Freiheil

Nr. 220 2. Jahrgang

Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands .

Saarbrücken , Samstag, den 22. Sept. 1934 Chefredakteur: M. Braun

Deutscher Kirchenkrieg

Seite 2

Ruf für den Status quo

Totalgewalt

und Außenpolitik

Oranienburg

Der.Führer" liebt Frankreich

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Seite 3

Seite 7

Seite 8

Ein inniges Freundschaftsangebot des deutschen Reichskanzlers an die Juden und

Der Franzosenfreund

Freimaurer des vernegerten Frankreich

Es geht den Deutschland regierenden Herren schlecht. Nicht persönlich, denn die Herren Hitler , Goebbels , Gö­ ring , Hess, Ley und alle anderen haben sich durch Fleiß und Sparsamkeit vor und noch mehr nach der Macht­ergreifung ein nur nach Millionen Reichsmark zu be­zifferndes Vermögen erworben und sind so einiger­maßen gegen die Wechselfälle des menschlichen Lebens gesichert. Traurig ist ihre Lage nur politisch, und auch da sind nicht eigentlich sie, sondern die Deutschen leid­tragend. Immerhin wollen die Herren an der Macht blei­ben, und das ist beim besten Willen auf die Dauer nicht möglich, wenn die politische und wirtschaftliche Selbst­isolierung Deutschlands anhält. Den Ring um Deutsch­ land militärisch zu durchstoßen, geht trots fieberhafter Rüstung noch nicht an. Deshalb spielen die Herren nun die Mißverstandenen. Die ganze Welt hat sich getäuscht, wenn sie den Nationalismus Hitlers innerpolitisch für ein rohes Instrument des Terrors und außenpolitisch für ein Instrument der Revanche und der Expansion hielt. Die vielen franzosen- und polenfresserischen Reden des gottbegnadeten Führers" und die heiligen Propheten­worte in der Bibel aller Deutschen ,,, Mein Kampf ", wa­ren nur freie dichterische Phantasie, waren im Grunde nur Vorbereitung auf die große Enthüllung der Wahr­heit: Hitler als pazifistischer Weltbürger und Schwärmer für eine deutsch - französische Entente. Er hat Anspruch darauf, nicht nur Nobelpreisträger des Friedens zu wer­den, sondern auch Ehrenbürger der französischen Revo­lution, wie weiland Friedrich Schiller . Denn wer tat mehr für Frieden und Menschenrechte als der Osaf aller Nationalsozialisten, der edle Führer frommer Scharen deutscher Jünglinge in Komiẞstiefeln, mit Dolch und Fahrtenmesser ,, Blut und Ehre"?

Sehr in Mode sind jetzt heiße Liebeserklärungen an Frankreich . Herr Heß machte den Anfang im Pariser ,, Intransigeant". Nur verschämt brachte die deutsche Presse Bruchstücke des französischen Liebes­gesanges. Ganz verschwieg sie, daß der Stellvertreter des Führers" sich für seine franzosenfreundlichen Er­klärungen ausgerechnet das Blatt des jüdischen Bankiers Dreyfuß und eines Außenpolitikers mit dem rein arischen Namen Lazarus ausgesucht hatte. Nun aber tritt der Führer" höchstpersönlich frieden- und freude­strahlend bei den Herren Dreyfuß und Lazarus ein.

Sein dem Sonderberichterstatter des., Intransigeant" ge­gebenes Interview klingt so unglaublich, daß Herr Lu­cien Lemas unter dem Text der goldenen Hitlerworte folgendes Attest im Faksimile reproduzieren läßt: ,, Dieses Interview ist authentisch. von Ribben­13. 9. 34. trop Telefon Berlin Jäger 7411." Nun hat das Wort Europas großer Pazifist Adolf Hitler

