Befreit die Geiseln!

Frau Beimler, Frau Steinfurth und alle eingeker­kerten Geiseln des Hitler- Faschismus müssen befreit werden

Nachdem es der vom Welthilfskomitee für die Opfer des

Spaltung der christlichen Saar­Gewerkschaften IIDC

Die Metallarbeiter gegen die Gleichschalter

Hitlerfaschismus aus England entsandten Delegation unter Mobello@ aarbrüden, 24. Juni 1934.

Führung des Earl of Listowel gelungen ist, die Aufmerksam­feit der Welt auf das barbarische Geiselsystem der National­sozialisten zu lenken und die Frau des sozialdemokratischen Abgeordneten Seger durch die Initiative englischer Parla­mentarier zu befreien, hat das Welthilfskomitee nunmehr beschlossen, diese so erfolgreich begonnene Kampagne auf die Befreiung aller Frauen, die wegen der antifaschistischen Arbeit ihrer Männer eingeferfert wurden, auszudehnen.

Das Welthilfskomitee hat soeben ein umfangreiches Bulletin über die wichtigsten Fälle der Geiselverhaftungen, insbesondere über das Schicksal der Frau des aus Dachau entkommenen Abgeordneten Beimler, der Frau des ermor­deten Abgeordneten Steinfurth und der Frau des ermordeten österreichischen Arbeiterführers Koloman Wallisch , der Oeffentlichkeit zu übergeben. Im Anschluß daran hat sich eine Frauenfommission gebildet, der bis heute schon eine Anzahl von Journalistinnen, weiblichen Rechtsanwälten, Frauen namhafter Universitätsprofessoren und Delegierten mehrerer großer Frauenorganisationen angehören. Diese Kommission hat sich als wichtigste Aufgabe die Entsendung einer Delegation nach Deutschland gestellt, um die Lage der in Konzentrationslagern und Gefängnissen eingesperrten Frauen einzuleiten.

Auf Anregung des Welthilfskomitees ist in England und Amerifa eine ähnliche Aktion in die Wege geleitet worden, um die Freiheit für Frau Beimler, Frau Steinfurth, Frau Wallisch und alle eingeferferten Geiseln des Hitlerfaschismus zu erkämpfen.

Lipari und Oranienburg

Am 9. Juni gab der Deutsche Presse- Verlag folgende Notiz an die Zeitungen:

Folgender Vorfall hat in der Bevölkerung von Südtirol starke Erregung ausgelöst: Der Korporator von Lüsen , Michael Summerer, ist nach Lipari gebracht worden, auf jene Fieberinsel, die Dr. Noldin den Tod brachte. Der Trans­port erfolgte gefesselt. Er hat drei Jahre auf der Insel zu verbringen. Sein Verbrechen? Lauter Kleinigkeiten, die faum der Beachtung wert sind. Den Anfang machte ein Wortwechsel mit der italienischen Lehrerin, die einem Kinde einen deutschen Katechismus wegnahm. Deshalb verurteilte die Konfinierungskommission am 21. Februar 1933 Sum­merer wegen Aufhezung der Bevölkerung gegen die italie­nische Schule zu zweijähriger Polizeiaufsicht mit 3wangs­aufenthalt in Rüsen. Da der Geistliche später an einem vom Fürstbischof Geisler von Briren geführten Pilgerzug nach Rom teilnahm, ohne die Erlaubnis des Podesta einzuholen, wurde er im Oftober 1933 zu 5 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt. Am 22. März dieses Jahres hatte sich Summerer in Brigen zu verantworten, weil er die Balilla( das ist die Hitler- Jugend Mussolinis) angeblich mascherato" genannt habe. Ein Beweis hiefür fonnte nicht erbracht werden. Am 28. April wurde er zum zweiten Male vor die Konfinie­zu drei Jah=

3mei Konferenzen der christlichen Gewerkschaften fanden an den vergangenen Sonntagen in Saarbrücken statt. Im Deutschherren- Saal in Alt- Saarbrücken tagte am 10. Juni die unter Riefers Führung doppeltgleichgeschaltete ehemals christliche Bergarbeiterorganisation, jetzt mit einigen fleinen Organisationen ,, Deutsche Gewerkschaftsfront" genannt. Im Volkshaus in Burbach fand am 17. Juni eine Ver­trauensmännerkundgebung des nicht mehr gleichgeschal­teten christlichen Metallarbeiterverbands unter Picks Füh­rung statt.

