biq M

..Deutsche Freiheit", Nr. 228

ARBEIT UND WIRTSCHAFT

Kleine Wirtschaftsnachrichten

Wir haben kürzlich über die Maßnahmen zur Einsparung

Schachts betrügerischer Bankrott

en Rohkakao berichtet. Die neuen Maßnahmen sind für die Er prellt das Ausland um eine halbe Milliarde Produktion der Qualitätsmarken der großen Fabriken kaum von Bedeutung, betroffen werden vielmehr in erster Linie die billigen und mittleren Preislagen, die von den kleineren Fabriken hergestellt werden und für die diese Vorschriften eine weitere Verteuerung bedeuten. Während bisher Tafel­schokoladen bis zu 20 Pfennig pro Tafel herab erhältlich sind, dürfte nach Auswirkung der neuen Maßnahmen ein Ver­kauf unter 30 Pfennig kaum noch möglich sein, um so mehr, als auch die Reduktion der Arbeitszeit preisverteuernd wir­ken muß.

aus

Nach dem neu abgeschlossenen deutsch - italienischen Vet­rechnungsabkommen erfolgen die Zahlungen dem deutsch - italienischen Warenverkehr in Deutschland durch Vermittlung der Reichsbank und in Italien durch Vermittlung der Banca d'Italia in ihrer Eigenschaft als Kassenführerin des Istituto nazionale per i cambi con l'estero. Jede andre un­mittelbare oder mittelbare Zahlungsweise ist untersagt.

Die Bezahlung italienischer Waren in Deutschland erfolgt durch Einzahlung in Reichsmark auf ein zinsloses allgemeines Konto, das bei der Reichsbank zugunsten des Istituto nazio­nale per i cambi con l'estero eingerichtet wird. Die Bezahlung deutscher Waren in Italien erfolgt durch Einzahlung in Lire auf ein zinsloses allgemeines Konto, das bei dem Istituto nazionale per i cambi con l'estero zugunsten der Reichsbank eingerichtet wird.

Von den auf Grund des Abkommens eingezahlten Beträgen wird ein besonders zu vereinbarender Anteil der Reichsbank zur Verfügung gestellt. Der Rest bleibt gebunden für die Be­zahlung italienischer Einfuhr nach Deutschland im Verrech­nungswege und für die Transferierung der Beträge, die nach dem Sonderabkommen für den deutschen Reiseverkehr nach Italien bestimmt sind.

Die Richtpreise für Neumetalle sind mit Wirkung vom 2. Oktober neuerdings etwas gesenkt worden. Dennoch blei­ben die Neumetalle, insbesondere Kupfer und Blei, preislich weit über dem Weltmarktniveau. Die Selbstkosten der deut­ schen metallverarbeitenden Industrie sind demnach immer noch höher als in den übrigen Ländern und die Folge ist nicht nur eine Produktionsverteuerung in Deutschland selbst, son­dern eine Verminderung der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt.

Die Schrotteinfuhr ist gegenwärtig infolge der Devisen­maßnahmen zum Erliegen gekommen. Von dem Ergebnis der gegenwärtig vorgenommenen Bestandsaufnahme dürfte es ab­hängen, ob in Zukunft noch die Einfuhr einiger Mengen be­stimmter Schrottsorten zugelassen werden kann. Schrott ge­hört bekanntlich neben Erzen zu den wichigsten Rohstoffen der eisenschaffenden Industrie.

Die Gemüse anbaufläche ist in diesem Jahr im dritten Reich" um 2000 Hektar auf 159 000 Hektar ge­stiegen. Der Ertrag ist aber durch die Dürre im Vergleich zum Vorjahr stark zurückgegangen. Ganz besonders stark ist von der Dürre der Ertrag von Rosenkohl, Blumenhohl und anderen feineren Gemüsen betroffen.

*

Die gleichgeschaltete Presse muß zugeben, daß der

Es hieße die Beharrlichkeit des Dr. Schacht unterschätzen, wenn man meinte, er hätte seinen alten Plan aufgegeben, die ausländischen Gläubiger zu expropriieren und für die Hitlerwirtschaft die 12 Millarden zu annektieren, die das Ausland zu fordern hat. Sein ,, Neuer Plan", den er ange­sichts des wachsenden Widerstands des Auslands entwerfen mußte, ist nur ein neuer Weg zum alten Ziel und eben darin besteht sein verborgener Sinn.

