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Die Draut des Dieses. Bon Heinz Lirpmann.
Busch ein erbitterter Guerillakrieg,-er nicht immer mit einem Erfolg-er Regierungstruppen endete. Die Sklavenjäger haben in den Grenzdistrikien rin wahres Schreckensregiment etabliert, und man schätzt-ie Zahl der hiWsschlachtettn Dorfbewohner an-ie Tausende. Zahlreiche Dörser sind nur noch Ruinenstätten, zwischen denen die Leichen-er Erschlagenen modern. Di« Bevölkerung ist von unbeschreiblicher Panik ergriffen. Ganze Siedlungen sind verwaist. Ihr« Bewohner ziehen mit Kind und Kegel, mit all ihrem Hab und Gut und-em Vieh südwärts, den der Hauptstadt näher gelegenen Bezirken zu. Das Gouvernement hat offenbar zu spät -en Ernst der Sachlage erfaßt. Erst als kürzlich im englischen Abgeordnetenhaus heftige Anklagen gegen sein« unzulänglichen Vorkehrungen erhoben wurden und die Sklavenjäger ein Polizei- -elach«ment bis auf den letzten Mann niedergemacht hatten, wurden stäüere Truppenverbände gegen di« Banden eingesetzt. Diese haben sich in unzugänglichen Schlupfwinkeln festgesetzt, aus denen sie immer wieder vorbrechen. Zu ihrer Abwehr mußt« «in ganze Bezirk« umfassender Kordon gebildet werden, den niemanv ohne besonder« Be. willigung passieren darf. und während das Gouvernement nunmehr in Eile an-er Entsendung großer Strafexpcditionen nach den bedrohten Gebieten rüstet, vergeht keine Nacht, in-er nicht Brände den Himmel röten, unglückliche Eingeboren« den Messern und Kugeln-er Sklavenjäger erliegen, gefesselte Menschen gleich Vieh verschleppt werden.
Vaterland. Es ist mit dem Nationalhaß«in eigen Ding. Auf-en untersten Stufen der Kultur werden Sie ihn Immer am stärksten und heftigsten finden. ES gibt aber«ine Stufe, wo er ganz verschwindet und wo man gewissermaßen über den Nationen steht, und man«in Glück oder ein« Wehe seines Nachbarvolkes so empfindet, als wäre eS-em eigenen begegnet. Diese Kulturstufe war meiner Natur gemäß Goethe. * Für die Höhergebildeten und Besseren ist «S Pflicht, ebenso mildernd und versöhnend auf die Beziehungen-er Völker«inzuwirken, wie die Schiffahrt zu erleichtern oder Wege über die Gebirge zu bahnen. Der Freihandel der Begriffe und Gefühle steigere ebenso wie der Verkehr in Bodenerzeugnissen und Produkten den Reichtum und das allgemein« Wohlsein der Menschheit. Goethe. * Das vaterländische Interesse ist überhaupt nür für unreife Nationen wichtig. Es ist «in armseliges kleinliches Ideal, für eine Nation zu schreiben: einem philosophischen Geist ist dies« Grenze durchaus unerträglich. Dieser kann bei einer so wandelbaren, zusälligen und willkürlichen Form der Menschheit, bei einem Fragmente(und was ist^ selbst di« wichtigste Nation anderes?) nicht stille stehn. Schiller. * Die Staatsbaumeister glauben, um dem Rauchen ein End« zu machen, brauche man bloß d!« Schornsteine zu vermauern. Sie tun es, treiben den Ranch zurück, vermehren ihn, werden ärgerlich darüber und ahnen üicht, daß ihre Unwissenheit das Nebel vergrößert. Ludwig Börne .
Die Nacht fiel schnell herab,-er Schnee wurde stumpf und schattig. Der Dieb Ma; Slawe! blieb ssehen und sah sich um; da lagen schief und in all« Ewigkeit verlaufend di« dunklen Schatten seiner Füße auf dem Trottoir. Schnell trabt« er weiter, bog schräg über den verschneiten Weg und gelangt« auf die Fahrbahn, die, von vielen Fahrzeugen in den Nachmlttagsstunden befahren, fast vereist war. Ein Schutzmann überholte ihn. Slawe! sah ihn schief von unten an,«inen Augenblick lang gingen fie nebeneinander. Der Polizist sagte:„Na, Slawek?" Slawek wollte beteuernd die Hände ausbreiten, macht««in möglichst harmloses Gesicht und sagt«:„Nichts, Herr Wachtmeister, nichts, gar nichts"— unterließ es aber, die Hände auSzubreiten, denn unter bei-en Achseln steckten die Blusen: Seide(die«ine weiß und lila gestreift, die andere weißer Grund mit lila Tupfen, dir letzt« Mode), wi« Erna, seine Braut, sie sich gewünscht hatte. Der Polizist sah ihn an, dann bog er links ein; Slawe! blieb stehen und atmete tief. Sein noch harmloses Gesicht wurde starr und blaß. „Es ist das letzte Mall", sagt« er sich.„DaS letzte Mal'." Als er nach Hause kam— er mußte sich bücken, um durch-ie niedrige Tür einzutreten — und di« Stube war dunkel, überkam eS ihn, Erna, deren leise, singende Stimme er aus dem Dunkeln vernahm, auf ihre Frage zu antwortens„Nichts,«S ist schief gegangen." Darauf verstuinmtr Erna. Er stand in der finsteren Stube und er wußte auf esnmal nicht mehr, ob er sich setzen sollt« oder nicht; in diesen Stuhl oder auf jenen, den samtbezogenen, grünen; ob er die Schuhe ausziehen sollt« oder-um Beispiel Licht machen. Er blieb stehen und er empfand plötzlich, daß dies nicht sein« Heimat war, obgleich ihm alles gehört«, was hier war: die Stühle und die Lamp «, das Bett und sogar die Kornblumen in der Base vor dem verhangenen Fenster. Erna stand auf und machte Licht. Sie schlenderte gleichmütig, so wi« sie«s im Film gesehen hatt«:.