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Holabung als 10602 TONI

Freiheit

Nummer 992. Jahrgang

Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands

Saarbrücken, Sonntag Montag, 29. 30. April Chefredakteur: M. Braun

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Aus dem Inhalt

Schacht soll zahlen

Seite: 2

Suvichs Mission gescheitert

Seite 2

Das Braunbuch 2 ( Auszug über Dimitroff )

Seite 4

Gerhard Segers Kampf

Seite 2

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Die Morde von Duisburg

Tote als Ankläger gegen Adolf Hitler

( Sopade.) Die amtliche Mitteilung über die Auffindung der Leichen von vier Duisburger Gewerkschaftsangestellten ( siehe Deutsi Freiheit" Nr. 96) bringt die restlose Aufklärung über einer der scheußlichsten Ver­brechen, das im Frühjahr 1933 von Nationalsozialisten an Funktirnären der sozial chen Arbeiterbewegung verübt worden ist. Die Ermordeten sind der Angestellte des Metall­arbeiterverbandes Schlösser, der Bezirksleiter des Ver­bandes der Jinnenschiffer Birk, der Angestellte des Ver­fehrsbundes und Vorsitzende des Duisburger Reichsbanners Rodenstock und der ehrenamtliche Funktionär des Zen­tralverbandes der Angestellten, Schmal hans.

In der amtlichen Meldung wird behauptet, daß noch nicht festgestellt werden konnte, wie diese Leute zu Tode ge­kommen sind". Das ist eine glatte üge. Bereits am 11. November 1933 hat die Deutsche Freiheit" einen genauen Bericht über die Ermordung veröffentlicht, in dem geschildert wird, wie am 2. Mai 1933 in Duisburg wie im ganzen Reich gegen 10 Uhr vormittags alle Gewerkschafts­büros von schwerbewaffneter SA. und SS. besetzt wurden. Die in den Büros anweser den Gewerkschaftssekretäre wurden verhaftet und in das Büro des Deutschen Metall: arbeiterverbandes in der Ruhrortstraße gebracht. Dort wurden die Verhafteten mit Reitpeitschen und Stahlruten bestiulisch mißhandelt.

Einige der Mißhandelten belasteten die noch nicht ver hafteten Gewerkschaftsführer in der sicheren Hoffnung, daß es den noch auf freiem Fuß befindlichen gelingen würde, zu entfliehen. Darau,' n fuhren sofort einige Nazifolonnen zu den Angehörigen der h in Freiheit befindlichen Funk­tionäre und verhafteten sie als Geiseln. Einige der noch nicht. verhafteten Gewerksc aftsführer trafen sich in einem kleinen Lokal und erfuhren dort von der Festnahme ihrer An­gehörigen. Sie beschlossen darauf, sich freiwillig zu stellen, aber nicht den Nazis, sondern der Polizei. Der Nazi­Polizeipräsident lieferte aber die Führer den Nazis aus, und sie wurden zur Verr mung in das Metallarbeiterhaus ' n der bror ape gebracht. Schon auf dem Wege dorthin wurde der Angeftelte des Metallarbeiterverbandes Schlösser in der fürchterlichsten Weise mißhandelt. Dann schlepp man den Bewukosen in den Heizungs­feller des Metallarbeiterhauses. Dort lagen schon die fürchterlich zerschlagenen Körper des Bezirksleiters der Binnenschiffer Birt, des Angestellten des Verkehrsbundes Rodenstock und des jungen Funktionärs des Zentral: verbandes anwesend war, als die Besetzung durch die SA. erfolgte und den man vieh sch mißhandelte, als er es wagte, den Angestellten des ZdA. zu Hilfe zu kommen.

