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JANUAR

FürDEUTSCHLAND gegen HITLER

Gegen den braunen Terror

Eine neue Denkschrift der Untersuchungs­kommission

Die internationale Untersuchungskommission hat neuer­dings an den Völkerbundsrat eine Denkschrift überreicht, in welcher sie sich sowohl mit dem Terror an der Saar als auch mit den Abstimmungslisten beschäftigt. Auch dieses Male werden in der Denfchrift die einzelnen Tatsachen mit dokumentarischem Material belegt. Gestützt auf die An­gaben der Denkschrift richtet die Untersuchungskommission an den hohen Rat die Bitte, folgende Vorschläge in Er­wägung zu ziehen.

Die Untersuchungskommission ist der Meinung, daß 1. wirksame Maßnahmen getroffen werden müssen, um dem physischen Terror und moralischen Druck der deutschen Front" gegen die Sta­tus quo- Anhänger" zu beenden und die Ab­stimmung aus der Atmosphäre der unstatthaften Ein­mischung seitens deutscher Behörden und der systematischen Einschüchterung der Irreführung, Beeinflussung, Verleum­dung und Bedrohung der Status- quo- Anhänger durch die deutsche Front" herauszuheben.

2. nicht nur alle Maßnahmen zur Sicherung der freien, aufrichtigen und geheimen Wahl getroffen werden müssen, sondern daß auch alles unternommen werden muß, um den Behauptungen der deutschen Front" entgegenzutreten, daß sie, welches immer auch die Sicherungsmaßnahmen der Abstimmungs- Kommis­fion sein mögen, doch erfahren und feststellen würde, wie jeder einzelne Saarbewohner abgestimmt hat.

3. Die Untersuchungskommission reichtet an den Hohen Rat des Völferbundes das ergebene Ersuchen, eine ein= deutige staatsrechtliche Definition des Be­griffes Status quo" zu geben und wirksame Maßnahmen zu treffen, um den bewußt falschen Inter­pretationen des Begriffes Status quo" durch die deutsche Front" ein Ende zu bereiten.

4. Die Untersuchungskommission richtet an den Hohen Rat des Völkerbundes das ergebene Ersuchen, den Ge­wissenskonflikt von Hunderttausenden durch eine Erklärung zu beenden, die besagt, daß die Saarbevölkerung das Recht hat, zu gegebener Zeit in einer ameiten Volfs befragung die Frage des An­schlusses an Deutschland zu entscheiden.

Die Untersuchungskommission hat diesen Bericht an den Hohen Rat des Völkerbundes abgefaßt nach einem eingehen­den Studium der Lage im Saargebiet. Sie ist sich der Ver­antwortung, die sie beim Antritt ihrer Aufgabe über­nommen hat, voll bewußt und eben im Bewußtsein ihrer Berantwortung und im Willen, alles was in ihren Kräften steht, zur Sicherung einer freien, aufrichtigen und geheimen Wahl und damit der Aufrechterhaltung des Frie­dens in Europa heizutragen, hat sich die Untersuchungs­fommission gestattet, den vorstehenden Bericht dem Hohen Rat des Völkerbundes zu unterbreiten.

Untersuchungsfommission über den national­sozialistischen Terror an der Saar. gez. Karloni:

Ein neuer Protest

Zahlreiche hervorragende amerikanische, englische und französische Geistliche, Juristen, Schriftsteller, Gelehrte und Künstler haben an den Völkerbundsrat folgendes Schreiben gerichtet:

Die unterzeichneten Frauen und Männer haben mit tiefer Besorgnis Kenntnis genommen von der Verschärfung des nationalsozialistischen Terrors an der Saar gegen Andersdenkende. Sie unterstützen die Eingaben der Inter­nationalen Untersuchungskommission über den natio= nalsozialistischen Terror an der Saar an den Hohen Rat des Völkerbundes in Genf und solidarisieren sich mit ihren Vorschlägen.

