Er stand im Korridor, mit der Peitsche in der Hand, und fein Gesicht war so zornig, so schrecklich...

Es lief mir bald talt, bald heiß über den Rüden.

Hier wird mein Ende fein", ging es mir durch den Kopf.

Ich nahm schon von weitem die Mütze bom Kopfe und demütig gebeugt blieb ich einige Schritte vor ihm stehen.

Komm näher, verfluchter Bauernhund!" schrie mich der Graf an, mit den Füßen auf Stampfend.

Das Blut erstarrte mir in den Adern. Wie konntest du es wagen, trotz meines Verbotes einen Hund zu halten? Du bist ja selbst nicht so viel wert, wie ein guter Hund! Der Teufel weiß, was ihr noch alles werdet haben wollen! Genügt dir nicht, daß ich dich ernähre?... Wie, wenn meine Frau frank wird? Alle Bauernhunde der ganzen Welt zusammengenommen sind nicht soviel wert, wie fie!... Du Luder, du!" Und der Graf spie mir ins Gesicht und schlug mich mit der Peitsche.

Hafenarbeiterlied.

( Aus den von Langston Hughes gesammelten ,, Liedern des Negers".

Zich die Hebel, schwarzer Mann, weißer Herr will fressen, Büd die Schulter, Niggerweib, weiße Frau will Berlen. Faßtan, Hoh- rud, Biut ist rot in beiden Farben. Faztan, Hoh- rud, weißer Herr will fressen.

Schaufle Kohlen, schwarzer Mann, Wallstreet giert nach Dollars, Nähre Kinder, Niggerweib, Stlaven für Fabriken. Faßt­

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an, Hoh rud, Blut ist rot

in beiden Farben. Faßian, Hoh- rud, weißer Herr wird sterben.

Der letzte Mensch.

Von Wilhelm Schmidtbonn .

Die Berge waren längst von den Strömen in die Meere getragen, die Meere ausgefüllt une Land geworden, die ganze Erde eine glatte Ku­gel, überall in den Horizont gewölbt und von weißem Eis bedeckt.

Ueber dem Himmel hing die Sonne gelb aus einem braunen Himmel herunter, die Sterne waren mit der Sonne gleich zu sehen das ganze Bild dieses Erdtages glich dem Bild einer Mondnacht in den lang entschwundenen Vor­zeiten, da noch Berge gered: standen, Wälder tönten, Meere brannten, Städte der Menschen an den Strömen schwarzen Rauch ausatmeten.

Der letzte Mensch schliff über das Eis in langen geraden Strichen, in den Knien gebeugt, als hätte er Schneeschuhe unter den Füßen. Er hatte aber nur breite Hornhufe da unten wie ein Pferd. Sein ganzer Leib war mit einem dichten gelben Pelz bededt, die Arme lang bis fast zum Boden, die Stirn niedrig und schräg nach hinten abgeschnitten der letzte Mensch war durch die Umstände der Natur wieder zu rüdentwickelt zu den ersten Menschen der Urzeit. Nur die Schlankheit der Gelenke, die Schmalheit der Hüften zeigte an, daß das schaffende Blut

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Ich fühlte etwas wie Feuer im Gesicht, und über den ganzen Körper rann mir das Blut aus dem zerschlagenen Gesicht... Hier können Sie auch jetzt noch die Spuren davon fchen."

" Dann", fuhr der Greis nach längerem Schweigen in seiner Erzählung fort ,,,, rief der Graf zwei Knechte herbei, ließ mir einen Strid um den Hals werfen, damit man mich im Walde aufhänge. Und obwohl mein Leben traurig und öde war, war mir doch leid, von dieser Welt zu fcheiden. Die Knechte führten mich aus dem Hof. Wir waren bereits unge fähr eine halbe Werft entfernt, da hatten die Genfer Mitleid mit mir. Se wuschen mein Gesicht mit Wasser aus der Straßenrinne, verbanden es, soweit es ging, und führten mich weiter.

Plötzlich hören wir das Getrampel eines galoppierenden Pferdes hinter uns. Wir schauen uns um: der Hoffnecht. Er reitet an uns heran und spricht:

dein Fuß die herrschaftliche Erde nicht mehr betreten dürfe, gehe, wohin dir beliebt, aber zeige dich nicht mehr..."

Schwer ging es uns Armen, schwer!" Mit diesem Seufzer beendete er seine Erzäh lung und senkte den Kopf. In seinem Gesicht spiegelten sich düstere Gedanken wieder, schmerzliche Erinnerungen.

Wer weiß, woran er dachte: an die schöne Gräfin, an den Garien, welchen er dank der Herrin so liebgewonnen hatte, oder vielleicht an die schweren Jahre der sklavischen Leib­eigenschaft? Auch mir wurde es traurig und schwer ums Herz...

,, Lebt wohl, Väterchen", sprach ich, mich an den Greis wendend, es ist Zeit, nach Hause zu gehen."

,, Rebt wohl", erwiderte er leise.

Ich verließ den Hof und schritt auf die | ,, Thomas, die Gräfin hat sich deiner er- Straße hinaus. Irgendwo im Dorfe, bei den barmt, sie läßt dich nicht hängen, aber deinen Nachbarn, hörte man Hähne frähen... Die Hund an deiner Statt. Und sie befiehlt, daß furze Sommernacht ging zu Ende...

