Im wahren christlichen Geiste"

Zwei Bilder aus dem Hitlerreich

Schidisal einer Mutter

Der Volkswille" in Karlsbad :

Heute erreicht uns die Nachricht von dem bitteren Leidens­weg einer Frau und Mutter, die monatelang in unserem Gebiete gelebt hat als Emigrantin, oben an der sächsischen Grenze, unweit von Graslih. Wir er­hielten die Trauerfunde von dem tragischen, heldenmütigen Opfertode der Genosin Helene Weck, der Gattin des ehe­maligen Reichsbannersekretärs im Bezirk Zwickau - Plauen . Vor etwa anderhalbt Jahren folgte Helene Weck ihrem Manne, der sich vor den braunen Bestien nur durch die Flucht retten konnte, in die Emigration in der Tschecho­ slowakei nach. Sie ließen sich in einem Orte bei Graslih nieder. Tapfer ertrug die Genossin Weck alles Leid, alles Bittere und Schwere, was das Leben in der Fremde den Heimatloien auferlegt Entschloffen legte sie mit Hand ans Wert, um wirtschaftlich nicht nur auf die prächtige Solidari­tät und auf die Hilfe der tschechoslowakischen Genossen ange­wiesen zu sein. Wer ihr begegnete, der bewunderte diese zarte, aber doch immer zähe schaffende Frau, die gern andere noch tröstete und aufrichtete und ihnen half, wo sie nur fonnte.

Und dennoch lag eine tiefe Schwermut über ihrem Wesen. Die Sehnsucht nach der Heimat, die Sehnsucht nach dem einzigen Kinde bereitete ihr tiefes Weh. Als der Sohn, der so sehr mütterlicher Betreuung bedurfte, nach langen Monaten aus dem Konzentrationslager entlassen war, da wurde der Drang, zum Kinde zu eilen, täglich mäch­tiger in ihr. Und er wurde schließlich stärker als ihre Kraft und als alle Vernunfi, die sie vor einer Heimkehr warnte.

In einer Stunde höchster Muttersehnsucht wurde der Ent­schluß gefaßt und schnell ausgeführt. Rasch war der Fuß über die Grenze gefeßt. Schnell heim zum heiß ersehnten Sohn! Ihn sehen, mit ihm sprechen, für ihn sorgen, um ihn herum sein können! Und wenn es auch nur auf kurze Zeit wäre. Aber derlei Muttergefühle seßt Hitlers Gestapo kalt in ihre Rechnung ein. Sehr schnell erhielt sie die Nachricht, ergriff die Mutter und schleppte fie ins Polizei­gefängnis zu Werdau Am 21. Oftober war Helene Weck über die Grenze gekommen, bereits am 22. Oktober wurde sie gepackt und hinter Kerkergittern gesetzt.

Was hinter diesen einsamen Gefängnismanern in Werdan, zuletzt in Zwickau mit ihr geschah, darüber kann heute nie: mand berichten.

Aber der letzte Entschluß der Genoffin Weck sagt darüber genug. Am. 31. Oktober machte sie ihrem Leben im Gefäng= nis selbst ein Ende. Ueber den Leiden und Martern unter den Händen der Polizei des Hitlerreiches zerbrach diese mutige, tapfere Mutter, die ihr Leben nun ganz dem Kinde hatte widmen wollen und die ihrem Gatten bis zum letzten Atemzuge die treue, standhafte Kameradin blieb. Am 3. November wurde sie in Werdau zur letzten Ruhe bestattet, zahlreiche um sie trauernde Arbeiterfrauen gaben ihr das Geleit.

Beinahe die Wiege der Menschheit

h. b. In der zwischen Magdeburg und Hannover gelegenen Kreisstadt Helmstedt hat der in weiten Kreisen unbekannte Geschichtsprofessor Otto Hahne einen welterschütternden ad Vortrag gehalten. Er wies in diesem Vortrage an untrüg­lichen Ueberlieferungen und Beweisen nach, daß trotz des Wechsels der politischen Herrschaft(?) der Kreis Helmstedt germanischen Ursprungs ist. Ferner zeigen aber auch, nach Hahnes Meinung, die alten Siedlungsnamen die hoch­stehenden geistigen Fähigkeiten der Germanen.

Da hat er mitsamt dem Kreise Helmstedt aber großes Glück gehabt, der Professor. Denn wenige Kilometer von Helmstedt entfernt, aber politisch zu einem Nachbarkreise zählend, liegt die gute alte, wegen der Harmlosigkeit" ihrer Bürger in aller Welt bekannte Stadt- Schöppenstedt .

