Die tote Hand"

Deutliches Interesse des Schatzamtes der NSDAP . Wir brachten in unserer Nummer 257 authentische mit teilungen über eine neue antikatholische Offensive des Dritten Reiches " nach der Saarabstimmung. Dieie Mit­teilungen werden bestätigt durch folgendes Rundschreiben, das der Deutsche Weg" veröffentlicht:

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Echazamt der NSDAP .

München

Streng vertraulich!

München , den 20. Oftober 1934.

An alle Gauämter!

Die Gauämter werden angewiesen bis zum 15. Dezem ber 1934 die Grundstücke und Gebäudekomplexe der in ihrem Gaubezirf fich befindenden Erdens- und Missionsgefeil­schaften beider konfesionen, genauestens zu vermessen und bei den zuständigen Katesterämtern sich die genanen Pläne und Veranschlagungen aushändigen zu lassen. Vor allem ist auch eine Erhebung zu machen. über die in Händen dieser Gesellschaften sich beiindenden Darlehen. Hypotheken und Barvermögen. Die Verwendbarkeit der Häuser und Grund­stücke ist genau anzugeben.

Ge wird noch einmal darauf hingewiesen, daß die Er­bebungen bis spätestens 15. Dezember d. J. in Händen des Schatzmeisters fein müssen. Wert wird vor allem auf amt­liche Unterlagen gelegt.

Bis zum gleichen Termin ist ein Bericht über die Tätig= keit der genannten Gesellschaften an das fulturpolitische Amt der NSDAP . einzureichen. Mitgliederzahl, Schulung uim. ift genauestens zu vermerken. Bei den evangeli chen Anstalten auch die religiöse Richtung dieser Mitglieder. Ausgenommen von dieser Bestimmung sind die Diako niffen. Diafonen. Nonnen- und Brüderanstalten, die sich mit Kranken- und Wohlfahrtspflege beschäftigen. Es wird noch einmal auf die strenge Einhaltung des Termins hin­gewieien. Die Erhebungen haben unbemerkt vor sich zu gehen.

Gerhart Seger in Nordamerika

Das sozialistische Das sozialistische Deutschland gegen seine rohen Tyrannen

Neuyork, den 20, November 1934.

Gerhard Seger, der frühere sozialdemokratische Reichs­tagsabgeordnete, der durch seine Flucht aus dem Konzentra tionslager Oranienburg . seine in der ganzen Welt verbrei­tete Schrift und durch die Geiselhaft seiner Frau und seines Kindes und deren Befreiung bekannt geworden ist, befindet sich gegenwärtig auf einer ausgedehnten, sechs Monate dau­ernden Vortragsreise in den Vereinigten Staaten von Nord­lichen technischen Umstand, daß Seger die englische Sprache in freier Rede beherrscht, findet seine Vortragsfähigkeit auch deshalb stärkste Beachtung und Anteilnahme aller Kreise der amerikanischen Bevölkerung, weil er der erste Redner ist, der aus einer eigenen, umfangreichen Erfahrung authentische Informationen über die Konzentrations-, kultur" des drit­ten Reiches" geben und der aus mehrjähriger persönlicher Kenntnis der maßgebenden Naziführer, ihre Reichstags­tätigkeit, ihrer Literatur und ihrer moralischen Beschassen­heit eine gutunterrichtete Darstellung zu geben vermag.

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Die Tätigkeit Segers begann in Neuyort, wo er vierzehn= mal sprach, in vier öffentlichen, ausgezeichnet besuchten Meetings, in zwei Rundfunkvorträgen und vor kleineren Areisen politisch Interessierter und tätiger Persönlichkeiten. Die Presse beachtet die Vortragsreise sehr stark, und die publicity", die Seger von seiner Landung an die übrigens am gleichen Tage wie die des Oesterreichers Julius Deutsch erfolgte, der mit Seger gemeinsam in verschie­denen Meetings sprach, Amerika aber viel früher wieder verläßt- hatte, wurde noch verstärkt durch den Umstand, daß das Tefret Fricks über die Aberfennung der deutschen Reichsangehörigkeit Segers furz nach seinem Eintreifen in Neuvorf befannt wurde. Hinsicht= lich der publizitijchen Wirtung bat rid der Amerifarei e Segers einen ganz ausgezeichneten Dienst erwiesen. Seger

