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Montag, den 20. Oktober 1919

Nr. 506/ A 276 Morgen- Ausgabe

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Freiheit

Berliner Organ

Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Einigung im Elettrizitätsarbeiterstreit.

Unschauungsunterricht.

Roste verbietet Noste erlaubt! In buntem Wechsel jagen sich Befehl und Gegenbefehl. Und im Wirrsal der Erscheinungen wird es den journalistischen Taschenspielera

Die Bedingungen zur Arbeitsaufnahme. So wird auch mitgeteilt, daß das Erscheinen der Technischen leicht, Wahrheit in Lüge zu wandeln.

Nothilfe" die Arbeiter der Berliner Bostfuhrämter zur Auf- Der Streik der Metallarbeiter geht zu Ende. Wie er nahme der Arbeit veranlaßt habe. Auch diese Behauptung wünscht allen Scharfmachern dieser Streif war, und wie un. ist unwahr. Hier ist die Beendigung des Streits wie noch in bequem ihnen dieses Ende ist, zumal es einen Teilerfolg einigen anderen Fällen auf Beranlassung der Fünfzehner der Arbeiter bedeutet, zeigen die Begleiterscheinungen der fommiffion erfolgt. Wir fordern unsere im Ausstand be- legten Kampfesphase. Die bürgerliche Breffe führt ein leg findlichen Kollegen nochmals dringend auf, solchen Falsch- tes Aufgebot von Berdrehungen und Fälschungen ins Felo, meldungen feine Bedeutung beizulegen, oder sich irreführen und die Regierung benutzt das Stadium der um durch scharfe zu lassen, der Zwed dieser Machenschaften ist, die Arbeiter- Friedensverhandlungen, fchaft irrezuführen. Maßnahmen gegen die Streifenden und durch den völlig un­nötigen Einsatz von technischen und militärischen Sicherheits­truppen einen legten Versuch zur Erschütterung der Ar­beiterfront und der ruhigen Sicherheit der Kämpfenden zu machen.

Die Fünfzehnerkommission. Gewerkschaftskommission der Gewerkschaften Groß- Berline.

Gestern, Sonntag, tagte in der Stadthalle eine Betriebsverfammlung sämtlicher im Streit befindlicher Ar­beiter der Städtischen Elektrizitätswerfe. Der Bevollmäch tigte des Maschinisien- und Heizerverbandes gab einen aus führlichen Bericht über den Verlauf der Verhandlungen, die infolge der Verhaftung verschiedener Funktionäre stattge funden haben. Er teilte mit, daß das Reichsministerium ge­willt war, die Enthaftung sofort vornehmen zu lassen, sobald die Arbeit aufgenommen würde. Die Direktion des Städti fchen Elektrizitätswertes machte es jedoch zur Bedingung, baß verschiedene Entlassungen vorgenommen werden müßten, um die Nuhe in den Betrieben wieder her­Bustellen. In 5 Punkten versuchten die Direktoren die Sir- Auf die gestrige Mitteilung der Streifleitung des beiterschaft festzulegen. Von den Vertretern der Arbeiter Metallarbeiterverbandes, daß, weil die Zulage wegen Bu­fchaft wurde es jedoch abgelehnt, auf die Bedingungen ein. rüdziehung der Techmischen Nothilfe nicht gehalten worden zugehen. Nach 5stündigem Berhandeln zwischen der Di- sei, die Wiederaufnahme der Arbeit der Maschinisten und rektion und der Verbandsleitung der Wajd, nisten und Seizer tam folgende Vereinbarung über die Sedingungen zur Wiederaufnahme der Arbeit zustande:

1. Die Arbeit wird in vollem Umfange von allen bisher be­schäftigten Arbeitern wieder aufgenommen.

2. Eine Belästigung derjenigen Arbeiter, die während des Etreits gearbeitet haben, findet nicht statt. 8. Gegen die tarifliche Bezahlung derjenigen Personen, die während des Streits gearbeitet haben, werden keine Einwendun gen erhoben.

