UND WIDZ

Deutsche Freiheit" Nr. 146 ARBEIT UND WIRTSCHAFT

Reidsmark wird abgelehnt

Vom Niederrhein   wird uns geschrieben:

In Venlo   und an anderen deutsch  - holländischen Grenz­gebieten wird die Mark nur noch mit 40 Cent bezahlt. Als am Freitag die Banken in Venlo geschlossen, die immer noch 52 Cent gezahlt hatten, konnte man nur noch 40 Cent für die Mark erhalten. Im allgemeinen ist das Vertrauen zur Mark in Holland   sehr stark geschwunden. Die Händler weigern sich, gegen Mark Geschäfte zu machen. Interessant ist eine Aeußerung, die ich von verschiedenen Stellen hören konnte: Man könnte jetzt sehr viel nach Deutschland   ver­kaufen, doch weiß man nicht, was man nachher dafür be­kommt." Die Geschäfte werden den Holländern zu unsicher. Es hängt dieses auch damit zusammen, daß man jetzt in Deutschland   anfängt Angstkäufe zu tätigen.baaffs go ' Außenhandel nur noch Austauschgeschäft do

Der Deutsche Presse- Verlag schreibt: ,, Wie wird sich nach dem 1. Juli der deutsche   Außenhandel gestalten? Die merk­würdigsten Vorstellungen herrschen darüber selbst in solchen Kreisen, bei denen man doch die Anstrengung eigenen Denkens voraussetzen sollte. Da die Devisen für den Import ohnehin schon auf 10 Prozent herabgesetzt worden sind, funktioniert der deutsche   Außenhandel doch jetzt schon nur noch durch Austauschgeschäfte und zusätzlichen Export mit Hilfe von Bondkäufen. Irgendeine Aenderung der jetigen Lage ist also überhaupt nicht zu er

warten..."

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Der Verzweiflung nahe

Unter der Ueberschrift Um das Schicksal der älteren Angestellten" veröffentlicht die deutsche Angestelltenschaft folgenden Aufruf, unterzeichnet vom Treuhänder der Arbeit, Dr. Däschner, dem Präsidenten des Landesarbeitsamtes Brandenburg, Dr. Böning, dem Be­zirksleiter der deutschen   Angestelltenschaft Bezirk Branden­burg- Grenzmark, Schach, und dem Leiter der Bezirks­stellenvermittlung Ostdeutschland, Fendel:

,, Im Zuge der Arbeitsbeschaffung und angesichts der Tat­sache, daß jüngere Angestellte u. a. durch diese Maßnahmen für die Landwirtschaft nicht mehr in dem Maß arbeitslos sind, als das noch vor wenigen Wochen der Fall war, ist es Pflicht aller öffentlichen und privaten Betriebe, nunmehr an der Milderung des Arbeitslosenschicksals der älteren An­gestellten tatkräftig mitzuarbeiten. Mit langjährigen Erfah­rungen ausgerüstet, steht ein großer Teil dieser ehemals schaffenden Menschen noch außerhalb ihres Wirkungskreises. Vielfältig sind die Mühen und groß die Unkosten. die sie zur Besserung ihrer Lebenslage, zur Erhaltung ihrer Familie und zur Erlangung einer neuen Arbeitsstätte bisher ver­geblich angewandt haben. Allen, die sich unmittelbar mit dem Schicksal, mit den Sorgen und Nöten der älteren und ohne eigene Schuld stellenlos gewordenen Angestellten ver­bunden fühlen, wissen, daß viele von ihnen der Verzweiflungnahe waren und noch sind. Dank der neuen erfolgreichen und kraftvollen Staatsführung haben auch sie ihren Glauben an das Leben wiedergefunden.( Siehe vorhergehenden Sat. D. Red.) Unter keinen Umständen dürfen die neu erweckten Hoffnungen enttäuscht werden. Das Gebot der Stunde ist, sie wieder in die Front der Arbeit einzureihen. Unsere gemeinsame Aufforderung an die öffent­lichen und privaten Betriebe geht deshalb dahin, alle Maß­nahmen und Anregungen durch die Tat zu unterstützen, die geeignet sind, auch den älteren Angestellten wieder Arbeit und Brotzugeben. Vor allem: keine Alterssperre mehr. Denkt daran, daß es sich bei der Schaffung eines Arbeitsplatzes gleichzeitig um die Sicherung der Grundlage von Staat und Volk, der deutschen Familie, handelt. Wir erwarten von allen Betriebsführern, daß sie unserem Aufruf Folge leisten und durch die Tat helfen."

