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Montag, den 3. März 1919

Nummer 111 Morgen- Ausgab

Streis often the bigpall CompareBoyetle bee beren Raum 7301, lobu ngeigns Des ettarorate Wort 40 01, ebes weites Wort 20 Pf. Couerungsziching to Bel familien und Derfammlungsanzeigen fiber Sutchlag fort. Juferete z den daraufe folgenden Gag men pdteffens bis& Ube nadmittees bei der Expedition aufgegeben fet Expedition: Berlin W. 6. Echiffbauerbamm 19, Bernsprecher Ami Norden 9768.

greiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

anfern.

Vor wichtigen Entscheidungen.

Eine Rettungsaffion.

Hunger und Arbeitslosigkeit zu retten, fönnen wir es nicht durch

Zwang, ſondern nur, wenn wir die Herzen und Geiſter gewinnen. Revolutionärer Anschauungs­

In der Tebatte betonten mehrere Redner die Notwendig. eit einer rafcheren Sozialisierung.

Lettow- Borbed.

Der Vorstand der Bezirksorganisation Groß- Berfin ( S. V. T.) und die Cbleute und Betriebe- Bertranensleute der S. V. D. veröffentlichen in Vorwärts" einen Aufruf an die Arbeiter, in dem sie erflären, fie feien der Meinung, daß nach einer io gewaltigen revolutionären Umwälzung schnell gearbeitet werden milie, um die Ziele der Revolution Einhundertvierzehn Mitglieder der ostafrikanischen Schuh. auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete feit zu ver- truppe sind gestern unter Führung des Generals von Lettow. Vorbed in Berlin eingetroffen. Sahlreiche Mitglieder: s Es müsse iebt ungesäumt daran gegangen werden, auch Reichskolonialamtes, des Deutfájen Offizierbundes und der mili­die wirtschaftliche Temokratie und den Sozialismus au ber- tärischen Behörden hatten sich zu dem Empfang eingefunden, der wirklichen. Nachdem die Regierung die Sozialisierung des mit besonderem Pomp arrangiert war. Es hielten Ansprachen Bergbaues zugejaat, fordern die Unterzeichner des Aufrufes General von Winterfeld im Auftrage des Generalstabs, außerdem, daß die Stellung der Betriebs., Bezirks- und minister Oberst Reinhardt, Vizeadmiral Regge und der Dr. Welt als Vertreter des Reichs- Kolonialamts, ferner Kriegs­Landes- Arbeiterräte in der Verfassung geregelt wird". Die­General v. Lettow Berliner Bürgermeister Dr. Reide. fen Arbeiterräten iei weitaebendes Mitbeschließunasrecht vorbed bantte in furzer Ansprache. bei der Regelung der Arbeitsverhältniffe uno Rontrolle der Produktion in den Betrieben einzuräumen. Ferner find ionen Befugnifie auf iozialpolitischem und geiebaebendem Gebiet zu bewilligen. Unverzüglich müsse der Bericht der Sozialisierungsfommission beröffentlicht werden. Eine Rommission der zur S. B. D. achörenden Berliner Arbeiter werde am Dienstag mit der Regierung über diese Forde­tungen verhandeln.

Nach diesen Erflärungen wenden fich die Unterzeichner bes Aufrufs gegen den Generalstreit, der die Durchführung dieier Forderungen verhindern und den Ru­jaminenbruch der Wirtschaft herbeiführen würde.

Das Wolfische Bureau versendet über den Empfang einen mebrspaltigen Bericht, nachdem schon in den vorhergesenden Tagen in der bürgerlichen Breje eine fräftige ropaganda für den Emp. fang Lettow Borbeds entfaltet worden war. Dieser ganze Preise. rummel mutet etwas merkwürdig an. Er trägt zu deutlich den Stempel einer Stimmungsmache an der Stirn, als daß man fchweigend an diesem Vorgang vorübergehen könnte.

Wir haben gewiß nichts dagegen, daß die heimkehrenden Mit. alieder der oftafrikonischen Sustruppe, wie alle aus dem Kriegs­elend heimkehrenden Mannschaften, berzlich in der Heimat emp: fangen werden. Aber die ganze Art des gestrigen Empfangs läß deutlich die Absicht erkennen, zugunsten des Generals von Lettow­Borbed eine Agitation zu ganz bestimmten Sweden einzuleiten. Wir wiffen, daß die faiferireuen Offiziere, über beren verschwörerischen Absichten wir in unserer Sonnabend. Ausgabe ausführlich berichteten, General v. Lettow. worbed als tommenden Mann aufschild er. boben haben. Nicht fondern an die Spike der miti. Lettow- Borbed foll tärischen Ronterrevolution treten! Deshalb diese seffiffentliche Stimmungsmache, die die bürgerliche Breffe und das Deshalb auch das

Hindenburg,

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unterricht.

Jebe Revolution bat ihre eigenen Gefeße- biese recht banale, aber immer neue Wahrheit wird uns von dem Gang der Ereignisse aufs neue eingeprägt.