Demonstrierende Studenten PROPAGANDAMINIST

» Der Gott , der Elsen wachsen ließ, Der wollte keine Knechte!<

Die Zwingburg von Colditz

Als eines der berüchtigsten Konzentrationslager ist das Lager in Colditz im Leipziger Bezirk befannt geworden. Die Häftlinge sind von jeher in Colditz in viehischster Weise mißhandelt und gequält worden, unzählige Opfer dieser sadistischen Behandlung sind in Irrenhäusern und Kranken­häusern zugrunde gegangen. Wir haben seinerzeit die Zu­stände im Menschenschlachthaus Coldit" eingehend geschil­dert, das inzwischen erschienene Buch, onzentrations= lager"( Verlag Graphia Karlsbad) hat umfangreiches Ma­terial veröffentlicht. Die politischen Gefangenen des brau­nen Regimes wurden in Coldiß zu schwersten Arbeiten ge= zwungen. So nüßte man ihre Arbeitskraft unter schlimmsten Zuchthausmethoden dazu aus, der Nazipartei in Colditz ein luxuriöses Parteiheim zu errichten. Man ließ die Häftlinge eine alte, verfallene Fabrif zu diesem Zwecke völ­lig umbauen und aufs reichste und behaglichste ausstatten.

Das Heim ist nun fertiggestellt. Die Tränen der Gepei­nigten, das Blut der Geschlagenen und Ermordeten, der Schweiß der Gehetzten und die Flüche der Geschundenen bil­den sein Fundament. Die braunen Bonzen sind eingezogen und haben ihre 3wingburg feierlich eingeweiht. Natürlich waren sie alle da, die Oberbonzen, und strahlten vor Stolz über ihr monumentales Werf. Der Garnschieber der Kriegs­jahre, Reichsstatthalter Mutschmann, der verkrachte Tischler und jetzige Kreishauptmann Dönick e- Leipzig, alle waren sie da, um der Weihe des Braunen Hauses in Colditz beizuwohnen, des braunen Tempels, der über Ar­beitergräbern errichtet worden ist.

Der Gauleiter Mutschmann hielt die dazu passende Weiherede. Nach dem Berichte des Klingenthaler An­zeigers vom 6. November sagte der sächsische Hitlerfönig an dieser traurigen Stätte u. a. folgendes:

Die Weihe dieses Hauses bedeutet für die alten Kämp­fer einen Gottesdienst. Im wahren christ= lichen Geist e ist das Heim, das nur dem Volke dienen soll, entstanden. Nur aus der idealistischen natio= nalsozialistischen Weltanschauung heraus konnte der Kampf gegen Lüge, Materialismus, Freimaurerei und Judentum siegreich durchgeführt werden."

Menschenschlächtereien sind im dritten Reiche" also Gottes­

Die Radhejustiz an einer Frau

Nach drei Jahren... Sechs Jahre Zuchthaus Magdeburg, 10. Dezember.

Hier wurde nach mehr als zweiwöchiger Verhandlungs­dauer vom Magdeburger Schwurgericht das Urteil im drit­ten Prozeß wegen der angeblichen Ermordung des SA.­Mannes Kurt Wietfeldt in Völpke in der Silvesternacht des Jahres 1931 gefällt. Die Hauptangeklagte Pauline Berei­ter, die als Führerin der Völpker Kommunisten anzusehen war, wurde wegen Beihilfe zum Mord zu einer Zucht= hausstrafe von 6 Jahren verurteilt. Der zweite An­geklagte, Otto Jasniat, fam ohne Strafe davon, das Ver­fahren gegen ihn wurde auf Grund der Amnestie eingestellt. Jedoch widersprach der Staatsanwalt der Freilassung Jas­niats, weil er der Staatspolizei zur Verfügung zu stellen set.

In der Urteilsbegründung führte Landgerichts­direktor Kölling aus, das Gericht habe Mord und nicht Totschlag angenommen. Bei Frau Bereiter sei nicht An­stiftung im Sinne der Anklage festzustellen gewesen, weil das Gericht annehmen müsse, daß die drei bereits abgeurteilten Kommunisten schon von sich aus zum Mord bereit gewesen seien. Dagegen habe das Gericht zweifelsfrei die Beihilfe bejaht, denn Frau Bereiter habe den Kommunisten Geld zur Beschaffung von Waffen aus der Kasse der Roten Hilfe gegeben und sei sich auch über die Bestimmung des Geldes durchaus im klaren gewesen. Ohne Frau Bereiter wäre es weder zum Tode des SA.- Mannes Wietfeldt noch vorher zu dem des Kommunisten Jooksch gekommen. Der Staats= anwalt hatte gegen Frau Bereiter die Todesstrafe be= antragt.

