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Feierabe

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Dr. 31.

Unterhaltungsbeilage.

Der Mord im Eisenbahnkupee.

Novelle von Maurice Renard .

1930.

In Ferté- Milon stieg ein fleiner alter mannte ihn die Müdigkeit. Außerdem stieg| noch Zeit- können uns die Sache über­Herr, Bourdière mit Namen, in ein Abteil ihm die erste Havannazigarre zu Stopflegen..." der zweiten Wagentlaffe, in dem bereits Die Wärme tat ein übriges und Herr Bourdière fiel auf die Knie und wußte drei Reisende saßen. Herr Bourdière grüßte Bourdière fiel in tiefen Schlaf. Es war nicht mehr, was er sagte: höflich. Die drei anderen berührten flüchtig an einem Dezemberabend. Die Uhr war den Rand ihrer Hüte und fuhren in der ungefähr fünf. Unterhaltung fort. Herr Bourdière war ein geselliger Mensch, er setzte sich bequem in seiner Ede zurecht, lächelte liebenswürdig, zog ein altes Zigarettenetui aus der Tasche und sagte mit ausgesuchter Höflichkeit:

Ich nehme an, daß das Rauchen die Herren nicht geniert, da Sie selbst..."

,, Bitte schön, bitte schön," meinte der Mann mit der Zigarre. Aber würden Sie mir nicht das Vergnügen bereiten, eine aus gesuchte Havannazigarre zu rauchen?"

Herr Bourdiere erwachte mit einem Rud und wurde Zeuge eines Anblickes, der ihn vor Grauen erstarren ließ.

,, Gnade! Gnade! Ich habe nie gelogen. Auf Ehre ich werde nichts verraten­zu Hause erwartet man mich und gerade heute abends soll ich-"

Und jest log er, log auf eine dumme und lächerliche Art. Seine langjährige, Die Tür stand offen. Draußen war schäbige Büroeristenz hatte ihm eine Idee es stodfinster. Der eine der drei Herren eingegeben, die gewiß recht unwahrscheinlich lag auf der Bank mit vollkommen erd- war, aber die ihm während dieser entsez­fahlem Gesicht. Sein Kopf schlenferte hin lichen Augenblicke als einzige Rettung vor­und her. Die beiden andern waren eifrig schwebte: bemüht, ihn hinauszuwerfen.

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,, Verstehen Sie gerade heute abends Der unglüdliche Herr Bourdière, der gebe ich ein kleines Essen für meinen Dea Bei diesen Worten nahm er ein pracht- außerstande war, jich zu rühren oder eine partementchef, Herrn Piot und Gemahlin volles Lurusetui aus der Tasche. einzige Silbe hervorzubringen, erlebte jo- und auch für meinen Bürochef, Herrn Sie sind wirklich äußerst liebenswür- mit den letzten Aft eines joeben begangenen Clinchard Sie verstehen wohl meine dig, ich weiß nicht, ob ich soviel annehmen Verbrechens. Als die Mörder sich nach Be- Beförderung steht auf dem Spiel dieses darf" endigung ihrer entseßlichen Tat umdrehten, Mittagessen und meine Kinder- ich Aber gewiß, bedienen Sie sich nur," entdeckten sie den fleinen Beamten unbeschwöre Ihnen Sie können ganz beruhigt ermunterte ihn der andere und steckte ihm weglich in seiner Ede ſizend. Er war sein ich flehe Sie an..." die Zigarre in die Hand. bleicher als der entjeelte Leib ihres Opfers Brutal und zögernd fahen sich die Herr Bourdière zündete jich die Ha- und in seinen Augen fladerte efftafisches beiden Verbrecher au. Der eine griff in vannazigarre an. Danach ließ ihn die Hal- tiefes Grauen.

tung seiner Reisebegleitung mit Deutlichkeit Der Mann mit der Zigarre fluchic. verstehen, daß jedes weitere Gespräch uner wünscht sei. Herr Bourdiere mußte sich damit begnügen lassen, die Leute durch die blauen Rauchwolfen hindurch, die nach und nach das Abteil füllten, gründlich zu beob

achten.

Trotzdem Herr Bourdière ein beschei dener Beamter im Arbeitsministerium war, machte es ihm sehr viel Spaß, philoſophische Betrachtungen über seine Mitmenschen an­zustellen. Mit besonderer Freude studierte er die verschiedensten Typen. Es entging ihm nicht, daß die eine der drei Personen ein ehrliches, offenes Geficht hatte, während die andern beiden Männer ihm recht liftig und brutal erschienen. Sie unterhielten sich flüsternd mit dem ersteren, dem gegenüber sie scheinbar die größte Ergebenheit emp­fanden, während Herr Bourdière seinerseits ein starkes Mißtrauen gegen diese beiden Burschen hatte. Er war schon am selben Morgen von Paris nach Ferté- Milon ge­fahren, um dort eine Erbschaftsangelegen heit beim Notar zu ordnen. Jetzt über­

Herr Bourdière fing langsam an, den Zusammenhang zu begreifen. Die Havanna­sigarre war betäubend gewesen. Sie hatten gehofft, daß Herr Bourdière nicht erwachen würde, bevor irgendein Schaffner in Paris ihn wachrüttelte. Dann würde er geglaubt haben, daß die drei Reisenden bereits aus­gestiegen feien und niemals würde er Verdacht geschöpft haben.

Bourdières Tasche und holte sein Porte­feuille heraus. Es wurde entleert und unter anderem kam eine Visitenkarte zum Vorschein:

Achilles Bourdière, Assistent im Ar­beitsministerium, 153 rue de Mouffetard." So heißt du also und das ist deine

Adresse?"

" Ja" hauchte Herr Bourdière. mehr tot als lebendig.

Ra schön, aber höre zu, was ich dir Die beiden Verbrecher pflanzten sich Adresse. Wenn du ein einziges Wort ſagſt, jage: Wir haben deinen Namen und deine drohend vor ihm auf.

Stammelnd flehte er sie an:

bist du erledigt, verstanden?"

Herr Bourdière murmelte: Ich schwöre..."

Ich werde niemals etwas jagen tun Sie mir nichts ich bin Familien- Man erreichte Meaux . Der Zug hielt. vater---" Herr Bourdière hatte die Augen ein wenig Die Verbrecher wechselten Blide mitfchließen müssen. Als er sie wieder öffnete. einander. Sie waren rasend und auch war er allein. Der Zug rollie weiter durch etwas ängstlich. die Finsternis.

Was sollen wir tun?" fragte der eine., Eine Stunde später ging der fleine Der andere hatte Herrn Bourdiere Herr Bourdière die vielen Stufen zu seiner bereits wütend am Hals gepadt und schitim sechsten Stofwerk gelegenen Wohnung telte ihn sehr heftig. hinauf. Dort empfing ihn die prächtige wir haben ja Fran Bourdière mit ihrem ewig milden

,, ibn in Ruhe,