Am Nachmittag des gleichen Tages mußten die übrigen Gewerkschaftsführer, mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen drapiert, mi erhobenen Händen durch die Straßen Duisburgs marschieren, und mit Reitpeitschen, Stahlruten und Gummiknüppeln wurden sie gezwungen, die Inter­nationale zu fingen. Ueber diesen Aufzug berichtete am nächsten Tag die gleichgeschaltete Presse, und sie teilte gleich­zeitig mit, daß die Gewerkschaftsführer Schlösser, Birf, Rodenstock und Schmalhans einem Spezialverhör durch den Führer der NEBO, Multhaupt, unter­zogen worden seien. Die Angehörigen erhielten nie wieder eine Nachricht, und die Polizei meigerte sich, Nach­forschungen anzustellen. Zwei Wochen später meldete die Zeitung der NSBO., die damals noch von Multhaupt redi­giert wurde, daß die verschwundenen Gewerkschaftsführer sich ihrer Verhaftung durch die Flucht entzogen hätten. In Wahrheit waren ihre Leichen bei Nacht und Nebel ver­scharrt worden.

Die rantwortlichen thaber in Deutschland kennen seit langem die Törder von Duisburg , abei ihre einzige Vergeltu tgsmaßnahme bestand darin, daß sie den Anführer der Mörderbande, den Leiter der NSBO., Multhaupt, nicht mehr in den Reichstag vom 12. November schickten. Man ver­steht daher die Warnung der Polizei, an die Leichenfunde feine i eige binationen zu knüpfen und so die Bevölkerung zu beunruhigen". Von einer beispiellosen Niedrig it der Gesinnung zeugt es ferner, wenn die amt­lichen deutschen Stellen in voller Kenntnis des wahren Sach­verhalts die Meldung über den Leichenfund mit der Be­merkung versehen, daß man noch Ermittlungen anstelle, ob die Mordtat nicht mit einer Veruntreuung von Gewerk­schaftsgeldern zusammenhänge"

Das ist die Moral des dritten Reiches": die Mörder laufen frei herum und die Ermordeten bezichtigt man ein Jahr nach ihrem schrecklichen Tod noch der Unterschlagung.

So wurden sic totgefoltert Die Mörder sind in Amt und Würden

Aus dem Reiche wird uns über die Duisburger Schand taten der Parteigenossen des Reichskanzlers noch geschrieben: Am Vormittag des 2. Mai besetzten SA. und SS. auch in Duisburg das Gewerkschaftshaus, das Parteisekretariat und die Volksstimme". Alle Angestellten wurden im Gewerf­schaftshaus in ein Zimmer gesperrt und dann einzeln zu einem Verhör" in den Keller gebracht. Nach dieser ersten Folter kamen die Genossen auf die Gänge, wo sie mit er­hobenen Armen und aus vielen Wunden blutend stundenlang mit dem Gesicht zur Wand stehen mußten. Darunter alte Sozialdemokraten von 60 Jahren, die ein Lebensalter in der Arbeiterbewegung ihr Bestes für das Volk an Rhein und Ruhr geleistet hatten. Sie alle wurden entießlich geschlagen...

Ihre braunen Peiniger waren durchschnittlich jünger als die Kinder der Gefolterten und konnten zum Teil Enfel sein.

Die Vertreter der freien Gewerkschaften in Duisburg , die mit ihrer ganzen Autorität und ihrem unbestechlichen Charafter für die Einheit der deutschen Republik in der Separatistenzeit und für den passiven Widerstand gegen den westlichen Imperialismus bei der Ruhrbesetzung gekämpft hatten. wurden von der nationalistischen Bestie mit eisen­beschlagenen Stiefelabsäßen ins Gesicht getreten.

