.Deutsche Freiheit", Nummer 100

Das bunte Vlatt

DienKtag-Mittwoch, 1./2. Mai 1984

Mein 1. Mai Von Peter Vitter In unsere Zelle fiel kein Licht. Denn die Läden deS einzigen auf den Gang des Sigurancagebäudes mündenden Fensters blieben immer geschlössen. Und die im Gebäude zu tun hatten, brauchten nicht zu sehen, wer die Staatsverbrecher waren, die diese Zelle bevölkerten. In der Finsternis auf den Pritschen liegend, waren da: ein Bulgare, verhaftet wegen unbefugten Grenzübertrittes, ein Serbe, ein Deutscher und noch ein Landstreicher. Der Serbe, der schützend auf seinem Freßsack lag, hatte keinen Patz. Der Deutsche und ich, die"'enfalls ohne Bewilligung nach Rumänien ge'immen waren, hatten den Weg, der dem Bul - garen und dem Serbin bevorstand, schon fast zurückgelegt. Nach der Verhaftung hatten wir zusammen erst, einmal vier- zehn Tage bei der Siguranca Quartier erhalten. Dann kamen wir ins Kriegsgericht. Und da uns die Siguranca unbedingt für russische Emissäre hielt, konnten wir tm Kriegsgericht nach unserer Einlieferung gleich eine Krankenzelle beziehen. Der Sergeant Krischan machte uns mit Aspirin und Rizinusöl gesund, so datz wir nach drei Monaten schließlich verhand­lungsfähig waren./ Das hohe Kriegsgericht bedauerte, uns nicht die unfrei- willige Ärteitserlaubnis für das Kupferbergwerk bei Brassow»j geben zu können und verurteilte uns blotz zu je drei Monaten Gefängnis. Wegen unbefugten Grenzüber- trittes. Von der Spionage, bolschewistischen Umsturz- versuchen und Hochverrat wurden wir freigesprochen und die Kosten des Versahrens der Staatskasse auferlegt. Was in Anbetracht der mageren Gefänguiskost nicht viel ausmachte. Nun waren wir wieder bei der Siguranca und sollten von Agenten über die nahe ungarische Grenze gebracht werden. Dem Serben und Bulgaren erzählten wir aus Langeweile unsere Odyssee, wobei wir über die einzelnen Details aus- sührlich berichteten. Es ist daher begreiflich, datz der Serbe seinen kostbaren Frehsack, in dem er Weißbrot und Speck auf- bewahrte, mit seinem rundlichen Körper schützte. Seit der Entlassung aus dem Kriegsgericht vor drei Tagen hatten wir nur alle vierundzwanzig Stunden einmal einen Klumpen Maisbrot erhalten. Des Serben Freßsack schien uns also, milde gesagt, begehrenswert. Freiwillig gab der aber nichts her. Wir werden ihn einfach enteignen," sagte der Deutsche. Ter Bulgare war auch dafür. Der Serbe, ein Großbauern- söhn, war seine in Rumänien lebenden Verwandten ohne Paß besuchen gekommen. Er würde also von seinen Leuten während der langen Hast bestimmt unterstützt werden. Schon waren wir daran, dem unter dem ahnungslosen Serben liegenden Weißbrot und Speck zu einem gewaltsamen Besitz- Wechsel zu verhelfen(der Serbe hatte ja unsere deutsch ge- führte Unterhaltung nicht verstanden), da ging die Tür auf und der Herr Diensthabende ließ seine Stimmbänder ar- beiten: Ihr räudigen Hunde und Söhne von Schweinen, steht auf, wenn ich mit euch spreche!" Er drehte am Schalter, der sich am Gang befand und wir zwinkerten ihn, ungewohnt deS Lichtes, ehrerbietig an. Hinter seiner, den Türrahmen füllen» den Person stand ein kleines, unscheinbares Mädchen. Hier." er wies nach hinten,ist eine Damc. Sie ist vier- zehn Jahre alt und kommt geradenwegs aus einem Bordell in Gala'.'. Die Sittenpolizei ist der Ansicht, daß sie noch etwas zu jung ist sür das Geschäft. Die Dame wird nach Haus schubiert das heißt zuerst, ins Krankenhaus. Weh euch, wenn ihr sie anrührt. Alle Knochen breche ich euch ihr Stinktiere." Dann wandte er sich an dieDame" und zeigte in die Zelle:To Gnädigste." Er kniff sie dorthin, wo bei einem erwachsenen Weibe die Brüste sich befinden, rollte einen langatmigen Fluch durch die Zähne und warf die Tür zu. Das Licht erlosch, die Kleine verkroch sich irgendwo in die Ecke und wir bezogen wieder unsere Pritschen. Schon wollten wir den Angriff auf des Serben Freßsack erneuern, als die Tür wieder aufging.Zwei Mann zum Aufräumen!" Das ließen wir uns nicht zweimal sagen denn da gab es zur Belohnung den Rest vom reichlichen Frühstück des Kommissars und hie und da weggeworfene Zigarettenstummel. Der Deutsche und ich folgten dem Aus- seher in die Bürorcnme. Kommissar Popovitsch, derselbe, der uns vor drei Monaten mit dem"'ugenausstechen drohte, falls wir nicht alles gestehen würden, was er wollte, studierte gerade eifrig ein Plakat. Er hatte es auf seinem Tisch liegen, halb zerrissen und beschmutzt. Man sah eine rote Faust dar- auf und eine Inschrift, die ich nicht entziffern konnte. WaS gafft ihr?" Popoviksch fuhr uns giftig an.Macht schnell sauber hier." Und er ging ins Nebenzimmer. Der Schließer stampfte auf dem Gange auf und ab, während wir gierig die Aschenbecher leerten. Das Plakat hatte der Kommissar liegen gelassen. Verstohlen betrachteten wir es. Arbeiter am 1. Mai. dem Weltfeiertag bei...", hier brachen die roten Settern ab, denn die andere Hälfte fehlte. Nur die Faust war unversehrt, eine sehnige, geballte, auf- rechte r"'e Faust... Plötzlich hallten Schritte auf dem Gang. Zwei Agenten trieben einen Mann mit Schlägen vor sich her in das Zimmer des Kommissars, der, durch den Lärm angelockt, herbeikam. Ah einen haben wir schon." Er ließ sich in den Sessel fallen. Als er uns noch hier bemerkte, brüllte er:Raus mit euch!" Der Schließer führte uns in die Nebenräume, die wir ebenfalls in Ordnung bringen mußten. Aus dem Zimmer des Kommissars drang durch die Wände Gebrüll, unflätige Schimpfworts und ein Klatschen, das auf Schläge vermuten ließ. Wir wußten, daß die Siguranca in der Anwendung von Mitteln, um Geständnisse zu erpressen, nicht sehr wählerisch war. Nur wunderten wir uns, daß dem Geprügelten kein Wort entfuhr, das die Agenten besänftigt hätte... Diesmal bekamen wir keine Reste von de» Kommissars Frühstück und der Schließer wagte nicht, ihn im Verhör zu stören. Da wir noch im zweiten Stock zu tun hatten, kamen * Berüchtigtes Gefängnisbergwerk.

