Wahinadilese von der Wasserkante

Wenig Freude für Adolf und seine

h. b. An der Wasserkante haben sich aus Anlaß des Hitlerschen Staatsstreichs und der dazu notwendigen Ab­stimmungskuliffe eine Reihe von interessanten Vorgängen zugetragen, die wir festhalten, weil sie das Bild, das die große Politik der letzten Wochen bietet, trefflich runden.

Da war zuerst die große Hamburger Kundgebung mit der Goebbels- Rede auf der Morrweide am 14. August. ,, Aus eigenem Antriebe kommen die vielen Hundert­tausende, um in einem überwältigenden Bekenntnis dem Führer die Treue zu beweisen und den Worten des Mannes zu lauschen, dessen unerhörter Beredsamkeit die geistige(!) Eroberung der Reichshauptstadt in erster Linie zu danken ist... Das war das Bekenntnis des Volkes selbst, das allen Lügen und Hetzen zum Troß seiner inneren Stimme folgte!!!" so jubelte das Hamburger Naziblatt am Tage nach der Kundgebung. Wie diese innere Stimme, der das Volk folgte, aussah, zeigt uns das nachstehende, an die Arbeitnehmer der GEG. Groß- Hamburg verteilte Rundschreiben, das uns im Original vorliegt:

Zu der am Dienstag, dem 14. August 1934, stattfinden den Rede von Dr. Goebbels auf der Morrweide tritt die Katao- und Schokoladenfabrik um 7.20 Uhr geschlossen am Meßberg auf dem Platz der Süderhalle an der Wasserseite an. Die Vertrauensleute haben dafür zu sorgen, daß alle Belegschaftsmitglieder daran teilnehmen. Fernbleiben gilt nur für die Mitglieder der SA., SE., PO., BdM., falls für dieselben Dienst angesezt sein sollte, was den be­treffenden Vertrauensleuten vorher schriftlich zu be­stätigen ist.

Erscheinen ist Pflicht! Hamburg , den 13. August 1934.

Stempel: Reichsbund der deutschen Verbrauchergenossenschaften GmbH.

GEG" Hamburg

Betriebszellenobmann i. V. Loeffel.

Katao- und Schokoladenfabrik Hamburg .

Adölichen

Zettel sind den ach so starken Nationalsozialisten so ach so starken Nationalsozialisten so stark auf die Nerven gefallen, daß sie in der Schleswig­Holsteinischen Tageszeitung" Nr. 194 folgendermaßen

darüber weinen:

So arbeiten die Volksfeinde! in. Marne . Gestern morgen erhielten mehrere Einwohner der Stadt Briefe zugesandt, deren Inhalt sie aufforderte, die Volks­befragung mit Rein" zu beantworten. Adolf Hitler er­fülle ſein Programm doch nicht und könne seine Ber­sprechungen doch nicht einlösen. Mit ähnlichem wurde versucht, das große Werf des Führers zu zerstören und die Volksgemeinschaft zu vernichten. Hoffentlich gelingt es, diese Verräter am deutschen Volke zu ermitteln und unschädlich zu machen."

Wie uns von mehreren Seiten versichert wurde, ist es ein herrliches Gefühl für die illegal arbeitenden Anti­faschisten, zu wissen, wie sehr schon die vorläufig noch primitive Art der illegalen Arbeit den großschnauzigen Gegner in Schrecken versetzt hat. Wie groß wird der Er­folg erst sein, wenn der illegale Apparat noch besser aus­gebaut sein wird?

Die Braunschweigische Landeszeitung" hat sich in ihrer Wahlbetrachtung ein neckisches kleines allerdings un­freiwilliges Geständnis geleistet. Hier ist es:

-

.. Das Volk... hätte die Stelle, an die es sein Kreuz zu zeichnen hatte, wohl auch im Dunkeln gefunden. Auch die Fingerfertigkeit der Kartei- und Wahlleiter ließ ähnliche Schlüsse zu..."

Aber liebe Landeszeitung! Wozu diese Offenherzig­keiten. Wenn auch allgemein bekannt ist, daß Geschwindigkeit keine Hegerei ist, braucht man doch nicht immer wieder mit der Nase drauf zu stoßen!

In Barmstedt wollte ein übelberüchtigter Chauffeur, der im Nebenerwerb ein wüster Parteigänger des Ojaf und zugleich ein großer Becher vor dem Herrn ist, im

Solche innere" Stimme hat es eben manchmal in sich, Suff die Barmstedter Volksgemeinschaft vervollkommnen. ein wenig dringlich zu erschallen.