Unter den zahllosen verbrecherischen Urteilen der Hitler­Justiz ist dies eins der tollsten. Aus dem Bericht geht hervor, daß die zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilte Frau Bereiter an dem Tode des SA.- Mannes Wietfeldt gänzlich unschuldig ist. Sie soll Geld der Roten Hilfe" für Waffenbeschaffung gegeben haben. Irgend eine Beziehung zu dem drei Jahre zurückliegenden Fall konnte ihr nicht nachgewiesen werden. Dafür verlangte der Staatsanwalt Todesstrafe.

Im übrigen macht man bei dieser Gelegenheit eine alte Bekanntschaft. Nämlich diejenige des Herrn Kölling, aus dem bekannten Magdeburger Prozeß gegen den Kaufmann Hans noch in Erinnerung.

dienst. Und was im Hitlerreiche als wahrer chriftlicher Die Zuchthausmaschine

Geist" gilt, das wird man von nun an an der Entstehung dieses Braunen Hauses aus der Zwangsarbeit des Konzen­trationslagers in Coldiß zu studieren haben!-

Dieses Haus der Tränen wird als ein Denkmal dastehen. Als ein Memento des Geistes von Coldit". Die an ihm mit gefrondet haben, werden eines Tages wieder da sein. Dann wird Ernte gehalten werden aus der Aussaat von Goldiß. Sie wird für die Schuldigen arauenhaft sein. In diesem Tempel aber wird ein Erntedankfest gefeiert werden, das die Sühne aller Opfer sein wird, die an diesem Schandmal er­niedrigt worden sind.

Zersetzungsstoffe

h. b. In der Zeitschrift Deutsches Volkstum" läßt sich Herr Wilhelm Stapel folgendermaßen über die braunen Bonzen aus:

Der Bonze" als geschichtlicher Typ gehört zum Bilde der Nachkriegsrepublik, der Meckerer" zum Bilde der nationalsozialistischen Umschichtung des Volkes. Beide sind geschichtliche begrenzte Erscheinungen. Aber beide sind der Volkssubstanz entsprossen. Das deutsche Volf hat die Art, gewisse soziale Giftstoffe in der Form des Bonzentums und des Meckerertums auszuschwären."

Davon kann man sich vor allem in der von Hitler über­nommenen" Nachkriegsrepublik besonders gut überzeugen. Man braucht sich bloß die geschichtlich begrenzten Erschei­nungen aus dem Gesinnungsfreise des Herrn Stapel näher zu betrachten.

17 Kommunisten

Der zweite Straffenat des Obersten Landesgerichtes Mün­ chen hatte in der vergangenen Woche in mehreren Sizungen gegen 17 frühere Kommuisten aus Wörth a. Rh. verhandeltt. Die in der Mehrzahl bereis vorbestraften Angeklagten wa­ren beschuldigt, die Ausführung eines auf die gewaltsame Aenderung der Verfassung gerichteten Unternehmens ver­abredet und diese Aenderung vorbereitet und auch Spreng­stoff im Befiß gehabt zu haben.

Nach dem am Dienstagmittag verkündeten Urteil hat das Gericht den Tatbestand einer Verabredung zur Ausführung eines hochverräterischen Unternehmens nicht als erwiesen angenommen, dagegen wurden von den Angeklagten wegen Vorbereitung zu einem hochverräterischen Unternehmen ver= urteilt:

Der 38 Jahre alte Reinhard Herzog zu 4 Jahren 4 Monaten Zuchthaus,

der 49 Jahre alte Karl Börkel, ebenfalls wegen Vor­bereitung eines hochverräterischen Unternehmens und wegen Verbrechens nach§ 7 des Sprengstoffgesetzes gleichfalls zu 4 Jahren 4 Monaten Zuchthaus,

der 32 Jahre alte Hermann Emlina wegen des gleichen Verbrechens ebenfalls zu 4 Jahren 4 Monaten Zuchthaus und

der 32 Jahre alte Jakob Börfel wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und Verbrechens gegen§ 8 des Sprengstoffgefeges zu 3 Jahren 6 Monaten Zuchthaus .

Diesen vier Angeklagten wurden auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Bon den übrigen Angeklagten wurden drei freigesprochen und die anderen zu Gefängnisstrafen von zehn Monaten bis zu 2 Jahren verurteilt.

