Den

20 min allods

nonimoimabut? oh than

Frethet

Einzige unabhängige deutsche Tageszeitung

Zusammenbruch

ob 2312 der Studentenfront

Seite 2

Illegalität an der Saar

Seite 3

Konkordat mit Möcdecn

Seite 4

Martyrium Ernst mühsams

Seite 4

Die französische

Regierungskrise

Seite 7

Nr. 168 2. Jahrgang

Saarbrücken

Dienstag, 24. Juli 1934 Chefredakteur: M. Braun

Tödliche Waffe gegen Hitler

Die Geheimakten der Reichswehr

Paris , den 23. Juli. Im Figaro" macht Wladimir D'Ormesson unter dem Titel Deutsche Geheimnisse" Ausführungen, die geeignet find, auf die Ereignisse vom 30. Juni und Hitlers gegen wärtige Position neues Licht zu werfen. Der angesehene franzöfifche Journalist sagt unter anderem, gedrängt von Hindenburg , gedrängt von der Reichswehr , herausgefordert durch Papens Marburger Rede, von dem Mussolinibesuch in Benedig mit leren Händen zurückgekommen, habe sich Hitler entscheiden müssen, brutal vorzugehen. Aber seine Nerven hätten ihn im Stich gelassen und die beabsichtigten Maß= nahmen wären nur in ein für den Führer peinliches Ab­schlachten ausgeartet.

Die persönliche Stellung des Kanzlers sei heute ge= schwächt. Sie sei aber noch nicht unmöglich. Die Situation sei einfach die: die Reichswehr brauche Hitler und Hitler branche die Reichswehr .

Die Reichswehr brauche Hitler , weil bisher, und trotz des 30. Juni der Führer" der Führer bleibe, das heiße, jenseits des Rheins der einzige Mensch sei, der ein Prestige besige, das ausreiche, um ein Bolt, ein Land zusammenzuhalten, die angesichts eines wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und moralischen Chaos sonst nach allen Seiten auseinanderfallen würde. Sei Hitler nicht mehr, dann könne ihn niemand in Deutschland ersetzen. Seine Macht bestehe in der Tatsache, daß gegenwärtig niemand anders da sei, der an seine Stelle treten tönne. Das wisse die Reichswehr . Deshalb bediene

sie sich seiner weiter. Aber sie halte ihn fest. Und sie halte ihn recht gut.

Sie halte ihn aus zwei Gründen. Der erste sei, daß sie die Ordnung mit ihren Maschinengewehren und Bajonetten verkörpere. Der zweite, weil sie

in ihren Geheimschränken Aften befäße, die unter Aus schluß jedes Zweifels bewiesen, daß der berühmte Reichss tagsbrand von A bis 3 von den Naziführern ins Werf gesetzt worden sei.( Wir verweisen auf die vorige Ausgabe der D. F." mit dem Brief des SA.- Mannes Kruse). Das deutsche Volf, leichtgläubig wie es sei, sei immer noch überzeugt, daß es sich um einen kommunistischen Anschlag gehandelt habe. Wenn man ihm von berufener Seite das Gegenteil beweisen würde, dann würden ihm die Schuppen von den Augen fallen, und es würde sich darüber klar werden, daß es

seit achtzehn Monaten in schlimmster Weise betrogen worden sei. Hitler wisse, daß die Reichswehr diese tödliche Waffe gegen ihn in Reserve halte. Das allein genüge, um die Zurückhaltung zu erklären, die er sich mehr und mehr der Reichswehr gegenüber auferlege.

So werde aller Wahrscheinlichkeit nach das Bündnis Hitler - Reichswehr weiter das dritte Reich" beherrschen bis zur Stunde, wo Hindenburg die Augen schließen werde. An diesem Tage werde es zur Entscheidung in Deutschland kommen. Wahrscheinlich sei, daß man diese Entscheidung schon jetzt vorbereite.

