" Saarbergleute"

bla Kostümkomödie zu Propagandazwecken

Saarbrücken , 22. Juni. Vorstehendes Bild ist der Hessischen Landeszeitung" Darmstadt entnommen. Die Fotografie ist anläßlich einer großen Saarkundgebung aufgenommen. Die im Vor­dergrund des Bildes dar­gestellten Saarbergleute" waren das Renommierstück der nationalsozialistischen Kundgebung.

99

Wir stellen fest:

Reiner dieser sechs kostü­mierten Saarbergleute" ist aktiver Bergmann . Nur einer von diesen ist früher einmal Bergmann gewesen. Fangen wir auf dem linken Flügel, vom Beschauer aus gesehen an: Der die Hand erhebende Bergmann ist der Hüttenarbeiter Albert Serf jun., im Nebenberuf Plazanweiser im Püttlinger Kintopp. Er ist niemals Bergmann gewesen. Sein Nebenmann, Friz Derrenbächer, Sohn eines geborenen Franzosen, war vorübergehend als Elek­

Jurush zum Reich

triker über Tage auf einem Grubenbetrieb beschäftigt. Er hat es dort aber nur wenige Wochen ausgehalten.

Der neben ihm stehende Wilhelm stammt aus der Picardstraße in Püttlingen . Er hat bis vor kurzem eine Schule besucht, ein Bergwerk hat er nie gesehen.

Der Flügelmann mit dem E. K. I ist der frühere Feld mebel Albert Serf sen., der bis zum Jahre 1925 auf

Nazi- Angst

vor der Saarschlappe" Naziangst vor der ,, Saarschlappe"

Berlin , 22. Juni. Aus absolut zuverlässiger Quelle erhalten mir folgenden Bericht: Im Juli soll eine Verbandsfahrt des Kanuverbandes nach dem Saargebiet stattfinden. Der Leiter des Kanuverbandes Berlin, Dr. Decker, erklärte anläßlich einer Ansprache an die Mitglieder, in der er zur Meldung der Sportler aufforderte, die teilzunehmen wünschen, wöri­lich, daß es im Saargebiet gar nicht so glän= zend aussieht, wie fich viele unserer Volksgenossen das vorstellen, und wir alle Anstrengungen machen müssen, wenn wir nicht eine Schlappe einstecken wollen."

Ein Raubmord

Ein Mitglied der sozialistischen Arbeiterjugend fällt ihm zum Opfer

Die Volksstimme" schreibt:

Saarbrüden, 22. Juni. Unser Jugendgenosse Helmat Strempel, Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend, Bur­bach und der Naturfreunde, ist in dieser Woche in der Nähe von Völklingen als Leiche aus der Saar geländet worden. Helmut Strempel war Laufbursche bei einer Asko- Filiale in Malstatt . Er ist am letzten Samstagabend von seinem Chef mit 6000 Fr. zur Post geschickt worden, wurde dann als vermißt gemeldet und allem Anschein nach fiel er kurz danach einem scheußlichen Verbrechen zum Opfer. Die Obduktion der Leiche soll noch vorgenommen werden. Nach den am Körper vorgefundenen Merkmalen schließt die Polizei auf ein schwe­res Verbrechen. Man spricht von Raubmord. Wir bitten alle Leser an der Klärung dieses Falles mitzuwirken. Wer irgend­welche Angaben zu machen hat, wende sich sofort an die nächste Polizeistelle.

Ein Jahr Gefängnis Verschleppung festgestellt und gesühnt

Saarlouis . Der Oberste Gerichtshof verkündete das Ur­teil gegen den Beamtenanwärter Barth aus Schwemlin­ gen , der wegen Entführung und Freiheitsberaubung des Walter Kahn angeflagt war. Bekanntlich hatte B. den Kahn unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an die Saargrenze bei Dreisbach- Steinbach gelockt und dann der reichsdeutschen SA. übergeben. Kahn sizt seitdem im Gefängnis. In der vor furzem stattgefundenen Verhandlung hielt der Staatsan­walt Dr. Wimmer den Menschenraub für erwiesen und be­antragte zwei Jahre Zuchthaus. In der gestrigen Urteils­verkündung erkannte der Senat auf ein Jahr Gefäng= nis, wegen Beihilfe an der Entführung und Freiheitsbe­raubung des K., wie der Vorsitzende in seiner Urteilsbe­gründung ausführte.

Entlassung weiblicher Beamter

der Grube gearbeitet hat. Es ist nicht unwichtig zu be= merken, daß dieser einzige Bergmann 1918 ein wilder Revolutionär gewesen ist, der dem Arbeiter- und Soldaten­rat angehörte. Als roter Feldwebel wurde er bezeichnet, rat angehörte. Als roter Feldwebel wurde er bezeichnet, weil er sowohl das E. K. I wie seine Feldwebelkokarde mit rotem Männige während der Revolutionstage an­gestrichen hatte. Er hat sich insbesondere durch sein Vor­

gehen gegen Offiziere, denen er die Achselstücke abriß und die er entwaffnete, ausgezeichnet. Manche von denen, die ihn damals an wüsten Ausschreitungen hinderten, werden jetzt von ihm als Margisten beschimpft. Längere Zeit war er führend in der USP. Auch dem berüchtigten" Saar­bund hat er als eins der ersten Mitglieder angehört. Der rechte Mann für die deutsche Front".

