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Saar - Justiz gegen Saar- Regierung

Offene Herausforderung durch den Untersuchungsrichter

Am 24. Juni ließ die Regierungsfommission als Trä­gerin der obersten Polizeiverwaltung die Versieglung der Räume der braunen Front und die Sicherstellung der dort vorgefundenen Gesamtakten vornehmen. Es handelte sich dabei um eine polizeiliche Anordnung, die auf Grund des Allgemeinen Landrechts getroffen wurde. Wie die Regierungskommission am 27. Juni 1934 der braunen Front mitteilte, stützte sich das Vorgehen gegen diese Or­ganisation auf den begründeten Verdacht, daß die Aus­wirkung der deutschen Front" nach Aufbau, Unterglie­derung, nach Verbindungen und Beziehungen und nach dem Geschäftsgebaren eine Gefährdung der Regierungs­autorität und der Regierungsgewalt und damit der öffent­lichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit bedeutete".

Gegen diese polizeiliche Maßnahme hat die braune Front durch ihren Rechtsberater eine unzulässige Be­schwerde bei dem Untersuchungsrichter des Landgerichts erhoben. Unbegreiflicherweise hat dieser die Beschlagnahme aufgehoben.

Der Untersuchungsrichter

von diesem Komplex Baumgärtner absolut eindeutig ab­getrennt und dies auch deutlich zu erkennen gegeben. Es spielt dabet gar keine Rolle, ob ursprünglich die Beschlag­nahme nur erfolgt ist in der Sache Baumgärtner. Wenn sich nachträglich herausgestellt hat, daß auf Grund von § 10 II 17 A. L. R. ein Einschreiten erforderlich wurde, bei dem die beschlagnahmten Akten die Grundlage bil­deten, so wurden sie damit ausgesondert. Der Unter­suchungsrichter konnte sie gegebenenfalls als Beweis material herbeiziehen. Die Beschlagnahme aber unterlag nicht mehr seiner Rachprüfung.

Man muß wissen, daß der Rechtsberater der braunen Front ein früherer Kollege des Untersuchungsrichters ist. Landgerichtsrat a. D. Freudenberger trug noch vor kurzem die Robe eines Richters am hiesigen Landgericht. Vielleicht ist seine Ueberzeugungskraft dadurch über das Normale gesteigert.

Der Untersuchungsrichter beim Landgericht Saarbrüden Der Freund des Reichspräsidenten

hat die von der Regierungskommission verfügte Beschlag­nahme der im Büro der Landesleitung der braunen Front und der Saarkorrespondenz vorgefundenen Akten durch Be­schluß vom 7. 8. 1934 aufgehoben. Der Aufhebungsbeschluß er­folgte in der Strafsache gegen den Attentäter Johann Baumgärtner, der den Mordanschlag auf Kommissar Machts verübt hat. In der Begründung dieses Beschlusses führt der Untersuchungsrichter aus, die Beschlagnahme sei gemäß§ 94 der Strafgeseßordnung unbegründet und nicht rechtmäßig. Ein Einschreiten gemäß allgemeines Landrecht § 10 II 17 fönne nicht als begründet erscheinen und sei nicht geeignet, die Beschlagnahme zu rechtfertigen. Diese Stellung­nahme des Untersuchungsrichters ist erfolgt, ohne daß der Herr die Aften überhaupt eingesehen hatte. Eine unglaub­liche Herausforderung der Regierungskommission!

Erneut beschlagnahmt!

Lange hat die Freude nicht gedauert. Nachdem der Unter­suchungsrichter beim Landgericht Saarbrücken sich für die Aufhebung der Beschlagnahme der Aften der deutschen Front" für zuständig erklärt und diese Beschlagnahme auf­gehoben hat, obwohl ihm die Ansicht der Regierung bekannt war, daß es sich bei der Beschlagnahme um eine Maßnahme aus der Polizeigewalt der Regierung handelte, hat die Re­gierungskommission angeordnet, daß die Akten erneut auf Grund des der Polizei aus dem allgemeinen Landrecht zu­stehenden Rechtes beschlagnahmt worden sind.

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Danach hatte die Regierungskommission den Schlag des Untersuchungsrichters pariert und ihm damit gleichzeitig eine empfindliche Ohrfeige versetzt, die aber kaum geeignet sein dürfte, für die Zukunft eine Alenderung in dem Ver­halten der jaarländischen Justiz herbeizuführen.