*

Beizer nicht erfolgen fonnte, fendet uns das Oberkommando Roste folgende Berichtigung:

Auf Grund des§ 11 des Reichspressegesebes vom 7. 5. 1874 werden Sie ersucht, folgende Berichtigung aufzunehmen:

Die von dem Berrn Oberbefehlshaber am 17. 10. abends an die Vertreter der Fünfzehner- und Gewerfichafte- Kommission gc­machte Zusage lautet:

Ich erfläre: Sowie die Maschinisten die Arbeit in Sen lebensnotwendigen Betrieben aufnehmen, fällt meine Berfügung bon heutigen Tage fort. Zu gleicher Zeit wird die Rothilfe zurüdagogen."

Die aufgestellte Behauptung Die gegebene Busage ft nicht gehalten, die Technische Nothilfe macht also die Wiederaufnahme der Arbeit unmöglich" ist mithin tatsächlich unrichtig. Won seiten des Oberkommandos der Chef des Generalstabes b. Oldershausen, Generalmajor.

Der neueste Noste- Erlaß.

4. Das gegen einzelne Arbeiter vorliegende Belaftungsmate­tial wird geprüft werden. Ist nach dem Ergebnis der Prüfung leine Beilegung des Streitfalles möglich, so sind die Entscheidun gen der Direktion oder des Magistrats einem Schlichtungsaus schuß zu unterbreiten. Dieser seht sich aus drei von der Diret tion bzw. dem Magistrat und drei von den Arbeitnehmern des Et. E. W. zu benennenden nichtbeteiligten Vertretern unter bem Borsitz des Magistratsrats b. Echula zusammen. Der bom Schlichtungsausschuß gefällte Spruch ist für beide Teile bindend. 5. Eine Bezahlung der Streiftage wird nicht gefordert. Auf Grund des§ 9b des Gefeges über den Belagerungs­6. Es wird für die Zukunft festgestellt, daß bei Streits die auftand verbiete ich für das unter Belagerungszustand stehende Ge­Arbeiter nur die Arbeit niederlegen bzw. den Betrieb verlassen, biet- Landespolizeibezirk Berlin , Stadtkreis Spandau, Landkreis nicht dagegen irgendwelche über ihren Pflichtfreis hinausgehende Teltow und Niederbarnim jebe wirtschaftliche Bedrohung und Schädigung( Boykoit) der Angehörigen der Technischen Nothure Eingriffe in den Betrieb vornehmen. und ihrer Familienmitglieder, sowie die Aufforderung und An­reizung zum Boykott.

7. Sobald die Arbeiterschaft die borstehenden Bedingungen angenommen hat, wird die Direktion der St. E. W. von der An­nahme der Bedingungen dem Reichswehrminifter unverzüglich Mitteilung machen. Ebenso verpflichtet sich die Direktion, der St. E. W. dem Reichswehrminister die Aufnahme der Arbeit in dem Betrieb unverzüglich mitzuteilen, damit gemäß den zwischen dem Reichswehrminister und der Arbeiterschaft getroffenen Ab machungen die Entlassung ber berhafteten Arbeiter erfolgen kann. Diese Bedingungen wurden nach kurzer Debatte gegen 8 Stimmen angenommen. Die Arbeiterschaft hat mit der Annahme diefer Bedingungen erneut ihre Bereitwilligfeit fundgetan, die Konfliktstimmung nicht zu steigern. Die Ar. beiterschaft ist aber auch fest entschlossen, falls diese Bedin­gungen von der Direktion der Städtischen Elektrizitätswerte nicht gehalten werden, fofort ihre Maßregeln wieder zu treffen.

Die Arbeit wurde gestern um 10 Uhr wieber auf­genommen.

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Bekanntmachung der Streifleitung.

