Feierabend

Feierabe

Nr. 32.

Unterhaltungsbeilage.

1930.

Jazz in der Kirche.

Bon Ernst Toller .

Der Almanach der World verzeichnet| Bon Aimée McPherson habe ich in tanzen, fliegen ihre Arme rhythmisch auf 211 Kirchen in Amerika . Die Zahl der Sek- einem andern Auffah berichtet. und nieder. Eine verharschte Schicht nach ten ist Legion. Jeder glaubt, in ihr offen­Ueberall unterstüßen reiche Leute diese der andern löst sich von diesem Geficht. Es bare sich die göttliche Wahrheit, sie, nur fie, Sekten, jede Kirche hat als Schuhheilige ihre schält sich gleichsam auf. Eben schien es führe ihre Anhänger ins Paradies mensch fleinen Rockefellers". Ein gutes Mittel vergraben, mastiert, jest wird es nadt und licher und himmlischer Seligkeit. Fröm- gegen unzufriedenheit, Verzweiflung und wesentlich. Die Gemeinde flatscht ſizend migkeit und Geschäftstüchtigkeit, Hingabe rebellische Auflehnung. den Tatt synkopisch gegen den Talt der und Reklamesucht, Bauernfängerei und Naivität mischen sich zu den kuriosesten Ge- Erbauungsandachten mit Musik und Schau- fintt, erschöpft und wieder gewöhnlich. Der Für die Armen im Geiste bedeuten die Musit. So steigert sie den Tanz der Frau in Efstaje, bis diese auf ihren Siz zurüd biiden. Man sehe sich den Inseratenteilspielen eine Abwechslung in der grauenhaj- Wechselgejang hebt von neuem an. Nach der Los Angeles Times an. ten Monotonie amerikanischen Alltags und einer Weile springt eine andere Frau tan zend auf. Nun tanzen dort und dort Frauen, alte und junge, schön gewachsene und früpplige. Allgemeine Tanzraferei will die Gemeinde paden. Da gibt der Predt­ger ein Zeichen, die Musit bricht ab, der Gesang hört auf. Hier und da hört man Stöhnen, dann herrscht Stille.

Hier kann der Mensch, von den Fesseln typisterter Gewohnheiten befreit, sich aus toben, hier kann er Ersas finden für Al fohol, Morphium, Rokain und Sexual­orgien.

Miß Leila Castberg predigt in der Sonntags. Stirche göttlicher Allmacht, in Rammern: und fortschrittlicher Gedanken, über die wesentlichen Wahrheiten Chrifti, in dyna mischer und fräftiger Form". Sie hat einen Klub in Hollywood gegründet, der sich der einfame" nennt, und veranstaltet ab und zu besondere Heil- Gottesdienste". Auch der Totfranke fann gesund werden.

Ich sah viele Sekten, jah die Kirche von Aimée Semple McPherson in Los Angeles , Der schwarze Prediger, von gedrun sah den Tempel der jüdischen Neger in gener Metzgergestalt, spricht zu seiner Ge In der Kirche der Universalisten wer- Haarlem, nie aber war ein Kult so gelöst meinde: Gott," fagt er, hat einst die Ju­den Sie lernen, das Häßliche aus Ihrem im Gefühl, ſo hemmungslos in der Gebärde den auserwählt. Sie wurden zur Hälfte ge Leben zu bannen. Shelden Shopards wie der in der Einzigen Kirche des Lords". tötet, die andere Hälfte vertrieb man. Die bringt Ihnen bei, wie Sie Ihr Leben melo Neger waren die Gläubigen. Meist Vertriebenen kamien nach Rußland . Die disch stimmen können. Bemühen Sie sich Frauen. Auf rohen Holzbänken saßen sie. Russen behandelten fie schlecht. In grau­Sonntag abend hin und Sie sehen gleich Rechts und links von der Kanzel standen famien Bogromen mußten viele Juden ster zeitig das Drama Der Prophet der Thormädchen in weißen Hemden. Im Or ben. Da bestrafte Gott die Ruffen, indem Straße". Zwölf Charaktere studieren Sie chester: Posaunen, Trompeten, Trommeln, er ihnen Kerenski schickte. Jezt sind darin. Auch Lieder werden Sie hören. die Neger das auserwählte Bolt. Zu ihnen Kommen Sie, der Universalismus geht Sie Der Chor fingt zu fröhlicher Jazz- am allerersten wird Chriftus fommen. Zu an!" melodie in hüpfendem Rhythmus ernite, einigen fam er schon hente. Die Gemeinde Hören Sie John Wesby Lee! In der schnsüchtige Worte: Herr Jesus, schon hat es gesehen. Ja, er fam, er fam, er Gospel Tabernacle Stirche predigt er Sonn- lange ist es her, daß du am Flusse gewan- fam!" Die letzten Worte spricht der Pre­tags dreimal über fleischliche Enthaltsam- delt bist, wann wirst du dich wieder zet- diger nicht mehr, er singt sie mit schmelzen gen?" Der Chor hört zu fingen auf, nur dem Tenor. Die Gemeinde fällt ein, Bo­

feit."

Tarantellen.

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,, Wollen Sie erfahren, wer das Rote die Trommeln dröhnen dumpf und ein- faunen schmettern jubelnd die Begleitung. Meer teilte? Bob Schuler wird Ihnen die tönig. Plöglich flatscht ein Chormädchen in Ich stand auf. Mir war seltsam zu Antwort geben. Sind Sie frank oder ver- die Hände und fingt mit greller, diffonan- mute. Ich hatte mich dabei beobachtet, wie hindert, ftellen Sie Ihr Radio auf KGF." zengefärbter Stimme: Somebody touchet beim Tanz der Frauen meine eigenen Füße my soul" irgendwer rührt meine Seele! zu flopfen begannen, wie ich in Verfuchung Der berühmte Teras- Evangelist Rog mit wildem Schrei antwortet die Gegeriet, mitzuflatschen gegen den Taft der ford wird Sie und unsere Zeit analysieren.meinde: Es wird Jesus fein!" Der Wech- Mujit. Christadelphian Ecclesia! Plätze sind noch felgesang wird unzählige Male wiederholt. Alles strömte in den Steller. Ich folgte zu haben." Immer wilder, immer erregter werden die dem Zug. In einem Raume nieten die Erzählungen toter Männer! Da wun- Stimmen, immer leiser der Trommelwir Belehrten und beteten. Auf ihnen saßen dern Sie sich! Sören Sie! Kommen Sie! bel. Jah springt eine Frau auf und be- oder hockten die Engel des Chors. Im an Ueberzeugen Sie sich!" ginnt zu tanzen. Der Chor verftummt. Das dern Raume war ein Kramladen aufgetan, In der Weltholzfäller- Kirche werden Gesicht der Frau, eben noch flach und ge- der dem Negerpastor gehörte. Darin Sie erfahren, wie das Palästina- Mandat wöhnlich, wölbt sich in schmerzlicher Ver- fonnte man Gebetbücher und Gesangsterte, geändert werden muß, damit alle Nationen zudung. Während ihre Füße, die im All- Kreuze und Noten, Himbeerlimonade und zufrieden sind und Jerusalem die Haupt- tag pump und schwer sein mögen, ainen Bonbons, alkoholfreies Bier und Schoko­stabt ber Welt mirb!" berdiben, wilden Oneftep auf der Stelle lade, Eiskreme und Soda kansen.