Ueberaus mutlos war, was der Führer" der Deut­schen Gewerkschaftsfront", Peter Kiefer, fagte. Er begann:

" Die Situation ist sehr ernst. Wir haben viele Gegner in der legten Zeit bekommen."

Dann unterbrach er sich und schickte zuerst die gesamte Wirtschaftsbedienung aus dem Saal, weil er wahrscheinlich von dieser Seite her Verrat befürchtete. Nun erzählte Peter Kiefer, daß er in Berlin vor einem Herrn ganz gewaltig auf den Tisch schlagen mußte und von diesem Herrn forderte, man müsse die Diffamierung der christlichen Gewerkschaften zurücknehmen."

ierung der christlich

Wie eine offene Rampfansage an die Deutsche Ge­merschaftsfront", an die Banfrottwirtschaft des dritten Rei­ches" und damit an Pirro Röchlings deutsche Front" wirfte die

Bertrauensmännerkonferenz des

chriftlichen Metallarbeiter: Berbanbes Welche Bedeutung diese Konferenz hatte, geht schon aus der Tatsache hervor, daß an ihr 600 Metall­arbeiter teilgenommen haben. Die Konferenz wurde von Gewerkschaftssekretär Mockenhaupt, St. Ingbert , eröffnet, der erklärte, es fönne niemand in Frieden leben, wenn es seinem Nachbar nicht gefalle. Dies sei in letter Zeit der Fall. Nach den scharfen Angriffen auf den Führer Pid sei diese Konferenz zur Bereinigung aller strittigen Fragen nötig. Der christliche Metallarbeiter- Verband sei von seinen Grundsäßen nicht abgewichen. Wenn andere Verbände das getan haben und nun glauben, unter dem Deckmantel des Nationalsozialismus ihre schmutzige Wäsche zu waschen, so werde der Verband dem begegnen. Seine Parole laute alle Zeit: Zurück zum Vaterland, in ein freies Deutschland !

Hier ereignete sich ein Zwischenfall: Ein Teilnehmer rief im Auftrage der Gleichgeschalteten: Vaterlandsverräter!" Sofort sprangen ein paar Teilnehmer auf und beförderten den Mann auf ziemlich spürbare Weise aus dem Saal. Die ganze Versammlung gab ihr Einverständnis durch lauten Beifall kund.

Anschließend ergriff der Führer des christlichen Metall­arbeiter- Verbandes, Pick, das Wort. Seinen Ausführungen entnehmen wir: Wir haben 15 Jahre miteinander Politif getrieben. Wir haben unsere Richtlinien genau verfolgt, und jetzt schreien gewisse Leute, die vom Wege abweichen, wir würden Vaterlandsverrat treiben. Als christlicher Metall­arbeiterverband sind wir gegen jede Vergottung von Füh­rern, weil sie selbst nur schwache Werkzeuge sind.

Menschen, die heute verleugnen, was sie gestern gepredigt haben, find Lumpen! Kreaturen glauben jezt in der Politik fich Lorbeeren zu erringen durch große Worte. Früher waren zu feige, ch zum Deutschtum zu bekennen. Im Hinblick auf die Rückgliederung meinte Pick: Auch jetzt müssen wir beobachten, daß

die Geldsäcke sich wieder in den Vordergrund drängen und durch nationalen Rummel als Roßtäuscher auftreten. Die Arbeiterschaft verlangt, genau wie die Beamtenschaft, daß sie nach 1935 gesichert ist.

Die Deutsche Arbeitsfront hat im Jahre 1933 beim christ­lichen Metallarbeiterverband in Duisburg fünf Millionen Goldmark beschlagnahm t. Dazu kommt noch die Renten­zuschußkasse mit 300 000 Dollar. Andere Verbände haben ihr Geld nach dem Saargebiet geschafft, ohne sich an die damals bestehenden Devisenbestimmungen zu halten. Unsere Kollegen im Reich wurden entlassen, ohne daß man ihnen ihren Anteil herausgab.

Heute wird drüben im Reich unser Geld als Unterstügung ausgezahlt an Leute, die nie Mitglied unseres Verbandes waren!

Der Redner schloß unter stürmischem Beifallflatschen mit den Ausführungen, daß der Verband von seinem gesteckten Ziele nicht abweichen werde.