schickten Protesttätigkeit des Botschafters Luther die sorg­fältig vorbereitete Vortragstätigkeit Segers von den Nazis überaus unangenehm empfunden wird Dies um so mehr. als Seger seine Tätigkeit unter zwei besonders wirkungs­volle Gesichtspunkte stellt: er geht von der selbstverständ= lichen, aber im Zeitalter des Herrn Goebbels hervorzu­hebenden Erkenntnis aus, die ja auch den Erfolg seiner Schrift Oranienburg " ausmacht. daß nämlich die eraf.c, durch sich selbst wirkende Wahrheit die beste. weil nord­lischste Propaganda ist, und der zweite Gesichtspunkt ist unter der Verfassung der Millionen Dentichamerikaner be= sonders wichtig, daß Sener beginnend gleich in seinen eriten Massenmeeting in der Websterhall in Neuvorf, er­flärte:

die große Gefahr dessen, was die Nationalsozialisten mit der Konzentrations: ,, Kultur" und ihren sonst gen Ber : brechen herausbeschworen haben, ist, daß die durch die per= logene Kriegspropoganda seinerzett erzeugte Abneigang gegen Deutschland wieder entsteht.

Schon in England wurde Seger darauf hingewiesen, daß manche, die während des Krieges in deutschfreundlicher Ha.= tung der unfinnigen Propaganda entgegengewirft hatten, sich heute selbst fragen, ob denn an der Hunneneigen chajt der Deutschen nicht doch etwas dran ei.. Deshalb, jo führte Seger unter stürmischer Zustimmung der aus allen Bevölfe= rungsfreifen zusammengefeß: en Zuhörerschaft aus, mitje ein jorgfältiger Unterschied zwischen den zu jedem Verbrechen fähigen nationalsozialistischen Hitlerleuten und denjenigen Deutschen gemacht werden, die nur unter dem ungeheuer­lichen Druck des Terrors schweigen, aber für dieses bessere, anständigere Deutschland sei er gefommen zu zeugen, um der Entstehung eines neuen, allgemeinen und verallgemei nernden Vorurteils gegen Deutschland entgegenzuwirken.

veröffentlichte zu feiner Ausbürgerung eine von der ameri Blick ins Braune

fanischen Preise aller Richtungen wiedergegebene Erklärung,

Heil Hitler! gez. Schwarz, Reichsschatzminister. worin er ſeitſtellte, daß selbstverständlich sein Deutschtum

Liebeskämpie in Lippe

Die braune Exzellenz auf Seitensprüngen

Das Staatsministerium hat in einer fürzlich veröffent­lichten Warnung vor der Weiterverbreitung von Gerüchten über den einzigen lippischen Staatsminister Pg. Riefe ge­warnt. Riefe hatte ein Verhältnis mit der Tochter des Be­sizers des Hotels Fürst Leopold". Nach den ersten Be­gegnungen im Ministerium wurden die Zusammenfünfte in das väterliche Hotel verlegt. Das Paar wurde entdeckt. Der Vater, ein jähzorniger, fräftiger Wirt, verprügelte im Verein mit dem Hausknecht den Staatsminister Pg. Riefe dermaßen, daß er mit Arm- und Knochenbrüchen in das Detmolder Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Da die Gerüchte nicht verstummten, ließ Riefe öffentlich mitteilen, eine alte Kriegsverletzung wäre wieder aufgebrochen, so baß er das tranfenhaus aufsuchen mußte. Riefe ist noch nicht wieder hergestellt und fonnte infolgedessen auch an der Einweihung des neuen Flugplaßes in Detmold , die fürzlich in Anwesenheit des Stabschefs Luze stattfand, nicht teilnehmen.

Brigitte He'm

Berlin , 26. Nov. Tem Antrage des Staatsanwaltes ent­sprechend verurteilte die 5. Strafkammer des Berliner Landgerichts am Montag die Film.chauspielerin Brigitte Helm wegen fahrlässiger Körperverletzung zu zwei Monaten Gefängnis und zu den Kosten des Verfahrens. Die Ange­flagte batte am Abend des 27. August mit ihrem Wagen in Berlin eine Frau angefahren.

