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Einzelpreis 15 Pfennig 2. Jahrgang
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Freitag, den 7. Tovember 1919
fr. 540/294 Morgen- Ausgabe
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greiheit
Auflösung des Vollzugsrats.
Auf Linsingens Spuren.
Der Oberbefehlshaber( gea. Stoske) erläßt folgende BeLanntmachung:
Der Bollzugs: at ber Arbeiterräte Groß- Berlin bat forigefeht feine durch die bestehende Verfaffung des deutschen Reiches nicht begründete Stellung dazu benust, um Unruhen und Zwicspalt in die Reihen der besonnenen Arbeiterschaft zu tragen. Er hat durch den Aufruf„ Au die Berline: Arbeiterschaft" in der Morgenausgabe der Freiheit" bom
hohen Gefängnisstrafen verurteilt waren, foll diese Strafe bis auf fünf Jahre Saft ermäßigt werden. 3u ber Begründung des Erlasses heißt es, die Sowjetregierung sei im Stampfe gegen alle Feinde der Revolution anfangs su fo strengen Maßnahmen gezwungen gewesen, jetzt fühle fie fich aber start genug, um auläßlich des zweiten Jahrestages der Revolution eine Amnestie au erlassen.
Wir fordern Umnestie.
Theater.
Bon Rich. Breitschefd.
Ms der Staatssekretär 3 immermann geitern die Sigung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusjes verließ, faßte er seine Gefühle einem Bekannten gegenüber fo laut, daß es umstehende hören konnten, in das Wort zu fammen: Das ist ein Theater!"
wegs übel, denn seine Burschikosität ist der sympathischste Wir nehmen Herrn Bimmermann diefes Wort feincs Bug an ihm, und außeidem trifft ja seine Charakterisierung des Verfahrens bis zu einem gewissen Grade zu. Er hat cans recht: es gibt Momente, in denen der Prozeß wie eine Bosse wirkt. Besonders dann, wenn, wie es immer wieder
& 11. 1919 unter wahrheitswidriger Begründung zum politisajen Ein Jahr ist verfloffen, feit das deutsche Proletariat geschieht, Serr von Bethmann aus der Stolle des Zeugen Generalstreit gehezt und aufgefordert. Durch dieses Treisen aufstand, um den alten Klaffenstaat zu zerbrechen. Frei- in die des Verhandlungsleiters und des Verhandlungs bildet der Vollzugsrat eine unmittelbar brabende Gebeit, hoffte es, würde die Boltsvegierung bringen, fritifers übergeht und auseinandersetzt, wie die Verfahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Auf Grund Gleichheit sollten die Männer schaffen, die selbst aus nehmung zu gestalten sei, und welche Funktionen er zu bes 8 9 des Gefeges über den Belagerungszustand wird daher im dem Proletariat hervorgegangen find, Brüderlich feit erfüllen habe. Interesse der ä.tlichen Sicherheit hiermit der Bollzugsrat der erwarteten wir von denen, die früher mit uns gelitten Arbeiterräte Groß- Berlin für aufgelöst erklärt. Jeglie haben. beitere Zätigkeit, weldjer Art und welchen Inhaltes sie
Ein Jahr lang haben die Sozialberräter nichts getan, Jei, wird hiermit verboten. Zuwiderhandlungen gegen dieses als die Ungleichheit befestigt, ein Jahr lang haben sie die Berbot werben mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft, sofern Gemeinschaft des Kapitalismus und des Militarismus nach den bestehenden Gefchen eine höhere Strafe nicht vergegen das Proletariat gestärkt, ein Jahr lang idhon mährt
wirft ift.
Ein Jahr, nachdem der Oberbefehlshaber in den Mar
Die Unfreiheit!
So geschah es auch gestern wieder. Der Vorsitzende, den feine Kollegen scheinbar ein wenig scharf gemacht hatten, ridytete ungepöhnlich eindringliche Fragen an den Kanz fer. Er ließ seine übliche Erklärung, er kenne die Aften nicht, und tonne sich nicht entsinnen, ausnahmsweise nicht relten, und meinte, daß in dem wichtigen Bunkie, der zur Erörterung stand, das Gedächtnis des Beugen nicht verUnter dem Protektorat ber Stechtssozialisten füllten jagen fönne. Diefer aber hielt eine lange Stede. in der er ich die Suchthäuser und Gefängnisse mit Tausenden Re auseinanderfekte, daß er cigentlich nur eine Silfsperson polutionären, die den Segnungen der sozialistischen Re- für den Ausschuß sei, daß er nur über die allgemeinen bublik zum Opfer fielen. With us baftbefeben Motive feiner Bolilit Muskunft zu geben habe, und das und den Schreden surteilen der bürgerlichen er feine flicht als erfüllt betrachte, wenn er eta bor. laffenjuftiz mütete die Regierung unter den Vorfämpfern handene Rüden in den Aften gelegentlich durch Mitteilun der Revolution. Und doch haben sie nichts übertreien, was nen ergänze. Herr Warmuth gab dann natürlich aulegt nicht die Regierung und Hunderttausende in den Novem- Flein bei, und es bedurfte des Eingreifens bon star bertagen auch miẞachtet haben, bie längst scrbrochenen Cohn, der im Widerspruch zum Vorsitzenden das Teat Nedytsformen des alien Staates. dcs Ausschusses feststellte, sich nicht nur aus den Dofumer ten, sondern gerade durch das Verhör der Beugen in Bild bon den Gefchehniffen zu machen.
