hatte. Wie sie Fische geangelt, Vögel und Ottern gefangen, sich Kleider aus ihren Fel­Jen und Geräte aus ihren Knochen gefertigt habe. Die Felle waren sauber mit Sehnen aufammengenäht, die Körbe aus Sehnen ge­flochten, Fischgräten dienten ihr zu Nadeln. Sie hatte achtzehn Jahre keinen Menschen gefehen und das Gedächtnis an ihre frühere Welt zum großen Teil verloren.

Der weibliche Robinson wurde von sei­men Rettern wieder in menschliche Um­gebung gebracht. Aber trotz aller Liebe, ollem Mitleid und aller Sorgfalt, mit der man die Unglückliche umgab, fonnte sie ihre Scheu vor den Menschen nicht überwinden. War es Heimweh nach der gewohnten un­gestörten Einsamkeit, oder fonnte sie sich an die Nahrung der Zivilisation nicht gewöh­nen, sie, die das armselige Dasein durch acht­zehn Jahre gesund ertragen hatte, siechte zusehends dahin und starb einige Monate nach ihrer Befreiung. Ihre sonderbar inter­effanten Habseligkeiten wurden als Sehens­würdigkeit in San Franzisko aufbewahrt, gingen aber im großen Brande des Jahres 1906 zugrunde.

( Aus dem Amerifanischen überjeyt.)

Kariben.

Der lehmbraune ,, Silber"-Strom, der Rio De la Plata , riesiger Mündungstrichter des Rio Parana und des Rio Uruguay, bespült, von 40 bis zu 300 Kilometern in die Breite anwachsend, auf fast 50 geographische Meilen hin die Küsten Argentiniens und Uru­ guays nebst ihren Haupt- und Hafenstädten Buenos Aires und Montevideo . Bahllose Badeorte und Badestellen reihen jich an feinen Ufern.

Ein warmer Spätsommertag im März hatte Hunderte von Erholungssuchenden an den Strand von Punta Tschifa, eine halbe

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dreißig Zentimetern Länge, mit grünen, metal- 1 Ein Tropfen Blut, der ins Wasser gelangt, lisch glänzenden Flecken, auf der Unterseite des zieht diese Karpfenähnlichen Tiere in Schwär­Bauches und vorn an der amenflosse mit men herbei. Es ist schwierig, sich gegen sie zur Stacheln besetzt, und mit einem sägeförmigen Wehr zu sehen; so rasch und dicht überfallen sie furchtbaren Gebiß. Im Naturkundlichen ihr Opfer. Weber ihr Erscheinen berichtet z. B. Museum von Buenos Aires wurde festgestellt, J. E. Rivera, der berühmte Schilderer des daß es sich um einen Raubfisch handle, der bei südamerikanischen Urwaldlebens. Der Held sei­den Eingeborenen im Norden Argentiniens nes Buches Der Strudel"( 1929) gerät am wegen seines Blutdurstes gefürchtet ist und von Ufer eines Flusses mit seinem Feinde in einen ihnen Balometa Brava genannt wird. Kampf auf Leben und Tod. Es gelingt ihm, Tier oder Mensch, die von einem Schwarm feinen Gegner ins Wasser zu stoßen. Da sah Palometas angefallen werden, müssen sich eiligst ich" so fährt die Schilderung fort wäh aus dem Wasser entfernen, wenn sie nicht zerrend ich teuchend und erschöpft am Ufer lag, fleischt werden wollen. Mißlingt die unverzüge das furchtbarste Geschehen. Flossen zittern, liche Rettung, so ist von dem Opfer nach kurzer Aufbligen von Fischleibern: Tausende von Ka­Zeit nichts mehr übrig als das nackte Gerippe. riben stürzten sich auf den Verwundeten. Wie­Ein Rätsel ist es bis jest geblieben, wie und wohl er umt sich schlug und sich wehrte, zer­warum diese Fische, die bisher noch nie am fleischten sie ihn im Augenblick. Wie eine Unterlauf des Parana beobachtet worden Schar hungriger Küken, die Körner aus einem waren, aus dem tropischen Innern des Lan- Maiskolben pickt, rissen sie bei jedem Biß ein des bis nahe an die Küste des Atlantischen Stück Fleisch heraus. Trüb und blutfarben Ozeans gekommen sind. wogte das Wasser. Dann hob sich an seine Ein ähnlich gefährlicher fleiner Fisch ist der Oberfläche, wie auf der Röntgenplatte, das in den Gewässern des nördlichen Südamerika Knochengerüst des durchleuchteten Körpers er­beheimatete Karibe( oder die Biraya), ein scheint, das sauberweiße Sfelett des Mannes Tier mit rötlicher Unterseite und blaugrauen und trieb ans Uferschilf." Rückschuppen, der Palometa nahe verwandt.j G. H. Neuendorff.

