Deutsche Stimmen Beilage zur Deutschen Freiheit

Dienstag, den 11. Dezember 1934

Das lernen sie!

Die Führerschulen der Hitler- Jugend

Die Hitlerjugend ist nicht nur die Organisation der ge­samten deutschen Jugend, sie ist für den Nationalsozialismus vor allen Dingen eine vortreffliche Erziehungseinrichtung. Die Hitlerjugend ist geradezu heute die Grundlage des Nationalsozialismus, denn in der Jugenderziehung liegt ein­zig und allein die Zukunft des Nationalsozialismus. Dazu bietet die Begeisterungsfähigkeit und Opferbereitschaft der Jugend für den Nationalsozialismus eine günstige Möglich­keit, die Jugend für seine Ideen zu gewinnen. Man will in der Jugend wieder den ,, heroischen Geist" erwecken, der nach seiner Auffassung für ein Volk eine Lebensnotwendig. keit ist. In dem Hitlerjugendorgan für Westdeutschland ,, Die Fanfare" heißt es:

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,, Die deutsche Revolution ist mehr und mehr in ein neues Stadium ihres Kampfes eingetreten. Galt bisher unser Einsatz fast ausschließlich der Erringung der Macht, so muß nun die junge Generation geformt werden, der Mensch von morgen. Es gilt. den Kämpfer und zugleich Träger des beginnenden Reiches zu schulen für das Ringen von morgen, das Ringen des deutschen Volkes und der deutschen Seele um ihre Freiheit."

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Eine Generation, die nichts mehr anderes als die national­sozialistische Ideologie kennt und von dieser Ideo­logie voll und ganz bestimmt wird, das ist das Ziel, was sich der Nationalsozialismus gestellt hat. ,, Wir wollen wieder den Geist germanischen Heldentums den deutschen Menschen", so steht es in dem bereits genannten Hitlerjugendorgan, und dieser ,, Geist" kennzeichnet den In­halt der Erziehung in der Hitlerjugend . Man hat zu diesem Zwecke sogenannte Führerschulen" systematisch im ganzen Reiche aufgebaut. In Potsdam befindet sich die Reichs­führerschule, eine für die HJ. und eine für den BdM. Alsdann hat man im ganzen Reiche gemäß dem organisatorischen Aufbau der HJ. Oberbann-, Gebiets- und Obergebietsführerschulen errichtet, in welchen ununter­brochen Kurse abgehalten werden, zu denen man die jugend­lichen Führer" abkommandiert. Hier wird den jungen Menschen ,, nationalsozialistisches Wissen" und die ,, Kenntnis germanisch- deutscher Geschichte" vermittelt, denn nur dar­aus kann lebendiges Verstehen erwachsen", welches allein zu ,, nationalsozialistischem Geschichtsdenken" befähigt.

Wie diese Schulung gedacht ist, zeigt der nachfolgende Schulungsplan aus dem letzten Kursus in der Gebietsführerschule Herbert Ho­warde", die HJ. Führerschule am Nieder­ rhein . Gemäß dem Hitlerjugendorgan handelt es sich hierbei um einen gut bewährten Plan".

1. Deutsche

Geographie,

listisch gesehen.

0

nationalsozia­

Der erste Punkt dieses Lehrplanes ist also schon außer­ordentlich bezeichnend. Geographie wird nicht mehr objektiv gelehrt, sondern nationalsozialistisch. Sie ist für den Nationalsozialismus keine Lehre von der natür­lichen Beschaffenheit der Erde, sondern, so lautet die Erklärung zu diesem Punkte von der Mittellandslage Deutschlands ", von den, deutschen Interessen im Osten". von der geographischen Unmöglichkeit des Versailler Vertrages ", von ,, Landcharakter, Bodenschätzen, usw. und deren Verwendung im Sinne des Führers". Daran anschließend kommt man zum zweiten Punkt: 2. Die bevölkerungspolitische Lage Deutsch­ lands , worunter die Nationalsozialisten auch wieder ausschließlich die Behandlung des Problems ,, Volk ohne Raum" und der Ostfrage" verstehen. Dann heißt es, es wurde übergeleitet zu der zweiten Lösungsmöglich­keit dieser Fragen", zu Punkt 3:

3. Die deutschen Kolonien. Dann sagt man: ,, Als weiteres müßten dann die Fragen geklärt werden: 4. Was ist ein Volk? Die beigegebene Erklärung lautet: ,, Es kam darauf an, den Begriff als letzte Einheit menschlichen Daseins zu erklären. Es wurde der ,, Mensch an sich" ,,, Kultur an sich" ,,, Religion an sich" als un­möglich abgelehnt, sondern alles als organisch aus dem Volk gewachsen dargestellt und so die Linie der ge­schichtlichen Verbundenheit mit dem deutschen Volke herausgearbeitet. Dabei tauchte dann die Frage auf: 5. Was heißt Deutsch ? Dazu sagt man:

,, Es wurde der Begriff ,, Deutsch " von allen Seiten her

in seiner letzten Bedeutung erfaßt( d. h. sprachlich, ethisch, kulturell, politisch usw.) und dabei gezeigt, daß dieses Deutschsein. diese deutsche Seele, immer um ihre Idee des Deutschseins kämpfen muß."

