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Charme und Geist. Er war viel gereist, wußte das Charakteristische jeder Gegend mit plastischen Worten zur Geltung zu bringen vir faßen und schwiegen.

Ich kann mich des unangenehmen Gin­drucks nicht erwehren, als ob ich den Herren lästig wäre?" Er sagte es mit so viel be­stridender Liebenswürdigkeit, daß wir alle­famt plötzlich lebhaft wurden und zu prote­ftieren versuchten. Was ihn veranlaßte, zu bleiben. Er ließ nur noch eine Bemerkung fallen, die aber wirfte wie eine Efrafitbombe. " Glauben Sie mir, meine Herren, es ist ein schreckliches Los, immer allein sein zu müssen, weil einem der düstere Schatten einer maurigen Berühmtheit vorausgeht..."

Da gab der magere Bergemann Feuer. Er schoß sozusagen los, ohne zu zielen, mit geschlossenen Augen.

,, Aha! Sehen Sie, das interessiert mich! Ich muß gestehen, auch ich habe schon aller hand über Sie munkeln gehört." Sein Blic streifte den schwitzenden Kuilemborg, der gen Himmel jah, wie ein Märtyrer ,,, und da habe ich mir gedacht, es würde mich doch freuen, mit diesem Mann bekannt zu wer­ben, der über unheimliche Kräfte verfügen soll."

So, jetzt war es ausgesprochen, Kuilem­borg versuchte, unsichtbar zu werden.

" Das ist für mich ebenso schmeichelhaft wie traurig, mein Herr." Der Fremde flötete mild und refigniert. Ich bin ein Gezeichne­ter, denn ich trage in meinen Händen die Kraft des Arvi. Wiffen Sie, was Arvi war?" Nein, wir wußten es nicht, aber er er­tlärte es uns. Den klaren Ueberblick über das Wesen des Arvi habe ich nie erhalten;

Die Flamme.

Von Hermann Heise.

Ob du tanzen gehst in Tand und Plunder, ob dein Herz sich wund in Sorgen müht, täglich neu erfährst du doch das Wunder, daß des Lebens Flamme in dir glüht. Mancher läßt sie lodern und verprassen, trunken in verzüdten Augenblid, andre geben sorglich und gelassen Kind und Enkeln weiter ihr Geschic.

Doch verloren sind nur deſſen Tage, den sein Weg durch dumpfe Dämm'rung führt, ber sich sättigt in des Tages Plage und des Lebens Flamme niemals spürt.

ich habe auch vergessen, wie man die etwas hintrat, wobei er die Arme auf dessen Ge­fomplizierte Auslegung dieser Kraft anfangen heiß weit seitlich wegspreizte. Dasselbe taten müßte. Es kam darin verschiedenes von einem die anderen, einer nach dem andern. Auch an System von Schwingungen vor, die aber we- mich kam die Reihe. Ich fühlte sonderbare, der mit den Ansichten des Empedokles, noch heiße Ströme durch meine Arme laufen, sah mit den Herzschen Wellen etwas zu tun in ein bleiches, gleichsam von innen heraus haben sollten. Jedenfalls aber war es un- jerleuchtetes Gesicht, hörte Worte, an die ich heimlich. Und wir faßen da, wie vor uns mich nicht mehr erinnern kann. Oder viel­viele Gesellschaften dagesessen haben mochten, leicht hörte ich die Worte auch gar nicht, son­waren willenlos, tranfen immer weiter von dern dachte sie nur... dem roten Wein, sprachen fast nichts und jahen mit starren Augen auf den Fremden, der uns erklärte, die sonderbare Kraft seiner Sände, deren auch viele teilhaftig seien, ohne es zu wissen, überhebe ihn der Sorge um die Materie. Er habe immer zu leben wie ein Fakir, damit hatte er sich Bergemann zum Feind gemacht.