Sinkende Sozialrenten

Um 120 Millionen RM. in einem Jahr

vor­

Das Reichsversicherungsamt veröffentlicht die vorläufigen Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der Träger der reichsge­setlichen Unfall- und Invalidenversicherung für das Jahr 1933. Hiernach belaufen sich die gesamten Aus­gaben in der Unfallversicherung für das Jahr 1933 auf 307 000 RM., gegen 333 000 RM. im! ahre 1932. Die Zahl der versicherten Personen ist nach den läufigen Angaben bei den gewerblichen Berufsgenossen­schaften auf 8 880 995 festgestellt worden, gegen 8 280 075 im Vorjahre. Die Zahl der Vollarbeiter beläuft sich für das Jahr 1933 auf 7 684 194, gegen 77 158 279 im Jahre 1932. Für die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sind neue Feststellungen über die Zahl der Versicherten nicht getroffen worden. Man rechnet mit rund 14 000 000 Ver­sicherten.

In der Invalidenversicherung betrug die Ge­samteinnahme im Jahre 1933 744 600 000 RM. Die Bei­träge machten 678 700 000 RM.( 1932: 642 200 000 RM.) aus. Infolge der Notverordnungen sind die gesamten Ausgaben von 910,4 Millionen RM. auf 782,1 Millionen Reichsmark gesunken. Die Rentenleistungen, welche den Hauptteil der Ausgaben darstellen, sind von 794.2 Millionen auf 690,0 Millionen RM. zurückgegangen. Die Aufwendungen für freiwillige Leistungen( Heilverfahren, Invalidenhauspflege, Waisenhauspflege) waren im Jahre 1933 noch etwas rückgängig.

Ein verlorener Schwurzeuge

Der schwedische Nationalökonom Gustav Cassel   ge­hörte bisher zu den Schwurzeugen nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik. Er hat jetzt im ,, Svenska Dagbladet" die Einführung eines schwedischen Clearingverfahrens gegen Deutschland   gefordert. Jetzt ist es aus mit den national­sozialistischen Lobsprüchen, jett heißt es:

,, Professor Cassel befindet sich hier auf Abwegen, die ihn außerhalb des Feldes der Wissenschaft führen. Ist Professor Cassel noch in engem Zusammenhang mit dem internationalen Fortschritt der wirtschaftlichen Erkennt.

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Planwirtschaft" im dritten Reich"

Mit der zunehmenden Unsicherheit des Hitler- Regimes wächst auch das Bestreben, immer neue Personen und Schlagworte in den Vordergrund zu stellen. Jeder Wechsel auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet schafft irgend­welche neuen Hoffnungen und löst zum mindesten eine ab­wartende Stimmung aus, die das Regime angesichts der immer schlimmeren Fehlschläge und der wachsenden Kritik heute besonders gut brauchen kann. Hierzu kommt, daß die von gewissen kapitalistischen   Kräften innerhalb des eigent­lichen Führerkreises schon recht offensichtlich getriebene Sabotage Veranlassung bietet, das Steuer der Wirtschafts­politik so weit als möglich nach der pseudo- sozialistischen Seite herumzuwerfen. Man kehrt vielfach wieder zu den alten bauernfängerischen Schlagworten zurück, mit denen es

schon vor der Machtergreifung und in den ersten Monaten

so ausgezeichnet gelang, die Massen zu ködern. Man durch­sucht mit erhöhtem Eifer die marxistische Literatur nach Parolen, mit denen man der nach wie vor vorhandenen und durch die Taten der Herren Schmitt und Schacht noch ver­stärkten antikapitalistischen Sehnsucht der Massen entgegen kommen könnte, wobei es gleichzeitig darauf ankommt, den kapitalistischen   Kräften, die sich jetzt angesichts der wirt­schaftlichen und finanziellen Mißerfolge des Regimes schon recht agressiv hervorwagen, den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Im Lager der Industrie bereitet man sich bereits auf kommende Dinge vor. Man erwirbt Zeitungen zu dem ausschließlichen Zweck ,,, Uebergriffe der Arbeitsfront" zu bekämpfen.