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Frage: Wie denkt der Führer über die zu­aünftigen deutsch - französischen Beziehungen? Antwort: Sie wissen ja, daß ich seit dem Tage meines Regierungsantritts bestrebt war, die Atmosphäre zwischen Frankreich und Deutschland zu flären und zu entgiften. So hatte ich beispielsweise seinerzeit den Gedanken, daß man zu einem gegenseitigen Vertrag in der Saarfrage tommen sollte. Es schien mir immer klar, daß, wenn man nicht in dieser Weise voraehe, die beiderseitige Propaganda in Gang fäme und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern dadurch nicht gebessert würden. Gewiß, man hat mir entgegengehalten, daß der Versailler Vertrag einem solchen Abkommen entgegenstände. Aber dieser Einwurf schien mir niemals sonderlich überzeugend, denn wenn heute Deutschland und Frankreich erklärten, sie wollten sich über die Saarfrage verständigen, und wenn die Saarbevölkerung sich einverstanden erklärte, dann würde sicherlich keine der in Genf vertretenen Nationen dagegen Einspruch erheben. Wir zweifeln gar nicht daran, daß die Saarbevölkerung geschloffen für uns stimmen wird, aber ein Abkommen wäre sicherlich vorzuziehen gewesen, das einen Beweis von Groß zügigkeit geben würde. Denn man wäre jo zum ersten Male

in einer wichtigen Frage zu einer Uebereinstimmung

zwischen den beiden Ländern gekommen, was ein sehr günstiger Anfang für die Besserung der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland gewesen wäre.

Frage: Wird Deutschland in den Völker bund zurückkehren, und unter welchen Be­dingungen?

Antwort: Wir verließen seinerzeit den Völkerbund, weil man uns wie ein Volk zweiten Ranges behandeln wollte. Die Franzosen hätten an unserer Stelle genau so gehandelt. Auf die Frage nach unserer etwaigen Rückkehr in den Völkerbund könnte man folgende Antwort geben: Die Frage wird geprüft werden, wenn uns die völlige Gleichheit der Rechte zugesichert ist.

Es scheint angebracht, sich darüber Rechenschaft abzulegen, daß bedeutungsvolle Veränderungen im Völkerbunde vor fich gehen. Ebenso wäre es nötig, die Entwicklung zu ver­folgen, die dadurch geschaffen wurde, daß man neue Mit­glieder aufnahm, die die Verwirklichung eines besonderen Programmes verfolgen, wie zum Beispiel die Vorbereitung der Ausbreitung des kommunistischen Ideals über die ganze Belt.

Frage: Warum sind Sie nicht dem Ost pakt beigetreten?

Antwort: Deutschlands Standpunkt hierzu und die Einwände des Deutschen Reiches gegen gewisse Artikel dieses Paktes sind den anderen Regierungen schon zur Kenntnis gebracht worden.

Der Kanzler fährt fort:

Das deutsche Volk hat eine Schwäche für Frankreich , und es schäßt es nicht nur wegen seiner ritterlichen saltung, sondern auch, weil es sich während des Weltkrieges heldenmütig geschlagen hat.

Es wäre außerordentlich nüglich, wenn möglichst viele Franzosen nach Deutschland kämen: sie könnten sich dann überzeugen, daß kein Terrorregime herrscht und daß sich im Gegenteil das Volk selbst im wahren Sinne des Wortes regiert.

So weit Hitlers Erklärungen. Feierlich unter­zeichnet sie Lucien Lemas mit seinem Namen, wobei er vorausschickt: Das sind die Erklärungen, die ich aus dem Munde des Führers empfangen habe und die Herr von Ribbentrop durchgelesen und beglaubigt hat."

Gallus antwortet recht trocken im Intransigeant" auf Hitlers Liebeserklärung an Frankreich . Er sagt:

Hitler versichert, das deutsche Volk hat eine Schwäche für Frankreich . Wir möchten es gern glauben. Man dürfte aber nicht wissen, daß gegenwärtig die deutschen Fabriken in einem Tempo so viel Kriegsmaterial er­zeugen, das die sachverständigen Beobachter überrascht und erschreckt."

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Der Franzosenfresser

Wir haben den Parteiführer Hitler immer für einen großen Lügner gehalten. Sein persönlicher Lebensstil ist verlogen kitschig, alle seine Reden und Schriften strotzen von groben unwahrheiten. Nur durch eine ins Gigan­tische gewachsene Lügenpropaganda konnte er viele im Grunde einfältige Deutsche verwirren und so zur Macht gelangen. Aus der großen Lüge seines demagogischen politischen Hezwirkens kommt er nun nicht mehr heraus. Er ist für alle Welt unglaubwürdig und wird es bleiben. Sein Vorbild Mussolini hatte, zur Macht gelangt, soviel Einsicht und Kraft, seine agitatorische Demagogie von einst abzuschwören und die weitere Verbreitung gewisser eigener Reden, Schriften und Programme aus der Zeit seines Aufstiegs glatt zu verbieten. Hitler wagt das nicht und kann es nicht wagen.