Fritz Thyssen gegen den Führer"

Ueberall Vordringen der Reaktion

Berlin , 23. Juli. Der Reichskanzler gibt sich die erdenk lichste Mühe, der Reichswehr , den Großgrundbesitzern und den deutschen Monopolfapitalisten zu gefallen. Reihenweise fliegen die nationalsozialistischen Radikalen aus ihren

Aemtern:

Hamburg , 21. Juli. Im Gebiet der Nordmark find die Bannführer Georg Reepen( Hamburg ), Stammführer Wolf­gang Ammermann( Wandsbed) und Oberjungbannführer Wilhelm Krap( zuletzt Berlin ) aus der Hitler- Jugend aus­geschlossen worden.

München , 21. Juli. Die Reichspressestelle der NSDAP . gibr bekannt: Der Gauleiter vom Pommern , Wilhelm Kar­ penstein , wurde wegen wiederholter Nichtbefolgung von Anordnungen der Parteiführung heute zum Führer seines Postens enthoben. Zum neuen Gauleiter von Pommern wurde der PG. Franz Schwede , der bisherige Oberbürger­meister von Koburg ernannt, der eben erst zum Regierungs­präsidenten in Niederbayern ernannt war und nun schleu­nigst nach Pommern fommandiert wird.

Karpenstein , ein erst 31jähriger Rechtsanwalt ist einer der alten Kämpfer". Herausgeber der Pommerschen Zeitung". Reichstagsabgeordneter seit 1930. Gin recht unbefähigter Schwäßer, der sehr gut zu brauchen war, solange radikale Hezreden die nationalsozialistische Politik ausmachten, nun aber der Reaktion", also in Pommern den Junkern geopfert werden muß. Die nationalsozialistische Pommersche Tages­post widmet ihre ganze erste Seite dem Kampfe gegen die weite Revolution". In voller Angst wendet das Blatt sv= gar folgendes Argument gegen Karpenstein an, Hitler könne seine Verpflichtungen gegenüber dem Ausland nicht erfüllen, wenn die Naziopposition nicht Ruhe gebe.

Aber aller Uebereifer Hitlers beruhigt anscheinend die fiegreiche Reaktion nicht. Die schon seit Wochen kursierenden Gerüchte, daß Friz Thyssen sich mit Hitler verkracht habe, verdichten sich nun zu der Meldung, Thyssen habe seinen Austritt aus der NSDAP . erklärt. Das DNB. dementiert. Wir haben Grund die Richtigkeit des Dementis zu bezweifeln.

Ob die Nachricht nun schon oder noch nicht zutrifft: wahr bleibt die Enttäuschung der Schwerindustrie über die Entwicklung im dritten Reiche". Sie hat mit Vergnügen die Subventonen und riesigen Rüstungs­aufträge entgegengenommen, nun aber will sie in ihrem kapitalistischen Herrentum durch keinerlei nationalsoziali stische Romantik mehr gestört werden, Thyssen, der als erster Hochkapitalist sich zu Thyssen bekannt hat, nachdem er die Bewegung schon jahrelang vorher gekauft hatte, scheint nun

auch als erster mit Hitler brechen zu wollen. Ist der Wirtschaftsdiftatur im Westen der Meinung, daß Hitler jest schon entbehrlich ist? Rings um den großen Führer" wankt der Boden.