Der direkte Weg, den Schacht zuerst einschlagen wollte, die offene Zahlungseinstellung. scheiterte an der Macht der Gläubigerländer. Worin bestand diese Macht? Jene Länder, die aus Deutschland mehr einführten als sie dahin ausführ­ten, also ein Passivum ihrer Handelsbilanz aufwiesen, muß­ten das Saldo, um das die Einfuhr die Ausfuhr überstieg, in barem Geld, in Gold oder Devisen begleichen. Sie brauch­ten diese Summen nur zurückzubehalten, sie, statt direkt an die deutschen Verkäufer abzuführen, auf ein Verrechnungs­konto ihrer Notenbank einzahlen lassen und konnten dann daraus die Beträge sicherstellen, die zur Bezahlung der Zin­sen an ihre Gläubiger erforderlich waren. Dagegen war Schacht wehrlos und so mußte er jene zahllosen Verrech­nungsabkommen schließen, bei denen er zwar eine gewisse Zinsherabsetzung erreichte, aber auf das Ziel des Vollmora­toriums vorerst verzichten mußte. Dies gilt jedoch nur den Ländern gegenüber, die einen Einfuhrüberschuß im Verkehr mit Deutschland aufweisen und sich aus ihm bezahlt machen können.

Für die anderen, von denen die Vereinigten Staaten am wichtigsten sind. ist die Moratorium sanordnung der Reichs­bank zunächst in Kraft geblieben. Da im Oktober die Zah­lungen auf die Dewes. und Younganleihe fällig werden, dürfte denn der Konflikt mit den Vereinigten Staaten in sein akutes Stadium treten. Auf seinen Austrag kann man gespannt sein.

Der Mißerfolg aber, den Schacht gegenüber den europäischen Gläubigerländern erlitten hat, ist groß. Das Jahressoll aus Zinsen und Dividenden gegenüber dem Ausland wird auf 700 Millionen RM. veranschlagt. Auf Grund der verschie­denen Sonderabmachungen hat Deutschland aber noch immer mindestens 450 Millionen jährlich zu transferieren. Davon entfallen 125 Millionen auf die Schweiz , 154 auf Holland , 25 auf Kreuger- Anleihe und Lee- Higginson- Kredit, 40 Millionen auf die Zinsen der englischen und französischen Dawes- und Younganleihe- Besitzer und 100 Millionen auf Stillhaltezinsen. Das Verhältnis zu dem größten Gläubiger, den Vereinigten Staaten , ist, wie gesagt. vorläufig ganz in der Schwebe. Hier kann der neue Angriff einsetzen. Beruht die Stärke der Gläubigerländer auf ihrem Einfuhrüberschuß, so wird ihre Abwehrkraft im selben Verhältnis gelähmt, in dem es ge­lingt, den Einfuhrüberschuß zu vermindern, die Zahlungs­bilanz zur Deckung zu bringen.

Dazu gibt der Neue Plan" allerhand Möglichkeiten. Die Ueberwachungsstellen bestimmen ja jet, nicht nur ob und wieviel, sondern auch aus welchem Lande eingeführt werden darf. Es liegt so in der Hand des Wirtschaftsministeriums, die Einfuhr aus einem Lande auf Kosten anderer zu steigern, den Einfuhrüberschuß zu verringern oder zum Verschwinden zu bringen und so das Land der Mittel zu berauben, aus denen es die Gläubiger bezahlt hat. Da gleichzeitig auch der

Milchertrag in diesem Jahr infolge der schlechten Erhöh'e Kartoffelpreise

Weiden sowie der Ausfälle an Grünfutter, Heu, Rüben, Oel­kuchen und Kleie geringer ist. Dennoch behauptet die gleich­geschaltete Presse, daß die Milchversorgung für die deutsche Bevölkerung auf alle Fälle" gewährleistet sei. Diese Schluß­folgerung ist um so unerwarteter, als. erst vor kurzem im rheinisch- westfälischen Industriegebiet, nach den Mitteilungen der gleichen Presse, einige Zeit eine Milchknappheit zu be­obachten war. Es scheint im übrigen, daß die Milchver­sorgung gerade in diesem Industriegebiet immer noch nicht geregelt ist, da aus verschiedenen Gegenden Klagen über ge­ringe Milchzufuhr eingehen.

Von amtlicher Seite wurde wiederholt erklärt, daß von einer Heraufseŋung der Eierpreise nicht die Rede sein könne. Aber welchen Wert man derartigen amt­lichen Erklärungen beizumessen hat, geht aus der Tatsache hervor, daß soeben auf Anordnung des Reichskommissars für Vieh, Milch und Fettwirtschaft die Großhandelsnotierungen für Eier heraufgesetzt sind. Für die größeren Sorten beträgt die Preisheraufsetzung Pfg., für die kleineren Pfg. Dementsprechend ist auch eine Heraufsetzung der Klein­handelspreise für Eier zu erwarten.