6. Der Reichsgedanke durch 2000 Jahre germanisch- deutscher Geschichte.

Hier heißt es:., Es wurde der Unterschied Reich und Staat( Reich notwendig organisch, Staat nur dann, wenn Führung organisch aus dem Volke wächst) erklärt und darauf hingewiesen, daß der Staat, um bestehen können, von verschiedenen Faktoren abhängig. Vor allem aber auch Träger des Reichsgedankens sein muß. ( Reich als Land des Volkes verstanden, Boden des Volkes, Unmöglichkeit fremdvölkischer Elemente usw.) Damit wird der Uebergang gelegt zu:" mit wird der Uebergang gelegt zu:"

Staatsidee.

7. Die nationalsozialistische Die Erklärung lautet: ,, Es muß dann gezeigt werden, daß in deutscher Geschichte deutscher Geist und Wille

immer um die Idee des Staates als Träger des Reichs­

gedankens kämpfen wird."

8. Deutsche Revolution und welsche Re. volution in 2000 Jahren germanisch­deutscher Geschichte. Hierzu heißt es: ..Von hier aus wurde in die neueste Zeit übergegangen und der Geist des Nationalsozialismus in seiner völkisch­geschichtlichen Grundlage im Sinne des Führers klar­gestellt. Dazu wurde auf die geschichtliche Entwicklung eingegangen:"

9. Die Epoche vom Ich zum Wir. Die Erklärung lautet:

..Hierbei wurde die geschichtliche Schwankung in der Weise aufgezeigt, daß die sich abwechselnden Perioden liberalistisch- internationaler und völkisch nationaler Denkweise in ihren Werten und Folgen erklärt wurden. Ergänzt wurde dieser wichtige Abschnitt der Schulung durch"

10. Deutsche Kulturim Längsschnitt durch deutsche Geschichte.

,, Es war dann nötig, mit Hilfe des nun klargestellten ,, Wirbegriffes" in den Geist des heutigen Deutschland einzudringen."

11. Weltanschauung- im Volk: ein Glaube. Zu dieser merkwürdigen Ueberschrift lautet die Erklärung: ..Der Glaube wurde als seelische Kraftquelle völkischen Daseins erkannt und es wurde gezeigt, daß aus diesem Glauben für ein Volk alles wächst und wachsen muß, so auch der Führer." Wenn man dies recht ,, Führer" nur dadurch ..glaubt".

versteheit soll, so ist also der Führer", weil das Volk an ihn

12. Führertum. Dazu heißt es:

..Es wurde das Wesen des Führertums, seine notwen­digen Vorbedingungen, seine Abhängigkeit, seine Wich­tigkeit besprochen, dabei vor allem versucht, unseres Führers Kraft und Wille als Ausdruck völkisch- deutschen Lebens zu sehen. Weiterhin wurde versucht, den Ge­danken in deutscher Geschichte zu verfolgen."

13. Preußisch- deutsche Führer. 14. Der Mensch von gestern, heute und morgen. Da heißt es: ,, Der ewig Gestrige, der immer ,, Konser­vative", wurde dem ewig Morgigen gegenübergestellt, dessen Prinzip Glaube heißt, dessen Waffe Glaubens­fanatismus und letzter Einsatz ist, dessen Kampf um das Morgen nur mit seinem Leben endet: Der Kämpfer! Der Hitlerjunge, der Mensch, der Führer von morgen! Damit war denn auch die Frage schon fast gelöst:"

15. Warum eine deutsche Jugend in einem Deutschen Reich?

Als letzte Punkte folgten noch: 16. Unsere Mutter.

17. Der Juli 1914.

18. Deutsche Kunst.

Das ist der Plan, nach welchem die deutsche Jugend heute erzogen wird, ein Plan, der den Charakter des National­sozialismus deutlich erkennen läßt.