Der Hintermann von Serf sen. ist der Hüttenarbeiter Alex Albert aus Püttlingen , Derler Straße. Er hat niemals auf der Grube gearbeitet. Der 6. Bergmann " ist der Hüttenarbeiter Johann aus der Hengstwaldstraße in Püttlingen . Auch er hat niemals im Bergwerk gearbeitet.

Schon vor einiger Zeit konnten wir eine ähnliche Mel­dung bringen, die folgendermaßen lautete: Mauschbacher Bergmänner "

Am 15. Mai hat in Gerolstein eine Saarfundgebung stattgefunden, an der in der Hauptsache die Mitglieder der gleichgeschalteten Turn-, Gesang- und Musikvereine aus Biezen teilnahmen. Bei einer solchen nationalen" Veranstaltung durften aber die braven Kumpels nicht fehlen. Und siehe da, es erschien eine ganze Kolonne aus acht Bergarbeitern unter der Führung eines Steigers. Alle selbstverständlich in ihrer traditionellen Tracht. Bei der näheren Betrachtung entpuppte sich aber der angebliche Steiger als der Gipsermeister namens Grieb­ler und von acht uniformierten Bergleuten war nur ein einziger ein echter Bergarbeiter, und zwar aus Klein= rosseln aus Lothringen .

Mit solchen rührenden Schwindeleien und lächerlichen Maskeraden sucht die sogenannte deutsche Front" des Herrn Pirro drüben Stimmung zu machen. Kein Wunder, daß in Deutschland diese Veranstaltungen in Mißkredit geraten Kein Wunder, daß die Saarländer diesem Mummenschanz verächtlich den Rücken kehren. Das ist wohl auch der Grund, weshalb jetzt Goebbels alle Saar­kundgebungen genehmigungspflichtig gemacht hat. Wir berichten darüber an anderer Stelle.

,, 10 000 Mark für Max Braun !"

** Sie dingen einen Mörder!

Saarbrücken , 22. Juni.

Der Kaufmann R., österreichischer Staatsangehöriger, hat nach seinen Angaben vor der saarländischen Kriminalpolizei von Angehörigen der Nationalsozialistischen Partei Deutsch­ lands eine Pistole und Reisegeld erhalten mit dem Auf­trage, den Führer der Saar- Freiheitsfront, Max Braun , anläßlich eines Einbruchs in dessen Wohnung zu erschießen. Als Belohnung sind dem Manne nach seinen Angaben 10 000 Mark versprochen worden.

Der aus dem dritten Reich" ins Saargebiet zugewanderte R., geboren am 12. 4. 1901 in Desterreich, macht folgende Angaben:

Während ich in Berlin im Moabiter Gefängnis in Untersuchungshaft saß, wurde mir von einem mir be= fannten Agenten der Gestapo das Angebot gemacht, einen Auftrag der Nazis auszuführen und damit Befreiung von dem Strafverfahren zu erlangen. Ich wurde, da ich scheinbar darauf einging, aus der Haft entlassen und begab mich nach Hamburg . Dort ließ man mir durch einen mir unbekannten SA.- Mann eine Pistole und 100 RM. Reise­geld überreichen Derselbe teilte mir ferner mit, daß meine Aufgabe darin bestehen sollte, den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei des Saargebietes zu er­schießen. Es solle sich aber nicht um eine politische Demon stration handeln. Ich solle vielmehr, da ich bereits wegen Einbruchsdiebstahls vorbestraft sei, einen Einbruch in die

..Dresden '

Wohnung vornehmen und dabei Braun erschießen. Nach Ausführung der Tat würden mir 10 000 RM, bei zusiche­rung von Straffreiheit ausgehändigt werden. Ich bin darauf eingegangen und habe mich auftraggemäß ins Saar­gebiet begeben. Von vorneherein stand für mich fest, daß ich den Mord nicht ausführen würde. Ich habe den Ein­druck, daß ich hier ständig überwacht werde."

Soweit der von Nazis gedungene, mehrfach vorbestrafte Mann. Sind seine Angaben richtig, so hat die Mordstelle der nationalsozialistischen Partei nicht ungeschickt gearbeitet. Sie suchte sich als Mörder keinen Deutschen , sondern einen an der Saarfrage uninteressierten Desterreicher bzw. Tschechoslowaken aus. In weiser Voraussicht wurde er von der deutschen Behörde als staatenlos bezeichnet. Wir hoffen, daß die Ermittlungen der Kriminalpolizei ein ein­wandfreies Ergebnis zutage fördern.