wir erst gegen Mittag in unsere Zelle. Jetzt brannte das Licht und ein neuer Mitgefangener lag zusammengekrümmt und leise stöhnend aus der Pritsche. Wir erkannten in ihm den Mann, den die beiden Agenten gebracht hatten. Er war übel zugerichtet. Ueber sein Gesicht, verschwollen und mit blauen Flecken, zogen sich blutige Striemen. Die kleine Hure saß neben ihm, hatte ihre großen, wissenden Augen starr auf ihn gerichtet und bemühte sich, mit einem nassen Taschentuch seine Wunden zu kühlen. Dazu benützte sie das Waffer aus dem Kruge und der Serbe, der fürchtete, daß dann zu wenig zum Trinken da sei wir durften nur. einmal am Tage welches holen protestierte dagegen. Er wurde von dem Bulgaren unsanft zurechtgewiesen und zog sich deshalb brummend und schließlich gleichgültig kauend in die Ecke zurück. .Heute werden noch mehr solcher Leute kommen," der Deutsche wies auf den Mißhandelten,heute ist nämlich 1. Mai und alle Versammlungen und Demonstrationen sind hier verboten." Ich war ein Vagabund, der hungrig durch die Welt lief und sich bloß darum kümmerte, den ewig hungrigen Magen voll und am Abend ein Dach über den Kops zu bekommen. Warum die Arbeiter demonstrierten, hatte mich noch nie interessiert... Der Deutsche erzählte, wie er früher, als er noch Arbeit hatte, ebenfalls mitmarschiert war. Seine Er- zählung wurde durch das Oeffnen der Türe unterbrochen. Der Diensthabende drängte eine weinende, sehr dicke Frau herein. Die Frau blieb vor der Türe stehen und murmelte immer wieder:Die Schande o diese Schande..." Erst nach längerem Zureden erzählte sie uns ihr Leid. Eine schwäbische Bäuerin, war sie wie immer mit ihren. Waren aus den Markt nach Arad gefahren. Wegen ihrer Dicke fiel sie einem Sigurancaagenten auf.... Er sagte, ich solle mit- kommen. Und hier brüllten sie, ich möge doch die Flugblätter, die ich unter den Röcken hätte, herausgeben. Denn diesen Trick kennen wir, sagten die Agenten. Zuerst schämte ich mich, dann beteuerte ich, daß ich schwanger bin... Und ich mutzte mich vor ihnen ausziehen... Sie fanden nichts, aber trotz- dem sperren sie mich hier ein. O diese Schande die Schande..." Wir redeten ihr zu.Madame, trösten Sie sich, sie kommen bestimmt noch heute heraus." Aber die Schwangere war nicht zu beruhigen. Erst als sie sich müde ge- weint hatte, schien sie sich in ihr Schicksal zu fügen. Noch einige Male ging die Tür an diesem Tga auf. Ein Arbeiter, dessen linker Arm wie leblos herunterhing, wurde mit einem Tritt in die Zelle befördert, fiel nieder und blieb liegen. Glück gehabt er verzog den Mund zu einem verzerrten Lächeln,bloß der Arm ausgekegelt. Aber demonstriert haben wir doch... Nur eine Zigarette möchte ich..." Er- schütten sahen wir auf diese Menschen. Aber wir hatten keine Zeit nachzudenken, denn immer neue Gefangene wurden ein- geliefert. Sie erzählten, datz am Hauptplatz geschossen worden sei. Die Luft wurde immer unerträglicher. Es waren nun an die zanzig Personen in der Zelle, die für sechs bestimmt war. Als der Diensthabende wieder einen einlieferte, for- dcrten wir, daß das Fenster geöffnet werde. Und als er das ablehnte, setzte ein Gebrüll ein. wie es wohl auch dieses Haus noch selten gehört hatte. Der Kommissar und die Agenten