Die Unterzeichneten bitten den Hohen Rat, Maßnahmen zu ergreifen, um die mehrlose Saarbevölke rung von dem physischen Terror und dem moralischen Druck zu befreien und alles zu tun, damit die bevorstehende Bolksabstimmung frei, unabhängig und allein nach dem Willen des saarländischen Volkes er­folgt."

Nazi-, Westland" pleite

Bürckels Schmierblatt, Nazi-, Westland", hat bereits offi: ziell Konkursantrag gestellt. Damit ist dieses Blättchen sanst verschieden, noch bevor es, wie es sich Goebbels und Bürckel gedacht haben, wirksam für den Abstimmungskampf ver. wendet werden konnte. Die ganze schmutzige Kaufaffäre hat den Nazis viel Geld gekostet aber für Leute, die den Gold­und Devisenbestand der Reichsbank verschleudert haben, fommt es wirklich nicht darauf an, noch einige hundert­tausend zu verpulvern, während das deutsche Volk zu darben beginnt und unter der Warenknappheit und Preis­steigerung schwer zu leiden hat.

Jesuitenpater Spiecker

Berlin , 1. Dez. Zu der schon gemeldeten Inschutzhaft­nahme des Jesuitenpaters Spieder in Köln be­richtet die Germania ", daß die Kölner Geheime Staats­ polizei auf Anfrage erkläre, Pater Spieder habe in öffent­lichen Ausführungen gehässige und versteckte Angriffe auf den Führer und die nationalsozialistische Regierung gemacht. Die Schutzhaft sei vorläufig auf drei Wochen festgesetzt. Gegen Pater Spieder solle außerdem ein Straf= verfahren wegen Verstoßes gegen die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuß von Volk und Staat ein­geleitet werden.

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Wir bezahlen keinen Sous für die Gruben"

Sensationelle Erklärung Röchlings

Paris, 1. Dezember 1934.

Von unserem Rorrespondenteit Der Intransigeant" veröffentlicht seit einigen Ta­gen eine Artikelreihe über das Thema Wohin geht die Saar?". In der heutigen Ausgabe gibt nun der Ver­fasser dieser Reportage Guy de Traversay eine Unterredung wieder, die er mit Hermann Röchling hatte, den er einen hundertprozentigen Deutschen " nennt. Wir können es den Lesern der Deutschen Freiheit" ersparen, sie mit dem Gesamtinhalt dieses Interviews zu belasten, in dem von Röchling versucht wird zu beweisen, daß die Saar von Frankreich nichts, von Deutschland alles in wirtschaftlicher Beziehung erhalte. Aber ein Wort des Stahlkönigs von Völklingen ist geeignet, über die Grenzen des Saargebiets hinaus größtes Aufsehen zu erregen.

Der Interviewer fragt Röchling , ob er meine, daß Deutsch­ land

Frankreich für den Rückkauf der Saargruben, wie dies seinerzeit von der Reparationsfommission festgesetzt worden

sei, 1800 Millionen Franken zahlen werde.

,, Reineswegs," sagt Röchling da. Wir werden keinen Sous bezahlen. Wir schulden Ihnen nichts. Wir haben unter dem Namen von Reparationen zehnmal mehr gezahlt, als wir schuldig waren."

,, Sie geben mir das Recht, dies zu veröffentlichen?" " Bedingungslos."

Der französische Journalist seit hinzu: Das ist deutlich, und alle Sachverständigen der Welt werden daran nichts ändern."

Mag sein, daß Herr Röchling die Absichten der Hitler­regierung genau fennt, wir glauben es sogar, daß er dem französischen Journalisten die Wahrheit gefagt bat. Lachen müssen wir aber, wenn wir an einer anderen Stelle in dem Bericht folgendes Frage- und Antwortspiel lesen:

Denken Sie an eine andere Lösung als die klare und eindeutige Rückkehr der Saar zu Deutschland ?"

,, Nein. Deutschland wird 99 Prozent der Stimmen bekommen."

" Sind Sie dessen sicher?" ,, Völlig sicher."

Aber die Sozialisten, die Kommunisten?"

