den Zusammenbruch auslöst. Auch wenn es nicht schnell und nicht schmerzlos
abgehen wird, sollte man heute schon sicher sein, daß die Menschheit einst auf die Epoche des Führerirrsinne zurück
blicken wird, als auf eine der grausigsten und einglosesten Perioden ihrer Geschichte.