Ein Glückstag.

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Im Verlag Der Büchertreis G., Los gewonnen?" Sie will scherzen, aber es ist m. b. H.", Berlin SW 61, erscheint dieser mehr ein entstelltes Lachen. Sie fühlt sich so Tage ein neuer Roman, der mit Recht größ schwach und elend heute. Es ist zuviel für sie, tes Aussehen erregen dürfte. Handelt es sich übersteigt ihre Kräfte. Sie wird wohl eines doch um den ersten echten Arbeits- Tages zusammenbrechen. Aber um Gottes­losenroman. Sein Verfasser, Albert willen, nur das nicht! Nein, nein, sie darf Klaus, ist ein deutscher Arbeiter, der das nicht kraut werden! Alle Kräfte zusammen, Grauen der Arbeitslosigkeit feit mehreren immer wieder zusammengerafft, bis wenigstens Jahren selbst durchlitten hat. Wir veröffent die Kinder erwachsen sind. And dann? Hier lichen aus seinem Buch Die ungern- reißen ihre Gedanken jäh ab, kommen nicht den"( Preis RM. 4.30) mit Genehmigung weiter. des Verlages eine in sich abgeschlossene Marie nuuß sich erst mal segen. Wie das Episode. so ist. Nur heken und hezen, damit viel fertig wird. Es hat auch heute Marie besonders an­nimmt Rücksicht darauf? Sie kann doch nicht gegriffen, da sie ihre Zeit hat. Doch wer nimmt Rücksicht darauf? Sie kann doch nicht fortbleiben, man würde sich sonst eine andere Waschfrau nehmen, und sie brauchten das Geld doch so notvendig. Sie kann sich nicht aus­ruhen, nicht einen einzigen Tag, auch dann

Holl, der seine Frau aussuchen gegangen ist, findet auf dem Nachhausewege auf der Pro­menade ein Zweintarfstüd. Es liegt mitten auf dem Weg und muß wohl gerade jemand verloren haben. Aber es ist kein Mensch weit und breit zu sehen.

Holl hebt es auf, sieht sich wie ein Dieb Darauf geht er eiligst dabon. ibm. Es ist noch immer niemand zu sehen.

Er ist schon fast zu Hause, als er plötzlich unschlüssig stehen bleibt. Während er das Geld­stück in der Manteltasche zwischen den Fingern herumdreht, überlegt er, was er damit aufan