, gibt feine Margisten oder nur wenig an der Saar . Es gibt eine Handvoll elender Verräter, deren Versammlungen voll sind von Emis granten, die mit Recht von Hitler hinausgeworfen wurden, und von Lothringern, die aus Konjunkturgründen aus Frankreich herübergekommen sind."

*

Während die Abstimmungskommission in einer besonderen Verordnung verbietet, die Gegenparteien im Abstimmungs­tamps als Verräter", Mörder" usw. zu beschimpfen, wagt es der Lieferant für die französischen Ostbefestigungen, die Anhänger der Volksfront als elende Verräter" zu be= schimpfen. Wann kommt Röchling dafür vors Abstimmungs­gericht?

Kein Kohlenabsatz

im Falle der Rückgliederung

Ergänzend wird noch aus dem Interview mit Röchling folgendes bekannt:

Der Status quo," so sagt Herr Röchling, wäre ein Ruin für das Saargebiet. Die Ausfuhr metallurgischer und elef­trischer Erzeugnisse würde einen furchtbaren Schlag er­halten. Deutschland würde von uns nichts mehr kaufen und mit vollem Recht!"" Und wie steht es mit der Kohle?"" Das ist etwas anderes. Ohne Zweifel hat Deutschland schon zuviel Kohle. Aber Lothringen hat ein Inter­esse daran, saarländische Kohle zu übernehmen und uns da= für seine Erze zu liefern."

Röchling bestätigt also unser Greuelmärchen", daß Hitler­deutschland mit Kohle übersättigt ist, daß also für die vier Millionen Tonnen Kohle, die jährlich nach Frankreich gehen und die nach der Rückgliederung durch Errichtung der Zoll­grenzen von Frankreich nicht mehr aufgenommen werden, kein Absaß mehr da ist. Anschluß an Hitlerdeutsch­bringt dem land das bestätigt jetzt Röchling selbst Kumpel Arbeitslosigkeit und dem Saargebiet wirtschaft­lichen Rum. Nur der Rüstungsmagnat.( ing wird, wie dies schon bei seinen treuen Freunden im Reich Thyssen und Krupp der Fall ist, durch die Rückgliederung seinen Profit erhöhen.

Erzberger Jude und Verräter"

Die gleichgeschaltete, früher fatholische Saarbrüder Landes 3ettung" ist in heller Empörung. In der Wochenschrift ridericus"( Nr. 39 und 42) hat deren Her­ausgeber F. C. Holtz zwei Artikel unter den Ueberschriften: ,, Matthias Erzberger : ein Jude und Ver= räter" und" Jud Erzberger" veröffentlicht, in denen er unter anderen Anschuldigungen und häßlichen Beschimp­fungen Erzbergers auch die Behauptung aufstellt, daß Matthias Erzberger niemals ein Deutscher gewesen, sondern ein Jud. Wörtlich heißt es im Fridericus":

