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Einzelpreis 15 Pfg. 2. Jahrgang

Die Freiheit erscheint morgens und nagmittags, an Sonn- und Festtagen nur morgens. Der Bezugspreis beträgt bei freier Zuftslang ins Haus für Groß- Berlin oder bei direktem Postbezug ohne Bestellgebühr monatl. 3, M., bei Justellung unter Streifband 5,-gi

Die freiheit ist in den ersten Nachtrag der Postzeitungsliste für 1919 eingetragen Redaktion: Berlin NW. 6, Schiffbauerdamm 191 Fernsprecher: Amt Norben 2895 und 2896.

Sonnabend, den 5. Juli 1919

Nummer 315 Abend- Ausguve

Jnferate foften die achtgespalt. Nonpareillezeile oder deren Raum 1,20 m., Wortanzeigen das fettgedruckte Wort 50 Pf., jedes weitere Wort 25 Pf. Teuerungszuschlag 50 Proz Familien und Dersammlungsanzeigen fällt der Zuschlag fort. Inserate für den darauf folgenden Tag müssen spätestens bis 3 Uhr nachmittags bei der Expedition aufgegeben sein Egpedition: Berlin NW. 6, Schiffbanerdamm 19 Fernsprecher: Amit Norden 9768

greiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Aufhebung des Freiwilligen- Boykotts

Die U. S. P.- Arbeiterräte und hoffen, umgelogen. Diefe Behauptung tennzendnet es als

die Freiwilligen- Truppen.

Die Fraktion der U, S. P.- Arbeiterräte fagte gestern gemeinschaftlich mit den Betriebsvertrauens­Leuten und Obleuten, um über die Aufhebung des Freiwilligen- Boykottbeschlusses zu beraten. In der Besprechung fam allgemein zum Ausdruck, daß man gegenwärtig gegen eine Aufhebung des Beschlusses nichts mehr einzuwenden habe. Nachstehende Erklärung soll

der heutigen Bollversammlung vorgelegt werden:

Erklärung.

Der Boykottbeschluß der Vollversammlung der Groß- Berliner Arbeiterräte gegen die Freiwilligentruppen war diftiert von der berechtigten Empörug über das brutale und arbeiterfeindliche Auf­treten vieler Angehöriger dieser Formationen. Das proletarische Rechtsempfinden mußte sich gegen die zügellofen Gewalttätigkeiten muflehnen, die von der militaristischen Gegenrevolution, der von ciuer schwachen Regierung unbegrenzte Machtvollkommenheiten in ble Hand gegeben werden, gegen das werktätige Bolk verübt wurden.

gehörigen der Truppen bemerkbar gemacht. Außerdem wird durch

bie Bestimmungen des Friedensvertrages die Zahl der Freiwilligen

Schürer und Förderer der inneren Rämpfe in der Arbeiterklasse, als frebelhaften Seber zum Bürgerkrieg, bei dem die Arbeiterklasse die Ge­schäfte der triumphierenden. Konterrevolution besorgen soll.

Ausdehnung des Eisenbahnerstreits

im Reiche.

start herabgesetzt. Die Arbeiterschaft hat fein Die Streitleitung in Frankfurt a. Main , Hat, Intereffe daran, Sunderttausende diefer Gut- um allen Verdächtigungen entgegenzutreten, ausdrücklich er

Ent=

und sie damit für die gegenrevolutionäre

Der Streit hat nur wirtschaftliche Gründe.

laffenen der Arbeitslosigkeit auszuliefern flärt, daß die Forderungen lediglich auf wirtschaft­

Ohne Recht und Gesez.