Ein Pfiler Redner forderte von den Anwesenden, daß eine Diskussion nicht stattfinden solle. Als Arbeiterausschuß­mann der Burbacher Hütte, Habelis, eine Diskussion verlangte und die Beteiligung Picks am Internationalen Kongreß als eine politische Dummheit" bezeichnete, ver­langte die Versammlung stürmisch, daß Habeliz sofort die Kundgebung zu verlassen habe.

Zumasfommiſſion nach Bozen geladen und dort au bret gab. Die Panik auf der Dresden "

ren Zwangsaufenthalt verurteilt. Der Aufenthalt auf Ripari ist in den Sommermonaten unerträglich. Wassermangel und fatastrophale Size machen das Leben zur Hölle. Eine von Bastionen eingefäumte Straße erflettert die Höhe der Sand­bänke, die Lipari beherrschen. Die Ueberwachung ist streng, die Kost mager. Als vor einiger Zeit ein Besucher Liparis sich erkundigte, sagte ihm einer der Gefangenen: Herr, hier lebt man nicht, man stirbt hier ganz langsam.

So der Bericht der 100prozentig nazischen Korrespondenz. Nur eines vergißt sie zu sagen; die Insel Lipari ist des Hit­Ierfollegen Mussolini Oranienburg. So greift denn die Nazipreffe die Einrichtung der Konzentrationslager an. Allerdings der italienischen. Es wird schon so sein, daß Lipari den deutschen Lagern in nichts nachgibt. Die bei­den Faschismen sind einander würdig.

Neues deutsches Eherecht Bevorzugte Stellung des ehelichen Kindes

( 33.) Die Grundsäße für die Entwicklung, die das deutsche Ghe- und Familienrecht nehmen dürfte, werden in den Ver­öffentlichungen des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen eingehend dargelegt. Reichsleiter Buch, der Vor­figende des Parteigerichts, gibt die Grundlagen für das neue Cherecht: Rassenhygiene und Bevölkerungspolitif. Ger­manischer Geist habe überall auf der Erde die Völker be­fruchtet und zu ihrer Entwicklung beigetragen. Dieser vom Schicksal gestellten Aufgabe fönne der neue Staat nur ge­recht werden, wenn er danach trachte, den deutschen Menschen zu erhalten. Darum stelle, der nationalsozialistische Staat in den Mittelpunt seiner Sorge die Familie deutschblütiger Menschen. Zur Erhaltung des Volkstums sollen möglichst viele Ghen geschlossen werden. Die Ehen sollen im Hin­blick auf das Kind unlösbar sein.

Weitere Aufsätze in dem Organ des BNSDJ. behandeln dann die Einzelheiten des Familien- und Eherechts. Land­gerichtsdirektor Dr. Gfrörer- Görlig stellt folgende Grund­fäße auf: Die Eheschließung ist nur rassereinen erb= gefunden Vollbürgern zu gestatten, daher Ehefähigkeits­zeugnis. Die Rechtsstellung des ehelichen Kindes deutscher Familie ist gegenüber der des unehelichen aus unkontrol lierter Verbindung zu bevorzugen. Jm ehelichen Güterrecht ist zugunsten der Hausfrau und Familienmutter die Er­rungenschaftsgemeinschaft als primärer geseglicher Güter­stand einzuführen. Die Unterhaltspflicht zwischen Vers wandten ist zugunsten der Familie auf die finderlose Seiten­linie auszudehnen. Die Scheidung von Fehlehen", aus denen feine Kinder hervorgegangen sind, und aus denen raffereine erbgefunde Kinder nicht mehr zu erwarten sind, ist zu erleichtern, die Scheidung anderer Ehen ist zu er­schweren. Die Unterhaltspflicht und das Sorgerecht nach der Scheidung ist möglichst von der Schuldfrage zu lösen; die jorgeberechtigte Mutter ist dabei zu bevorzugen. Im Erbrecht ist der finderlos überlebende Gatte auf ein Nuzungsrecht zu beschränken.

,, Edel sei der Mensch"

( 3. T. A.) Das Zentralinstitut für Erziehung und Unter. richt in Berlin veröffentlicht einen Aufruf, in dem es die Schüler und Schülerinnen der preußischen höheren Lehr­anstalten auffordert, sich bei ihren Direktoren zum inner­deutschen Schüleraustausch zu melden. Die Austauschpart­ner verleben ihre Ferien gemeinsam, um sich gegenseitig fennen zu lernen. Der Gegenbesuch ist jeweils für die dar­auffolgenden Ferien vorgesehen. Von diesem innerdeutschen Schüleraustausch sind nichtarische Kinder grundsäßlich aus­geschlossen.