Er bewegt sich in dem unlösbaren Widerspruch, dem Auslande als der gereifte, abgeklärte, friedliche Staats­mann erscheinen zu wollen und zugleich der nationalistisch verhetten deutschen Jugend und dem blöden deutschen

Wann kommt der Saarputsch? Klare offiziöse Drohungen Deutschlands

Berlin , 20. September. Unter der Ueberschrift" Positive Forderungen" schreibt die Deutsch - Diplomatische Korrespon­denz u. a.:

Mit großem Ernst und bemerkenswerter Ausführlichkeit sprach der Reichsaußenminister über die Saarfrage. Deutschland hat leider Grund zu der Annahme, daß von seiten des anderen Interessenten Schwierigkeiten aufge­worfen werden, die die reibungslose Durchführung der vertraglichen Bestimmungen und die gewissenhafte Achtung des Willens der Bevölkerung beeinträchtigen sollen. Weil auf französischer Seite vertragswidrige Kombinationen er­örtert werden, die eine heifle Situation zwi= schen Deutschland und Frankreich schaffen tönnten, ist die Saarfrage ihrem Wesen nach eine deutsch - französische Angelegenheit. Im Interesse der guten Beziehungen beider Länder muß deshalb immer wieder an Frankreich der Appell gerichtet werden, die normale Liquidierung des in Versailles ohne Not unternom­menen und nicht im französischen Sinne verlaufenen Saar­experiments durch nichts zu stören, was die Zukunft be­lasten kann. Es ist keine Drohung gegen irgend jemand, wenn von deutscher Seite rechtzeitig auf die Unzu= träglichkeiten und Gefahren aufmerksam gemacht wird, die aus einer Vergewaltigung des kla= ren Willens der Abstimmungsberechtigten entstehen würden.

Das soll zwar keine Drohung sein, ist aber die klare Ans kündigung von deutschen Gewaltmaßnahmen, wenn Frank­ reich auf der normalen Liquidierung" des Saarproblems nach der Abstimmung besteht, also beispielsweise auf den Rückfauf der Saargruben in Gold, auf der Regelung der sonstigen Finanz-, Wirtschafts- und Währungsfragen durch gegenseitige Verhandlungen. Hitlerdeutschland wünscht zu diktieren, und es bereitet sich auf gewalttätige Lösungen vor, wenn Frankreich sich nicht fügt.

Das ist die eindeutige Situation an der Saar . Wer sich darüber noch täuscht, sollte ins Kloster gehen, statt europäische Politik zu betreiben.

Spießerpublikum als der eisenrasselnde, vor der ganzen Welt nicht zurückweichende heroische Held kommender deutscher Siege.

Es ist kaum zu glauben: Er macht Frankreich eine seinem Lebens- und Bekenntnisbuch Mein Kampf " mil­innige Liebeserklärung und läßt zugleich noch immer in lionenfach das deutsche Volk wie folgt gegen Frankreich

verhetzen:

Nicht nur, daß es( Frankreich ) in immer größerem Um­fang aus den farbigen Menschenbeständen seines Riesens reichs das Heer ergänzt, macht es auch rassisch in seiner Bernegerung fo rapide Fortschritte, daß man tatsächlich von einer Entstehung eines afrikanischen Staates auf europäischem Boden reden kann... Ein gewaltiges, geschlossenes Siedlungsgebiet vom Rhein bis zum Kongo, erfüllt von einer aus dauernder Bastardisierung lang= sam sich bildenden niederen Rasse.

( Mein Kampf " S. 780.)

Nur in Frankreich besteht heute mehr denn je eine innere Uebereinstimmung zwischen den Absichten der Börse, der sie tragenden Juden und den Wünschen einer chauvinistisch eingestellten nationalen Staatskunst. Allein gerade in dieser Identität liegt eine immense Gefahr für Deutschland . Gerade aus diesem Grunde ist und bleibt Frankreich der weitaus furchtbarste Feind. Dieses an sich immer mehr der Vernegerung anheimfallende Bolt bedeutet in seiner Bindung an die Ziele der jüdischen Weltbeherrschung eine lauernde Gefahr für den Bestand der weißen Rasse Europas . Denn die Verpestung durch Neger blut am Rhein im Herzen Europas entspricht ebenso: sehr der sadistisch perversen Rachsucht dieses