ROM

Der Gebietsbeauftragte für die Reglung des Absatzes von Kartoffeln in Rheinland- Westfalen ordnet folgendes an:

1. Am Montag, dem 24. September, hat der Reichsbeauf­tragte für die gelben Sorten Speisekartoffeln einen Preiszu­schlag von 0.20 Mark festgesetzt. Der Zweck der Festsetzung durch den Reichsbeauftragten ist, willkürlich erhöhte Zu­schläge auszuschalten und die Zuschläge zu begrenzen. Dem­

Dienstag, den 2. Okt. 1934

Export durch die Ueberwachungsstellen mittels der Ueber weisung der nötigen Rohstoffe und durch die Genehmigung der Verbilligung mittels Scrips dirigiert werden kann, so kann auch durch Steigerung des Exports die Ausgleichung der Zahlungsbilanz mit dem betreffenden Lande beschleunigt werden. Jedenfalls besteht die paradoxe Tatsache, daß Deutschland an einem Ueberschuß seiner Ausfuhr in ein Land kein Interesse hat, solange dieses Land dadurch in den Stand gesetzt ist, seine Gläubiger zu bezahlen. Gerade an der Beseitigung dieser Möglichkeit hat Schacht alles Interesse, während im Ausland neue Beunruhigung entstanden ist.

Fast alle Staaten verlangen deshalb jetzt neue Verhand­lungen, deren Ziel es ist, sich vor der Willkür der deutschen Außenhandelsreglung zu schützen. In der Schweiz erwägt man den Plan, Importkonkingente zu vereinbaren, also die Menge der einzuführenden Waren festzulegen. Alle haben erkannt, daß die deutsche Außenhandelswirtschaft die be­stehenden Handelsverträge wertlos gemacht hat und suchen nun nach Wegen, um sich vor einseitigen Benachteiligungen zu schützen. Aber noch ein anderes bildet den Gegenstand der Verhandlungen.

In aller Stille hat Schacht, der öffentlich stolz jede Kredit. gewährung für überflüssig erklärt, eine Zwangsanleihe vom Auslande erhoben von nicht weniger als einer halben Milliarde Mark!

-

Denn eher mehr als weniger beträgt die Summe der in den letzten Monaten aufgelaufenen Warenschulden, für deren Be­zahlung Schacht hohnlächelnd keine Devisen zur Verfügung stellt. 2 bis 4 Millionen Pfund betragen die Rechnungen, die englischen Spinner, Weber und Kohlenexporteure zu präsen­tieren haben. Die englische Regierung hat ihre Unterhändler nach Berlin geschickt, die die Begleichung fordern sollen. Aber dreist und gottesfürchtig erklärt die deutsche Presse, daß diese Forderungen eingefroren sind und daß für sie keine andere Lösung bleibt als eine Stillhaltung der Gläu­biger bei allmählicher Abzahlung! Damit habe sich das Aus­land eben abzufinden. Diese Abzahlungen könnten in zwölf Monatsraten vor sich gehen.

Der ,, Neue Plan" erschien zunächst dem Ausland als eine einfache Maßnahme, die durch eine auch ihm unangenehme, aber doch unvermeidlich gewordene Einfuhrdrosselung die deutsche Devisenbilanz ins Gleichgewicht bringen sollte. Die Gläubigerinteressen erschienen durch die eben erst geschlos­senen Abkommen zum größten Teil geschützt.

Jett erkennt man nicht nur, daß Schacht den Plan dazu benugt hat, das Ausland um eine halbe Million zu prellen, sondern man sieht sich einer Willkür ausgeliefert, die alle bisherigen Verträge wertlos macht.

Das Ausland beginnt sich zu fragen, wie das alles gekommen ist, und die Erkenntnis drängt sich auf, daß es selbst es war, das die verschwenderische Wirtschaft der Diktatur, die Kosten der Kriegsfinanzierung, das rücksichtslose Dumping zum großen Teil finanziert hat. Der Neue Plan" wird so zur Quelle unabsehbarer Konflikte, die vom finanziellen Gebiet der Gläubiger- und Schuldnerverhältnisse auf das der industriellen und kommerziellen Beziehungen übergreift. Immer mehr Spengstoff häuft die Diktatur auf!

Dr. Richard Kern.

arme Bevölkerung hat ebenfalls den beispiellos gestiegenen Kartoffelpreis zu bezahlen. Hier werden keine Unterschiede zwischen dem Einkommen eines Krupps und Thyssen und dem Einkommen eines Kumpels und Hüttenarbeiters ge­macht. Wenn es gilt die arme Bevölkerung auszuplündern, da ist der sozialistische" Hitler- Staat plötzlich für die ,, Gleichmacherei".

entsprechend setze ich den Mindestpreis für Industrie und Strumpfausfuhr um ein Drittel gesunken

gleichwertige Sorten franko Vollbahn- Verladestation an Ver­sandhändler auf 2,70+0,20 2,90 Mark fest.