Der Vorsitzende hob in der Begründung des Urteils her­vor, daß eine Geldstrafe nicht in Frage fommen könne. da die Angeklagte ichon einmal aus gleichem Anlaß vor Gericht gestanden habe.

nicht von einer auf Gangster gestützten Regierung aus der Welt geschafft würde; außerdem aber erinnerte er der Kurio­sität halber daran,

daß der Führer der gleichgeschalteten Striegsbeschädigten: organisation, Oberlindober, gleich nach der nationalsoziali: stischen Machtergretfung versicherte, die Kriegsbeschädigten seien die Ehrenbürger des neuen Reiches". Er, Seger, sei Kriegsbeschädigter...

Die Ameritatour Segers findet ihre derzeitige Fortsetzung im mittleren Westen, mit großen Meetings in Chikago, St. Louis , Vorträge vor der Northwestern - Universität und anderen Kreisen am 10. und 11. Dezember beginnt mit Massenversammlungen in Oakland und San Franzisko die Vortragstour an der falifornischen Küste. Im nächsten Jahre wird Seger eine über die ganzen Vereinigten Staaten lau­fende Versammlungstour für den antifaschistischen Pabor Chest" unternehmen, und damit hat es folgendes Bewandtnis: Auf einem zu Ehren des englischen Gewerkschaftsführers Gitrine veranstalteten Diner, auf dem auch Seger sprach, wurde mitgeteilt, daß zum erstenmale in der Geschichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewraung die American Rede­ration of Labor einen aktiven Anteil an den europäischen Geschehnissen nimmt. Unter dem Borüß ihres Präsidenten Green wurde ein Labor Chest gebildet.

d. h. es werden durch die amerikanischen Gewerkschaften 250 000 Dollar aufgebracht, um den antifaschistischen Kampi in Europa zu unterstützen und den Lpfern des europäischen Faschismus zu helfen. Ein großer Teil der Summe ist schon gezeichnet.

Es ist selbstverständlich, daß gerade in der Zeit der Ent­hüllungen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses über die Nazipropaganda, in der Zeit der überaus unge­

Das Sondergericht Halle verurteilte neun Anhänger des Bundes Zeugen Jahwes", der eine Fortsetzung der ver­botenen Organisation der Ernsten Bibelforscher" darstellt, zu je drei Monaten Gefängnis.( Das Hessische Sondergericht hatte, wie erinnerlich, 29 Eruste Bibel­forscher" im März 1934 freigesprochen, weil die Verfassung die Freiheit der Glaubensausübung gewährleiste.) Das Sondergericht Halle stellte sich demgegenüber auf den Stand­punft, daß zwar eine Religionsgesellschaft Anspruch auf solchen Schutz hätten, aber nicht Gemeinschaften wie die Ernsten Bibelforscher" und die Zeugen Jahwes", die staats­feindliche Zersetzungsarbeit betrieben.

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Die Justizpressestelle Frankfurt a. M. teilt mit: In einer allgemeinen Verfügung( vom 16. Oftober 1984, Deutsche Justiz" Seite 1301) hat der Reichsjustizminister den Straf­verfolgungsbehörden zur Pflicht gemacht, gegen jeden MiB= brauch des Winterhilfsmerts schnell und mit un­erbittlicher Strenge einzuschreiten. Denn das Volk will die Gewißheit haben, daß alle dargebrachten Opfer auch wirklich ihrem Zweck, die bedürftigen Volksgenossen vor Hunger und Stälte zu schützen, zugeführt werden. Strenge Strafen müssen daher den treffen, der sich Geld oder Sachwerte des Winter­hilfswerks unrechtmäßig verschafft oder sich irgendwie an diesen Werten vergreift. Da Schädigungen des Volkswohls grundsäßlich als besonders schwere Fälle anzusehen sind, besteht die Möglichkeit, u. a. bei Betrug und Untreue auf Zuchthaus zu erkennen."

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Nach einer Mitteilung der Staatspolizei in Halle ist eint Bauer in Walbeck wegen Sabotage am Winterhilfswerk in chutzbait genommen worden, während ein anderer Bauer aus Morungen diesmal noch mit einer Berwarnung davongefommen sei.