Man legt alles darauf an, daß der jetzt in Gang befindliche Prozeß, der die eigentlichen Nazi- Führer durch ständige wirtschaftliche Mißerfolge entmachtet und sie dadurch immer mehr in die Abhängigkeit des Großkapitals zwingt, durch neue..sozialistische" Eskapaden keine Unterbrechung er­fährt. Man weiß, daß die herannahende Rohstoffnot, der endgültige Zusammenbruch der Währungspolitik und die hereinstürmende neue Welle von Unterversorgung, Hunger und Arbeitslosigkeit das Regime in seinen Grundfesten er­schüttern muß. Man will dann als Retter" begrüßt werden, aber das wird nur dann möglich sein, wenn es vorher ge­lingt, das Hitler- Regime als verkappten Bolschewismus zu kennzeichnen. Man wird bei den Herren, die jetzt darauf warten, die Erbschaft Hitlers   anzutreten, nichts unversucht lassen, um das Regime in der jetzt beginnenden Periode der Hunger- und Zwangswirtschaft als sozialistisch zu diffa­mieren, weil es so und nur so vielleicht vorübergehend ge­lingen kann, die mannigfaltigen oppositionellen Kräfte unter dem Banner der Reichswehr  , der Schwerindustrie und der Großagrarier beim kommenden Ansturm gegen das Regime zu sammeln oder doch wenigstens teilweise zu neutralisieren. Das deutsche   Großkapital ist sich darüber klar geworden, daß sein Versuch, sich durch Hitler   und die Seinen retten zu lassen, vor dem Scheitern steht.

Man will also seine Sache noch einmal in die eigene Hand nehmen und dazu ist es notwendig, die trots guter Bezahlung gestern jetzt als unbrauchbar erwiesenen Helfer von ,, Sozialisten  " umzulügen.

zu

Die Nazis machen den Herren Thyssen und Heyde­brand, den Hugenberg und Röchling   diese Auf­gabe ziemlich leicht und leider finden sich so manche, die sich von der scheinbaren Entmachtung der Unternehmer in der jetzigen Periode des ,, dritten Reiches" bluffen lassen und mit ehrlicher Ueberzeugung verkünden, die Naziführer seien. außen braun und innen rot, sie zeigten jetzt, wo sie das ganze Land in eine Planwirtschaft nach russischem Muster" umwandeln, ihr wahres Gesicht. Bisher ist es dem Hitler­Regime nic gelungen, vor den eigenen Anhängern, den breiten Volksmassen und dem Auslande ihre Phrase vom ,, nationalen Sozialismus" aufrecht zu erhalten. Heute zwingt sie der Bankerott ihrer Wirtschaftspolitik zu einer Zwangswirtschaft, in die sie ohne eigenen Willen immer tiefer hineingeraten. Man macht aus der Not eine Tugend. Nachdem Deutschland   aus der Weltwirtschaft ausgekreist worden ist, weil der irrsinnige Versuch, mit einem hoch­industrialisierten Lande, das kaum eigene Rohstoffe hat, die Weltwirtschaft zu blockieren, endgültig scheitert, macht man eine Binnenwährung und versucht, den Urteilsun­fähigen vorzutäuschen, daß man, ähnlich wie Rußland  , auf eigene Kraft gestellt, jetzt an einen sozialistischen Aufbau herangeht.

Deutschland   druckt Brot- und Kartoffelkarten. Man er­innert sich aus der Zeit des russischen Fünf- Jahres- Planes, daß zum sozialistischen Aufbau nun einmal der Hunger ge­hört. Aber Brot und Kartoffeln waren in Deutschland   noch niemals so reichlich vorhanden wie heute, und wenn man sie kartenmäßig verteilt, so tut man es deshalb, weil die hohen Agrarpreise nicht angetastet werden sollen.