Als in den ersten Tagen der Revolution die Volks beauftragten in ihrem Aufrufe an das deutsche Volk der Revolution die gesetzliche Weihe gaben, als sie in diesem Aufrufe mit all den Stüßen aufräumten, die sich die Träger des verblichenen Regimes zu ihrem Schuße in ihren Klassen­gefeßen gegeben hatten, als Belagerungszustand, Gesinde­ordnung und all der übrige modrige Plunder der kapita mehr an Ausdehnung. Von heute ab treten die Eisenbahner der Hauch eines neuen Geistes das deutsche Volk zu Der Eisenbahnerstreit gewinnt im ganzen Reiche immer listisch- junferlichen Herrschaft in die Luft flogen, da schien folgender Direktionsbezirke und Betriebswerkstätten ne u berühren. Wer ahnte wohl damals, daß das traurige in den vollkommenen Streit ein: Hannover , Symbol der verflossenen bluttriefenden Epoche, daß der Elberfeld , Essen, Mainz , Magdeburg , Belagerungszustand in so furzer Zeit wieder eine so fröhliche Dortmund , Bielefeld , Darmstadt ( 60 Prozent auferstehung feiern sollte? und voraussichtlich auch Cassel. Dadurch ist der Mit dem Belagerungszustand verschwand damals beim Bugverkehr in fast ganz Westdeutschland vollständig auf- Beginn der Revolution von selbst und notwendigerweise eine gehoben. Auch auf die Küstenorte ist der Streif über- Einrichtung, die in ihrer Grausamkeit dem Hirne eines gesprungen. So streifen in Hamburg und in Danzig mittelalterlichen spanischen Inquisitors entsprungen sein eine große Zahl von Handelsmattojen und von Schiffern. konnte, die Schuzhaft. Das Schuthafigesetz vom In Frankfurt a. Main haben die Ausständigen 4. Dezember 1916 hatte der in Wirklichkeit schon seit den bas Telegraphenbureau der dortigen Eisenbahndirektion, ersten Tagen des Krieges bestehenden Schußhaft das Män­In lekter Seit hat sich in den Freiwilligenverbänden ein ferner die Fernsprechanlage und die Druderei besetzt, so daß telchen eines Rechts umhängen sollen, indem es die fcharfer Gegenfas zwischen ben ausgesprochen reaktionären dadurch jeder Verkehr mit den Dienststellen Schutzhaft für jeden, der die Sicherheit des Reiches gefährden Elementen und den politisch indifferenten und irregeleiteten An- des gesamten Bezirkes unmöglich gemacht ist. sollte, für gefeßlich zulässig erklärte. In Wirklichkeit aber fonnte dieses Gesetz nichts anderes bedeuten, als die para­graphierte Geseglosigkeit, denn durch diese Einrichtung wurde jemand, der auch nicht die geringste straf­bare and lung begangen hatte, der gegen keines der bestehenden Gesetze verstoßen hatte, nur nach barer Willkür Bropaganda empfänglich su machen. Die Frat.ichem Gebiete fich bewegten und daß sie politi- der Regierung auf unbegrenzte Jahre hinaus hinter Nerter­tion der 1. S..P. D. Arbeiterräte legt daher ickt schen Strömungen feinerlei Einfluß ge- mauern festgesetzt. feinen Wert mehr auf die Aufrechterhaltung währen werden. Es handele sich durchaus nicht um einen Als das Nos keregiment fam, war es eine seiner bes Boykottbeschlusses und wird nicht gegen sogenannten wilden Streif", sondern die Bewegung ersten Maßnahmen, dies unerhörte Schuzhaftgesez wieder den Antrag auf Aufhebung desselben stimmen. liege in den Händen der Organisation. Man zu neuem Leben zu erwecken, Baste- es doch wunderbar in Der Arbeiterschaft der einzelnen Betriebe bleibt es überlassen, werde bestrebt sein, in jeder Weise Schädigungen der Be- die Gewaltherrschaft, mit der dieser an den Schnüren der in Sonberfällen, in denen es sich um Personen handelt, völkerung bezüglich der Lebensmittelversorgung zu ver- Offizierskamarilla tanzende Strohmann das deutsche Volt die sich in besonders brntaler Weise an Aften des weißen Terrors hindern. zu beherrschen sucht. Vergebens haben wir immer wieder beteiligt haben und auch jetzt noch an ihrer arbeiterfeindlichen Nichtsdestoweniger treiben die Politisch- parlamen- bon neuem darauf hingewiesen, daß der Belagerungszustand Gesinnung festhalten, selbständig Stellung zu nehmen. tarischen Nachrichten" ihre Berhebung weiter und er- und somit auch das nur unter dem Belagerungszustand mög flären, daß für den ganzen neuen Kompler der Eisenbahner- liche Schußhaftgesetz durch die Aufhebung der alten Ver­Die 1. S. 3. D.- Arbeiterräte weisen in ihrer Erklärung streiks politische machenschaften einwandfrei" festgestellt fassung, durch die Nevolutionierung des Staatswesens un­P. mit Recht darauf hin, daß die Arbeiterschaft fein Interesse feien. Für diese Behauptungen wird natürlich nicht einmal zulässig und geseblose Maßnahmen geworden sind. Doch einen so großen Geist wie Noste stört das wenig. Hat er habe, die jetzt ins bürgerliche Leben zurückkehrenden Frei- der Versuch eines Beweises gemacht. es doch selbst in der Nationalversammlung zynisch aus­milligen der arbeiterfeindlichen und konterrevolutionären gesprochen, daß sein Recht die brutale Gewalt ist. Belage Agitation zugänglich zu machen. Der Vorwärts" aber, Hannover , 5. Juli. rungszustand und Schubhaft passen deshalb wunderbar in angeblich noch immer ein Arbeiterblatt, hat ein Interesse, Zur Streiflage feilt der Deutsche Eisenbahnerverband mit: fein System. Suchten aber die Schuzhaftbefehle unter dem daß eine derartige Stimmung, die vergiftend auf unser ganzes politisches Leben einwirten muß, unter den Frei- Sur Seit ruht der Betrieb im allgemeinen. Nur einzelne wilhelminischen Regime ihre Anordnungen wenigstens noch willigen Truppen aufrechterhalten bleibt. In einer von Züge verkehren noch. Dem Vernehmen nach wird von heute durch juristische Konstruktionen zu begründen, so verzichtet Herr Noske auch darauf. So heißt es in einem uns vor­unglaublicher Gehässigkeit erfüllten Notiz wendet sich das mittag an alles still stehen. liegenden Schußhaftbefehl: Blatt gegen die gestern von uns veröffentlichten Ausführun­gen des Genoffen Stahlberg, in denen angesichts des Stimmungsumschwunges in den Freiwilligentruppen einer Revision des Boykottbeschlusses das Wort geredet wurde. " Die gerissenen Wölfe"- schreibt der Borwärts" hängen sich jetzt plöblich ein zahmes Schafs fell um, weil die