Gürtner verlangt, Achtung" Nämlich vor dem Gesetz

Berlin , 22. Juli. Der Reichsjustizminister D. Gürtner hat an alle deutschen Justizbehörden einen Erlaß gerichtet, in dem darauf hingewiesen wird, daß durch die Niederschlagung der hoch und landesverräterischen Angriffe auf die Volts­gemeinschaft vom 30. Juni bis 2. Juli die innere Kraft des Reiches gefestigt und gesichert worden sei. Reichsregierung am Neuaufbau, daß die Achtung vor Mehr denn je sei Voraussetzung für die weitere Arbeit der dem Gesez, die der Reichskanzler von den SA.- Führern gefordert habe, auch für alle Volksgenossen das höchste Gesetz des Handelns sei. Der Erlaß fährt dann fort: Der Rechts­pflege erwächst die besondere Aufgabe, mit Nachdruck für die gewissenhafte Wahrung von Gesetz und Recht einzutreten und gegen jeden Rechtsbruch, insbesondere gegen jede straf­bare Handlung, entschieden vorzugehen. Die Rechtspflege darf sich dabei von keinerlei Rücksichten auf die Person des Beschuldigten leiten lassen. Sie dient allein dem Wohl des Voltes und der Gerechtigkeit. Versuche Unberufener, auf den Gang des Rechtsverfahrens Einfluß zu nehmen, sind nachdrücklichst zurückzuweisen und alsbald ben vorgesetzten Behörden zu melden. In keinem Falle dürfen sie den ordnungsgemäßen Fortgang des Verfahrens, insbesondere die sachgemäße Durchführung der Ermittlungen, verzögern. Bei allen Maßnahmen ist eines besonders zu beachten: der gehobenen Stellung des Trägers eines deut­schen Amtes, eines Führers oder Unterführers, entspricht erhöhte Pflicht. Wer sie verlegt, wer insbesondere als Amtsträger oder Führer sich gegen das Gesez auflehnt, Ausschreitungen begeht oder sich in ihn gesetztes Vertrauens unwürdig erweist, ist nachdrücklich und unnachsichtlich zu verfolgen. Die Volksgemeinschaft darf erwarten, daß die Strafe, die gegen ihn verhängt wird, nach Art und Höhe der gehobenen Stellung des Beschuldigten Rechnung trägt."

*

Die großen Mordserien vom 30. Juni bis 2. Juli hat im Reichsminister Gürtner einen unfreiwilligen Satiriker ge= funden. Ohne Rechtsgrundlagen hat der Führer" des Herrn Gürtner Dußende niedermeßeln lassen. Nachher wurde alles auf Vorschlag des Herrn Reichsjustizministers für rechtens" erflärt. Der verantwortliche Rechtszerstörer ruft jest zur Achtung" vor dem Gesetz auft

,, Rache 1935"

Die Regierungskommission des Saargebietes erläßt folgende Amtliche Kundgebung:

Bu der von einem Teil der Presse gegebenen Darstellung der Vorgänge bei den Haussuchungen in der Geschäftsstelle der deut­schen Front" in Saarbrücken , Waterloostraße 11a, am 19. Juli 1934 wird folgendes festgestellt:

1. Auf Grund von Verstößen gegen die in§§ 92a und 92e des Strafgesetzbuches enthaltenen Bestimmungen, Verstöße, mit welchen der Herr Generalstaatsanwalt bereits befaßt ist, war von der Regierungskommission eine Durchsuchung der Büroräumlichkeiten des freiwilligen Arbeits­dienstes in Saarbrücken , Waterloostraße, angeorda net worden.

Die Leitung der Durchsuchung hatte ein schon mehrere Jahre im Dienste der Regierungsfommission stehender saarländischer Beamter der Landeskriminalpolizei. Es ist somit unwahr, daß Polizei­tommissar Machts, der den Ordnungsdienst zu versehen hatte, die Leitung der Durchsuchung übernommen hätte.

