Pridenschaft, der man bei ihm nicht gewöhnt ift, für die Des Führers" neuer Judenboykott

strikteste Durchführung des neuen Militärprogramms ein.

Die deutsche Aufrüstung kann es allzu leicht bewirken,

daß Frankreichs Außenpolitik zur Funk Mob gegen die jüdischen Geschäfte

tion seiner Militärpolitik werden wird.

Indessen haben es die Hitler , Göring und Blomberg bereits erreicht, daß Frankreichs Aufrüstung mit neuen Methoden getrieben wird. Die neuen Kredite werden in erster Linie für die Beschaffung und die Modernisierung des Materials bestimmt, das Luftfahrt- Ministerium hat sein Programm umgestellt. Die dem Generalstab nahe stehenden Organe gehen noch weiter und propagieren die völlige Umstellung des französischen Militärsystems. Eine bemerkenswerte Erscheinung: es wird von dieser Seite empfohlen, das letzte Wort, die Grundsätze und die wich­tigsten Errungenschaften der neudeutschen Kriegskunst nach Frankreich zu übertragen. Es geht hier nicht mehr und nicht weniger als um die Schaffung einer französischen Reichswehr . Von Seeckt macht jetzt Schule in Frankreich . Seine Gedanken finden hier einflußreiche und begeisterte Anhänger. Danach soll die französische Armee durch die Elite- Truppen ergänzt werden, die zugleich eine Berufsarmee, ein Techniker­Heer und eine Angriffsarmee sein sollen. An der Grenze, in der Gegend des großen Festungsgürtels, soll diese Armee konzentriert werden, aus den Berufsmilitärs mit langer Dienstzeit zusammengesetzt, eine restlos motori­sierte Armee, beweglich und fähig, jeden Angriff der deutschen Sturm- Regimenter abzuwehren und danach Offensiv- Operationen durchzuführen. Also-

Gegen Reichswehr !

Das sind also die unmittelbaren Folgen der deutschen Aufrüstung: das Kriegspotentiell Frankreichs wird ent­facht, das französische Militärsystem sucht fieberhaft nach ben wirksamsten technischen Mitteln und organisatorischen Formen, die den deutschen mindestens gleichwertig sein sollen. Die außenpolitischen Folgen sind nicht weniger schwerwiegend: der Wettkampf um die militärische Ueber­legenheit in Kontinentaleuropa , einmal zwischen Deutsch land und Frankreich begonnen, verspricht jede Verständi gung zu zwei, um die sich der deutsche Faschismus so heiß bemüht, auszuschließen.

Simon in Paris

Hochpolitische Reise des britischen Außen­ministers

Paris , 21. Dezember 1934.

Sir John Simon wird am Samstag in Paris erwartet. Die Besprechungen, die er mit Ministerpräsident Flandin und Außenminister Raval haben wird, werden, so hofft man in französischen politischen Streisen, die französisch- englische Freundschaft und die diplomatische Zusammenarbeit beider Regierungen bekräftigen. Sie würden angesichts der bevor­stehenden bedeutsamen Ereignisse( französisch - italienische Be­sprechungen. Saarabstimmung, Ostpaktverhandlungen) von größtem Nußen sein.

Das Deuvre"

Das Deuvre" behauptet, daß Sir John Simon und Laval unter anderem über die mögliche Rückkehr Deutschlands nach Genf , die Rüstungsfrage, den Abbruch der Londoner Flotten­verhandlungen und vor allem über die in Aussicht gestellte Aenderung der amerikanischen Haltung zur Freiheit der Meere sprechen würden.

Ganz freiwillig

Die sächsischen Beamten haben neuerdings einen Spendenschein bekommen, auf dem sie bescheinigen müssen, daß sie mit allen freiwilligen Abzügen einver­standen sind und keinerlei Kontrolle über Verwendung der Gelder fordern. Dieser Schein hat nachstehenden Text: Spendenschein

Ich beteilige mich freiwillig an dem Beamten - Opferwerf Sachsen

für die Dauer seines Bestehens. Ich bescheinige, daß ich dazu nicht gezwungen oder gedrängt worden bin, sondern lediglich neben sonstigen Spenden ein Opfer bringen will. Den monatlichen Betrag sebe ich auf RM.....( ungefähr ein Prozent meines Brutto- Einkommens) fest und ver­pflichte mich ihn unaufgefordert abzuführen.

Ueber den Einzug sowie Verwendung des Geldes bin ich unterrichtet und ich überlasse alles weitere dem Gauamts­leiter bzw. Gauwart von Sachsen.