Abonniert die ,, Deutsche Freiheit"

Telegramme Leys

Berlin, 22. Juni.

Der Führer der DAF, Dr. Len, nimmt den außerordent­lich betrüblichen Vorfall des Untergangs der Dresden " zum Anlaß, ein Dußend Telegramme in die Welt zu verschicken. Aus dem Telegramm an den Norddeutschen Lloyd erfährt man, daß

ausländische Agenturen versuchen, Berwirrung zu schaffen oder gar Falschmeldungen über das heldenhafte Verhalten der Besagung zu bringen. Nur der Haß gegen Hitler : deutschland könne den Anlaß hierzu geben".

In der Tat behauptet die ausländische Presse, daß der Un­glücksfall sich erheblich schwieriger und besorgniserregender abgespielt hat, als das Deutsche Nachrichtenbüro wahr haben will. Schon gestern mußten wir darauf hinweisen, daß das Deutsche Nachrichtenbüro selbst schuld daran ist, daß man Mißtrauen in seine Meldungen setzte. Die ausländische Presse behauptet, daß nach dem Aufstoßen des Schiffes sich etwa 100 Passagiere auf den Brücken des Schiffes zu­sammengedrängt hätten. Sie hätten sich dann aus blinder Angst und weil die Mannschaft versagte, ins Meer gestürzt, um schwimmend die Küste, deren erste Lichter man in der Dämmerung aufblizen sah, zu erreichen.

Verödende Weltstadt

Der Kapitän hätte dann sofort Rettungsboote ins Wasser gelassen und die Mannschaft des Schiffes sei daran gegangen, die Unglücklichen aus den Wellen zu ziehen. Erst als der Kapitän merkte, daß das Schiff schwer led war, voll Wasser lief und schwer Schlagseite befam, ließ er alle Rettungsboote flottmachen.

Um den niederschmetternden Eindruck über den unglück­lichen Ausgang einer Fahrt, die ausgerechnet Kraft durch Freude " bringen soll, zu verdecken, überschlägt sich das propa­gandistische Deutschland in unsinnigen Meldungen. Es soll von der Kieler Woche der Kreuzer Leipzig " zur Unfallstelle gesandt worden sein. In dem Augenblick, in dem der Kreuzer an der Unfallstelle anfommen muß, ist dort selbst­verständlich nichts mehr zu sehen und befinden sich die ge­retteten Passagiere in Bremerhafen . Ebenso lächerlich ist die Meldung, daß das Fischerei- Schußboot Weser- Ems " zur Unfallstelle beordert sei. Geradezu unsinnig mutet ein Bericht der Deutschen Front" des Herrn Pirro an, der überschrieben ist Heldentaten bei der Rettung". Danach sollte man annehmen, daß das Schiff absichtlich zum Unter­gang gebracht worden sei, um deutsche Mannesmut, deutsche Disziplin und deutschen Humor zeigen zu können und das Ansehen unseres Vaterlandes zu mehren".

Jeder Berliner täglich...

evamal in der Innenstadt!

Berliner

In der Berliner Innenstadt wird es leerer und leerer. An den großen Geschäftshäusern hängen Vermietungspla­fate. In den Hauptgeschäftsstraßen und Warenhäusern, in denen sich sonst Menschenmengen drängten, ist der Verfehr gewaltig zurückgegangen. Die Abschaffung der automatischen Berfehrsregelung hat dem Kundigen gesagt, daß der Auto­verfehr starf gesunfen ist. Jest ist es soweit, daß in Berlin Reklame zum Besuch der Innenstadt gemacht wird! Die Ber­ liner Straßenbahnwagen tragen große Reflameschilder: Je der Berliner täglich einmal in der Innenstadt!" Das ist

Straßenbahn wirbt um Fahrgäste

nicht die Folge einer Verlagerung, einer neuen Citybildung. Dort, am Reichskanzlerplaß, wo Herr Goebbels seine Zurus­wohnung hat, wo einst eine neue City entstehen sollte, ist heute verödete Kleinstadt in großstädtischen Bauformen. Diese Notreflame ist durch den unaufhaltsamen Geschäfts= rückgang erzwungen. Aber alle Reflame bringt den Ber= linern nicht mehr Geld in die Taschen und den Geschäften feine Kunden. Die braune Blockade ist mit Reflamefünsten nicht zu besiegen!