2J as ist xiec Jxiq,.../ Von Pierre Das ist der Tag, den sich das Volk gegeben, Aus dem der Glaube an die Zukunft spricht, Als ein Bekenntnis zu der Welt, zum Leben, Das aiis dem Dunkel drängt empor zum Licht! » Das ist der Tag der Hungernden, der Armen, Der Fahnen, Fächeln sind Millionenschrei Sie fordern Recht, sie wollen kein Erbarmen, Das ist das Lied von unserm roten Mai! j*> Das ist der Tag. an dem die Straßen dröhnen Vom Sturm der Masse, die umbrandet steht, Der, noch geknebelt, selbst im Fieberstöhnen Des Sieges Atem um die Lippen weht! >.* j Das ist der Tag, an dem wir uns bekennen. Ein Herzschlag flammt von London bis Shanghai , 'Wo sich Marxisten stark und stolz bekennen, Da glüht das Wunder dieses ersten Mai! * Das ist der Tag der Kämpfenden, der Freien, Das ist des Erdballs Zukunftsmelodie, Wie eine Fahne weht in unsern Reihen Des roten Kampfmai Menschheitssymphonie! *' Einst kommt der Tag, an dem die Ketten fallen. Dann, Kamerad, sind wir endlich frei, Und diese Erde, sie gehört uns allen, Das ist Erfüllung unsres ersten Mai! kamen mit entsicherten Revolvern. Da sie jedoch die ent- ichlossene Haltung der Gefangenen bemerkten, zogen sie wort- los ab. Aber die Fensterläden wurden geöffnet. Es war wohl schon Nachmittag, denn am Gange wurde es still. Nur die Schritte des Schließers hallten gegen die Wände... Zuerst war es auch in der Zelle ruhig. An das karge Licht gewöhnten wir uns bald. Andere Forderungen wurden all- mählich laut. Wir. verlangten zu essen. Der Aufseher drohte mit dem Schließen des Fensters. Aber die Rufe nach Brot mehrten sich. Die Zelle erdröhnte im Sprechchor. Unbewußt, erst zaghaft, schrie ich mit. Eine Wandlung ging in mir vor. Ein neues, nie gekanntes Gefühl überkam mich. Ich bin nicht allein in meinem Elend dieser Gedanke gab mir Kraft. Wir bekamen zu essen. Widerwillig warf man uns die Maisklötze hin, wie wilden Tieren, durch die viereckige Tür- öffnung. Auch Wasser wurde geholt, damit der Durst ge- stillt und die Wunden gereinigt werden konnten. Irgendjemand begann zu singen. Ich verstand den Sinn des Gesungenen nicht. Die Melodie war wuchtig, hämmerte sich in die Gehirne ein. Und obgleich die Zunge die Worte nicht formen konnte: Das Herz sang mit.