len, bon Sinfingen, erfolglos die Bildung von Arbeiter und Solbatenräten berboten hat, folgt Noste jeinen Spuren und loft den Bollzugsrat auf. Auch die Begründung ist dieselbe. Zerartige Einrichtungen", so schrieb Linsingen, stehen mit ber bestehenden Staatsordnung in Widerspruch und gefähr ben die öffenliche Sicherheit." Aber so wenig wie infingen ben Sturz des alten Stegimes mit feiner Berordnung hat aufhalten fönnen, so wenig wird Noske erreichen, daß der Sampf der Arbeiterklasse gegen wirtschaftliche und politis Ein Jahr schon herricht die Gefeßlofigkeit. Jetzt ist es Entrechtung ein Ende nimmt. Nostes Berbot ist völlig genug! Das deutsche Proletariat fordert feine Brüber zu acieklos, es ist ein Ausfluß der Wintür, des gefeßlosen rüd. Die Regierung, die sich felbft sozialistisch nennt, mache Belagerungszustandes, durch den die Stechtssozialisten die am Jahrestage der Revolution endlich Ernst mit der Be Gerrichaft des Bürgertums über die rfreiung derer, die Opfer des revolutionären laffenkampfes geworden find.
beiterflaffe aufrechterhalten.
Aber daß dieses Berbot dem Rinsingens aufs Haar gleicht, zeigt die Rolle der Rechtssozialisten in bengalischer Beleuchtung. Sie sind an die Stelle des Linsingen getreten, fic schützen den Rapitalismus und liefern ihm die Waffen, mit denen er die Arbeiterschaft weiter tnebeln kann. Das
geschlossen. Man siehe die Bilana: Der erste Jahresring der deutschen Revolution hat fich Amnestie für alle politischen Gefangenen!
Bürgertum hot feine befieren Süter als die stene. Die VermittlungenzurBeilegu.gdes ametitanischen
gaten, die das Interesse ihrer Klasse schmählich verraten haben.
Berhaftungen und Belegungen.
Ins wird mitgeteilt: Cestern mittag gegen 2 1hr erschienen In den Räumen des Bollzugsrates, Münzstraße 24, Kriminal. beaute und eine größere Anzahl Sicherheitspolizisten. Sie durch fuchten alle Schränke und Schreibti de und beschlagnahmten jämt liches Aftenmaterial. Bon ben Bollzugsratsmitgl ebern mar uur ber Genosse Wegmann anwesend, der verhaftet wurde. Als er noch in sein Zimmer zu gehen versuchte, murde er tätlich ange. griffen, und als er beim Leutnant darüber Beschwerde führen wollte, stich ihm ein von einem Kriminalbeamten herbeigerufener Scherteitspolizist mit dem Gewehrkolben in den Rüden. Sämt. liche männliche Angestellten des Bolzugsrates und andere Au wesende wurba ebenfalls verhaftet. Die weiblichen Angestellten tonuten nach der Durchsuchung das Bureau verlassen.
Bergarbeiterfireils gefchei ert.
H. N. Washington, 6. November.
Die Regierung behandelte den Borschlag der Arbeiter zur Beilegung des Streifs. Sie weigerte fid, bas bereits er laffene Streitberbot aufzuheben. Die Arbeiterführer erklärten baraufhin, daß diese Weigerung die Verlängerung des Stampfes bedeute. Auf beiden Seiten ist durch das Scheis tern der Vermittlung große Erbitterung entstanden. Die Regierung berlangt, baß bie Bergarbeiter die Arbeit wieder aufnehmen müssen, ehe an eine Bermittlung gedacht werden kann. Nachdem nunmehr an eine Beendigung des Etreite vorläufig nicht zu denten ist, hat die Stegierung fich auf einen langen Stampf vor bereitet. Sie hat alle Roblenborrate befahlagnahmt. Wilson hat durch Vermittlung des Gerichtshofes dem Stolen fontrolleur die Befugnisse erteilt, bie Stohlenpreise feitguießen. Dieser hat an das Bublifum die Mahnung gerichtet, beim Ber brauch von Kohlen recht sparsam zu sein. Die Arbeitgeber nehmen an, daß die Bergleute nachgeben und teilweise zur Arbeit zurüdfehren werden. Die Arbeiterführer ettlären dagegen, daß die Front feit geschlossen bleibe.