Wir sind aus dem dritten Reiche" sowohl Kopfprämien wie Mordversuche gegen den Führer der Freiheitsfront ge­wohnt. Bekanntlich findet am 4. Juli die Schwurgerichts­verhandlung wegen des Sprengstoffattentats statt. Es muß sehr schlecht um die Aussichten der Rückgliederung nach Hitlerdeutschland stehen, wenn man jetzt erneut zu finsteren Mordplänen greift. Verständlich, daß man den gefährlichsten Gegner, den man mit Lockungen aller Art, mit Geld und Verleumdungen nicht zu fassen bekommen hat, nunmehr durch Mord beseitigen will.

** ging unter

Unglück für Kraft durch Freude "

2 Tote, 15 Verletzte Bremen , 21. Juni.

Im Saargebiet hat sich wegen dieses Unfalles große Un­ruhe und Empörung verbreitet. Auf dem verunglückten Dampfer befanden sich Arbeiter und Angestellte der Röch­lingschen Betriebe und der Wolffschen Betriebe in Neun­firchen. Zwar wird vom Deutschen Nachrichtenbüro> ie Meldung verbreitet, daß unter den zwei zu Tode Ge­fommenen keine Saarländer sich befinden. Es soll sich dabei um eine Frau Emma Erzheimer aus Otterberg in der Rheinpfalz und ein Fräulein Cherdron handeln. Die Namen der 15 verletzten Frauen sind folgende: K. Glaß, G. Christ­mann, G. Eugenie, M. Courtorier, Frau Mühlbauig, Frl. R. Zuter, A. Rahm, S. Herber, E, Schmidt, E. Kämpf, H. Minas, L. Adam, E. Hack, J. Scheid. Der verlegte Schiffskoch heißt Berroth. Das Telegramm enthält den Nachsatz: E. Kämpf und G. Eugenie müssen hier bleiben. Diese beiden Frauen find also als ein ige schwerer verlegt. Ueber den Heimat­

ort der Verunglückten läßt sich noch nichts Genaues feſt­aus der einpfalz stammen.

B

Saarländer an Bord

zeichnet. Alles dies diente nicht dazu, die beunruhigten Familienmitgliede. der Sorge zu entheben.

waren.

In Völklingen und Neunkirchen herrscht starke Empö­rung darüber, daß sichere Nachrichten nicht zu erlangen Man spricht auch offen davon, daß offenbar für Proletenfahrten" jeder Dampfer und jeder Kapitän gut genug seien. Sicherlich werden übrigens die Teilnehmer der Fahrt zum größten Teil ihr persönliches Eigentum, das sie mit sich führten, verloren haben.

Mittlerweile wird gemeldet, daß der Dampfer Dresden " bereits gesunken ist. Eigenartig mutet die Meldung des Deutschen Nachrichtenbüros an, daß die Passagiere nach ihrer Rückkehr auf den Dampfer Stuttgart " am Samstag in Emden das vorgesehene Vergnügungsprogramm absolvieren würden. Wir möchten glauben, daß den Teilnehmern trop der schönen Bezeichnung Kraft durch Freude " die Lust an weiteren Vergnügungen vergangen ist.

und öffentlich- rechtlichen Körperschaften Ausführungsbestim= stellen. Die Toten und die Verletzten werden wahrscheinlich Organisation Kraft durch Freude " handelt. Diese Organi=

Das Preußische Finanzministerium hat allen Behörden mungen über die Rechtsstellung der weiblichen Beamten zu­geleitet. Danach sind alle verheirateten weiblichen Beamten schriftlich zu fragen, ob sie ihre Entlassung beantragen. Einem solchen Antrag muß entsprochen werden. Falls eine Beamtin einen solchen Antrag nicht stellt, ist sie über ihre wirtschaft­lichen Verhältnisse zu befragen. Falls nach Ansicht der Be­

Die Meldungen des Deutschen Nachrichtenbüros und der Reederei begegnen aber starkem Mißtrauen, hervorgerufen durch eine Reihe von Falschmeldungen. Zunächst wurden überhaupt keine Verletzten angegeben, dann wieder nur Zahl angegeben. Auch wurden in einer Meldung des Deutschen Nachrichtenbüros die Frauen als ertrunken be­

Im übrigen steht fest, daß es sich um eine Fahrt der Nazi­sation befaßt sich bekanntlich mit der Ausschickung von Er­holungsreisenden aus der NSBO. Die NSBO. ist aber an der Saar ebenso verboten, wie es die Deutsche Arbeits­ front ist.

hörde die wirtschaftliche Lage der Beamtin gesichert ist, hat wenig als verlegt bezeichnet und schließlich erst die genaue nicht die saarländischen Geseze gebrochen haben, kamen die

fie sofort entlassen zu werden. Diese Anordnungen entsprechen den Verfügungen der Reichsfinanzverwaltung.

Wie also, wenn diejenigen, die für diese Reise warben. saarländischen Teilnehmer auf das Schiff einer im Saar­gebiet verbotenen Organisation?