,, Man hat Erzberger oft den katholischen Deutschen in die Schuhe geschoben. Das ist ungerecht. Erzberger ist niemals ein Deutscher gewesen. Sein Geburtsort Buttenhausen im schwäbischen Oberamt Münsingen ist eine alte Judenied: lung. Dort waren die Juden von jeher die Herren und was dort an Nichtjuden wohnte, das war dem Juden dienstbar. Wenn also ein reicher Jude in München oder in Stuttgart ein gutes Dienstmädchen haben wollte, dann brauchte er nur nach Buttenhausen zu schreiben, Buttenhausen lieferte das, was gebraucht wurde. Auf diese Weise kam auch im Jahre 1877 oder 1878 eines der Buttenhausener Dienstmädchen nach München , wo sie bei dem jüdischen Kunst- und Antiquitäten händler Bernheimer Stellung fand. Der Jude fand Gefallen an dem Mädchen, und es ereignete sich das, was in jüdischen Häusern des öfteren vorzukommen pflegt. Als die Folgen der Verbindung des Herrn Bernheimer mit seinem Dienfts­mädchen allzu sichtbar wurden, quittierte das Mädchen den Dienst und kehrte in die Heimat zurück, um die Geburt ihres Kindes abzuwarten. Herr Bernheimer gab ihr eine für ihre Verhältnisse recht ansehnliche Abfindungssumme und war damit von der Zahlung irgendwelcher weiteren Unterhal: tungskosten befreit. Das Mädchen, das sehr arm gewesen war, war nun also vermögend. Und es dauerte nicht lange, daß ein armer Tagelöhner und Postbote, namens Erzberger , in Buttenhausen sich sagte, er könne doch eigentlich eine gute Vartie machen und das Mädchen heiraten. Ueber die Ge: schichte mit dem Juden könne man ja mit einigem Wohl: wollen hinwegsehen. Das geschah. Das Mädchen heiratete den Herrn Erzberger , Nicht lange darauf kam der Sohn des Herrn Bernheimer auf die Welt. Sie nannten ihn Matthias, und der Postbote Erzberger war im Hinblick auf die reich­liche Abfindung des Herrn Bernheimer so freundlich, die Vaterschaft nicht zu bestreiten. Deshalb galt der kleine Mats thias nach bürgerlichem Recht als der eheliche Sohn des Tagelöhners und Postboten Erzberger in Buttenhausen. In Wirklichkeit ist er als Sohn des Juden Bernheimer zum mindesten Halbjude. Ueber die Abstammung seiner Mutter, die in dem verjudeten Buttenhausen geboren war, weiß man nichts Bestimmtes. Dieser Salbjude saß während des Arie: ges an einer für die Landesverteidigung Deutschlands hoch­wichtigen Stelle. Unbekümmert um das Wohl Deutschlands verriet er schwazend von dem, was geheimzuhalten seine Pflicht war."

Die Saarbrücker Landes- 3eitung" schreibt angesichts dieser Tatsachen:

Wir wollen heute nur auf die Behauptung, Erzberger sei ein Jude, näher eingehen, weil hier nicht bloß Erz­

berger betroffen, sondern auch die Ehre der Eltern Erz­bergers, insbesondere seiner Mutter, tit rohester Weise bejubelt wird.... Dieser kurze Auszug aus den Buttenhausener amtlichen Akten zeigt eindeutig und flar, mit welch unverantwortlichem Leicht sinn der Herausgeber des Fridericus" mit der Ehre des toten Erzberger und seiner verstorbenen Eltern umspringt. Kein Wort ist scharf genug, um dieses Treiben zu charaf­terisieren. Für den Fridericus" aber paßt das Wort des Alten Friz: Niedriger hängen!"

Sehr tapfer und furchtlos. Sie Saarbrücker Landes­Zeitung" freut sich sichtbar über die Pressefreiheit, die ihr die landfremde Regierung" gegenüber einem braunen Blatte gewährt. Geht der vermeintliche Wunsch des Blattes, recht bald zu Hitler heim" zu kommen, in Erfüllung, dann ist es zu Ende mit solcher Kritif. Dann darf ein katholisches Blatt feinen katholischen Politiker der verruchten" vierzehn Jahre mehr in Schuß nehmen, vorausgesetzt, daß es über­haupt noch geduldet wird.

GRENZLAND

Unabhängiges deutsches Wochenblatt

erscheint in Saarbrücken jeden Freitag. ,, Grenzland" behandelt in unparteiischer Weise politische, kulturelle und wirts schaftliche Fragen. Besondere Aufa merksamkeit widmet es der deutschen Entwicklung Die nationalsozialistische revolutionäre Uebergangszeit will es begreifen und nicht bejammern helfen Deshalb späht ,, Grenzland" nicht ,, An­griffspunkte" aus, sondern sucht ein umfassendes Bild zu geben Es wendet sich an den selbständig denkenden Leser, der mit ihm die Wahrheit für die schärfste Waffe des politischen Kampfes hält.

Aus der neuesten Nummer: Eberhard Weißenberg, ein Agent des Dr. Goebbels Wie kauft man Zeitungen?

Das Langemarck der deutschen Jugend Die katholische Fronde Mobilmachung d. Schuljugend Keine Devisen für Ruhegeld

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