Es wird uns ferner mitgeteilt, daß auch brei Mitglieder ber Fünfzehner.ommission, bie gerade die Münsdrate entlang tamen, verhaftet und gleichzeitig mit den Ange. stellten des Vollzugsrats zum Polizeipräsidium gebracht wurden. Ein Teil der Verhafteten tonnte nach Feststellung der Berfonal.en ,, Nicute Courant" meldet, daß die amerikanische Regie. im Polizeipräsidium mieder gehen, die Angestellten des Bollzugs. rats und die Mitglicher der Fünfzehner Commission wurden in cung sich auf einen langen Rawpf mit den Berg
Saft behalten.
arbe.teru borbereite
Haag, 6. November.
Nachträglich erfahren wir, daß die Verhaftung des Genoffen Wegmann nicht geglüdt ist, clensowenig die Festnahme der Genossen Ernst Däumig und Richard Müller , bei benen schon in aller Frühe Kriminalbeamte erschienen waren. Bei dieser Gelegenheit wurden aber alle Schubfästen in den Woh- Republikaner tei den Wahlen in den Bereinigten Das Reutersche Bureau meldet aus Washington, daß die uungen durchstöbert, ohne daß es gelang, irgend etwas zu finden. Staaten zahlreiche überraschende Erfolge davongetragen
Cin Umnestieerlaß der Sowjefregierung.
$. N. Mostau, 6, November. Der Sentral- Bollzugsaussajuk beschloß für alle Gefan genen, bie feine Gefahr für die Arbeitertlaffe bebeuten, freigulaffex Berfonen, bie für fhmere Ber when mis Beridörungen gegen bie Sapietregierung
haben.
Petersburg außer Gefahr.
Selfingfors, 6. November. Nachrichten aus Beters burg zufolge erließ Trogti einen Tagesbefehl, in dem er erklärt, daß der Feind aus der Umgebung ber Saupstadt vertrieben and bis sate Sauptaht außer Gejahs if
Dezember 1916 und im Januar 1917 die Oberste ceres Es handelte sich um die Frage, ob Bethmann Ende leitung und den Admiralstab bon den fortge egben rie Sensbemühungen Wilsons, über die Graf ernstorff be richtete, auf dem Laufenden gehalton Carte. Khre Beantwortung war um so wichtiger, ais cin Tels gramm vom 25. Dezember vorliegt, in dem der General Rudendorff dem König von Griechenland melden läßt: to aller& riebensschalmeien
wird der Krieg mit allen Mitteln weitergeführt." Diese Depesche läßt den Schluß zu, daß die Oberste HeeresIcitung über den Vermittlungswillen des amerikanischen Bräsidenten entweder nicht informiert mar, oder daß sie sich nicht im geringsten um sie fümmerte. Ob das cine oder das andere der Fall gewesen ist, kann einstpeilen nicht aufgeklärt werden, da Serr von Bethmann ftreitt. Denn in den Arten findet sich keine Mitteilung harüber, ob und inwieweit von Berlin aus auf irgendeinem Wege die Oberste Heeresleitung ständig in Kenntnis gesetzt worden ist.
Dafür aber läßt sich eine andere wichtige Tatsache ants ihnen entnehmen, die nämlich, daß der Staatsjefretär Bimmermann in derselben Beit die Friedens. bemühungen Wilfons bei dem deutschen Botschafter in Wien fyftematisch in MisFredit gebracht hat. Seine Abneigung gegen Amerifa und den Präsidenten tommt immer wieder zum Ausdruck, und zwar in einem Moment, wo dessen Stote, auf Deren Erlaß Deutschland so großes Gewicht gelegt hatte, noch nicht einmal beantwortet war.
Woher diese Stimmung des Staatssekretärs rührte, fucht Ostar Cohn durch einige Fragen über Berichte des deutschen Generalfonfuls in New York herauszubekommen. Bon diesem Generalfonful wissen wir, und zwar wissen wir es nicht nur aus den widerwilligen Auskünften des Serrn Simmermann, daß er cine Politit trieb, die der des Botschafters zuwiderlief, und daß er dementsprechend auch an eine Stelle des Auswärtigen Amies berichtete. Ob Korpsbruder des Herrn Bimmermann gewesen ist, fönnen es wahr ist, was behauptet wird, daß der Generalkonsul der wir nicht nachprüfen. Jedenfalls hat dieser dem Freunde in New York mehr geglaubt, als dem amtlichen Vertreter Deutschlands , und er hat sein Handeln, das den Absichten Bethmanns ihre Ehrlichkeit vorausgejezt zuwiderlief, nach den New- Yorker Auffassungen und Darstellungen ein gerichtet.
Auf die zweifelhafte Quelle feiner Wissenschaft aufmert fam gemacht zu werden, ist ihm natürlich recht peinlich, und er herfunt feinen Serrn und Meifter Bethmann an imis