Moskau ohne Dirnen

Von Ruth Körner

Lichtreklamen, Trolley- Busse, Pelsgeschäfte, Eßwaren, Aus­länderhotels, Bierhallen, Gefrorenesverfauter, Zeitungs­stände, Blumenhändler. Riesenlautsprecher all das und noch viel mehr sieht man in Moskau , jindet man in Moskau . hört man in Moskau . Unter den hohen Bogenlampen, die des Abends erstaunlich hell brennen. drängen, stauen sich die Menschen, bei den Straßenübergängen durch Tafeln mit Pfeilen und Aufschrift pzjerechod ides!" fenntlich gemacht

stellt man sich an, vor den Mineralwasserbuden gibt es pticheredy", lange Reihen von Wartenden, beim roten Licht der unzähligen Verkehrsampeln lauern auf beiden Seiten zehn zwanzia elegante überseeische oder stabile russische Automobile auf Weiterfahrt, die Straßenbahnen- die auf drei nebeneinander liegenden Gleisen fahren sind über­füllt, ein freies Tari ist nur durch Zufall zu bekommen, hier iattern schwer beladene, im Amorwerf erzeugte Pastkraft­wagen über den Asphalt, dort werden ganze Straßenzüge aufgerissen: Bau der Untergrundbahn Moskau lebt, Mos­ kau arbeitet. Bei Tag und bei Nacht.

Alles findet man in Mosfan, nur eines vermißt man. Auf den hellen Plätzen des Zentrums, wie in den dunklen Gassen der Vorstadt: das Straßenmädchen. Tiefe Ericheinung, die jeder größeren Stadt ein Gepräge gibt, die typisch für ihre ganze nähere Umgebung ist. In Berlin sind sie mit hoben reten schwarzen oder silbernen Stiefeletten, der Reitpeitsche in der Hand, grell bemalt, auf lasterhaft" zurechtgemacht, in Wien stellen sie das süße Mädl" vor das jeder Fremde zu finden wünscht und kopieren in Zürich die brave, mollig- gemütliche und etwas häusliche Frau. Und diese charakteristische Großstadterscheinung ist aus Moskau verschwunden.

Nicht daß die Prostitution in Rußland verboten ist. Es steht jeder Frau. iedem Mädchen frei, ihr Geld auf der Straße zu verdienen Und sie machen keine schlechten Geschäfte dabei. Eine Dirne erzählte mir daß sie an einem Abend 50 bis 100 Rubel bekommen fann und mit einem monatlichen Ginfimmen von 1000 bis 1500 Rubel rechnet. Ein Betrag, ** the cinsendes Leben gewährleistet. Und doch ver & Sten die Nu fi en fait nöaie auf die Ginnahmequelle. Jonen stehen alle Berufe, vom Lokomotivführer bis zum Metallurgiespezialisten, vom Schlachtarbeiter bis zum Fliegerhauptmann offen. Und wenn sie in diesen Berufen

auch nicht so viel verdienen, wie twa auf der Straße, so tauschen sie die Unsicherheit, die Verlassenheit der Prostitu­ierten doch gerne gegen ein gesichertes und aussichtsreiches Leben ein.

Im zaristischen Rußland war die Prostitution im Laufe der Zeit zu einem großen Problem geworden. Die steigende Verelendung des Volkes warf immer breitere Schichten er­werbs und einkommensloser Frauen auf die Straße. Sie wurden frank und verseuchten weite Kreise der männlichen Bevölkerung. 1913 famen in Moskau auf anderthalb Mil­lionen Einwohner 20 000 Mädchen mit dem gelben Schein" und auf 10 000 Einwohner jährlich 167 neue Syphlisfälle, für die ein einziges Spital mit etwas hundert Betten bercit stand. Während man in dem damaligen Petersburg dreißig= tausend, in der Messestadt Nischni 60 000 Prostituierte zählte. In den Jahren des Krieges wuchs ihre Zahl ins Unge­messene. Um 1918 22, der Zeit der Bürgerfämpfe, der Ver­wüstung von Städten und Land, der Unsicherheit, Unord­nung und Zerstörung der althergebrachten Ordnung auf ein Nichts herabzusinken. Mit der Periode der NEP. begann jedoch die Arbeitslosigkeit, besonders unter Frauen und da= mit eine erneute Prostitution. Auf zweieinhalb Millionen Einwohner in Moskau tamen wieder 3000 Dirnen. Es wur­den Kommissionen geschaffen, um den Kampf gegen die öffent­liche Unzucht und ihr Wachstum zu führen. Sie brachten ein ( Seieß zur Annahme, dem zufolge Rubälter mit zehn Jahren Gefängnis der russischen Höchststrafe bedroht werden und eröffneten in Moskau fünf, in Rußland dreiunddreißig Häuser für alleinstehene Frauen sowie nititute gleich dem Mosfauer Profilaftorium, in das franke Straßey­mädchen aufgenommen und zwei Jahre lang be= halten werden.