Name

Stand

Beschäftigungsamt

Ort

Geworben durch

Beschäftigungsamt und Stelle

Nun kann sich jeder vorstellen, was mit einem Beamten oder Angestellten geschieht, der diesen Zettel unausgefüllt zurückgibt, sich also nicht freiwillig zu dem bereits vor­geschriebenen freiwilligen Abzug von einem halben Prozent seines Monatsgehaltes neben den anderen Spenden, die ihm ebenfalls freiwillig abgezogen werden, bereit erklärt.

Denn abgesehen davon, daß der Zellenwart unaus­gefüllte Zettel gar nicht zurücknimmt, ebenso keine, die in ablehnendem Sinne ausgefüllt sind, würde der Zellen­mart sofort jeden Beamten und Angestellten, der es wagen würde, sich von der Sammlung auszuschließen, der vor­gefeßten Dienstbehörde und der Kreisleitung der NSDAP . melden. Die Folge wäre ein strenges Verhör des Beamten und eventuell seine sofortige Entlassung.

Was mit den Abzügen geschieht, darf sie nicht interessie­ren. Fragen sind verboten. Dafür flüstert man sich die großen und kleinen Korruptionsfälle zu.

Agitiert für die

Deutsdie Freiheit"

Die Frankfurter Zeitung " hatte gewagt, einige sanfte die Wirklichkeit zart andeutende Bemerkungen gegen Hitlers neuen Judenboykott zu machen. Die Antwort ist, daß nun die ganze amtliche Parteipresse sich begeistert zum neuen Judenboykott bekennt. Folgender Aufsatz wird in allen Landesteilen gedruckt: Der Anlaß ist das Weihnachtsgeschäft. Es sind die Wochen, in denen die breite Volksmasse mit ihrer Kaufkraft die Läden füllt und Anschaffungen macht, die ohne die Trieb­feder des Schenkens immer wieder verschoben würden. Um sofort deutlich zu reden:

Die Frankfurter Zeitung " hat Anstoß daran genommen, daß an den Türen vieler Läden die Schilder wieder auf­getaucht sind mit der Ausschrift Deutsches Geschäft". Dagegen kann sie rechtlich und fachlich nichts vorbringen; aber sie beklagt sich darüber. Verständlich genug, denn welcher ihrer Leser würde vor Ablauf des zweiten Jahres der Revolution kühn genug sein, bei sich das Schild Jüdisches Geschäft" anzubringen? Das wäre ja auch ein tollkühner Rückfall ins geschäftliche Ghetto. Weil dies also nicht angeht, möchte man wenigstens, daß die jüdischen Ge­schäfte durch deutsche Schilder- Auszeichnung nicht um die Kundschaft gebracht werden.

Es gibt eine jüdische 3äbigfeit, die immer wieder eine geschäftliche Hintertür findet, und seit den Tagen, da Friedich der Große beim Juden Ephraim Kredite aufnahm- als England ihn auffißen ließ ist es der geheime Wille der Ruhelosen, daß sie nach jeder ge= schichtlichen Entscheidung auf ihre Weise oben bleiben, daß. wenn auch Blücher und Wellington bei Waterloo siegten, doch im Hintergrund noch Rothschild stegt, d. H. die Prozente einstreicht. So hoffen Tausende, daß Hitler zwar in Berlin gesiegt haben möge, aber der eigentliche Gewinn erst in Frankfurt oder bei der nächsten Heeres= lieferung herausspringen werde.

Es gilt, bei uns genau so die Instinkte wach zu halten,

Seitdem unsre Revolution in die Evolution übergegangen ist, seitdem mehr und mehr Geseze und Partei­Erlasse die politischen und wirtschaftlichen Zustände zu ordnen suchen, seitdem hat das Verordnungsblatt der Partei und das Reichsgesetzblatt feine aufmerksameren Leser, als die Juden. Sie beherrschen sie aus dem ff. Sie haben sie alle bereit liegen, und sobald ein Nazi von der alten Schule einen Schritt im Sinn der siegreichen Be­wegung tut, stürzen sie sich mit einem Nez von Paragrafen über ihn her und klagen ihn der Unbotmäßigkeit an. Die Frankfurter Zeitung wirst sich seit Monaten, nachdem sie den höhnischen Ton etwas gedämpft hat, gerade­zu zum Staatsanwalt gegen die NSDA P. auf. Mit der Amtsmiene eines der getreuesten Staatsbeamten sagt sie: Wie ist das, was der Kreisleiter als Kämpfer tut, denn überhaupt vereinbar mit der Verordnung des Reichs­innenministeriums? Wie kann der MS. - Lehrerbund so etwas verfügen, wenn der Herr Reichskulturminister vor zwei Monaten( siehe Reichsgesetzblatt vom 4. Oktober, Seite 348) doch schon in dieser Angelegenheit entschieden hat?