Richter"

Die Volksstimme" schreibt u. a. dazu:

Was diesen Richterspruch aus dem Blumenstrauß saar­ländischer Justizblüten herausleuchten läßt, ist die Tat­sache, daß der Untersuchungsrichter trotz eingehender Be­lehrung durch die Regierungskommission und trotz seiner offenbaren Unzuständigkeit sich keck, fröhlich und un­bekümmert auf ein Turnier mit der Regierungskommis­fion einläßt. Der Untersuchungsrichter war nur befaßt mit der Mordversuchssache gegen Baumgärtner. Die Re­gierungskommission hatte aber die beschlagnahmten Akten

Die letzten Samaritaner

Von Erich Gottgetreu , Jerusalem Nablus, das biblische Sichem im Herzen des Heiligen Landes, die Stadt, die Jakobs Brunnen birgt, Josephs Grab und manche schmerzliche Erinnerung palästinensischer Vergangenheit, verlassen wir gegen acht Uhr morgens. Nach etwa zwei Stunden mühevollen Anstiegs über tables, son­nenbebranntes Gestein ist die Höhe des Berges Gerizim er­reicht. In Hütten und Zelten treffen wir Männer und Frauen an, die wie Araber aussehen, ihren roten Fez tra­gen, auch sonst wie sie gekleidet sind und untereinander einen arabischen Dialekt sprechen: Samaritaner, die letzten An­gehörigen des ehemals großen Volfes, jetzt über zweihundert Seelen... Heute werden sie genau nach den Anweisungen, die Moses gab, ihr Pessachopfer darbringen: sieben Lämmer. Im allgemeinen findet die Feierlichkeit das älteste Opfer, das die Weltgeschichte kennt! am Abend statt. Aber dies­mal fällt das samaritanische Peffachfest auf einen Schabbath, und deshalb muß die umständliche Zeremonie in die Mit­tagsstunde Freitag vorverlegt werden.

Mit vornehmen Gebärden lädt uns einer der Aeltesten in den Schatten seines Zeltes: Ich heiße Abraham", und eine vollkommene, patriarchische Würde begleitet den Namen. Noch ist es Zeit bis zum Beginn des Opferdienstes, und Abraham erzählt die Geschichte seines Stammes...

Die Samaritaner sind keine Juden von Geblüt, sondern Assyrer. Im achten Jahrhundert v. Ch. wurden sie vielmehr vom Assyrerkönig Salmanassar nach der Zerstörung des Rei­ches Israel als Kolonialvolk hier angesiedelt. Aus Klugheit nahmen sie die Religion ihrer israelitischen Vorgänger an. Und Freundschaft und Mithilfe beim Aufbau des Tempels boten sie auch den nach zweihundert Jahren aus dem baby­Ionischen Eril zurückkehrenden Juden. Aber die wollten von den Samaritanern nichts wissen. Sie waren ihnen nicht reinrassig genug

Seit dieser Zeit herrschte zwischen Samaritanern und Ju­den bittere Feindschaft, obschon beide Völker im Lauf der Geschichte oft genug gemeinsame Gegner hatten. Die Juden bauten ihren Tempel in Jerusalem , die Samaritaner auf dem Berge Gerizim. Jedes Volk hielt seinen Platz und sei­nen Bau für den wahrhaft göttlichen und den Kult des an­deren für Keßerei. An Rassentreue übertrafen die Sama­ritaner bald ihre früheren Beleidiger; Mischehen kamen nicht mehr vor. Und bei der Ausübung der religiösen Gebräuche zeigten sie sich eigentlich jüdischer als die Juden, mit denen fie das Wichtigste, den Eingottglauben, gemeinsam hatten: fie beriefen sich dabei auf eine angeblich dreizehn Jahre nach Moses . Tod niedergelegte Fassung des Pentateuchs. Als

Streicher veröffentlicht in der Juli- Nummer seines Stürmer" eine Fotografie, die grauenhafter ist als alle bis­herigen Blut-, Schand- und Lustmordbilder dieses porno­