Die Geist- und Kunstfeindschaft

Salander schreibt in der Basler National- Zeitung": Der Rücktritt Wilhelm Furtwänglers bedeutet wohl auch für die gefühlsstumpfsten und vorstellungsschwächsten Beurteiler der nationalsozialistischen Staatsumwälzung, die immer noch unter dem Vorwand einer geistigen Neutralitätshaltung, die meist weiter nichts als Mangel eigener Gesinnung ist, nach ,.schöpferischen" Gedanken, in den Vorgängen des dritten Reiches" Ausschau gehalten haben, das Ende ihrer Täuschungen.

Hier war ein Künstler europäischer Geltung, der geglaubt hatte, sich den neuen Machthabern im Dienste des Ganzen zur Verfügung stellen zu sollen, der sich alle Mühe gegeben hatte, die Mauer, die das ,, dritte Reich" um sich aufgerichtet hat, zu durchbrechen, und für Verständnis zu werben. Heute hat auch er einsehen müssen, daß an dem gedanklichen Ver­hornungsprozeß der Rassenüberheblichkeit nicht nur die Sittlichkeit, sondern auch die Kunst zugrunde geht, weil beide auf dem Wert der Leistung beruhen. Die Abstam­mung, eine reine Schicksalstatsache, zum Kriterium sittlicher und künstlerischer Wertung zu erheben, bedeutet Leug­nung der Gesittung wie der Kunst.

An einer Staatsdoktrin und einer Kulturpflege, die den animalischen Tatbestand über die Leistung und das Werk stellen, ist nun einmal nichts zu verstehen", und die Leute, die verlangen, man müsse auch solche Erscheinungen zu ver­

Herm. Feuerbach.

stehen suchen, fordern etwas Unmögliches.

Es ist gewiß sehr achtbar, daß Furtwängler aus seiner Ueberzeugung die Folgerung gezogen hat, aber man wird ihn wegen seiner verspäteten Erkenntnis nicht gleich zum Heros und Märtyrer erheben dürfen, wie dies vielleicht ver­sucht wird. Es hat gewiß Helden der anständigen Gesinnung gegeben, und gerade unter den Musikern solcher Haltung haben wir hier in Basel die Ehre, Allerbeste bei uns zu beherbergen. Sie haben das Ungewisse als Schicksal gewählt und die Einsamkeit des Ausgestoßenen nicht gescheut, als jene Allesversteher und Zeitgebundenen", die sich dem so­genannten geistigen Aufbruch zur Verfügung gestellt hatten, noch geräuschvoller Ehrungen und mancherlei Vorteile ge­nossen. Verspätete Einsicht ist besser als gar keine, aber wir wollen uns doch daran erinnern, daß es Künstler und Gelehrte gegeben hat, die von allem Anfang an die Geist­und Kunstfeindschaft der nationalsozialistischen Bewegung und ihre kulturelle und sittliche Gefahr für den Volkscharakter erkannt und für diese Erkenntnis mit Opfern und unter Wagnissen eingestanden sind

Furtwängler

Das Neue Wiener Tagblatt" schreibt:

,, Wien schätzt und kennt Wilhelm Furtwängler und weiß, daß er alles andre als ein Hitkopf oder Rechthaber, daß er

Ereignisse und Geschichten

Nazi- Bilanz

Wenn euch die Richter der Zeiten einst fragen: Was habt ihr im Rausch eurer Herrschaft vollbracht? Habt ihr noch außer Befehlen und Schlagen Etwas getan, was euch Ehre macht? Dann könnt ihr mit Brüllen

Die Welt nur erfüllen:

Wir haben gesiegt!

Mit diesem Tatbestand ist euer Wirken,

Sind all eure Weisheit und Würde erschöpft.

In allen geistigen Hoheitsbezirken Habt ihr nur gierig zerstört und geköpft. Drum könnt ihr nur wettern Und dünkelhaft schmettern: Wir haben gesiegt!

Sieg führt zur Machi, und die Macht ist euch alles, Weil ihr sonst nichts zu verlieren habt. Gedenket aber gefälligst des Falles, Daß ihr euch selbst eure Grube grabt Schon hören wir's rufen Am Fuß eurer Stufen: Bald seid ihr besiegt!

Zulässig- unzulässig

Der ,, Führer" mit seinem Streicher

Horatio.

Der Deutsche Reichsanzeiger" veröffentlicht regelmäßig die Entscheidungen, die auf Grund des Gesetzes zum Schutze der nationalen Symbole vom 19. Mai 1933" gefällt wurden, das heißt. er gibt bekannt, welche Geschmacklosigkeiten er­laubt und welche verboten sind. Aus der letzten Nummer erfährt man z. B.. daß Laubsägefiguren, SA.- und SS. - Männer darstellend, sowie Laubsägevorlagen, darstellend den Kopf des Führers und Reichskanzlers, von Eichenlaub umgeben, als zulässig gelten. Viel interessanter ist aber die Rubrik, die den Titel ,, unzulässig" trägt. Unzulässig sind:

,, Ansichtspostkarten, darstellend den Führer und den Gauleiter Julius Streicher ."