Das heißt: die Frankfurter Zeitung " macht sich zum Kronjuristen des Staates gegen die Partei. Sie versehlt natürlich nicht, es mit dem moralischen Augenaufschlag eines Biedermannes zu tun, der um Gottes willen den Volks­frieden erhalten und die NSDAP . vor Unbedachtsamkeiten und vor dem Antisemitismus der Tat" bewahren will.

Man möge sich nicht täuschen. Die Partei ist nach dem Willen ihres Führers der Orden der neuen Ordnung, neben der Macht des Heeres als Inhaberin der Gewalt. Ohne die Partei gäbe es feinen Staat wie diesen, ohne sie feine Kommandobrücke der politischen Führung im Reich. Zwischen dieser Kommandobrücke und dem Flaggenschiff des Staates möge feiner querzufunken

wagen.

wie man im Lager der großen internationalen Geschäfts: Müde Abwehr

lente auf seine Instinkte nicht verzichtet hat.

Man wird das, was wir sagen, plump" nennen, mit dem billigen intellektuellen Trick, daß das, was wahr sei, nicht geradezu und schonungslos und schroff gesagt werden könne. Aber wir sprechen dennoch aus, was wir aus der sehr engen Verbindung zum Volf und zur Partei feststellen: die Juden haben ihre alte 3ähigkeit wiedergefunden. Sie fommen zurück a u s Prag , Paris oder Amsterdam , beziehen ihre Villen wieder in den west­lichen Vororten Berlins und legen gleichzeitig mit ihrer polizeilichen Anmeldung einen Tausend Mart- Schein für die Volkswohlfahrt auf den Tisch. Es ist ihr Einstand" ins Dritte Reich, ihr fürstliches Trinfgeld gegen Ruhestörung und lästige Kontrolle.

Das Anpassungsvermögen eines Juden in die politische Umwelt ist bisher noch von keinem Tarnungs- Offizier in seinem Fach übertroffen worden.

Die ,, Frankfurter Zeitung "

Unter der Ueberschrift Rajjenunterschiede und Wirtschaft" weiß die Frankfurter Zeitung " nur zu er­widern:

Auf unseren Aufsatz Rassenunterschiede und Wirtschaft" sind nicht wenige Angriffe in der Presse gegen die Frank­ furter Zeitung " erfolgt. Allen diesen Angriffen ist, soweit wir sehen können, gemeinsam, daß sie nicht auf die Sache eingehen, die von uns behandelt wurde, nämlich auf die Ueberschreitung der von der Reichsregierung für das Gebiet der Wirtschaft gezogenen Grenzen in der Nichtarierfrage. Wollten wir im einzelnen in eine solche Diskussion ein­treten, so würden wir selbst dazu beitragen, von den wesent­lichen Fragen auf ein Nebengleis abzulenfen. Wir sehen daher keinen Anlaß, mehr zu tun, als es mit dieser Fest­stellung geschieht.

Die Judenhetze im Lande Streichers

D.arrer Münchmeyer, der sich an jungen Mädchen vergreift, ist auch dabei

Nürnberg , 13. Dez. Auf einer Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront in Nürnberg sprach Julius Streicher nach Be­richt der Fränkischen Tageszeitung" die folgenden Worte: Die rassische Verseuchung unseres Blutes ist es, die heute ernster ist und uns vor schwerere Entschlüsse stellt, als die Frage einer Reaktion von links oder rechts. Wenn hier nicht bald ein Damm geschaffen wird, wenn hier nicht bald Gesetze fommen, die den geschlechtlichen Verkehr mit Juden unter schwere Strafe stellen, dann hat der Nationalsozialis­mus umsonst gefiegt."

Wir versprechen heute alle: 1. Wir faufen nicht beim Juden und beweisen damit, daß wir Christen sind, und 2. wir halten unser Blut rein!"

Deutsche Mädchen haben beim Inden nichts verloren!" Klärt Eure Kinder auf!"" In jedem deutschen Haus müßte gleich der Bibel ein Buch liegen, in dem diese wichtigsten Grundsätze der Rassenfrage stehen."

In einer Kundgebung der NS.- Hago in der Stadthalle von Hildesheim sprach, wie die dortige Landespost" berichtet, der Schriftleiter des Stürmer"& arl Holz, der sich bei seinen Ausführungen über die Juden- und Rassenfrage als Geselle des Meisters Julius Streicher " bezeichnete. Von Nürnberg , der Stadt der Parteitage, werde der Kampf gegen das Juden­tum in das Volf hinausgetragen. Da Nationalsozialismus und Antisemitismus gleiche Begriffe seien. so könne ein Natio­nalsozialist auch nicht zum Juden gehen. Karl Holz brachte die

Singende Polizei

Im dritten Reich" war der Tag der Deutschen Polizei". Ein Herz und eine Seele ist sie heute mit dem Publikum, blau, braun und Untermenschen in vollendeter Harmonie. Man sah viele Bilder: Schupo mit und ohne Hunde, Schupo sammelnd. Schupo musifmachend, auch Schupo als Weih­nachtsmann.