In diesen beiden Jahren werden diese meist verwahrlosten und ungebildeten Frauen nicht nur völlig geheilt und zu Sauberkeit und Fleiß erzogen, sondern erhalten eine regelrechte Schulung. Analphabetinnen werden zunächst im Lesen, Schreiben und Rechnen unterwiesen, für die Fort­geschrittenen sind Musik-, Piteratur. Chemie- und ähnliche Surie eingeführt und später wird jede Frau nach ihrer individuellen Fähigkeit entwickelt. Von den 2805 Mädchen, die sich in den lebten zehn Jahren im Profilaktorium auf­hielten, wurden 17 Prozent Aerztinnen und Technikerinnen, 12 Prozent Parteiarbeiterinnen. 19 Prozent arbeiteten im fozialen Werf und 52 Brozen gingen in die Fabrif. Und von den jetzigen Bewohnerinnen des Hauses in der zweiten Meichtichanskaja war eine als delegiete Dichterin auf dem Kongreß der Schriftsteller anwesend,

während eine zweite das Konservatorium besucht und mit der Großen Oper verhandelt, da man ihre glänzende Stimme entdeckt hatte.

Im Rahmen des ersten Fünfiahr- Planes war die Schaf­fung von 1200 neuen Plägen im Profilaftorium vorgesehen. Statt den Plan zu erfüllen, wurden jedoch in Moskau 4, in Rußland 16 Anstalten geschlossen. Es fehlte an Beleg chaft". Denn während 1932 in Moskau auf vier Millionen Ein­wohner noch 700 Prostituierte famen, sanf ihre Zahl am 1. Januar 1934 auf 400 und wird heute auf 260 bis 300 gc­ichätzt.

Durch die völlige Freiheit, die die russische Frau genießt, entstand allerdings etwas, das Ausländer gerne als Prosti­tution bezeichnen. Es entstand ein gewisser Leichtsinn der Frau in förperlichen Dingen. So kommt es vor, daß Frauen infolge der Tabaknot und einer dem Ruffen eigentümlichen Bequemlichkeit, die lieber vom Nachbar fordert, als sich selbst um den Besitz einer Sache befümmert, Männer ansprechen: dai papiros- gib eine Zigarette; daß die bei­den in ein Gespräch kommen, der Mann die Frau zu sich lädt, mit Tee bewirtet und sie sich im Lauf des Abends gibt. Aber diese Frau wird niemals Geld für ihre Liebe nehmen. Sic fit in einer Stellung und hat weder Verdienst noch Sonderverdienit auf einer solchen Basis nötig. Und es fomint vor, daß Männer und Frauen für eine furze Zeit zusammen­leben und auseinandergehen. Rein Mann hat irgendwelche Mechte über die Frau; weder auf ihren Mörper, noch auf ihre Tentweise oder gar auf ihr Geld. Und wenn fie feiner müde ist, darf er sie nicht daran hindern, ihn zu verlaffen. Anders steht es wohl bei den Frauen, die feine Wohnung haben, von der Existenz der Heime nichts wissen oder zu Unrecht fürchten, dort einem moralischen Zwang aus­gesetzt zu sein und die alleinstehende Männer mit möglichst guten Zimmern suchen, um sich ein Dach über dem Kopf" zu schaffen. Nach einem ruifichen Gesetz darf nämlich eine Frau, die drei Tage bei einem Mann gewohnt hat unter keinen Umständen ermittiert werden. Ist diese Frist ver­strichen, so lann er sie ohne ihren Willen mit teiner Macht des Himmels und der Hölle, weder Miliz noch GPU., aus seinen vier Wänden bringen. Das ungeheuer raiche Tempo. mit dem die Wohnanlagen aller ruifischen Städte und ins besondere Moskaus , vergrößert werden wird jedoch auch diese Erscheinung bald eliminieren. Und Rußland dürfte der erste und für lange wohl ein= sige Staat der Welt sein, in dem es feine Prostituierten gibt.