Die Äuster mit dem s>tich

Bon Mike Berry In einem kleinen Lokal aus dem Montparnasse gleich hin- ter dem Cafe Döme saß Litsaß. Er hatte ein Dutzend portu- giesische Austern bestellt und dazu eine halbe Flasche Chablis. Borher hatte er drei Aperitifs getrunken und jetzt war er intensiv damit beschäftigt, einer Auster nach der anderen das Lebenslicht auszublasen. Techs hätte er bereits bewältigt. Langsam und genießerisch hatte er sie mit der Gabel abgelöst, drei Tropfen Zitronensaft hinausgrdrückt und sie dann mit- samt dem Wasser hinunter geschluckt. Bei der siebenten Auster aber stockte er. Die Gabel hatte gegen etwas Hartes gestoßen. Etwas Hartes, Rundes. Kein Zweifel, Litsaß hatte eine Perle gefunden... Er hob'die Auster etwas an, um sich zu überzeugen. Darunter lag eine wundervoll geformte rosa Perle von be- trächtlicher Größe. Litsaß legte die Auster zurück auf den Tisch. Er zitterte vor Erregung. wußte, daß der Gast ge- fundene. Perlen an den Wirt, zurückgeben muß. Aber dazu hätte Litsaß keine Lust. Er wollte kann man es ihm ver- denken die Perle behalten. Das war nun nicht leicht. So einlach in den Schlips oder in die Tasche stecken konnte er sie nicht.- Denn neben ihm saß ein älteres Ehepaar und sah ihm zu, und an der Säule lehnte der Kellner und wachte. Also legte Litfaß die wertvolle Auster vorläufig beiseite. Da wurde der Kellner aufmerksam. Langsam kam er an den Tisch. Er hob die Auster hoch und roch daran. Dann sagte er sanft:Tie legten die Auster zurück, Movsieur, ist sie nicht frisch?" , Litfaß lächelte verlegen:O doch, sie ist sehr frisch, sie ist eine der frischesten Austern, die ich kenne. Ich hebe sie nur pis zum Schluß auf, ich esse die beste nämlich immer zum Schluß." .Es scheint mir," runzelte der Kellner die Stirn,datz sie doch einen kleinen Stich hat. Ich werde sie in der Küche um- tauschen." Jetzt wurde Litsaß nervös.Bitte nicht umtauschen. Lassen Sie die Auster liegen. Ich habe sie bestellt und ich werbe sie bezahlen." Mein Herr," sagte der Kellner jetzt würdevoll,es ist meine Pflicht, den Ruf unseres Hauses zu wahren. Ich kann es nicht dulden, daß unsere Gäste verfaulte Austern essen. Diese Auster ist verfault. Sie hatHogu", wie wir Fran- zosen sagen. Sie riecht wie ein ganzes Raubtierhaus. Die Frau, die sie in der Küche öffnete, wird morgen entlassen." Er nahm die Auster in die Hand und wollte sich damit ent- fernen. Da wurde Litfaß wütend.Garcon," rief er,Garcon, legen Sie die Auster augenblicklich wieder auf meinen Teller!