Auf Befehl der Hambuger Oberschulbehörde sind die Hamburger Volksschulkinder systematisch in den Wahl­dienst eingesetzt worden. Sie mußten tagelang vor der Wahl eine Reihe von Propagandaversen einüben, die sie in sogenannten Werbekolonnen auf den Straßen und Plägen der Stadt unter Leitung ihrer Lehrer klassen­weise herschreien mußten. Einer dieser Werbesprüche hatte folgenden Text:

Heil Hitler! Du sollst Führer sein! Wir folgen Dir aufs neue,

von Memel bis zum deutschen Rhein

schwörn wir den Eid der Treue.

Heil Deutschland ! Deine Jugend ruft,

will fämpfend für Dich sterben.

Wer uns nicht folgt, der ist ein Schuft, soll wie ein Hund verderben.

Auch dieser sinnige kleine Spruch aus jugendlichem Munde beweist wieder einmal die Richtigkeit der national­sozialistischen Behauptung, daß der Gedanke der Volks gemeinschaft marschiert.

*

Auch in anderer Weise wurde die Schuljugend in den Abstimmungk( r) ampf eingesetzt. Die Lehrer hielten ihre Sprößlinge an, selbst Flugblätter für die Wahlparole zu schreiben oder zeichnen und in die Häuser der Nachbar schaft zu tragen. Auch uns hat so ein Zettel eines folg famen Schülers erreicht, dessen Wortlaut so aussieht: Volgsgenosse!!!

Ferdrau den führer! Hitler hilf den Bolt auseiner Noht. stemmt ale mit ja!"

Er ging nach dem Stoppelmarkt in ein vollbesetztes Lokal, randalierte wie ein Wilder und schäumte über in Be­geisterung für seinen Führer. Schließlich beschuldigte er einen harmlosen Mitbürger, der einen friedlichen Schop­pen trank, er habe mit Nein" gestimmt und müsse dafür aufgehängt werden.

Da sich niemand der anwesenden Gäste und auch der Wirt nicht getraute, dem Angehörigen der Reichskanzler­partei sein Tun zu untersagen, steigerte sich der besoffene

Deutscher Arbeiterbrief

,, In unserem Betrieb herrscht Redefreiheit"

Seit nahezu zehn Jahren bin ich in einer mittelgroßen Druckerei, Afzidenzabteilung, tätig, und ich hatte in dieser Zeit genügend Gelegenheit, meine Umgebung kennen zu lernen. In der technischen Abteilung find 60, in der kauf männischen 12 Personen beschäftigt. 80 v. H. der Beleg­schaft sind länger als zehn Jahre im Betrieb, einige Leute sind sogar 25 bis 30 Jahre beschäftigt. Früher war der Personal­bestand höher. Der Betrieb hat infolge der Wirtschafts­entwicklung gelitten, zum Teil auch durch den Judenboykott. Unsere Zeitung hat von ihren Abonnenten etwa 50 v. H. verloren, zum Teil durch die Methode des Terrors beim Werben für das Naziblatt. Meine Mitarbeiter sind, außer sechs Personen, langjährige Gewerkschaftsmitglieder, und sie waren früher politisch links, meist zur SPD. gerichtet. Diefer Gesinnung sind die Leute treu ge­blieben. Die erwähnten sechs Personen sind unsere hoch­verehrten" Nazis. Vier sind Mitglieder der NSBO., einer ist Mitglied der NSDAP . und einer ist SA. - Mann. Außer dem SA.- Mann, haben sich alle Nazis im Betriebe etwas zuschulden kommen lassen( Unterschlagung, Unpünktlichkeit, dümmste Kollege von dieser Sorte ist NSBO.- Obmann. Für uns hat das weiter nichts zu besagen, als daß er uns die Einladungen zu Verbandsversammlungen aushändigt. Nur hin und wieder geht einmal einer von den Nazis in diese Versammlungen. Die übrigen Kollegen haben sämtlich seit der Machtübernahme" feine Versammlung mehr besucht. Man bedauert nur, daß man noch die Beiträge zahlen muß. Buchdrucker müssen wöchentlich 3,10 Marf, Hilfsarbeiter

Hitlerfreund derartig in feine Molle hinein, daß er bud stäblich daran ging, den mutmaßlichen Reinfager an Ort und Stelle aufzuknüpfen. Mit Mühe wurde er über­wältigt und der Polizei übergeben, die ihn für die Nacht einsperrte, ihn aber, nachdem er seinen Rausch aus geschlafen hatte, auf freien Fuß setzte. Der von dem Berserker Angegriffene wurde auf den Weg der Privat­klage gewiesen. Es sind aber schon einflußreiche Kräfte selage abzubringen, da der Prozeß in dem kleinen Orte

ein schlechtes Licht auf die immer so laut verkündete Volksgemeinschaft werfen würde.