2. Ueber die Vorgänge bei der Haussuchung ist aus den amtlichen Berichten folgendes zu entnehmen:

a) Die Durchsuchung verlief ohne wesentliche Störung und ohne Zwischenfall bis zu dem Augenblick des Abtransportes der beschlag­nahmten Aften aus dem Büro in die vor dem Hause stehenden Kraftwagen der Polizeidirektion.

b) Bei Ankunft des Kommandos waren alle Beamten bis auf die Kraftwagenführer in die Büroräume hineingegangen. Die Straße war menschenleer. Nach einiger Zeit hatten sich einige Personen angesammelt, die lediglich aus Neugier stehen blieben. Es wurde beobachtet, wie die Angestellten der Geschäftsstelle der deutschen Front" in großer Zahl an den Fenstern standen, ferner, wie von da aus durch Zurufe zwei Radfahrer informiert wurden. Die beiden Radfahrer fuhren weg und als bald seßte ein 3uzug von Jung und Alt, Frauen, Männern und Kindern ein. Einige Zeit später fuhr auch ein Auto mit zwei Insassen vor, die sich ebenfalls mit den an den Fenstern stehenden Leuten verstän­digten. Das Auto fuhr wieder weg und kurze Zeit später begann erneut ein starker Zuzug des Publikums. Die anwesende Jugend nahm förmlich Aufstellung. Die Parole wurde durchgegeben, das Deutschlandlied und das Horst­Wessel Lied zu singen, Fähnchen wurden von Kin dern verteilt, Transparente herumgetragen.

c) Als die Beamten in Erfüllung ihrer Dienstpflichten den ersten Posten der beschlagnahmten Akten in die Kraftwagen verbringen wollten, brach die Menge, die auf ungefähr 300 Personen geschätzt war, in wüste Beschimpfungen wie: Landesverräter", Volksverräter"," umpenpad"," Strolche"," eiga Iinge", Rache 1935"," Eure Köpfe sind uns, Ge sindel" usw. gegen die Beamten aus.

d) Ein Beamter, der bemerkte, daß von einem Fenster aus eine Person sich dadurch besonders bemerkbar machte, daß sie hinaus­schrie: Hängt doch die Lumpen au f", eilte ins Haus, um den Betreffenden festzunehmen. Hierbei stellten sich ihm im 3immer ungefähr 40 Personen entgegen und versuchten, mit Gewalt ihn von der Amts hand­Iung abzuhalten. Der Beamte berichtet, daß er dort un­weigerlich zu Boden geschlagen worden wäre, wenn es ihm nicht gelungen wäre, rechtzeitig die Pistole zu ziehen. Kommissar Machts, der aus dem Rufe des Beamten Hände hoch" die gefährliche Lage erkannt hatte, eilte ihm zu Hilfe, worauf die Täter aus dem Fenster und den Türen flü ch= teten. Als die Beamten sich dann aus dem Hause herausbegeben wollten, wurden sie von einem angeblichen Hausangestellten ein­geschlossen mit den Worten: Hier tommt ihr nicht wieder heraus." Der Tumult im Hause setzte in verstärktem Maße ein. Etwa 40 Beute drangen da auf die Beamten mit Beschimpfungen und Drohungen ein. Die Situation war so bedrohlich, daß nach den Berichten der Beamten sie sich mit Fug und Recht gewaltsam den Ausgang hätten verschaffen können. Nur die absolute Gewißheit, daß es dann ohne den Gebrauch der Schußwaffe nicht abgegangen wäre, veranlaßte die Beamten, von einem solchen Vorgehen abzu­sehen. Erst nach wiederholten Aufforderungen, nach etwa zehn Minuten, wurde die Tür geöffnet. e) Nach der Freilassung der Beamten brach die Menge in ein Geschrei und Geschimpfe aus. Ein Polizeiaufgebot, das inzwischen eingetroffen war, zerstreute die Menge. Zu Tätlichkeiten ist es nicht gekommen.

Die Durchsuchung dauerte von 17.00 bis 19.10 Uhr. 02 bat 3. Der Oberstaatsanwalt beim Landgericht Saarbrücken ist an­gewiesen worden, die Eröffnung einer gerichtlichen Voruntersuchung zu beantragen.

Weitergeben!

Weitergeben!

Werfen Sie die ,, Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Auf­klärung und Belehrung bedürfen!