Feierabe
Feierabe
Nr. 48.
Unterhaltungsbeilage.
Der alte Mime.
Bon H. Schmidt- Elrig.
Marnelied
der Gleichgeschalteten.
Heil, tam tam!
Wir stehen wieder stramm!
1933,
Ein wenig zu lang ist er und ein wenig| Gedächtnis nicht schon ein wenig schwerfällig| Gelernte wieder durchsidern läßt. In der zu dürr. Wenn man ihn so hinschreiten wäre, würde man die Rolle auf der ersten dritten oder fünfzehnten Vorstellung kann sieht, hat man Angst, er fönnte von einem Stückprobe fir und fertig im Kopfe haben. es plößlich kommen, daß irgendwo der Fa festen Winde umgelegt werden. Warum, Aber schließlich: auch die andern haben das den abreißt und nicht wieder anzufnüpfen fragt man sich, trägt er auch solch einen nicht; muß man sich darüber die Haare noch ist; auch vom Souffleur nicht, weil ihn der furzen Mantel bei so viel Bein? Langt grauer werden lassen? Schlimmer ist, daß Schauspieler in seiner namenlosen Aufseine Gage nicht für einen neuen? Beginnt das Gedächtnis porös wird, daß es das regung nicht mehr hört. Gewiß, etwas Stegman, da der Schritt ins 60. Jahr nun reifspiel hilft über das schlimmste hinweg, einmal getan ist, sein Exterieur zu vernach aber auch solche Improvisation iſt matt, läffigen? Ach nein, ein Komödiant tut das auch fie steht unter dem Drude des Mißgenicht, und ein alter Stomödiant erst vecht schids. Furchtbare Augenblicke sind es, ein nicht. Er glaubt vielleicht mit dem Män Balancieren auf des Messers Schneide. Es telchen seiner Figur zu dienen, glaubt, die ist wie bei einem lebensgefährlichen Zirkusjugendliche Linie zu beschwören- das ist aft: wenn die Zuschauer den Atem anhalten möglich. und die Musit pianissimo spielt. Wenn es dann vorüber ist, in der Garderobe, ist er schweigsam und verstört, es gelingt ihm nicht, die Angelegenheit wirklich oder auch nur scheinbar leicht zu nehmen.„ Hat man es gemerkt?" fragt er, oder:„ War der Alte in seiner Loge?" O, dem Publikum muß man gefallen aber mehr, weit mehr noch dem Dire Norträge schließt und löst. und der der liebe Gott ist! Zwischen den Auftritten wird repetiert. Nicht aus der Rolle aus einem dicken Kalitobeft, in das er sämtliche Nollen handschriftlich, genau mit Stichworten, eingetragen hat. Drud- und Schreibmaschine", sagt er, be halte ich viel schlechter, als meine eigene Schrift. Was man abschreibt, hat man schon halb gelernt."
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Aber trop folcher Windigkeit in seinem Aussehen ist er fein Schwächling. Er hat Sehnen und Willen und ist stolz darauf, den Theaterarzt um soviel seltener in Anspruch genommen zu haben, als alle seine jungen Kollegen. Dieser Stolz ist der Ausdrud seines Pflichtgefühls und eine geheime Angst zugleich. Warum? Ein Schauspieler, der eine große Nummer ist, darf getrost alt werden, seine Gestaltungstraft bricht nicht so leicht, sein Ansehen ist gefestigt. Aber er, ein Chargenspieler nur, nicht schlecht, nicht bedeutend, durch dreißig deutsche Theater hat er sich durchgespielt. in dreißig Städten ist er veraeffen bis auf die lebte, in der er gerade tätig ist aber Blumen und erhißte junge Mädchen nicht eben mehr auf ihn warten, was bleibt diesem alten Mimen eben übrig als mäßige Rollen, Mißtrauen in feine Leistungsfähigkeit und bestenfalls ein nettes Verhältnis zu seinen Kollegen, die feinen ernsthaften Gegner mehr in ihm zu fürchten haben.
wo
Ach, es ist nicht einfach, in einer Initi tution, die Jugend und Temperament fo hochstellt, mit Würde alt zu werden!
Seine Arbeit ist ihm alles, der Tag dreht sich nur um sie, die kleinste Rolle, wenn er auch über sie schimpft- oder lächelt ist ihm lieber als mühines Herumlaufen. Mit einer Sorgjamkeit ohnegleichen wird jedem Tadel der Weg verbaut: niemals versäumt man unentschuldigt eine Probe, nie kommt man zu spät, niemals markiert man auf der Probe. Wenn das
Die Hände an der Hosennaht Vom Stepple bis zum Studienrat Heil, tam tam!
Wir stehen wieder stramm! Gott verdamm....!
Wir stehen wieder stramm!
Bom Sportklub bis zum Reichsgericht Hält man den Rand und mudſt ſich nicht. Gott verdamm....!
Wir stehen wieder stramm! Bim bum bam!
Wir stehen wieder stramm! Wie ist uns doch so wohl dabei, Bei dieser Knochenreißerei. Bim bum bam!
Wir stehen wieder stramm!
Dreck und Schlamm! Wir stehen wieder stramm! Wenn schneidg das Kommando tuallt, Das Arierblut im Bufen wallt. Dred und Schlanum! Wir stehen wieder stramm!
Stamm für Stemm!
Wir steben wieber ftramm!
Es rührt fein editer benticher Mann Die un- artfremde Freibeit an. Stamm für Stamm! Wir stehen wieder strain!
Heil, tam tam!
Bir sieben wieder stramm! dätt uns der Adolf nicht dreſſiert, Wir wären an Stultur trepiert. Deil, tam tam!
Wir stehen wieder stramm!
Liberator.
Für ichledne Wize ist er nicht zu haben. Un so mehr für Gerüchte, am liebsten für solche, die um das Direktionszimmer schwir ren. Wenn es besonders interessant wird, lebut er jedesmal den Oberkörper schräg zurid. legt den Kopf ein wenig nach hinten;
ist eine merkwürdig zuwartende, abwä gende Stellung, so als wenn er das Gehörte mit noch emas anderem, was dahinter liegt, vergliche. it es in den Garderoben herum, dag, ohen" die Belekung eines neuen Stückes beraten wird, dann kann man sicher sein, dak er feinen Regiffeur und feinen Dramaren vorbeiläkt, ohne ihn zu fragen:„ Hab ich darin zu tun? Da bin ich doch frei, oder ... Er stimmt die Frage so ab, als ob es ihm lieb wäre, endlich mal in einem Stüde nicht beschäftigt zu sein. Aber man weiß schon Bescheid. man durchschaut den alten Kerl ja so leicht. Durch sein Schau