«Deutsche Freiheit". Nr. 142
Das bume Matt
Samstag, den 28. Juni 1934
Das Schlachtfeld von Waterloo
70 Oeger auf Her Menfchenjagd erschossen
Durch enne Gerichtsverhandlung, die augenblick- lich in Port Darwin stattfindet, und in der drei Neger wegen Mordes angellagt sind, werden die menschenunwürdigen Verhältnisse, unter denen die Ureinwohner Australiens melfach noch heute zu leben gezwungen sind, beleuchtet.
jqhrige Knaben sind keine Seltenheit. Der Gerichtsbehörde ist die Ueberfüllung ihrer Gefängnisse nur angenehm, da sie von der Regierung ein Verpflegungsgelö von 2 Schilling pro Kopf erhält, das jedoch bei weitem nicht verbraucht wird.
Um das Schlachtfeld von Waterloo tobt gegenwärtig ein Kampf, der jedoch kein Menschenleben und keinen Thron fordert wie der Kampf im Jahre 181-5. Die Erbitterung der Gegner von heute ist ober deshalb nicht geringer als die. der Gegner von damals. Der Maire von Nivelles und ein englisches Komitee zur Erhaltung des Schlachtfeldes von Waterloo stehen sich in diesem unblutigen Feldzug um Waterloo gegenüber.
Kopfpreise auf schwarze Gefangene
Eine Bande japanischer Flschräubea landete ohne behörd- liche Genehmigung in der Caledon-Bay, einem Bezirk in Nordaustralien, der den Eingeborenen vorbehalten ist. Die Japaner benahmen sich äußerst anmaßend, sie verlangten von den Negern die verschiedensten Dienste und wurden tätlich, wenn die Schwarzen sich weigerten. Als sie aber schließlich die Frauen der.Eingeborenen zu entführen ver- suchten, kam es zu einem schweren Aufstand der sonst sehr friedlichen Negerstämme. Die Japaner wurden in der Nacht überfallen. Fünf von ihnen stauben unter den Pfeilen und Speeren der schwarzen Krieger, die übrigen entkamen.
Das«freie Geleit" Die Behörden erfuhren vom diesem Vorfall und sandten eine Polizei-Expedition aus. Aber den Beamten gelang es nicht, die Täter zu ermitteln. Schließlich wandte sich die Polizei an zwei weiße Missionare, die unter den Eingebo- renen größtes Vertrauen besitzen. Die Missionare erklär- ten sich auch bereit, die Täter den Gerichten zuzuführen. Sie begaben sich in die Caledon-Bay und redeten auf die Neger ein, sich ruhig den Behörden auszuliefern, da ihnen nichts geschehen würde, es handele sich nur mm eine Formsache. «Fürchtet euch nicht", so erklärten sie,„war werden euch stets zur Seite sein!" Drei Neger, die tätlich an dem UeberfoH beteiligt waren, zeigten sich bereit, ihren oermemtSchen weißen Freunden nach Port Darwin zu folgen. Sie konnten in ihrem kind- lichen Vertrauen nicht wissen, daß sie damit den Behörden in die Falle gingen. Als sie in Port Darwin anlangten, wurden sie sofort ins Gefängnis gebracht. Es droht ihnen Todesstrafe. Sie stehen jetzt vor ihren Richtern und müssen eine Ge- richtsverhandlung über sich ergehen lassen, von der sie nicht ein Wort verstehen.
Zu Beginn des Jahrhunderts häuften sich so sehr die Stimmen, die gegen die Behandlung der Eingeborenen, vor allem in Westaustralien protestierten, daß die Regierung eine Untersuchungskommission ernennen mußte. Der Bericht dieser Kommission erregte damals in der ganzen Welt größtes Aufsehen. Ueberoll im Land waren der Kommission Gruppen aneinandergeschmiedeter Neger begegnet, die schwere Karren für den Wegebau schleppten. Es waren Straf- linge, die als billige Arbeitskraft ausgenutzt wurden. Wie sich herausstellte» war die Verhaftung und Verurteilung von Negern wegen angeblichen Biehöiebstahls zu einer Industrie geworden. Die Polizisten erhielten für jede einzelne Ver- Haftung eine Kopsprämie. Sie benötigten für die Verhaftung keine amtlichen Aufträge. Man kann sich vorstellen, wie wahllos sie jeden Eingeborenen mit sich nahmen, der ihnen auf der Straße begegnete. Das Untersuchungsergebnis hat damals für die Eingeborenen einige Erleichterung gebracht. Allerdings wurde sie kaum fühlbar. Inzwischen hat sich die Lage der Neger wieder langsam verschlechtert. Im Jahre 1926 kam ein furchtbares Verbrechen der weißen Siedler ans Licht. Ein Siedler namens Hayden hatte einen Neger schwer mißhandelt, weil dieser ihm wegen der Entführung seiner Frau Vorwürfe gemacht hatte. Der Eingeborene griff zu seinem Speer und tötete den Weißen. Daraus schlössen sich die Siedler zu einer Strafexpedition zusammen und drangen in das Territorium der Eingeborenen ein. Sie schössen alle Neger nieder, die ihnen in den Weg kamen. Um die Spur ihrer Verbrechen zu verwischen, verbrannten sie die Leichen.
