ach
05
Feierabe
Feierab
tr. 33.
1930.
Als ich nach Kuba reiste, erwartete ich| stören. Aber mir will fast scheinen, daß| West- Mädel! Was hatte ich anderes als die Fülle merkwürdiger und wilder Aben hinter dieser Grenze oft weniger schädlich meine Koketterie! Und also ich lächelte teuer, aber ich ließ mir nicht träumen, diejes gehandelt wird als vor ihr. Genug, ich den Fremden an, ich grüßte mit den Augen, stille rührende Erlebnis zu haben, das ich lebte und ich genoß. Unsere Eltern waren ich ließ den Pelz von meinen Schultern nun erzählen will. Mitten im Rausch eroti- schwach oder blind oder moralisch kurzfichtig. gelitten und zeigte ihm, wie weiß, wie rund, scher Begebenheiten blühte da sanft und still Man ließ uns gewähren. Wir tanzten, wie schön sie waren. Ich drehte den Kopf ein Mädchenschicksal auf, grell und faut tanzten Nächte durch, gingen in gewagten und wies ihm mein Profil, den schlanken beginnend, aber verklingend wie eine füße Stostümen auf Redouten, amüsierten uns Hals, ich wiegte mich zu der Tanzmelodie, deutsche Melodie, ein Ritornell von Schu- mit fremden Kavalieren, soupierten in ich schlug die Beine übereinander, der mann oder Mendelssohn . Luxusrestaurants, wir füßten, wir machten Seidenstrumpf umspannte ein entzückendes Autotouren mit einem Wort: Kur- Knie. fürstendamm Aber dann, plöglich, ich war achtzehn Jahre, da geschah's.
Ich hatte, nach bunten, glühenden Wochen auf jagenhaften Inseln, an farbigen Stüſten, in märchenhaften Städten, Stuba erreicht, aber nur, um sofort in einem heftigen Malariaanfall zusammenzubrechen.
Als ich wieder zu Sinnen und Bewußtsein fam, fand ich mich in einem kleinen weißen Zimmer, alles war mir fremd, ich fand mich in nichts zurecht, aber ein Antlis über mir ging mir wie Heimat, wie Mutterliebe, wie jelige Kindheit auf: eine junge Pflegerin, ganz weiß, stand über mich gebeugt, lächelnd, die Hand auf meiner Stirn, ein fast findliches, zartes Geschöpf, und troß Jugend und Mädchenhaftigkeit strömie von ibrem Blick Ruhe, mütterlicher Friede auf
mich.
Dieses junge Mädchen war es, dessen Geſchichte und Geſchick das Undergängliche meiner Reise werden sollte. An einent goldeiten, berauschend duftenden Abend er zählte sie mir, auf der Terrasse des Hospitals, als ich sie zart und brüderlich darum gebeten hatte. Denn es mußte ein großes Erlebnis sein, was dieses schöne junge Wesen in die Welt getrieben, in dieses Lazarett auf Stuba versetzt hatte. Schlicht, leise fächelnd über sich selbst, erzählte fie.
-
Ich ging in ein Café, erwartete dort zum Tee zwei Freundinnen, kam zu früh, Sie beiden famten zu spät, ich war also eine halbe Stunde allein. Und diese halbe Stunde war der Wendepunkt meines Lebens.
Ich saß in dem erst halbvollen Saal unweit eines Tiſches, an dem ein einzelner Herr jeinen Staffee trant, ein nicht mehr ganz junger Mann, dunkel, gebräunt trop des Spätherbstes, als lebte er immer in freier Luft, an der See, im Gebirge. Er war so gut und also so unauffällig wie möglich angezogen, er hatte nichts gemein mit den Herren meines Streises. Sein Gesicht war wunderbar still, beruhigt, erfüllt von einer Geistigkeit, die mich eine fremde, bessere Welt ahnen ließ. Er blidte hinüber zu den Musifern, die leise Tanz musit spielten.
Endlich, als spürte er meine Blide, jah er berüber...
Es ging wie Flut über mich, wie laner Wind, eine fosende Hand, eine jüße Wärme umjing mich. In seinem Auge war es umfing mich. In seinem Auge war offen wie der Himmel. Ein helles, granes Auge, ein unirdischer Glanz darin. Mir war's als jähe er durch mich hindurch, aber jein Blick nahm mich mit, hinüber in seine Weit, auf eine Jusel, die mich mit jeliger Einfamteit umfing.
Ich war ein junges Mädel aus BerlinWest. Das sagt alles auch dem, der diese große, verwilderte Stadt sonst nicht fennt. Ich lebte in einem Kreise von Freundinnen und jungen Männern, und wir genossen unire Jugend, wie das Geschlecht nach dem Striege, wenigstens ein Teil davon, sie zu vertun, zu vergenden pflegt. Ja, es gab Unbeschreiblich ist, wie mir zumute auch Sport aller Art, diese oder jene schein- war. Ich hätte zu ihm hinstürzen, hinfnien bar nüzliche Tätigkeit, aber in Wahrheit mögen; mein armes, leeres Herz füllte sich war alles nur Vorwand zum Flirt, zur jäh mit unerträglicher Glückseligkeit. So Stofetterie. Wir Mädchen fannten alle die muß Frommen zumute sein. die Gott Grenze, bis zu der wir gehen durften, wollschauen.
ten wir nicht unser Leben mutiillig zer- Aber ich ich war ja nur ein Berlin
-
Und er lächelte er zurüc? Es schien mir so. Man begann zu tanzen. Zwei Paare wiegten sich schon zwischen den
Tischen. Warum kam er nicht und bat mich um diesen Boston ?... sollte ich?...
O, ich hatte Mut, ich war berühmt durch meine Keckheit, es machte mir nichts, übermütig das Extravaganteste zu leisten.
Ich versuchte es weiter mit Blid, Lächeln, wippendem Bein, ich flirtete stumm von Tisch zu Tisch mit wahnsinniger Stühnheit, ich fofettierte bis zur Schamlosigkeit. Und er jab mich unverwandt an, wie be Blick, zaubert, mit seinem feuchtenden feinem herrlichen Auge.
Da, beim nächsten Tanze, stand ich auf. Ich ging hinüber. ihn zum Tanz zu bitten, ich ihn! Er jah mir entgegen, fein Gesicht war von Liebe und Güte er füllt. Ja, er lächelte mir entgegen.- Mein drei Schritte bis zu ihm Herz flog, ich ging wie im Traum. Noch
da-
Da überholte mich ein junger Manu, lief auf den Fremden zu, stammelte Ent schuldigungen, daß er so lange fortgeblieben. Der andere stand auf, suchte seinen Hut, griff um sich
Und da sah ich, verſtand ich: er war blind...
Ich hatte mit einem Blinden mein schamlojes Spiel getrieben......
Lili!" riefen hinter mir meine joeben gekommenen Freundinnen.„ Lili!"- Ich schwanite, lief fort.
Ich war erwacht... Verstehen Sie mich? Ich hatte begriffen. Acht Tage später hatte ich meine Welt verlassen, und lernte, einer besseren wert zu sein.