Es geht nicht an, eine fremde revolutionäre Schablone auf das eigene Land zu übertragen. Die geschichtlichen Vor­bedingungen, die soziale Schichtung der Klassen, die politische Reise des Proletariats zwingen den Führern der revolu­tionären Massen eine Taktif auf, die diesen Verhältnissen entspricht.

Wir stehen nach der halben Revolution des November das begonnene Werf befestigen und vollenden soll. Auch am Vorabend einer neuen Revolution, die dieie Revolution wird von niemandem gemacht". Sie fommt aus der Tiefe des Massenbewußtseins, aus dem stürmischen Drang der Arbeiter, die sich um die Früchte der Revolution betrogen sehen, die nicht zurückwollen in das Knechtichaftsverhältnis des Kapitalismus, die nach neuen Formen suchen, um das zerschlagene und zerstörte Haus neu aufzubauen und alle üppig wuchernden sozialen Uebel aus der Gegenwart zu entfernen.

Im November war dieses Bewußtsein nicht im ent­ferntesten fo ſtart wie jetzt. Wie in jeder Revolution her­traute das aufständische Bolt auf die Einsicht und die Ehr­lichkeit der besiegten gesellschaftlichen Gruppen. Es beging feine Gewalltaten, es forderte feine besonderen Vorrechte für sich, es wollte lediglich die Schmach der jüngsten Ver­gangenheit auslöschen und das jahrhundertealte Unrecht ver­nichten, das die Besikenden und Privilegierten an den unteren Volksklassen geübt hatten.

Das Vertrauen der arbeitenden Klassen ist schnöde mißbraucht worden. In ihren wichtigsten Erwartungen getäuscht, stehen sie heute voll tiefer Erbitterung den herr­ia enden Klassen gegenüber. die es verstanden haben, auch die neuen politischen Formen für die Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft zu mißbrauchen.

Die Absicht der Unterzeichner geht also offensichtlich da. bin, durch schöne Versprechungen eine gemeinsame Aktion der Berliner Arbeiterschaft zu verhindern. Lente, wie Lüde­mann, der auf dem ersten Rätefongreß dem Räteiystem das Genid gebrochen hat, oder wie Tb. Fischer, der im Januar mit dabei war, die Einigungsaktion der Arbeiter zu verhindern, beanspruchen jezt den Kredit, auf ihre bloßen Bersprechungen hin, von einer Unterstützung der streifenden Genoefin im Lande Abstand zu nehmen. Diefen Kredit tann orgfältige Berid weigen unserer genauen An, tien bettloffen sind, baben die arbeitenden Klaffen Teutj

die Berliner Arbeiterschaft ihnen nicht gewähren.

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gaben über die Verschwörung der faifertreuen Offiziere, bie in den Kreifen der Beteiligten und der ihnen Rabestebenden wie eine Bombe eingefchlagen haben.

Die Stadtverordnetenwahlen in Spandau .

Die Betriebsvertrauensleute der E. B D. hielten am Eonn­abend eine Veriammlung ab. Nach dem Bericht des Vorwärts" lehnte es die Versammlung nach einer lebhaften Geschäftsord. nungsdebatte ab, über die Stellung zum Generalitrei! abzustimmen. Tieje Etelungnahme foll für die Arbeiter­rätebersammlung am Montag vorbehalten werden. Eine Ab. Bei den getrigen Stadtverordnetenwahlen in Spandau er­ftimmung sei ja schon dadurch unnötig, daß alle Redner gegen bielten nobbing: ge 12 452 Stimmen( 19 Size). Mehrheits den Generalstreif gesprochen hätten. Es wurde eine Eini Sozialisten 12 960 Etin men( 20 Size). Dutsch- Demofraten 6781 gungsfommiffion gewählt, die besteht aus Braun, Hedert, Stimmen( 10 Size), Deutschnationale Volfsp. 3721 Stimmen Kalist, Münsinger. Umlauf, Witolla. Die Resolution Kalisti wurde einstimmig angenommen, ebenso gegen wenige Stimmen( 6 Eibe), Christliche Wolfsp. 2294 Stimmen( 8 Size), Deutsche die folgende Resolution Krüger: Boltspartei 1099 Stimmen( 2 Size).