Von verschiedenen Stellen werden allerlei Nach richten über die Wiederaufnahme der Arbeit in die Breffe gebracht, die den durchsichtigen Awed verfolgen, die Deffent­lichkeit und vor allem die Streifenden irreguführen. Aus diesem Grunde geben wir nochmals folgendes bekannt:

Berlin , 19. Oftober. Der Oberbefehlshaber( gez.) Noste erläßt fol. gende Verordnung:

Ferner verbiete ich die öffentliche schriftliche Beschimpfung oder Bedrohung der Technischen Nothilfe in der Bresse, in Flug.

blättern und Broschüren.

Buwiberhandlungen find auf fdineffiem Mege zur Kenntnis des Oberkommandos( Abteilung Ic, Wendierstraße 13) zu bringen. Sie werben mit Gefängnis bis au einem Jahre bestraft, falls die bestehenden Gefeße teine höhere Freiheitsstrafe anbrohen.

Roske berbiebet den Streit der Maschinisten und Seiser, gesteht aber bald darauf die Zurückziehung der Tech­nischen Nothilfe" zu, falls die Maschinisten und Heizer die Arbeit in den lebensnotwendigen Betrieben wieder auf­nehmen. Die gewünschte Zusicherung kann durch die Streil leitung und die Bertretung der Berliner Gewerkschaften leicht gegeben werden, da ohnehin nie die Absicht bestand, wirklich lebenswichtige Betriebe durch den Streit stillzulegen.

Noste aber behält Geise In in der Sand. Er hal einige Arbeiterführer berbaften lassen und gibt sie nicht heraus oder, was wichtiger sein dürfte, feine Gehilfen ge ftatten die Enthaftung ihrer Opfer nicht. Die Arbeiter machen die Entlassung der Verhafteten zur Bedingung für die Aufnahme der Arbeit auf der ganzen Linie, halten ich aber strengan diegegebene Zusicherung die Arbeit in den lebenswichtigen Betrieben sofort aufzu­nehmen.

Ein neuer Konflikt droht, und freudig stürzt sich die ganze Bresse auf die Beute. Mit dem schnellen Rüdzin Nostes ohnehin höchst unzufrieden, wittert sie eine neue Ge­legenheit zu gefteigerter Sete gegen die Gewerkschaften Noske fann sich in den Unterredungen mit den Ge werkschaftsführern deren Argumenten nicht entziehen. Es waren einst in früheren Tagen, die, obwohl er bedauert, fie gelebt zu haben, doch seine besseren Tage waren feine eigenen Argumente. Er gibt nach, um jedoch bald nach der Entfernung der Arbeitervertreter anderen Einflüssen unterworfen zu sein, die von neuem an den starken Mann in ihm appellieren. Und darum verkündete am Sonnabend Abend die zuständige Stelle", daß alles nicht wahr sei, dak Noske die Technische Nothilfe" nicht zurückziehen werde, bevor nicht die Aufnahme der Arbeit in allen städtischen Betrieben vollkommen durchgeführt sei.

Dieses innere Schwanken der Regierung fam nie fo deutlich an den Tag, wie bei ihrer Einmischung in der Metallarbeiterstreit. Und es ist nirgends so gefährlich und so begreiflich, wie in sozialen und ökonomischen Fragen. Mit diesem Erlaß wird den Gewerkschaften er. Eine Roalitionsregierung, in der die Parteien der neut der Rampfangejagt, denn die Gewerkschafts- Bourgeoisie das entscheidende Uebergewicht Commiffion der Groß- Berliner Geverfidhaften bat ihren bat, ift in allen Fragen der Sozialpolitif entweder unpro­Mitgliedschaften den Ausschluß derjenigen Mitglieder, die duktiv oder reaktionär. Der blaffe Schimmer von fich der Technischen Nothilfe zur Verfügung gestellt baben, fosialem Gewiffen, der diesem und jenem Rechtsjozialisten empfohlen. Ob sich die höchsten Gewerkschaftsinstanzen end- in der Regierung geblieben sein mag, wird erstickt durc lich in Beweguna feben, um diese stete Bedrohung der den arbeiterfeindlichen Willen der Bürgerlichen . Und die Arbeiterrechte abzutvehren?