Nivelles , eine kleine Stadt südlich von Brüssel in Brabant in Belgien gelegen, zugleich der Verwaltungssitz für das historische Schlachtfeld, bedarf desselben zur Erweiterung des Ortes und zur Gewinnung von Boden zur Durchführung notwendiger Neubauten. Die. Engländer, denen sich auch die Franzosen angeschlossen haben, sind für die Erhaltung der Wallstatt der erbittertsten Kämpfe des vorigen Jahrhunderts und berufen sich bei der Verteidigung derselben auf eine Gesetzesstelle vom März 1914, in welcher es heißt:„Es ist verboten, auf dem Felde von Waterloo ohne Genehmigung der Regierung Bäume zu pflanzen. Gebäude zu errichien, Steinbrüche anzulegen oder Ausgrabungen irgendwelcher Art vorzunehmen."
Ter Maire von Nivelles kämpft nun für die Aufhebung dieser Bestimmung, um für die erforderlichen Erweiterungen den nötigen Boden zu gewinnen, sichert aber den Gegnern die Erhaltung der historischen Gehöfte von Hougoumont und Belle Alliance zu.«Für das übrige," erklärt der Maire, «besteht jedoch kein Grund, warum die Belgier die Bedllrf- nisse der Gegenwart der Erinnerung an 1815 opfern sollten. Wir haben jetzt das Gedenken des Jahres 1914, und das genügt uns." Vertreter der belgischen Regierung und des englischen Komitees beabsichtigen nun, dem Felde von Waterloo einen Besuch abzustatten, um gemeinsam nach einer friedlichen Lösung der strittigen Frage zu suchen. F. L. F.
Dio Gerichte sprechen frei
Mensche« werden wie Känguruhs gejagt
Die Behandlung der australischen Ureinwohner während der letzten 199 Jahre ist ein schwarzes Kapitel in der Kolo- niolgeschichte. In welchem Maße sich die weißen Siedler den Schwarzen überlegen fühlten, geht aus der Tatsache zur Genüge hervor, daß noch bis vor kurzem in entlegenen Gegenden von den Weißen Menschenjagden veranstaltet wur- den. Derartige Jagden auf Eingeborene wurden als Sonn- tagsbelustigung angesehen und endeten zumeist mit vielen Toten.
Die Neger sind immer wehrlos, dm sie keine Stimme im Parlament haben. Sie können im Gericht auch nicht als Zeugen auftreten, wenn in den Prozeß ein Weißer ver- wickelt ist. So kommt es, daß die Eingeborenen keinen Weißen vor das Gericht bringen können. Die Ländereien, die den Eingeborenenstämmen zur Ver- sügung stehen, werden immer kleiner, da die weißen Siedler Acker für Acker für sich in Beschlag legen. Den Entrech- teten bleibt nur die Wahl zwischen Hunger oder der Jagd auf die Herden der Siedler Aus Tierdiebstahl aber stehen hohe Strafe. Von Zeit zu Zeit treffen Polizeipatrouiüen ein, die wahllos Verhaftungen vornehmen. 39 bis 49 Neger mit Ketten aneinandergeichmiedet langen schließlich in Port Darwin an, wo sie für viele Jahre im Gefängnis verblei- ben müssen. Gesängnisstrasen von zwei Jahren für zehn-
Als ein Missionar gegen die Greuel einschreiten wollte, wurde er von ben Siedlern bedroht. Der Missionar zeigte d'ie Angelegenheit aber trotzdem an und ein Kommissar wurde von der westaustralischen Regierung mit der Unter- suchung beaustragt. Er konnte nur zwei Verdächtige ermit- teln, die aber vom Gericht freigesprochen wurden. Das Ver- brechen blieb ungesühnt. Vor ganz kurzer Zeit wurde von ben Siedlern ein ganz ähnliches, aber noch entsetzlicheres Blutbad angerichtet. Ein Eingeborener hatte einen Jäger namens Brookes im Ver- lauf eines Streites getötet. Darauf veranstalteten die Siedler zusammen mit einer starken Polizeipatrouille eine regelrechte Menschenjagd. Allein 79 Eingeborene wurden erschossen, als sie sich, zum Zeichen ihrer Friedfertigkeit mit Zweigen winkend, der„Jagdgesellschaft" näherten. Auch diese grauenhaste Tat fand keine Sühne.