Die Versammlung der auf dem Boden der S. B. D stehen­den Groß- Berliner Betriebsvertrauensleute und Arbeiterräte berlang::

In diesen vier Monaten, die feit der Novemberrebolu lands einen Anschauungsunterricht durchgemacht, wie sie ihn in Jahrzehnten vorher nicht gehabt haben. In revolutionären Perioden vollzieht sich die politische Entwicklung mit auker­ordentlicher Schnelligkeit. Tinge und Perionen werden schneller als in Zeiten rubiger Entwicklung ihres hüllenden Schleiers entfleidet. Die fozialen Gegeniäge reifen mit treibhausmäßiger Geidyvindigkeit beran. Die Parole des Kampfes beherrscht die Stunde. Alles, was diesem Kampfe hinderlich erscheint, wird unwillig zur Seite geschoben. Zu­erit unsicher taſtend und in Abwege verfallend, dann aber immer sicherer und fester erhebt sich die Bewegung der unterdrüden Klaffe, um auf das Biel hinzusteuern, das ihr die Befreiung aus allem Elend der Gegenwart verheißt. In solchen Augenblicken ist es müß: g, darüber zu strei­ten, ob dieses Ziel wirklich reitlos verwirklicht werden kann. Und ebenio mißig ist es, fcin Bedauern darüber auszu­

Berglichen mit dem Stimmenergebnis für die National- predjen, daß die Massen nicht ruhig abgewartet haben, bis 1. Die Stellung von Betriebs., Bezirke und Landes- wahlen am 19. Januar zeigt der Ausfall der Stadt ihnen das Heil von oben beichert worden wäre. Sind die arbeiterrä en in der Verfassung zu regel. Die Arbeiterräte verordnetenwabt, daß uniere Partei auch in Spandan außer Dinge einmal in Fluß geraten, io helfen solche Betrachtungen haben weinehendes M tbe chlußfaffungsrecht bei der Regelung den Deuticnationalen den relativ gerirgiten Verlust bat nidis. Am allerwenigsten dürfen fie von ienen aufgestellt der Arbeitsverhältnisse, Kontrolle der Broduftion, Begu.achture und am besten abschnitt. Am 19. Januar erhielten die werden, die durch ihr verbrecherisches 3ögern, und An ragitellung bei allen jo ialpolitischen und wirtschaf lichen Mehrheitsjosialisten 22 218, die Inabhängige Partei 15 557, durch ihr antisoziales Verhalten, durch ihre revolutions­Gesetzgebungsmagnahmen. Mumifung bei der Sozialisierung die Demofraten 10 806, die Deutschnationalen 3988, die feindliche Gesinnung die Massen aufgepeitscht und nur noch von Produktionszweigen, Kontrolle fog airfierter Betriebe. 2. Die Sozialisierung der Bergwerls- und ähnlich entwidel- etiche Wolfspartei 3677, die Chriftliche Volkspartei 3426 ichneller vorwärtsgetrieben haben. Stimmen. ter Industrien ist jofort einzuleiten unter Mitwirkung der Ar- linjer Stimmenrüdgang beträgt alto

beiterschait.

3. Schleunige Besserung der Ernährungsverhältnisse.

3105 Stimmen, während die Mehrbeitsiozialisten 9258 und die bürgerlichen Parteien zusammen 13 895 Stimmen weniger Die Versammlung wählt e ne fummission von 3 Berfonen. aufbrachten. Ilm Saaresbreite sind wir jetzt an die Mehr­Sie fofort in Verhandlungen mit der Regierung über Durch- beitsiozialisten herangekommen. fährang dieser Zorbecunnen zu treten hat.

Die Reichstonferenz der österreichischen

Arbeiterräte.

Große Kundgebung in Dresden .

Dresden , 2. März. W. T. 8. meltet: Heute vers anstalteten hier die Arbeitslofen und Kommunisten eine Protest Wie-, 2. März. Gesteer trat die Reichskonferenz der Arbei- versammlung, in der" e den Generaturzit von Montag icüh ab terräte Teutsch- Cesterreichs zusammen. Es waren 137 Delegierte er.lärten. An die Versammlung, an der ungefähr 12-13000 erschienen. Ueber den erste Gunit der Tagesordnung. politische Maun teilnahmen, schloß sich ein Umzug an, der fich uter Hoch Lage der A.beiterlloje. teferierte seis und sagte a. a: Wenn ruien auf den Bolichewifmus und d. n Gefang der Arbeiter wir heute das Bill Aur Arbeit aufrufen, um die Menichtet von Marseiäcise burd tie raßen der Stadt bewente.

Diefe Arbeit hat die rechtsfozialistische Re­gierung und die Nationalperiammlung in ausgiebigen Maße vollbracht. Sie, die die Entwicklung gewaltiam auf eine niedere Stufe zurückschrauben wollten und die den Anforderungen der neuen Zeit verständnislos gegenüberstanden, sie, die immer nur an die Gewalt appel­Tierten und das wildbewegte Weer der proletarischen Be wegung mit fleinen Reformversprechungen zu beruhigen fuchten, ichafften unbewußt aus Böiem das Gute,

Man wird gerne zugehen fönnen, daß die Regierung und die Nationalversammlung fich mitunter in einer selbst­peruriachten Zwangslage befanden. Diese Zwangslage ent­stand. weil sowohl die Regierung wie die Mehrheitsparteien der Nationalveriammlung vollständig überiahen, daß fie aus der Revolution geboren waren und die Aufgabe hatten, den treibenden Kräften diefer Revolution cerecht au werden.