Feigheit oder Scham?

Der Bortvärts" bringt in feiner Sonntag rüban3. gabe die Mitteilungen der Technischen Nothilfe. Es heißt da: Viele hundert Arbeiter haben sich bei der Tech nischen Nothilfe gemeldet, um die Stillegung der lebens­wichtigen Betriebe zu verhindern.

Feindschaft der Bourgeoisie gegen die Arbeiterschaft und ver aellm gegen eine tatkräftige Gewerkschafts­bewegung war nie heftiger als jest. Es gilt, die Ar­beiterschaft wieder aus allen ihren durch die Revolution ge­vonnenen Bofitionen zu verdrängen und die Organisationen At fchwächen, damit fie unfähig merden, die Streise der fieberhaft am Wiederaufbau des Rapitalismus in feiner zu stören. Darum ist ihnen eine Gewerkschaftsbewegung an­gangen vornovemberlichen Größe arbeitenden Unternehmer Nun ist die Feststellung intereffant, das es in der Mel- genehm, die durch die Mitarbeit in den Arbeits­gemeinschaften auf den grundfäßlichen Kampf gegen dung der Technischen Nothilfe heißt: Auf den Aufruf den Sapitalismus beraidytet und die Gewerkschaften felbſt Alt der Berliner Parteileitung der sozial- nstrumenten der Wiederherstellung des deutschen Wirt­demokratischen Parteihin haben sich gestern viele daftslebens" im Sinne der Unternehmer erniedrigen. Eine Gewerkscha isbewegung aber, die bei voller Be­Verschämt unterschlägt der Vorwärts" diese rücksichtigung der Bohnfämpfe des Tages doch ein Teif einleitenden Worte der Meldung. Ist das nun ein Reit der großen Laffen bewegung des Profetariats bleibt und von Scham oder ist es Feigheit? In derselben Nummer des fich ihrer Pflichten acgenüber der Arbeiter flaise bewukt Borwärts", zwei Spalten vorher, preift er nämlich den ist, ist dem Kapital gerade in dieser Seit io verhaßt wie Aufruf des Berliner Bezirksvorstandes der S. 2. D. als die Peit. hochherzige Parteinahme für die bedrohte Bevölkerung". Sie zabpeln sich ab, die armen Vorwärts"-Männer. um es ihren Genoffen in der Regierung recht zu machen. Wir be­dauern die Ohrfeigen nicht, die sie sich dabei selbst verjeten.

Hunderte usw.

Die Wiederaufnahme der Arbeit darf nur auf Beschluß und An, rdnung des Ausschusses der Berliner Gewerkschafts­fommiffion und der Fünfzehnerfommiffion erfolgen. Um die Einheitlichkeit der Bewegung nicht au gefähr­den, erjuden wir alle Organisationen, Arbeiterräte und Arbeitsgemeinschaften. felbständige tionen nicht zu unter­nehmen. Alle diesbezüglichen Schritte find nur auf Beschluß und im Einoernehmen mit der Fünfzehnerfommiffion au unternehmen. Die in der bürgerlichen Breffe verbreiteten Berichte der Technischen Nothilfe" über ihre Tätigkeit sind unwahr. Es wird behauptet, daß nach Eingreifen der Tech nischen Nothilfe" die Arbeiter einzelner lebenswichtiger Be­Aisha fish aenötigt jaben, die Arbeit wieder aufaunehmen. Sie verdienen es nicht beffer..

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Darum bekämpft sie diese Gewerfiaftsbetvegung mit allen Mitteln. Jeder große Streit ist den Vertretern des seapitals daher eine willkommene Gelegenheit, die Macht­mittel des Staates gegen die Streifenden in Anwendung zu bringen. Da au brauchen fie die Bünen ihrer Breile über

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-Ebert- St