Meinetwegen soll sie riechen wie^ine Dunggrube, ich mutz sie besitzen! Sie wollen wissen warum, nicht wahr? Gut, Ihnen will ich es sagen. Ich brauche sie als Andenken, sie er- innert mich nämlich, nun sie erinnert mich an eine alte Tante in Uruguay . Nein, nicht des Geruches wegen. Aber derselbe GesichtsauSdruck. dieselben treuen Augen. Sie ist nicht schön, die Tante, sie ist nicht nett, aber wir lieben sie mit seltener Anhänglichkeit, denn sie ist hochbetagt, und ihr vieles Geld macht sie nicht glücklich. Und darum will ich sie besitzen, die Auster." Monsieur," sagte der Kellner und zog die rechte Braue hoch,was Sie da sagen, glaube ich Ihnen aufs Wort. Ich bin selbst ein Familienmensch, ich hänge an meinen Lieben. Mein Onkel Georges ist ein-ähnlicher Fall wie.ihre Tante Uru- guay. Er sieht aus wie ein Hummer. Dasselbe rote Gesicht, die krummen Belne und die Scheren er ist nämlich Schneider. Und im Vertrauen gesagt, er ist geizig wie ein Hummer. Schwer, was aus ihm herauszukriegen. Aber sonst ein lieber, alter Herr. Und deshalb gibt es bei uns jedes- mal bei seinem Geburtstag Hummer. Familiensinn in allen Ehren, aber ich darf Ihnen als Angestellter dieses Nestau- rants keine schlechte Auster verkaufen. Wenn Sie an Auster- Vergiftung sterben) ist unser Lokal ruiniert, ich bin Arbeits - los. meine Kinder und unser Onkel Georges werden hun- gern müssen. Das wird Ihnen lebenslänglich Gewissens- bisse bereiten, Monsieur." Litfaß sah ein, daß gegen die Hartnäckigkeit des KellnerS nicht mit Bernunstgründen anzukommen war. Deshalb legte er einen 50-Frankenschein auf den Tisch und sagte, indem er ein Auge zukniff:Genügt das für die Austern und den Chablis, Garcon?" Nein," sagte der Kellner empört,die Rechnung allein macht schon 15 Franken. Und da bieten Sie mir 50 an? Für 50 lumpige Franken soll ich die Ehre unseres Hauses ver- raten!" Dann setzte er sachlich hinzu: Wollen Sie 200 auS- geben?"-'.'. Litfaß sah, daß man seine Perle durchschaut hatte. Also legte er 200 Franken auf den Tisch, packte seine Auster schleu- »igst in Seidenpapier und schob sie in die Tasche. Hastig setzte er den Hut auf, nahm den Mantel über den Arm und ver- lieb fluchtartig das Lokal. Der Kellner aber faltete da» Geld sorgfältig zusammen und steckte es in die Hosentasche. Er leerte einen Aschenbecher am Nebentisch, pfiff drei Takte Musik durch die Zähne und ging befriedigt in die Küche. Dort entnahm er einer Ziga- rettenschachtel eine rosa Glasperle, und legte sie behutsam unter eine der zwölf Austern, die der ältere Herr am Feu- ster inzwischen bestellt Hatte.

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