«Sklavenschein für 19 Schilling" Noch heule kann jeder weiße Siedler bei der Polizeibehörde eine Art„Sklavenschein" kaufen. Er kostet 19 Schilling im Jahr und berechtigt zur Einstellung«schwarzer Arbeiter" ohne Lohn. Die Zahl solcher unbezahlten Neger beträgt heute etwa 2390. Erst im vergangenen Jahr wurde eine Untersuchung über die Behandlung eingeleitet, der die Sklaven von ihren Herren und auch von der Polizei ausgesetzt sind. Sie ergab erschreckende Feststellungen. Eine Negerfrau beispielsweise war wegen Trägheit zu Tode geprügelt worden, nachdem sie vorher unbeschreiblichen Marterungen ausgesetzt war. Tie Fälle nachgewiesener schwerer Körperverletzungen konnten
Wissen s>ie schon— ... wie die berühmte Kriegsflotte der Spanier hieß?-- Armada. ... wie der Nationalheld Spaniens heißt?— Der Cid. ... wie der Schutzheilige von Frankreich heißt?— St. Denis . ... woher für den Krieg die Bezeichnung stammt«ultima ratio regnum"?— Von der Inschrift auf den französischen Kanonen unter Kardinal Richelieu (1585-1642) und auf den preußischen unter Friedrich dem Großen. ... was die Büchse der Pandora enthielt?— Krankheit, Drangsal und Alter. Und am Grunde die Hoffnung. ... warum die Proletarier in der französischen Revolution „Sansculotten " hießen?— Sie trugen statt der üblichen Kniehose sculotte) bis zu ben Knien reichende Pantalons. ... mit welchem Titel katholische Prälaten anzusprechen sind?— Monsignore. ... was Sternschnuppen sind und warum sie leuchten?— Es sind kleine Stücke kosmischer Materie,' sie werden beim Durchqueren der Atmosphäre durch Reibung glühend. ... Wie die fünf Kegelschnitte heißen?— Parabel, Hyperbel, Ellipse, Kreis und Dreieck.
nicht einzeln aufgezählt werben. Bon den Schuldigen wurde niemand bestraft... Die Zivilisation hat Australien in Besitz genommen. Das Gebiet der schwarzen Ureinwohner wird von Jahr zu Jahr kleiner. Während die Zahl der Mischlinge im Wachsen be- griffen ist, geht die Zahl der reinen Neger ständig zurück. Noch vor 199 Jahren lebten 1 Million Eingeborene auf dem Jnselkontinent. Heute beläuft sich ihre Zahl auf höchstens 69 999 Seelen. Grenz-Echo.
Unsere Töchter, die Oazinen
Er letzte sich im Bett aus und preßte die Hand ans Herz. Ich lies zu ihm hin und Hielt ihn fest. Er stöhnte ganz leise. «Mir wird so schwarz vor den Augen." Und dann lag er mit-, einemmal ganz schwer in meinen Armen, weiß wie eine Wand, mit aufgerissenen erschrockenen Augen und gab keine Antwort. Ich glaubte, er sei ohn- mächtig geworden, was in der letzten Zeit häufig geschab und lief aus den Korridor hinaus und bat die Nachbarin, sie soll schnell den Doktor Bär rufen. Ich konnte meinen Anton doch nicht allein lassen. Er lag ganz reglos da und seine Augen starrten noch immer zur Decke empor. Etwas in mir sagte:«Er ist tot." Aber ich wollte es nicht glauben. Er hatte doch noch vor ein paar Minuten mit mir gesprochen, hatte sich gerührt, hatte zu lächeln versucht. Die Stube schien plötzlich so leer, als ob ich ganz allein da wäre. Und ich fühlte eine furchtbare Angst. Der Doktor Bär kam in wenigen Minuten. Er hatte sich nicht einmal die Zeit genommen, eine Krawatte umzubinden, und er keuchte fürchterlich: er muß die vier Treppen herauf- gelaufen sein. „Nicht wahr, es ist nur eine Ohnmacht?" fragte ich ihn. «Eine lange Ohnmacht, wie vor einer Woche?" z Aber als ich in sein Gesicht blickte, wußte ich schon, daß es keine Ohnmacht war, sondern der Tod. Der Doktor Bär versuchte mich zu trösten. „Er ist leicht gestorben, liebe Genossin," sagte er.«Ohne zu leiden. Ich könnte ihn fast um seinen friedlichen Tod be- neiden." Und er seufzte tief. Der Doktor Bär hat immer so düster in die Zukunft geschaut, was ich nie verstand, denn er hatte eine schöne Praxis, eine liebe Frau und drei brave Kinder, zwei Söhne, die Rechtsanwälte waren, und eine verheiratete Tochter. Für mich aber bedeuteten seine Worte keinen Trost. Mein