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grafischen Frrenhausorgans. Die Fotografie zeigt den Lehrer D. aus Magdeburg und seine höchstens zwölfjährigen Schüler. Sie umstehen eine Wandtafel, auf der in vier Reihen ungefähr zwanzig Bilder aus dem Stürmer" auf­geklebt sind, und halten Anschauungsunterricht". Der Lehrer D. weist mit dem Stock auf die Tafel, die fleinen Jungen man sieht sie nur von rückwärtsschauen offen­bar interessiert zu. Zu dieser Fotografie schreibt das Streicher- Blatt:

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Nur ein Volf, das die Juden nicht fennt, läßt sich so­weit bringen, daß es Fremdrassige in seinem Lande so hausen läßt, wie die Juden bisher in Deutschland gehaust haben. Das weiß auch der Lehrer D. in Magdeburg . Er weiß, daß Anschauung das Fundament der Erkenntnis ist. Er weiß, daß das Gelernte unverlierbar wird, wenn neben dem Ohr auch das Auge des Kindes beim Lernen mit dabei war."

Die Kinder sehen also: blutende, nacktbrüstige Frauen, denen ein Vampyr( der Weltjude") das Blut aussaugt, schen frasse Luftmord- Darstellungen, sehen Karikaturen, die an Blutrünstigkeit nicht zu überbieten sind, sehen zeichne= rische Produkte einer frankhaften überhitzten Serualfantasie. Die Kinder hören und lesen, daß der Jude X mit dem ver­worfenen deutschen Mädchen Y Rassenschande getrieben habe, hören, daß man dem deutschen Mädchen dafür das Fell pergerben" sollte und was so der unschuldigen Kinder­reime und Schulgedichte mehr sind.

Streicher ist Hitlers Duzfreund. Mit Hitlers Wissen und unter seiner freundlichen Duldung wird eine deutsche Kindergeneration geschändet, verdorben, vergiftet. Sitler ist für die deutsche Schulschande voll verantwortlich!

HEINES

ownik,

Und der Führer sprach: Nur der Tod kann uns trennen! Nebelspalter ")

später der Islam entstand, übernahm er viele fultische Gebräuche 1" d Formen nicht von den Juden, sondern von den Sam ritanern: die Art der Verkündigung des einzigen Gottes", die Vorstellung der messianischen Ver­wirklichung, auch einige Waschungen und eine Reihe reli­glöser Worte. Nun gibt es zwar nur noch etwa zweihundert Samaritaner auf der Welt, aber 235 Millionen Mohamme daner!

Mit den letzten zweihundert geschieht ein Wunder. Sie tragen das Sidial ihres Untergangs, der bio­logische Ursachen hat es fehlt an Frauen, Mischehen sind verpönt, und das Volk selbst hat keine Lebenskraft mehr-: sie tragen dieses Schicksal ohne Todeswehmut. Nach zwei­einhalb Jahrtausenden der Spannung haben sie nämlich ihre Feindschaft gegen die Juden( und die Juden ihre Feind­schaft gegen sie) aufgegeben, und nach zweieinhalb Jahr­tausenden begrüßen sie ihre früheren Rivalen bei Gelegen­heit des Pessach- Opfers als gerngesehene Gäste und nicht als Fremde. Gewiß sind die älteren Samaritaner noch immer am Fuße des Berges Gerizim im sonst vollkommen ara­bischen Nablus angesiedelt, aber viele ihrer Söhne arbeiten in Haifa oder Tel- Aviv oder auch in den Siedlungen am Aufbau des jüdischen Landes mit, sprechen im Alltag neu­hebräisch und sind sogar in der Histadruth gewerkschaftlich organisiert...

Wir sind ja alle Juden--!" sagt, das Gespräch abschließend, Zeltvater Abraham, indem er auf das der Op­ferzeremonie entgegenfiebernde Getriebe von Samaritanern und Juden, Frommen und Touristen, Photographen und Journalisten weist, und mit dieser Meinung versteht er eben unter dem Juden" etwas anderes als eine religiöse Ein­heit. Die lehnt er sogar ab. Und seinem Sohn hätte er zu einer Heirat mit einer Jüdin nicht den Segen erteilt... Das Volk stirbt. dor

Es stirbt in Schönheit.