Das ist zu verstehen. Hitler duzt sich mit Streicher, Hitler gestattet dem Streicher, wie ein Irrsinniger zu wüten, Hitler duldet wohlwollend die blutige Mordhetze, die bestialische Gemeinheit des Streicherschen Pogromblattes, aber seinen Kopf neben Streichers Kopf in jedes Untertanen Schoß zu legen, kann selbst dem Kanzler nicht zugemutet werden. Unzulässig sind weiter:

,, Bildnisse, darstellend die Herren Reichspräsident von Hindenburg , Reichskanzler Adolf Hitler , Ministerpräsident Göring , Reichsminister Dr. Goebbels ."

Diese Maßnahme soll, wie uns glaubhaft versichert wird, von Göring und Goebbels in seltener Eintracht verfügt wor­den sein. Seit dem 30. Juni lassen sie ihre Köpfe nicht mehr gern mit Hitlers Porträt vereinigen. Sie sind abergläubisch geworden.

vielmehr allein und ausschließlich Künstler ist. Daß er allen guten Geistern der Tonkunst dient, von Händel und Bach angefangen über Beethoven und Mozart bis heraus zu Strauß und den Jüngsten, zu denen auch Paul Hindemith gehört. Für ihn ist ausschlaggebend das Kunstwerk und die Qualität der Partitur, nicht das Mitgliedsbuch der Partei. Furtwängler hat im Vorjahr einem Dirigenten, der ihm vor­schriftgemäß seine Jahresprogramme einsendete und mit Zittern und Zagen darunter Mendelssohns Schot­tische Symphonie angesetzt hatte, mit einem ..Bravo " geantwortet. Für ihn ist der Komponist der Schottischen Symphonie eben ein edler Meister, kein Aus­zustoßender. Und aus der gleichen hochgelagerten An­schauung kommt auch seine unbeugsame Haltung im Fall Hindemith , den er nicht einfach unterduckend aufgab, son­dern für ihn eintrat ohne Schonung seiner eignen Person.

Furtwängler hat sich durch diese Tat selbst geehrt. Und wenn er nun zwischen sich und die Rassenfanatiker und Gesinnungsriecher einen Trennungsstrich zieht, wird die Kulturwelt auf seiner Seite stehen. Er sieht eben wie die westliche Welt in diesen wilden Verfemungen nichts als einen bedauerlichen Verfall, und wenn er aus Deutschland scheidet, so läßt er eine Lücke zurück, die kein ,, verläß­licher" gesinnter Nachfolger ausfüllt. Der Verlust ist wahr­lich nicht auf seiner Seite.

Der angeblich so zukunftsweite Hitlerismus hat draußen zu Vorfällen geführt, die in die Rubrik lächerlicher Kultur­kuriosa gehörten, wenn sie nicht zugleich Menschen und Existenzen kalt erledigen würden."

Clemens Kraus geht nach Berlin ?

Seit man einigen Tagen spricht in künstlerisch interessierten Kreisen Wiens davon, daß der Direktor der Wiener Staatsoper Clemens Kraus als Nachfolger Wilhelm Furtwänglers nach Berlin gehen werde und demzufolge der Rücktritt von Clemens Kraus von der Leitung der Wiener Staatsoper in Kürze zu erwarten sei. Derartige Vermutungen wollen sich darauf begründen, daß Clemens Kraus in der vorigen Woche in Berlin gewesen ist; schon bei seiner Rück­reise sei davon gesprochen worden, er werde einen Ruf an die Berliner Staatsoper erhalten. Authentisch ist über diese Direktorenkrise an der Wiener Staatsoper allerdings noch nichts bekanntgegeben, obschon man es für wahrscheinlich hält, daß Clemens Kraus ( nach einem sechsjährigen Wirken an der Staatsoper) bereit wäre, Wien zu verlassen.

Es wird bekannt, daß die Leitung des Wiener Philhar­ monie - Orchesters Wilhelm Furtwängler zu zwei oder drei außerordentlichen Konzerten zu verpflichten beabsichtige. Auch soll der Versuch gemacht werden, Furtwängler für eine längere Wirksamkeit an der Wiener Staatsoper zu ver­pflichten.

Die Hitler- Gläubigen

Man wird nie betrogen, man betrügt sich selbst.

( Goethe