In Deutschland   fehlt keineswegs der gewaltige Industrie­apparat, der Fertigwaren produzieren kann, um sie im Aus­tausch gegen neue Rohstoffe zu exportieren. Es handelt sich nicht darum, sich einzuschränken, um durch Hungern und Darben den neuen Aufbau eines großen und unabhängigen Produktionsapparates zu finanzieren, sondern man hungert und darbt in Deutschland  , um den Fortbestand der Kon­zerne, ihrer Preise und Profite, die Aufrechterhaltung einer immer widerspruchsvoller gewordenen Bodenrente, kurz, um eine Wirtschaftsverfassung zu sichern, die nirgends so ein­deutig, wie in Deutschland   erwiesen hat, daß sie der Haupt­aufgabe aller menschlichen Wirtschaft, nämlich der Bedarfs­deckung nicht mehr gerecht werden kann. Alles das geschieht in Formen, die denjenigen, der den Kern der Dinge nicht er­faßt, von weitem an eine sozialistische Planwirtschaft er­

innern mögen. Aber es sind nur die Formen und die Schlag­

nis der Welt? Viele bezweifeln das."( ,, Berliner Tage­blatt vom 1. Juni.)

Wer Schacht und Hitler   lobt, ist ein großer National­ökonom. Wer sich gegen sie wendet, ist ein Trottel. Der Maßstab ist sehr einfach. Vielleicht hat Cassel nun anch noch eine jüdische Großmutter?

Donnerstag, 21. Juni 1934

Von Jan Severin

worte, die man sich nach bewährten Methoden angeeignet hat. Der Geist dieser Kriegs- und Zwangswirtschaft, das Ziel der kommenden Periode des Hungerns und Darbens hat mit Sozialismus ebenso wenig zu tun, wie die Dividenden der Rüstungsindustrien im Weltkriege.

Man wird sich darauf gefaßt machen müssen, daß das Jagen nach sozialistischen Schlagworten in den kommenden Monaten ständig eifriger werden wird.

Diese Schlagworte werden immer mehr dazu herhalten müssen, die Unfähigkeit der Verbrauchsdeckung und or allem die Rohstoffnot zu verschleiern. Man wird organisieren und organisieren, aber es wird nicht gelingen, den Rohstoff­bedarf beispielsweise der deutschen   Textilindustrie, der zu 95 Prozent am Weltmarkt gedeckt werden muß, durch ,, Planwirtschaft" zu sichern, denn Baumwolle muß man nun einmal mit Dollars und Pfunden kaufen. Auch das ständige Steigen der Preise wird diese Art Planwirtschaft und So­zialismus nicht schmackhafter machen und die neue Binnen­währung, die Herr Schacht vorbereitet, wird nur kurze Zeit als neue Sensation bestaunt, dann aber bald als neues Ma­növer erkannt werden, das die Pleite wieder einmal um ein paar Monate verschleiern soll. Diese Glanzidee stammt, wie alle Erfindungen des Herrn Dr. Schacht, von anderen und zwar diesmal von Wagemann, der schon 1932 erklärte, Deutschland   brauche für den Inlandsverkehr kein Gold. Um die Preise stabil zu halten, genüge es vielmehr völlig, einen bestimmten Notenumlauf im Inland genau so groß zu halten, wie es dem vorhandenen Warenquantum, das der Geld­menge gegenübersteht, entspricht. Wie groß dieses Waren­quantum und somit die Menge des ungedeckten Binnengeldes sein muß, hat noch nie ein Mensch errechnen können. Auch Herr Schacht kann das nicht, aber man kann ja experime tieren und immer grade so viel Noten drucken, wie man braucht, um das Preisniveau zu sichern, das man für richtig hält. Man kann sich also bei der Durchführung dieser alten Wagemannschen Binnenmark- Idee, auf die ihr Urheber sicher schon nicht mehr gerechnet hatte, auf allerlei gefaßt machen. Jedenfalls wird man den Rohstoff- und Waren­mangel durch reichliche Geldmengen ausgleichen.

Wir werden wahrscheinlich erleben, daß Herr Goebbels  oder der wieder aus der Versenkung auftauchende Herr Feder verkünden werden, es sei Sozialismus, wenn jeder Celd hat.