Stunde Bahnfahrt oberhalb von Buenos Aires, gelockt. Im und am Wasser herrschte lebhaftes Treiben. Blößlich stieß einer der Badenden einen lauten Schreckensschrei aus, griff mit bei den Armen unter Wasser, kämpfte verzweifelt mit einem unsichtbaren Feinde und ftrebte in aller Eile ans Ufer. Die bestürzten Zuschauer glaubten, er fei in eine Scherbe oder in einen der stachelbefehten Drähte getreten, die überall in Argentinien den Weidekamp säumen. Sie erschrafen, als der Gefährte den Strand ex­reichte und am linken Oberschenkel eine lange, heftig blutende Wunde aufwies. Noch bemüht, fay den Vorfall zu erklären, wurden sie durch neue Aufschreie anderer Schwimmer aufgestört. gen soll. Das gleiche Geschehen wiederholte sich. Nun Holl kehrt wieder um, ohne sich weiter hafteten olles aus dem Wasser. Zahlreiche schlüssig geworden zu sein. Geht eine Straße Badende hatten ähnliche Wunden an Brust, herauf. An einem Bäckerladen vorbei. Bleibt Armen, Zehen. In aller Eile begaben sich die stehen, geht weiter. Kuchen, das ist nichts, nur Verlegten in das nahe Krankenhaus von San Lederei. Er hastet weiter, denkt nach. Wie Fernando und ließen die bis zu zwei Zen- wär's, wenn er sich von Haag ein Stück Roß­timeter tiefen Wunden, aus denen stellenweise fleisch Lendenbraten holt? Fleisch herausgerissen war, nähen und berbin­den. Alle berichteten mehr oder weniger das felbe. Sie hätten gefühlt, wie etwas Glattes, Weiches an ihnen vorüberglitt, und alsbald einen furchtbaren Schmerz empfunden. Als sie zugriffen, hätten sie einen Fisch gepackt, der thren Händen sofort wieder entglitten sei. Die Krankenhausverwaltung fette sich mit der Safenpräfettur in Verbindung; Warnungen ergingen an alle Badepläte am Rio; bald lagen fie öde und verlassen da.

Ant nächsten Morgen gelang es, ein Exem­plar des gefräßigen Fisches zu fangen. Es war ein hübsches, goldbraunes Tier von taum

Bei diesem Gedanken steht er mit einem Wale vor einem Butterladen. Damit ist es entschieden. Er würde ein Stück gute Butter faufen. Gott, wie lange ist es schon her, daß er keine richtige Butter mehr gegessen hat? Er weiß nicht mal recht mehr, wie sie schmeckt. Und etwas Käse, Schweizerkäse dazu.

Holl hat noch nicht zu Ende gedacht, da ist

er auch schon im Laden.

nicht.

Holl übersieht vor Freude ganz das Un­wohlfein seiner Frau. Er hat schon Kaffee ges tocht, deckt den Tisch. Bringt Tassen herbet und das Brot.

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Was ist denn nun eigentlich mit euch los?" wiederholt Marie ihre Frage durch einen Schleier vor den Augen. Ihr ist ganz schwin delig.

eingeschärft, der Mutter nichts zu verraten. Die Mädchen sagen nichts. Holl hat allen Otto grinst. Seine Mutter nimmt ihn bei der Hand. Du tust ja auch so wichtig, Ottochen? Weißt es wohl? Na, da sag's mir mal."

Holl wirft Otto belustigt einen warnenden Blid zu. Aber Otto muß doch irgendwas sagen. Er will erst nicht. Aber Marie nimmt ihn auf den Schoß, fiyelt ihn, redet ihm gut zu.

Da playt Otto heraus. Es gibt heute was feines", und lacht und grinst.

" Ja", sagt Holl und kommt mit Butter und Käse zum Vorschein, wir wollen heute mal Kapitalisten spielen."

Ja, aber-", seine Frau, so schlecht ihr ist, steht auf ,,, wo hast du denn das her, Paul?" ,, Beruhige dich, Marie. Die Heinzelmänn chen haben es mir nicht gebracht und geschenkt Sie sieht ihn verwundert an. Was ist, hat's mir auch keiner. Mit Jdealisten sind denn mit dir los, Bani? hast wohl bas große wir gerabe nicht überreich gesegnet, ich bin noch

Als Marie abends nach Hause kommt, pfeift Holl vergnügt vor sich hin.