Hören Sie mir auf mit diesen Kinter lichen, Fakire. Dieses Schwindlerpad!" Aber der Fremde lächelte sonderbar.

Haben Sie schon einmal die Kraft überfinnlicher Mächte gespürt?"

Seine Frage flang sanft. Aber Berge­mann war dunkelrot im Gesicht und noch viel stärker betrunken, denn wir alle. Der Wein war seit der letzten Stunde unfagbar gut. Sie haben alle miteinander einen schwe­ren Rausch, dachte ich, man muß nur ihre frampfhaft aufgerissenen Augen ansehen... aber ich wußte in diesem Augenblicke, daß mein Rausch nicht weniger gut fundiert sei; auch über die frampshafte Aufgerissenheit meiner Augen gab ich mich keiner falschen Illusion hin...

Die Brise, die vom Meere kam, war bedeutend fühler, denn am Abend. Ich be= merkte dies unter heftigen Kopfschmerzen, als ich aus einem, wie ich glaubte, ganz furzem Schlummer erwachte. Aber über dem Meere grellte bereits, feurig rot, das Morgenlicht. Die andern lagen und faßen um mich herum und erwachten nach und nach ebenfalls. Der Kopfschmer; herrschte, wie eine furze Um­frage ergab, bei allen, ohne Ausnahme, vor.

Der Fremde war verschwunden. Mit ihm unsere sämtlichen Briefiaschen.

Er war mit dem ersten Zuge abgereist. Ich begreife jetzt vollständig, warum er nirgends für die Materie zu sorgen hat. Für die sorgen, wie er auch uns bewies, die Kräfte des Arvi, die er in seinen Händen, in feinen geschidien Taschendiebshänden, hat...

Ich begreife aber auch, warum niemand, der einmal auf seinen Schwindel herein­gefallen war, über den Verlauf der Unter­haltung sprechen wollte...

Denn erstens ist das Gefühl der Bla­mage bitter.

Was dann folgte, weiß ich nicht mehr Und zweitens ist der Gedanke, daß noch genau anzugeben. Ich sah nur noch, daß Ber- viele, viele andere ebenso hineinfallen wer­gemann aufsprang und vor den Fremden den, unfagbar süß.

wäre, dem tändelnden Spiel dieser einzelligen| Anzahl eng nebeneinanderstehender feinster Här­Weltbürger, die der Laie gewöhnlich unter dem chen, den Wimpern, hervorgerufen wird. Sie Ramen Infusorien herzlich gering schätzt, unsere bewirken in der unmittelbarsten Nachbarschaft Aufmerksamkeit zu widmen, erwartet uns ein der Glocke eine kleine Wasserströmung, die Nah­noch viel verlockenderer Anblick. Das Wasser rung herbeiführt, welche in den Zellmund iröpfchen auf dem Glasplättchen wird systema hineingetrieben und dann vom Körperplasma tisch abgesucht, wir durchstreifen gigantisch er aufgenommen wird. Das Auge des Forschers scheinende Algenwälder, schen wunderliche Dia- ermüdet eher, als diese so unsaßbar winzigen tomeenschiffchen ihre Kreise ziehen und haben Flimmerhärchen. ganz plöglich eine ganze Kolonie der unermüd­lichen Tänzer vor unserem Auge. Vorerst ist der Blick noch getrübt durch hastige Bewegungen, allmählich beruhigt sich aber die seltsame Gejell Leben und Treiben. fchaft und gewährt ungehindert Einblid in ihr

Glockentierchen( Vorticella) benannten etwas poetisch die Altmeister der Jufusorien kunde diese zierlichen Lebensformen. Und für­

Erstaunlich auch die Einrichtung, welche das forkzieherartige Aufrollen des Stieles ermöglicht. Sollte man es für möglich halten, daß in dem glasklaren Stiel des Tierchens, das nur eine einzige Zelle darstellt, sogar ein spiralig ge­Frümmier Muskelfaden erkennbar ist, der durch seine Zusammenziehung das Zurückschnellen von Stiel und Glode bewirkt? Daß all diese wun­derbare Organisation, die das brauchbare unse