Die Folter wurde gesteigert. Jahrelang ange­peitschte Bestialität feierte an ihren Opfern sadistische Orgien. Sorgfältig richteten die jungen braunen Henter am frühen Nachmittage ihre Gefangenen für einen Fest" zug durch die Hauptstraßen der Stadt her. Die Anordnungen gab ein SA.­Führer, der im bürgerlichen Beruf akademisch gebildeter Er steht mit brennenden Syndikus der Industrie war. Lettern im Buch unserer Sühne. Einige Genoffen mit einer Glaze bekamen drei Pfeile von heißem Teer auf den Kopf, an die Wangen Hakenkreuze. Anderen wurden Hakenkreuze ins Haar geschnitten, teil­weise das Haar ausgerissen. Allen waren Gesicht und Glieder zerschlagen, das Blut lief aus Mund und Nase. In diesem Zustande traten die 22 Mann, jeder links und rechts von einem SS.- Mann flankiert, dahinter drei SS­Leute, jeder Henfer mit Revolver und langem Gummi­fnüppel in der Hand, den Marterzug durch die Stadt an.

Ein alter Sozialdemokrat mußte voran ein an einer Stange gebundenes Bündel geraubter Fahnen tragen. 3mei Genossen befamen ein Transparent: Wir sind die Landes­verräter". Eine SA.- Kapelle stellte sich vor den Zug und spielte zu dieser Wanderung nach Golgatha der deutschen Arbeiterbewegung Das Wandern ist des Müllers Lust". Nach einiger Zeit setzte die Musik ab.

Nun wurden die Sozialdemokraten, dauernd die Hände über dem Kopf, im Dauerlauf und bei dauerndem Schlagen mit dem Gummifnüppel durch die Straßen gejagt. Dazu mußten die Gefangenen ihr heiligstes Lied, die Internatio nale, fingen. Immer wieder, zwanzigmal und mehr den Refrain: Völker - die Internationale erfämpft das hört die Signale Menschenrecht." Wer nicht laut genug sang, bekam den Gummifnüppel ins Gesicht, wer zu laut sang auch.

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Aber die Sozialdemokraten sangen, sie hielten die Schläge aus, sie schrien den Tausenden, die die Straße füllten, ihre sozialistische Parole Menschenrecht ins Gewissen. Da standen Arbeiter, Männer, Frauen und Kinder mit brennendem Schmerz und heißen Tränen, da standen die christlichen Arbeiter stumm und voll banger Ahnung wie vor einem entsetzlichen Traum­bild. Das Furchtbare auf einer deutschen Straße aber war Tatsache, bei hellem Sonnenschein am Spätnachmittag. Auch Bürgerliche waven erstarrt vor Entseßen.

Nur wenige waren nationalsozialistisch genug, um diesem Schreckenszug zuzujubeln. Darunter Weiber der besten" Klaffe. Auch sie werden nicht vergessen.

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Gestern und heute

Am 19. April sprach Göbbels vor den Führerräten des Reichverbandes der deutschen Presse. Herr Göbbels redet viel, aber man muß ihm zugestehen, daß diese Rede vor den SS.- Journalisten Qualitäten besaß. Es war eine Kapuziner­predigt, gallig und giftig, voller Bosheit gegen seine früheren Kollegen, die noch im Sitzen die Hände an die Hosennaht legten.

Lebhafte Zustimmung und Heiterkeit verzeichnet der Be­richt nach folgenden Sätzen: Wenn beispielsweise ein führen­der Nationalsozialist im Sportpalast eine Rede hält, so bin ich davon überzeugt, daß ich so viel Intelligenz besäße, eine solche Versammlung hundertmal zu beschreiben und immer anders, genau so, wie wenn ich Fotograf, wäre, ich die In­telligenz hätte, die Versammlung in hundert verschiedenen Variationen zu fotografieren. Ich würde mich nicht das vor das Podium ist zwar bequem, aber es ist langweilig hinstellen und immer wieder den Redner knipsen."