Anton war tot, er würde nie mehr mit mir sprechen, nie mehr lieb zu mir sein. Für mich war alles aus. Der Doktor Bär erinnerte mich an Toni, die ich ganz vergessen hatte. «Ich werde in die Fabrik gehen," sagte er,„und es ihr sagen." Und jetzt erst siel mir ein, daß ich ja noch eine Tochter habe. Ich weinte und weinte den ganzen Tag, die Nachbarinnen kamen und sagten mir gute Worte, aber ich hörte sie kaum. Und auch die Gräfin Agnes kam,— in einer kleinen Stadt wird ja alles so rasch bekannt. Sie weinte mit mir, und dann sagte sie: «Kati, Sie haben Ihren lieben Mann verloren, aber Sie sind viele Jahre glücklich mit ihm gewesen. Vergessen Sie das nicht. Es ist weniger grausam, einen Menschen an den Tod zu verlieren als an andere Frauen." Und dann weinte sie wieber, aber ich wußte: jetzt weint sie nicht um mich und. nicht um meinen Anton,'sondern wegen ihrer unglücklichen Ehe, denn sie hat viel gelitten, meine arme Gräsin Agnes, und ihr Mann hat nicht gewußt, was für einen Schatz er an ihr gehabt hat. Die Toni hat nicht geweint. Sie war wie aus Stein, mit einem ganz harten kleinen Gesicht und das hat mir weh ge- tan. so daß ich ungerecht gegen sie geworden bin. «So seid ihr jungen Menschen," habe ich gesagt,„du hast den besten Bater von der Welt gehabt, und wenn er stirbt, weinst du ihm keine Träne nach." Dabei war mir zumute, als ob ich mein eigenes Kind hassen würde. Sie hat mich angeschaut, mit den schönen grauen Augen, die sie von meinem Anton hat. gequält unglücklich. „Ich kann nicht weinen, Mutter," hat sie erwidert.«Das weißt du doch." Und sie ist ganz starr dagestanden und hat ihren toten Vater angesehen, als wollte sie sich für ewig sein Bild ein- prägen. Dann hat sie sich vom Bett fortgedreht und ist zu mir getreten und hat mir ganz sanft den Kopf gestreichelt, wie eS mein Anton immer getan hat. „Arme Mutter, arme Mutter."
Und nachher ist sie aus der Stube gelaufen, als ob jemand hinter ihr her wäre. Das war am dritten Januar siebenundzwanzig. Wie mein Anton begraben wurde, Hab ich geglaubt, ich kann nicht weiterleben, aber ich lebe noch heute und werde wohl eine uralte Frau werden, wie meine Mutter und meine Großmutter. Natürlich hat uns der Verdienst meines Antons sehr gefehlt, und ich Hab im Sommer für die Fremden gewaschen und geflickt. So sind wir ganz schön durchgekommen. Der Seppel, der gut verdient hat, wollte uns immer aushelfen, aber die Toni gab es nicht zu. Ueber- Haupt schienen die beiden sich ein wenig zu entfremden. Die Toni war nicht mehr so begeistert von Rußland , und der Seppel schimpfte immer über uns Sozialdemokraten. Aber sie hatten einander doch noch zu lieb, um sich zu trennen. So vergingen zwei Jahre. Irgendetwas scheint in der Welt wieder nicht in Ordnung zu sein. Oft hörte man sagen:«Der oder die hat ihre Stellung verloren" und in unserem kleinen Städtchen mußten drei Kaufleute Konkurs ansagen. Dabei waren es ordentliche fleißige Menschen gewesen, die ihre Angestellien gut bezahlten. Ihre Läden blieben auch leer, sie sahen traurig aus, wie etwas Totes. Auch in Tonis Fabrik wurden Arbeiter und Angestellte entlassen. Viele von den Angestellten schlugen sich zu der Nationalsozialistischen Partei, und auch einige Arbeiter. Nun gingen bereits viele Menschen in den Umzügen mit, denen die Hakenkreuzfahne vorausgetrageu wurde, und es kam immer wieder zu Schlägereien zwischen den Nazis und den Unfern und ben Kommunisten. Aber die Nazis griffen im- mer nur an, wenn sie in der Uebermacht waren. Bei den Schlägereien hielten die Sozialdemokraten und Kommunisten zusammen, aber in ihren Versammlungen beschimpften sie einander noch immer, und ich konnte das nicht begreifen. Aber ich war eben nur eine einfache Frau und keine Poli- titerin. Die Minister hielten lange Reden und erklärten immer, jetzt gehe es endlich bergauf mit uns, doch merkten wir nicht? davon. (Fortsetzung folgt.j
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