In Flensburg war der Katzenjammer groß. Woher man allerdings hier die großen Erwartungen genommen hat, die an die Volksabstimmung geknüpft wurden, ist den Eingeweihten schon vor dem Bekanntwerden des Wahl­ergebnisses ein Rätsel gewesen. Denn der unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit nach der Mordkampagne vom Juni durchgeführte Parteibonzenkongreß, bei dem sich die Würdenträger in ihrer Aufregung sogar das Heil­geschrei verbeten hatten, konnte doch nicht dazu bei­

fragen, die Stimmung zu heben. So haben sich denn auch

die Neinstimmen seit dem 12. November mehr als ver doppelt. Wurden bei der vorigen Abstimmung 3425 Nein­stimmen abgegeben, so waren es diesmal 8013 und 912 ungültige.

ihrer Wahlsondernummer wie folgt: Die Flensburger Nachrichten" jammern darüber in

,, Wo stecken diese Unzufriedenen, die es noch nicht ein­gesehen haben, daß erst das Wohl des ganzen und dann das des einzelnen gilt? Ein Blick auf die Tafel der Wahlergebnisse lehrt, daß in den fünf nördlichsten Be­zirken unserer Stadt eine merkliche Erhöhung der Nein­Stimmen eingetreten ist.

Hier ist Flensburgs Industrieviertel , wo so mancher Arbeiter trotz der Anstrengung, ihm Arbeit und Brot zu geben, noch immer feiern muß. Sie haben die Geduld verloren und sollten doch durch die Bestrebungen zur Arbeitsbeschaffung eingesehen haben, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo ihrer Hände Arbeit sie wieder ernährt und ihnen Lebenskraft und Freude spendet. So kamen in Flensburg die 18,5 Prozent zusammen, die in Flensburg das Nein" auf dem Stimmzettel ankreuzten..."

Vielleicht haben auch die Flensburger Arbeiter gerade wegen der Arbeitsbeschaffung der Hitlerregierung die Geduld verloren und gewagt, mit Rein" zu stimmen, weil sie ja tagtäglich das Schicksal derjenigen Volks­genossen vor Augen haben, die für einen erbärmlichen Hundelohn mit Zwangsarbeit beglückt wurden.

*

Alles in allem kann man getrost sagen: die Abstimmung am 19. August hat den braunen Herren an der Wasser­kante keine reine Freude bereitet.

1 bis 1,90 Marf zahlen. Rechenschaft über die Verwendung der Beiträge wird nicht gegeben.

Wenn vom NSBO.- Mann Abzeichen oder Plaketten ver­fauft werden, so ist das jedesmal für mich ein Gaudium. Abgesehen davon, daß er nur vier bis fünf verkauft, wird er jedesmal mit guten Ratschlägen und Lehren derart ver­sorgt, daß er froh ist, wenn er die Türe wieder vor draußen zumachen kann. Nationalsozialistischen Kult und politischen 3wang gibts bei uns nicht!

In unserem Betrieb herrscht übrigens vollkommene Rede­freiheit( soweit man dies Fremdwort noch gebrauchen kann). Abgesehen von wenigen Ausnahmen, macht aus seiner anti­faschistischen Gesinnung niemand ein Hehl. Offen wird kriti­siert und bemängelt, was einem nicht gefällt. Man möchte heraus aus diesem Uebelstand der faschistischen Macht; auch weiß man, daß die Zeit nicht mehr allzu fern ist. Aber was dann kommen wird, darüber gehen die Meinungen ausein ander. Arbeiterdeutschland, rote Macht, das ist das Sehnen

aller. Aber man glaubt allgemein, die Arbeiterbewegung sei noch nicht reif genug. Wenn sie auch gelernt habe, so sei die

neue Bewegung, an deren Existenz niemand zweifelt, doch noch zu jung, um Positives leisten zu können. Doch was uns sehlt, das wissen wir alle, das ist die Freiheit!"

Nach der Orthografie zu urteilen, handelt es sich bei Denunziation von Kollegen usw.). Der lächerlichte und Weitergeben!

biesem Schüler um einen Angehörigen der Hitlerjugend , der seinen Dienst mit Auszeichnung versieht.

In Schleswig- Holstein wurden einige Tage vor der Wahl zahlreiche Briefe versandt, in denen die Empfänger aufgefordert wurden, mit Nein" zu stimmen. Diese

20. August

21. August

22. August

Weiter geben

Werfen Sie die ,, Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Auf­klärung und Belehrung bedürfen!

23. August bis???

» Ich habe einen Ploan, einen schenialen Ploan!<<

» Unser Führer hat einen Plan, einen genialen Plan!<

www

» Einen Plan, einen ganz genialen Plan hat unser geliebter Führer!<<

B

>> Tja, was haben wir denn eigent­lich für einen Plan?<