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Der Verkehr ruht in Hannover .

Erfolge der Leipziger Eisenbahner.

Leipzig , ben 5. Juli 1919. Eigene Drahtmeldung der Freiheit". Seit Mittwoch ist der Leipziger Hauptbahnhof mit Stachel­veränderte politische Situation sie zwingt, sich bei den so draht umzogen und mit Nosketruppen befest. Die Eisenbahner schwer Beleidigten Liebkind zu machen." Die Freiwilligen haben daraufhin bem kommandierenden General erklärt, daß sie sollten nun plöklich verföhnt werden. Doch die Rechnung in einer Bersammlung am Sonnabend, falls nicht bis dahin die merde falsch sein. Die Freiwilligentruppen würden um Truppen und der Stacheldraht entfernt seien, in den Streik eine eindeutige Antwort gegenüber denen, die eintreten würden. Diese Drohung hat genüst, seit fich jest in ihr Vertrauen einheucheln" wollten, nicht ber- heute ist beides entfernt worden. Tegen fein. Daran werde auch der Erfolg des jetzt versuchten taftischen Rüdzugs scheitern.

Das baltische Abenteuer.

Eigener Drahtbericht der Freiheit".

ist revolutionärer Obmann und hat am... lektmalig an der Sihung des Komitees der revolutionären Obleute teilgenommen. Er betreibt öffentlich und im geheimen die Propaganda für sofortige Ergreifung der politischen Macht durch das Proletariat.

... arbeitet mithin am gewaltsamen Sturze der recht­mäßigen Regierung. Unter besonderer Berücksichtigung der gegenwärtigen äußeren und inneren politischen Lage, ist seine Tätigkeit als die Sicherheit gefährdend anzusehen.

Man sieht aus diesen Worten, was der Vorwärts" und feine Partei brauchen. Sie brauchen den Haß, der künstlich in den Truppen gegen die Arbeiter groß gezüchtet wird, fie brauchen den inneren Unfrieden, gegen Libau, 4. Juli. den sie sich sonst mit heuchlerisch mahnenden Worten wen­Vom Zentralfomitee der Sozialdemokratischen Arbeiter. den. Der Versuch der U. S. P. D. - Arbeiterräte, nach dem erfolgten Stimmungsumschwung bei dem größten Teil partei Lettlands wird uns unter dem 4. d. M. aus Libau der Freiwilligentruppen ein erträgliches Verhält- gedrahtet: nis zwischen ihnen und der Arbeiterschaft herzustellen, wird Bei Riga sind die deutschen Truppen gestern geschlagen bom Borwärts" in infamer Weise als Verfuch der Draht worden. Die Stadt ist von den Letten besetzt. Ein Waffen­zieher in der politischen Leitung der Unabhängigen" fich stillstand ist geschlossen. Wenn die deutschen Truppen Lett­billiges Stimm- und Aktionsbieb" zu ver- land nicht sofort verlassen, drohen weitere Kämpfe. Wenden hängig ist. fchaffen umgelogen. Diese Behauptung fennzeichnet den Sie alles auf, um das schändliche Abenteuer der Militär­bolitischen Tiefftand, auf den das Organ der rechtssozia- kamarilla zu liquidieren. J. A.: Dr. F. Mender.

So verantwortungslos rechtfertigt ein sozialistischer Minister einen Schutzhaftbefehl! Wo bringt dieses Machinert den Beweis, der juristisch für die Verhängung der Schutz­haft notwendig ist, daß der Verhaftete g ewalsam am Sturze der Regierung gearbeitet habe? Etwa weil er für die Ergreifung der politischen Macht durch das Proletariat gefämpft hat? Noste weiß freilich nicht mehr, daß gerade dies das Ziel jedes auf dem Boden des Erfurter Programms stehenden Sozialdemokraten ist. Er will auch nicht mehr wissen, daß auch er einstmals selber für dieses Ziel einzu treten vorgab? Eine gewaltige Ueberschäzung, die von seinen eigenen Stüßen mit hämischem Lächeln aufgenommen wird, ist es schließlich, zu behaupten, daß die Sicherheit des Reiches von dem Fortbestande der jetzigen Regierung ab.

Wie in der Begründung solcher unerberten Berhaftungen mit dem Rechte gespielt wird, so