2. Um den Verbrauchern auf dem Lande beim Einkellern

Seit April dieses Jahres zeigte die deutsche Ausfuhr von Kunstseidenstrümpfen eine steigende Tendenz, obwohl sie im Vergleich zu den Vorjahren sich auf einem bereits sehr

entgegenzukommen und den Sonderheiten in den Erzeuger niedrigen Niveau bewegte. Nunmehr hat der August mit einer

gebieten Rechnung zu tragen, gebe ich als angemessenen Einkellerpreis frei Verbraucher im Erzeugergebiet für Ware, die nach den Vorschriften des Reichsbeauftragten sortiert ist, den Preis von 3,50 Mark bekannt.

3. Die Abgaben an das Winterhilfswerk fallen fort. Ueber­sprungene Spannen müssen dem Verbraucher gutgebracht werden.

Der letzte Punkt der Anordnung zeigt, daß an die Arbeits­losen keine billige Kartoffeln mehr abgegeben werden. Die

Ausfuhrmenge von 1094 dz einen Rückschlag um rund 33% s Prozent gebracht. Diese Entwicklung ist um so ungünstiger, als der Durchschnittspreis für die erzielten Erlöse vom März dieses Jahres ständig abgesunken sind, und zwar allein von 14,85 RM. je kg im Juli auf 14,31 RM. im August. Der Durch­schnittspreis im März betrug 15,04 RM., der des August 1933 sogar noch 16,25 RM.

Obwohl der Fremdenverkehr in Oesterreich Der Verlust der osteuropäischen Märkte

durch die Ereignisse im Juli und auch durch die politischen

Unruhen in der Vorsaison Störungen erlitten hat, dürften Der Absatz nach Rußland stockt

sich die valutarischen Friedensverkehrseinnahmen doch in relativ größerem Ausmaß bewegen. In finanziellen Kreisen nimmt man an, daß die Eingänge an fremden Zahlungs­mitteln in diesem Jahr den Gegenwert von 100 Millionen Schilling weit überschritten haben.

Die Mitteilung, daß Deutschlgand die neue Devisenreglung ab 24. September auch auf den Warenverkehr mit der Schweiz anwenden will, d. h. daß für Warenbezüge aus der Schweiz Devisenbescheinigungen erforderlich sind, die vor der Einfuhr der Waren eingeholt werden müssen, gibt der ..Neuen Zürcher Zeitung " Anlaß zu einem außerordentlich scharf gehaltenen Protest, in dem die Erwartung ausge­sprochen wird. daß der Bundesrat von der deutschen Regie­rung die unverzügliche Aufhebung der Maßnahme verlangen werde. Besonders zu beanstanden sei, daß die sogenannten Ausländer- Sonderkonten für sämtliche Fälligkeiten nach dem 24. September aufgehoben werden sollen

Der Ost- Europamarkt" bringt eine interessante Dar­stellung über die Rückentwicklung des deutschen Außen­Wie sehr der handels mit den osteuropäischen Ländern. Außenhandel zwischen Deutschland und den osteuropäischen Ländern zurückgegangen ist, kann man am deutlichsten aus der Tatsache ersehen, daß, während in der ersten Hälfte des Jahres 1929 der Außenhandelsumsat in den osteuropäischen Ländern über 1 Milliarde Reichsmark betrug, er in der gleichen Zeit dieses Jahres auf nur 248 Millionen ge­sunken ist.

Die Ausfuhr ist ganz besonders stark nach Sowjetrußland zurückgegangen.

Aber auch bei den anderen Ländern ist, wenn man von Finn­ land und Lettland absieht, ein Ausfuhrrückgang zu ver­zeichnen. Doch wenn der Gesamtexport nach den osteuro­päischen Ländern in solch katastrophaler Weise gesunken ist, so erklärt sich dies in der Hauptsache durch den Tiefstand

der deutschen Ausfuhr nach Sowjetrußland. Im einzelnen ergibt sich für die ersten 6 Monate der letzten 5 Jahre folgen­des Bild über die deutsche Ausfuhr nach den osteuropäischen Ländern:

Länder USSR . Polen Finnland Danzig Litauen Lettland Estland

1930 1931 1932 1933 1934 182,7 262,4 356,6 173,5 36,0 125,0 75,7 34,7 28,3 17,1 66,1 45,7 20,6 17,8 35.0 29,2 11.7 18,8 28.3 25,1 13,3 10,2 33,3 23,8 15,2 9,6

18,4

6,9

7,7

8,7

8,6

9,0

5,6

3,3

3,2

Insgesamt 485,6 471,5 420,2 200,5 98,3

Die herausfordernde Politik der Hiterregierung gegenüber Sowjetrußland hat sich somit in einen schweren Schlag für die deutsche Exportindustrie ausgewirkt,