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eines früheren Geschlechts in diesem Leib noch pulste. Vor allem aber sah aus diesen großen, ausgebrannten, blauen Augen nicht die aus­schauende, erobernde Kraft des Urmenschen, son­dern nur die müde Traurigkeit des von Jahr tausenden belasteten Erben.

Der letzte Mensch suchte nach Gras. Wo er bisher an einem grünen Platz geweilt und sich eine Höhle in dieterde gegraben suite, war immer wieder das Eis herangerüdt gefom­men. Ein Haß auf dieses Eis zehrte in ihm, oft stampfte er mit wütenden Hufen darauf, um es zu zertrümmern, und mußte doch immer wieder weiter flüchten und im Hunger nach Gras spähen, der schmerzenden Kälte wegen die Arme über die Brust gekreuzt und den Leib ganz an die Schenkel gebückt. Hatte er Gras gefun­den und sich gesättigt, so stierte er nach der gel ben Scheibe der Sonne, und rings über das Eis, tat hin und wieder einen bellenden Laut in Frost und Weite hinein und lauschte, ob nicht irgendwoher der Ruf eines andern Menschen ihm antwortete.

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Er hatte längst Eltern, Geschwister und alles, was noch an Mensch und Tier auf den Eisfeldern herumschiff, sterben sehen flaglos, von dem unentrinnbaren Anhauch des Eises ver­zehrt. Er war endlos lange von Haus fort immer der gelben lichtgehenden Scheibe enige­gengewandert, Gras suchend. Die Nächte lag er zu einer Kugel zusammengerollt und fühlte dann die Wärme seines Blutes so wohlig, daß er leise zu singen anfing. Endlich mußte er erkennen, daß er der Letzte von allen war. Von da an fürchtete er sich und wagte nachts die Augen nicht mehr aufzutun. Nun bewegte er sich schon tagelang über das Eis, ohne Gras zu sehen. Der Hunger biß ihn, und er schlug mit heftigen Fäusten gegen seine Eingeweide, ward dabei immer schwächer.

Auf das letzte Stüd Gras endlich, das er fand, jetzte er sich und wagte nicht, zu essen, in der Gewißheit, dann keine Nahrung mehr zu haben. Aber bald warf er sich über das Gras hin und fraß, ohne die Halme wie sonst erst mit den Händen abzureißen, gleich mit den breiten. sich schiebenden Zähnen vom Boden weg. Wäb­rend er lag und schäumend faute, rührte hinten schon das heranrüdende Eis an seine Füße. Er erschrack nicht, gab sich seinem Schicksal hin, saß gefauert, die Arme um die Knie, und sah dem Eis zu. Von allen Seiten, von den Nachmassen geschoben, selber ein Wesen, selber fressend, näherte es fich, langsam, aber doch so schnell, daß

der Mensch immer wieder seine Füße an sich ziehen mußte.

Es war wie ein Spiel, so daß der Mensch sogar einmal, in Selbstvergessenheit, den Mund breitzog und lachte.

Plötzlich schrie er auf, als drehe sich ein glühendes Eisen in ihm um, brannte nach allen Seiten die erlöschende Glut seiner Augen in die Leere, schrie, schrie, streďte die Arme aus nach irgend etwas, warf sich dann über die Erde hm, wühlte sie mit lächerlicher Geschwindigkeit auf, bis sie in diden Brocken um ihn her lag. Von der Furcht, allein zu sein, von einer letzten Woll­lust, von einem Schöpfungstrieb gepackt, immer in ungeheurer Haft und bald mit blutenden Fin­gern, baute er eine Gestalt auf, sich selber ähn­lich, die Gestalt einer Frau. Als sie so hoch bestand, wie er selbst, schraubte er die Arme darum, wühlte den Kopf daran, schrie nicht mehr, stöhnte nur noch, winselte, flehte, griff an die erdene Brust, daß sich ein Herzschlag rühre, griff an die Arme, daß sie sich um ihn legen soll­ten. Das Eis packte ihn bei den Füßen. Zum formlosen Gesicht seiner Gestalt hochsehend, die Arme um die unbewegten Hüften geklammert, jant er hinunter.

Das Eis troch über ihn hinweg, nicht fau ernd, sondern weich und lautlos. Dann schob es sich unter die Gestalt aus Erde, schnitt sie wie mit einer Messerklinge von ihrem Platz los, nahm sie auf sich.

Ein wenig geneigt stand die Gestalt als das Letzte von Menschheit, und doch wie ein Denkmal der Hoffnung, auf der Endlosigkeit der weißen Kugel und starrte aus den leeren Augenhöhlen in das beſternte Dunkel.

Die Null- Epoche.

Von Felix Riemlaften.

Es war einmal ein Fuhrmann, der wollie gerne rasch reich werden. Da ließ er sich von einem Professor der Nationalökonomie beraten. Der Professor sagte ihm:

Lohn Lasten beförderst. Pferd und Wagen find Dein Gewerbe besteht darin, daß du für deine Betriebsmittel. Jede Fahrt kostet Zeit. Zieht dein Pferd in der Zeit viel, so bringt es dir bald hohes Frachtgeld; zieht es in der Zeit wenig, so bringt es wenig Frachtgeld. Das Pferd frißt Hafer; je mehr es frißt, um so teurer kommt es dir zu stehen. Also gebeut die Wissen­schaft: viel ziehen und wenig fressen sind am vorteilhaftesten."