Aber nirgendwo war es so schön wie in Berlin , wo die Sterne des Führers" und seiner Paladine strahlen. Nach­mittags öffnete sich Hitlers Fenster in der Reichskanzlei und ER zeigte sich der Menge, begleitet von Polizeigeneral Daluege.

Das dann geschah, berichtet die Deutsche Allgemeine Zeitung":

Dann sang die Polizei das Lied O, Du schönes Oberland, von Falichheit feine Spur". Am Nebenfenster sah man jetzt auch Reichsminister Dr. Goeb­ bels . Als zweites Lied erklang, mit Musikbegleitung, Ins Feindesland zu reiten, fürs Bater­land zu streiten. Hurra, Viktoria!" Während des Gesanges fuhr das Auto des Preußischen Minister­präsidenten General Göring vor. Der Ministerpräsident begab sich in Begleitung eines Polizeioffiziers in die Reichskanzlei, wo er am Fenster vom Reichsfanzler be­grüßt wurde. Nach Beendigung des Liedes trat auch Reichsminister Dr. Goebbels an das gleiche Fenster und man sah den Führer mit beiden Ministern in anaereatem Gespräch.

Naturgesetze mit der Rassenfrage in Verbindung, wobei er betonte, daß zur Prüfung und Beantwortung dieser Frage feine ausgesprochenen Wissenschaften nötig seien. Mit den Worten: Adolf Hitler ist der Befreier nicht nur Deutsch­ lands , sondern des arischen Menschen überhaupt", schloß Karl Holz seine Ansprache.

Die Fränkische Tageszeitung" berichtet über die von Pfarrer Münchmeyer in einer Nürnberger Massen­versammlung gehaltenen Rede:

Und dann kam Pfarrer Münchmener auf ein Thema zu sprechen, das durch die Vorarbeit des Frankenführers Julius Streicher gerade in Mittelfranken den besten und verständ nisvollsten Widerball im Volke findet die Judenfrage. Er wies nach, wie in allen Ländern die Völker auf das ver­hängnisvolle Treiben des Judentums aufmerksam werden und wie mehr und mehr auch außerhalb Deutschlands der Jude abgelehnt werde. Das ist, sagte er, das hohe Verdienst des Stürmers" und des Gauleiters Julius Streicher . Die Aufgabe, auf das Treiben des Judentums hinzuweisen, löſt feiner in Deutschland besser als der Stürmer"."

*

Der ehemalige Pfarrer Münchmeyer ist sc.bstverständ­lich vom Stürmer" und seinen sexualpathologischen Be richten begeistert. Ist doch bei ihm seinerzeit in Borkum der Finger ausgerutscht", als er eine Wunde am Leibe eines jungen Mädchens besichtigte".

Da war wirklich von Falschheit keine Spur. Der Führer", Friedensengel und Versöhnungspatriarch( mit Mein Kampf " in der Hand), hat, wie wir hören, sofort ein Ent­schuldigungstelegramm nach Frankreich gerichtet, daß mit dem Feindesland" seiner Polizei nur der innerpolitische Kriegsschauplatz gemeint sei.

Faustdicke Demagogie

In der Zeitung Der Deutsche " fommt er auf den Tag der nationalen Solidarität" zu sprechen, an dem bekanntlich Göring und Goebels unter dem Schutz der Gestapo , Schutz­ polizei und SS. vor dem Hotel Adlon freiwillige Spenden" sammelten. Kube sagt:

Diese Sammlung, die man bei den Volksmaisen machte, wird durch Besuche bei den Banken und den großen Wirtschaftsunternehmungen ver­vollständigt werden müssen. Man sage mir nicht, dieie Häuser hätten reichlich zum Winterhilfswerf beigesteuert. Der deutsche Rundfunk spricht alle Tage davon. Die Arbeitermasien bringen Opfer, ohne daß der Rundfunk davon spricht.

Wenn die Bevölkerung den Tag der nationalen Soli­darität als einen besonderen Opfertag hingenommen hat, dann muß man ebenso gegenüber den großen Unterneh­mern handeln. Ich selbst bin bereit," ſett Kube hinzu, in die großen Büros zu geben, um die großen Schecks und Banknoten in Empfans zu nehmen. Zweifellos haben die reichen Leute in Deutschland Furcht achabt, die Schecks und Banknoten in den Sammelbüchsen des 8. Desember ver­schwinden au sehen. Darum haben sie sie uns nicht gegeben."