Entbindungsanstalten sind Luxus

Wo unbedingt gespart werden muß

Jm heutigen Deutschland wird mit viel Lärm Bevölke­rungspolitik getrieben. Da es noch immer mehr als 5 bis 6 Millionen Arbeitslose gibt, so handelt es sich für die Nationalsozialisten dabei nur darum, rechtzeitig für ein Auffüllen dergewaltigen Lücken Vorsorge zu treffen, die der von ihnen forcierte Krieg in die Be­völkerung Deutschlands reißen wird.

Aber nicht nur mehr Kinder" verlangt das von ihnen aufgestellte Gebot, sondern gleichzeitig soll eine Aufzucht der nordischen Rasse" erfolgen.

Schieben wir einmal allen nationalsozialistischen, wissenschaftlich drapierten Rassenunsinn beiseite, so bleibt für eine vernünftige Bevölkerungspolitik noch manches zu tun.

Die Sozialdemokratie hat in früheren Jahren wiederholt zu entscheidenden Taten auf sozialem Gebiete angetrieben. Besonders der Aufbau des Wöchne= rinnenschutzes und der Säuglingsfürsorge, die Einrichtung von Entbindungsanstalten, die Fortschritte im Kinder- und Jugendschutzwesen gehen auf ihre unausgesetzten Bemühungen zurück.

Von dieser wahren Bevölkerungspolitik wollen die Nationalsozialisten nichts wissen! Jn ihrer täglichen Pragis beweisen sie stets von neuem, daß sie finden, das arbeitende Volk genieße bereits zu viel sozialen Schutz. Und da im Dritten Reich wohl Geld in Fülle für eine um= fassende Kriegsrüstung vorhanden ist, aber keines für soziale 3me che, so werden die ver­schiedenen sozialen Einrichtungen und Anstalten in rascher Folge Opfer des nationalen Sozialismus". Kürzlich war zu lesen, daß die Nationalsozialisten die Entbindungsanstalten, Säuglings und Wöchnerinnenheime als Lurus ansehen, für die ihr Deutschland keine Aufwendungen mehr machen könne. Jetzt hat der preußische Innenminister mit einem Rund­erlaß einen Frontalangriff gegen sie geführt. Darin mendet er sich gegen die Entbindung in klini ichen Anstalten und Heimen. Die Auffassung,

daß dadurch die Sterblichkeit der Säuglinge und Mütter herabgedrückt werde, hält", so heißt es in dem Nunderlaß, den neuen ärztlichen Erfahrungen gegenüber nicht stand". Es werden die angeblichen Vorzüge der Entbin dung im Privathaushalt gerühmt. Der Ver fasser des Erlasses verrät damit, daß er keine Ahnung hat, wie es um den Privathaushalt von Millionen Arbeiter­familien in Wirklichkeit bestellt ist. Dann heißt es:

Die Gefahr des Auftretens von Kinderbettfieber oder anderen Infektionskrankheiten ist für die Mütter im Privathaushalt im allgemeinen nicht größer als in An­stalten, zumal die Hebamme infolge der Begrenzung ihrer Tätigkeit auf die Geburtshilfe in der Regel weniger Ge­legenheit hat, mit Reimträgern in Berührung zu kommen als mancher vielbeschäftigte Arzt."

Der Zweck dieser unhaltbaren Begründung ist, eine Rechtfertigung zu finden für das 3ugrunderichten wertvoller sozialer Anstalten. Das wird am Schluß des Runderlasses ganz klar gesagt:

" In wirtschaftlicher Hinsicht bedeutet die Erhaltung oder Begründung vom ärztlichen Standpunkt aus nicht not­wendiger Anstalten eine doppelte Belastung, da diese Anstalten in der Regel 3uschüsse aus öffentlichen Mitteln erfordern, und außerdem aus­reichend vorhandene, geschulte Berufsangehörige der' Heil­funde in ihrer Existenz beeinträchtigt."

Die Rücksicht auf die Berufsangehörigen ist nur an den Haaren herbeigezogen. Das wichtigste bleibt: es sollen keine öffentlichen Gelder für die wertvollen sozialen Ein­richtungen aufgewendet werden. Die nationalsozialistische Regierung, die Milliarden für Kriegszwecke, Hunderte von Millionen für Subventionen an die Industrie und Agrarier, Hunderte Millionen für Besoldung von braunen Bonzen aus Reichsmitteln zur Verfügung stellt, verweigert die im Verhältnis dazu lächerlich geringen Summen für den Schutz der Säuglinge und Mütter.