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Wir sind, wir gestehen es, in ernstlicher Sorge. Denn wir fürchten. daß diese Bemerkung des Herrn Göbbels die deutsche Presse vor jenen Bildern entblößen könnte, die wir immer wieder mit Andacht und Ausdauer betrachten, Das ging in jüngster Zeit schon soweit, daß wir den Text­geschwulsten furchtsam auswichen, gebannt von Führer­bildern. Guten Tag, lieber Herr Gauleiter! Gestern waren Sie bei der Parade. Heute sehen wir Sie wieder bei einer Hochzeit. Und Sie, lieber Chefredakteur! Wir freuen uns, zum 85. Male im Laufe von drei Monaten, Ihre Bekanntschaft zu machen. Eben empfingen Sie noch den Herrn Minister, jetzt sitzen Sie schon wieder bei der Schreibtischschlacht.

Aber nun hat die fotografische Linse einen Fehler. Die Sprache und die Schrift kann man zerkauen und zermanschen; diese kleine technische Apparatur aber ist unerbittlich. Herr Gauleiter, wie sitzt Ihre Uniform heute schlecht über Ihrem Bauch! Was machen Sie für ein dummes Gesicht, während die Hitlerfahnen an Ihnen vorübergehen! Was ist das für eine Speckfalte unter Ihrem Kinn! Kurz, die Kamera kann tückisch und grausam sein, und gerade dann, wenn sie eine Fassade zu fotographieren hat, ist sie imstande, die Wirklich­keit schauerlich zu entblößen.

Wir sind, auch dieses Geständnis sei gewagt, seit langem Liebhaber der ,, Fränkischen Tageszeitung", des Blattes, das unter Streichers Sternen leuchtet. Nie aber war eine Nummer so interessant wie die vom 26. April. In Nürnberg wurde wieder einmal eine Galabeerdigung veranstaltet, zu der auch Hitler erschienen war. Von diesem Ereignis wurden 24 Bil­der aufgenommen. Siebzehnmal sahen wir den Franken­führer. Peripherisch sind seine Führerqualitäten nicht ohne weiteres sichtbar. Klein und feist, mit einem kahlleuchtenden Rundkopf und schiefen Kalmückenaugen. Wer auf eine ger. manische Lichtgestalt geraten hat, erlebt statt eines Siegfrieds einen Egel.

Vierundzwangzigmal erblicken wir den Führer. Er ist düster, versonnen, andächtig, ergriffen, aber auch heiter und kordial. Dies lettere insbesondere zu seinem alten Freunde Julius Streicher . Wie herzlich drückt er ihm die Hand, zwei Augenpaare blicken sich in aufrichtigem Einvernehmen an. Sie sind Freunde und Kameraden geblieben und bleiben es, für und für, komme, was kommen mag. Ich, oberster Osaf, sorgen für den Ethos, Held und Heiliger; Du, mein lieber Julius, darfst Deine kleinen Privatprogrome arrangieren und, meinetwegen, auch von den Franzosen sagen, daß sie ein Bastardvolk von Negern und Juden seien. Ich mache das schon wieder gut mit der nächsten Verständigungsrede. Treue um Treue!

Eine Bitte ergeht also aus unserer landesverräterischen Feder an Herrn Göbbels, in der Hoffnung, Erhörung zu fin­den. Er lasse uns diese Bilder in der nationalsozialistischen Presse. Er falle der Leika nicht in den Auslöser. Es gibt für uns keine bessere Kunde von dem, was täglich von der braunen Macht sichtbar ist als diese Bilder. Auf all den unzähligen Uniformen sigen Köpfe, und deren Anblick Argus.

möchten wir nicht missen.

Dieser Prügelbauermarsch mit der Inter­nationale dauerte zwei volle Stunden. Einer fiel in Ohnmacht. Der Zug hielt furz, der alte Mann bekam Ohr feigen und mußte halb bewußtlos am Arm seiner braunen jungen Erzieher" mitrennen. Endlich am Polizeipräsidium, bisher hatte die Polizei den Zug mit Karabinern begleitet, tag, den 1. Mai 1934, unser Blatt nicht erscheinen.

Fortsetzung fiebe 2. Seite

Infolge des sozialistischen Maitages wird Diens­