Selbst der palästinensische High- Commissioner kam zum Erlebnis der Opferung mit seinem Stabe von weit her an­geritten was als große Auszeichnung gilt. Er darf im Schatten eines Zeltes vom Liegestuhl aus zuschauen, wir an­deren sitzen im Umkreis oder stehen auf einer niedrigen Steinmauer. Unmittelbar vor dem Opferplatz setzt sich ein kleines Aufgebot schottischer Soldaten auf den Boden-vor­sichtig, damit die Röckchen faltig bleiben. Vor der Zeremonie werden in der sieben Meter tiefen Bratgrube und in der etwas weniger tiefen Schlachtgrube Feuer angezündet. Kin­der helfen eifrig beim Herbeischaffen des dürren Geästs, das verbrannt, und des Wassers, das gekocht wird.

Da die Sonne im Zenith steht, beginnt der Gebetsgesang der Priester: es sind ihrer elf Cohanim", die die Gemeinde leiten, gegenüber den anderen Samaritanern eine Art Adel.

Der Oberpriester heißt Masliach ben Pinkas. Das Kind, das einmal seine Würde und Bürde tragen soll, hockt, in leuch tende Seide gekleidet, artig zu seinen Füßen, freilich von Zeit zu Zeit vor Müdigkeit umpurzelnd... Keiner der Gottversunkenen bemerkt die kleine Qual... Auf Gebets­teppichen fallen die Singenden zur Erde; die gebeugten Rücken unter strahlend weißen Mänteln sind für eine Minute ein schneeiges Feld der Demut... Jetzt stehen die Männer wieder, lang hager, ernst. Der Gesang steigert sich, in der Stärke des Tons und in seiner Inbrunst. Das Gesicht der Singenden ist nach der Kuppe des Berges gerichtet, auf dem noch Reſte des alten samaritanischen Tempels stehen, und nicht etwa nach Jerusalem , der Stadt des fezerischen.... Die Beter schließen die Augen. Ihre Arme strecken sich etwas, und die Hände sind beich gewölbt, als versuchten sie den Selang der Musik wie eine Schale zu halten. Zaghaft wippen die Körper den Rhythmus mit, der immer strenger wird und immer herrischer bis sich endlich alle Kraft und Leiden­schaft in einem gewaltigen Schrei fängt: dies ist das Todes­signal für die sieben Lämmer! Schnell, blitzschnell wird ihnen die Kehle durchschnitten.

Das entrinnende Blut ist kostbar; ein paar Tropfen reiben die Beter auf die Stirnen ihrer Kinder und auf die Schwellen ihrer Hütten... Dann werden die Leiber der Tiere mit heißem Wasser übergossen, damit die Wolle leichter gerupit werden kann. Die Schächter prüfen die Eingeweide und die Lungen, nur gesunde Tiere find opferwürdig. Die Därme und einige andere Teile werden verbrannt das ist das eigentliche Bessachopfer. Endlich werden die Lämmer auf lange Holzspieße gesteckt, und außer der Priesterschaft paẞt auch die höfliche englische Polizei auf, daß kein Fremder das Fleisch berührt und damit unrein" macht. Erst nach einigen Stunden, nachdem das Opferfeuer erloschen ist, werden die Lämmer gebraten und mit ungesäuertem Brot und mit bit­teren Kräutern" stehend in Gile" verzehrt, ohne daß davon ein Rest bis zum Morgen übrig bleibt"- so wie die Ju­den sie aßen, als sie über Nacht aus Aegypten zogen, nicht aber die Samaritaner, die zu jener Zeit noch Assurer waren. Bis das Opfermahl beginnt, laden die Gastgeber die Be­sucher in ihre Zelte und Hütten zur Ruhe und zum Gespräch. Sie zeigen einige ihrer Gebetsbücher, die sämtlich in Alt­hebräisch geschrieben sind. Ihre Kinder versuchen den Frem= den spielzeughafte Nachbildungen der samaritanischen Thora­rolle oder auch bunte Zeichnungen des alten Tempels zu ver= kaufen. Araberjungens. die. Konjunktur ausnußend, handeln hingegen mit Limonade, Apfelsinen, Bananen, Eiern, Brot und Delsardinen. Der High- Commissioner reitet zwischen den Hütten und Zelten hindurch, schwenkt den Hut und ruft Good bye!". Ein heiteres Schalom!" antwortet ihm aus dem Lager.