Der Tanz der Vorticella. wahr, der Anblick des Zellenkörperchens erinnert rer fünf Menſchenſinne gleichfalls aufweiſt, in

Von Dozent Ewald Schild, Mikrobiologisches Institut, Wien. Unlängst habe ich mir wieder einmal ein reizendes Tänzchen beschen. Allerdings gab es feine erwachsenen Kinder in der vorschrifts­mäßigen Geſellſchaftstoilette zu sehen, aber ich glaubte, es hätte sich mancher und manche nicht weniger amüsiert, wenn sie mit mir an jenem Abend in der mir heimischen mikroskopischen Ge sellschaft zu Gaste gewesen wäre. Man höre nur das seltsame Histörchen:

an ein winziges Glöckchen. Jedes Glöckchen hängt an einem ganz dünnen Faden, den wir uns etwas näher ansehen wollen. Da- ein blitz­schneller Ruck, und zuckend hat er sich zusammen­gerollt, wie ein fleiner Storfzicher, das Glöckchen mit sich niederreißend. Aber schon nach einigen Augenblicken entfaltet sich der spiralig zujam mengezogene Faden, das Glöckchen, das sich gleichfalls zu einer Rugei zusammenrollie, blüht wieder auf. Nach einer Sefunde reißen die Stiele ihre Glöckchen abermals zurück, und so fönnten wir stundenlang dieses wirbelnde Auf­und Abtanzen verfolgen.

Die oberflächliche Durchmusterung einiger Ich hoffe nicht langweilig zu werden, wenn Versuchsbehälter mit niederstem Kleingetier des ich noch furz einiges über dieses wandersame Wassers verhieß föstliche Gemüts- und Augen- Besen berichte; ich will ja nich: der gedanken ergözung" für die mikroskopische Beobachtung. losen Neugier Befriedigung bieten, sondern Ge­So war es auch. Rasch ein paar fleinwinzige nuß auch dem denkenden Verständnis. Partikelchen von dem sattgrünen Algenrajen der Behälterwand auf ein Traggläschen und unter die winzige Objektivlinse des Kleinsehers ge­bracht. Hurtig und pußig rudern phantastische Gestalten durch das Seefeld. So reisroll es auch

Neues zeigt sich im Blidfeld des Mikro­skops. Am Rande der Glocke entdecken wir ein rastlos wirbelndes fleines Rädchen. Bei ein­gehenderer Beobachtung erweist es sich, daß die jes Flimmern durch das Schlagen einer großen

einem so winzigen Stäubchen Playz hat, dem der Wassertropfen schon die ganze Welt bedeutet?

Die Vermehrung unseres Glockentierchens erfolgt meist durch einfache Zweiteilung seines Zellförpers, so daß jedes Tochtertierchen der Ein­richtungen des Mutterorganismus teilhaftig wird. Manchmal ist auch der verwickelte Vor­gang der geschlechtlichen Zeilverschmelzung zu beobachten. Ein frei schwimmendes Glodeniier­chen ohne Stiel nähert sich einem feſtſißenden Artgenossen, umschwärmt ihn einige Zeit hin­durch lebhaft und setzt sich endlich an deffen Kör­per fest. Der Zellinhalt des Aniömmlings flicht nunmehr in den Körper der Lebensgefährtin" hinein, die beiden Einzelwesen verschmelzen jo zu einem einzigen. Diese Verschmelzung bragte eine gewisse Plutauffrischung" mit sich, die da Ausgangspunft für weitere gewöhnliche Tei. lungsgenerationen darstellt

Der Wassertropfen unter dem Mikroskop trodner allmählich ein! Der unermüdliche Tanz der zierlichen Glöckchen wird immer langjamer, um endlich ganz aufzuhören.