Die Spalten der gleichgeschalteten Zeitungen werden sich bald mit Zahlenreihen und Prozentziffern füllen und auch das muß ja stark an sozialistischen   Aufbau, Fünf- Jahres­Pläne und ähnliche Dinge erinnern. Kleider und Schuhe werden zwar knapp sein, Brot und Fleisch wird unerschwing­lich werden, aber man wird verkünden, daß man jett end­man darbt: Für den deutschen   im gültig wisse, warum Sozialismus".

Mit der Beendigung der Transferkonferenz, die ein volles Fiasko war, weil die die Gläubiger vertretenden Bankiers zum ersten Male selbst den Prestigeverlust bei ihren Kunden lieber in Kauf nehmen wollten, als das Schachtsche Diktat anzunehmen, sind auch die letzten schwachen Hoffnungen auf einen Rohstoffkredit begraben.

Auf dem Gebiete der Wirtschaft und Währung ist das Scheitern des Hitler- Regimes nunmehr besiegelt. Was jetzt noch folgt und sich schon klar vorbereitet, ist eine lange Kette sinnloser Experimente, an deren Ge­lingen niemand mehr glaubt.

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Wahrscheinlich am wenigsten die Fachleute" Schacht, Schmitt und Thyssen, die das sinkende Schiff offensichtlich nur deswegen nicht verlassen, weil sie auf ihren Posten an ehesten in der Lage sind, den Zusammenbruch in der Weise und zu dem Zeitpunkt zu enthüllen, der ihnen mit Rücksicht auf die eigenen Pläne am geeignetsten erscheint. Bis dahin wird man sich darauf gefaßt machen müssen, daß das ,, dritte Reich" in Planwirtschaft" und sozialistischem Aufbau" schwelgt. Das Regime soll als sozialistisches Regime zu­sammenbrechen das und nichts anderes ist der Leitge danke, der die Herren von morgen beseelt und der sie ver anlaßt, solange dabei zu bleiben wie irgend möglich. Ob es ihnen bis zum letzten Augenblick gelingen wird, diese Rolle weiter zu spielen, kann niemand sagen, denn bei der großen Kette von Experimenten, die sich jetzt abwickeln wird, mehrt sich naturgemäß auch die Zahl der unberechenbaren Fak­toren. Zwei Dinge aber wird man heute schon feststellen können: Erstens nämlich, daß der Augenblick, in dem die schon längst für eigene Rechnung arbeitenden führende Männer der Wirtschafts- Ressorts sich freiwillig oder ge zwungen von dem Regime lösen, vermutlich die kommendet Entscheidungen einleiten wird. Zweitens aber wird man heute schon feststellen müssen, daß jeder, der bei dieser Lage der Dinge das, was heute in Deutschland   vorgeht, als deutsche   Spielart des Sozialismus bezeichnet, de facto die­jenigen unterstützt, in deren Auftrag und für deren Rech­nung heute schon längst im ,, dritten Reich" Wirtschafts­politik gemacht wird.

Die Herren von morgen oder die, die sich wenigstens dafür halten, wollen, daß das Regime der Herren von heute als sozialistisches Regime scheitert.

Man will die gleiche Lüge, die man vor der Machtergreifung Hitlers   aussprach, und die diese Machtergreifung ermög­lichte, mit Nachdruck vor dem Zusammenbruch seiner Macht wiederholen. Der Zweck, den man mit dieser Lüge verfolgt, ist heute der gleiche, wie damals, nämlich die Aufrecht­erhaltung der Macht der Herren vom Schlage Krupp und Hugenberg  . Aber das Hitler- Regime wird mit Sozialismus in Wirklichkeit in seiner letzten Stunde ebenso wenig zu tun haben, wie in seiner ersten, auch wenn es sich in den nächsten Monaten, im Zeichen der von allen Seiten wachsen­den Bedrängnisse noch..sozialistischer" gebärden sollte als jemals. Die Aussichten hierfür sind recht groß und niemand freut sich über die Eskapaden des schon gekündigten A- gestellten heute mehr, als der Chef, der seine Geschäfts­bücher bald wieder allein führen möchte.