- mit den Hüsten schlenkernd, an ihm vorbei, sah ihn dann verachten- über die Schulter an, stieg, das Kleid raffend, auf den Stuhl auf dem er immer zu sitzen pflegte, den mit dem grünen Samt, und zündele-en Gasstrumpf an. Slawe! beweg:« sich. Er sah st« an, sein Herz wurde schwer. Er zog unter den Armen di« beiden Blusen hervor, warf sie ihr hin, dreht« sich um und ging hinaus. Draußen blieb er stehen. Nein, sie kam nicht nach. Er ging fort. Er ging langsam durch-ie alten Gassen, vorbei an schmalen, winkligen Häusern. Er bog um Ecken breiter, lärmender Hauptstraßen mit schreienden Autos, elektrischen Bahnen, gestiku- lierenden Menschen, Lärm und Bewegung— er chog wieder«in und nun kam er an einer sehr hohen Kirche vorbei, die still am Abend hinter weißen Gärte-n stand und weit ihre Pforten öffnete: kleine Kinder spielten an Sommertagen davor, auf dem Rasen, dachte er. Es trieb Slawe!, hineinzugehen, et macht« eimge Schritt« zu ihr, aber dann dreht« er sich schnell um und ging weiter. Warum? dacht« er voll Schmerz. Und er sagte zu sich:„Morgen gehe ich hin, am Tag, wenn Licht ist. Jetzt ist«s dunkel
in der Kirche v. i r.’i mit der Dunkelheit— ich schäm« mich... Spät abends kam er nach Haus«, es hatte wieder zu schneien begonnen. Er macht« kein Licht, tappte geradeaus und sagt« plötzlich leis«, aufs Geratewohl ins Dunkle hinein:„Du... und als di« Stille kein« Antwort gab, fuhr er fort:...„Ich habe Arbeit gefunden." Sie ant- wortet« nichts. Er sprach weiter, sein« Stimme flehte:...„es ist auf einem Neubau... Di« Gerüste stehen schon... ich habe dem Vorarbeiter gefallen." Run stand Erna wieder wi« vorhin auf, ging dicht an ihm vorbei, daß er ihren Duft spürte, stieg auf einen Stuhl und zündete das Gaslicht an. Er sah sie an. Sie zuckt« mit den Schultern und sagte:„DaS kannst du halten wie du willst. Meinetwegen kannst du morgen früh um sechs aufltehen und zur Arbeit gehen. Aber wecke mich nur nicht! U«brig«nS: die Bluse, di« ich haben wollt«, die ich dir, Dummkopf, im Laden extra gezeigt habe,-i« lila mit den Weißen Streifen, di« ist«s wieder nicht..." Pause. Slatvek setzle mehrmals zum Sprechen an,. er gestikuliert« hilflos mit den Händen.„Erna, du hast doch gesagt, wir wollten doch aufhören, wenn du-ie Bluse hast; ich konnte die, di« du mir gezeigt hast, nicht erwischen, da stand andauernd die Verkäuferin, und jetzt hast du doch zwei, und ste sind ganz ähnlich... wir wollten doch ehrlich« Menschen. A. Gott steht alles, glaub« ich. Du weißt es auch... Erna", wie- derholt« er, wir werden ehrliche Menschen, wir werden ruhig, wir werden glücklich; Geranien vor's Fenster und vielleicht später ein kleines Häuschen irgendwo im Vorort, und",«r sprach ganz leise und tippt« sie am A«rmel,„wie wär'S, vielleicht ein kleines Mädch«n, he...?" Erna ging, die Arme in di« Hüsten gestemmt, im Zimmer auf und ab.„Sag doch waS!" fleht« er. Sie blieb vor ihm stehen. „Das kannst du ja nun halten wie du willst", sagte st«, ,^>ber erst die Bluse..." „Run gut", sagte er. Er zog langsam.den Rock aus,„dann werde ich eben«rst übermorgen zur Arbeit gehen, und morgen hole ich di« Bluse. ". Ihr Gesicht veränderte sich plötzlich, wurde strahlend, weich; ihre Augen glänzten, ihr Atem flog: ste stürzte auf Ihn zu, drückte ihn an fich, fest, warm, heimatlich, fühlte er.„Ja!" flüstert« sie an seiner Brust.„Geh' übermorgen zur Arbeit! Morgen holst-ü mir die Bluse. Am Sonntag gehen wir aus, wir fahren mit der Straßenbahn un- dann lausen wir ein ganzes Stück, und was du da sagst mit den Geranien." Ihr Kopf tag an seiner Brust, er spürt« den Duft ihr«r Haare, ihrer Zartheit, ihres Daseins, nicht war er mehr verloren; die Kirchentüren standen nicht mehr leer un- weit, Orgeln brausten gewaltig un- mild durch den Raum. Nur noch einmal dacht« flüchtig verlöschend der Dieb Max Släwek, dann bin ich gut... Am nächsten Tag„holte" er die Bluse. Es ging gut. Zwar glaubt« er einen Augenblick lang, man sähe ihn an, hier mü> da un- dort und überall dieser dunkle, elegant« Mann mit den weißen Gamaschen, jene alte Frau mit den wirren Falten im Gesicht,«in langsam und wachsam vorbeispazierender Wachmann,«In Auto, das knirschend hinter ihm hielt; sein Aiem flog, sein« Gedanken zitterten, aber nein, alles ging gut.— Er brachte die Bluse, ja«8 war di« richtig«. Sie zog sie gleich an. Wir wunder-