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Sonnabend, den 15. November 1919

Nr. 555/ B 253 Abend- Fusgabe

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greiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Neuer Zwischenfall im

*

Untersuchungsausfdjuß.

Vorsitzender Abg. Warmuth eröffnet die Situng um 10% Uhr and stellt fest, daß in einem Teil der Presse bei der Wiedergabe der Erklärung des Ausschusses ein Irrtum unterlaufen ist. Es muß heißen: Werturteile von Nicht mitgliedern des Ausschusses find für den Ausschuß nicht maßgebend. Der Vorsitzende nimmt dann Bezug auf die Ausführungen bes Reichsministers Dr. David über die Interventionsversuche einer neutralen Macht. Er stellt fest, daß die Verhandlungen barüber, die in geheimer Sigung erfolgen, erst in den An­fängen stehen und noch keineswegs abgeschlossen sind, so daß es nicht möglich ist, nach dieser Richtung bin ein abschließendes Urteil zu fällen. Es liegt zunächst nichts weiter vor als das Material in wenigen Bruchstücken. Er warnt daher, weiter gehende Schlüsse daran zu knüpfen.

Probleme der Gewerkschaftstattil.

Die gewerkschaftlichen Bewegungen und Kämpfe der letzten Monate haben gezeigt, daß die Unternehmer den auf das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter in den Betrieben ge­richteten Forderungen weit heftigeren Widerstand entgegenseßen, als den üblichen Lohnforderungen. Das lehrt das Schicksal des Reichstarifes der Holz­Vorsitzender Warmuth: Ein intensives Drängen des Präfiarbeiter, der von den Unternehmern abgelehnt wurde,

handen?

Helfferich will dem Genoffen Cohn nicht denten Wilson, den Frieden herbeizuführen, war wohl nicht vor, weil er das Mitbestimmungsrecht und einen Einfluß der mehr antworten. Dr. Helfferich: Ich war schon damals ffeptisch, Positives Organisation auf die Regelung der Lehrlingsausbildung kann ich aber unter meinem Eide hierüber nicht aussagen. Nach forderte; das sehen wir am Kampf der Berliner In der Situng des parlamentarischen Untersuchungs- den Gefahrungen des ersten Ariegsjahres habe ich die aufrichtige Metallarbeiter, der furz vor seinem Abschluß in ausschusses ist es heute vormittag zu einem bemerkens- Neutralität Wilsons und der amerikanischen Regierung fehr ein neues fritisches Stadium trat, weil die Metallindustriel­werten Zwischenfall gefommen. Auf eine Frage, steptisch beurteilt. Wenn ich dem U- Bootkriege widerraten len das Recht der Vertrauensleute anzutaften wagten; das die Genosse Oskar Cohn an den Beugen elfferich babe, so fchah es, weil ich eine verhängnistolle Steigerung unfe- fehen wir ferner an dem erbitterten Kampf der geschlossenen richtete, um, wie er sich ausdrüdte, bei dieser Gelegenheit zer Sajädigung durch Amerika befürchtete. Mein Vertrauen auf Unternehmerfront gegen das Betriebsrätegeset. Wilson war nach der Lansing- ffore restlos erledigt. Ich hatte die Methodik der Aussagen des ehemaligen Bizelanzlers zunächst mit der Tatsache des Beschlusses in Pleß zu rechnen, um Der Grund für diesen rücksichtslosen Widerstand liegt festzustellen, erklärte diefer gegenüber dem Vorsitzenden, Sie ich nicht herum fonnte, wenn ich nicht durch meinen bichicb darin, daß ein Erfolg der Arbeiter in der Richtung auf eine daß er prinzipiell Fragen des Abgeordne- nuzios bagegen demonstriert hätte. Eine zweite neue Tatsache wirksame Betriebsdemokratie nicht nur wie ein Lohn­ten nicht beantworte. Bei einem gewöhnlichen wa: die, daß der Reichskanzler mie die definitive Antwort der erfolg- den Profit der einen oder anderen Indu­Gerichtshof würde er Dr. Cohn als Zeugen ablehnen. Hier Entente entgegensielt. Wenn ich Wilson gewesen wäre, bätte ich striegruppe trifft, sondern die Machtposition beschränke er sich darauf, seine Frage unberücksichtigt zu fie als unverschämt angesehen, da sich die Entente eine Gleider Kapitalistentiafie im Produktions­Taffen. Der Vorsitzende belehrte den Zeugen dahin, daß es tellung mit den 8entralmöchten perbat, ta doch proses berührt. Während in den reinen Lohnkämpfen nicht angängig sei, einen solchen Standpunit einzunehmen. eine Vermittlung nur unter Bleichen möglich ist. Aus biefer in der Mehrzahl der Fälle lediglich einzelne Unternehmer­Antwortnote ging auch herpor, baß die Entente eine Vermittlung, Herr Helfferich verblieb aber bei seiner Ablehnung und er- in ber uns Borzeile zugebilligt mursen, niat afsetieren würde. gruppen einzelnen Arbeitergruppen als Arbeitnehmer und fläche, daß er auf Wunsch auch die Gründe angeebn werde, Das hat selbstverständlich auch auf mich gewirft. Das nächste Arbeitgeber" gegenübersiehen, ist der Kampf um die Rechte die ihn zu feiner Haltung bestimmten. Der parlamentarische Stadium der Entwicklung war die Senatebotschaft Wilsons vom der Betriebsräte stets ein Kampf Klasse gegen lajie, Untersuchungsausschuß zog sich hierauf zu einer Beratung 12. Januar, und die hat meine Ueberzeugung, der ich im Reichs auch dann, wenn er zunächst nur in einem Industriezweig und Beschlußfassung über diesen Gegenstand zurüd. tag Ausbrud gegeben habe, vollendet. geführt wird. Sind die Forderungen, für die die Arbeifer Vorsitzender Warmuth: Waren Sie der Ueberzeugung, daß auf den Schanzen stehen, wirklich ernsthafter Natur, dann die öffentliche Meinung Amerikaz durchaus nicht auf Seiten Deutschlands stand? Graf Bernstorff hat uns gejaat, Wilson wird sich die gesamte Unternehmerklasse stets hinter ihre un­habe eigentlich nichts unternehmen können, er habe ich immer mittelbar bedrohten Niassengenossen stellen, um den Ein hinter die öffentliche Weinung Amerikas stellen müssen. Waren bruch in die Front der Kapitalistentlasse abzuwchren. Ihnen diese Verhältnisse bekannt und haben sie auf Ihre Auf- Werden irgendwo Kämpfe dieser Art geführt, so muß fajjung bestimmend eingewirkt? Nach Ansicht des Grafen Bern sich die Arbeiterklasse stets nach dem Beispiel der storff hätte von der amerikanischen Regierung in der Preffe Unternehmer bereithalten, der fämpfenden Gruppe beizu und bei Schaustellungen. z. B. finematographischen, viel mehr springen, sofern die Situation günstig und von einer Sym­geschehen müssen, um auf die amerikanische Psyche einzuwirken. bathiebewegung ein Erfolg zu erwarten ist, womit die Binche Dr. Helfferich: Die Stimmung in der amerikanischen Ge­schäftswelt habe ich gekannt. Ich konnte nicht annehmen, daß Möglichkeit einer großen Ausdehnung der Kämpfe ein Land angelsächsischer Natur uns geeigneter fein fönne als häufiger als früher gegeben ist. unserm angelsächsischen Hauptfeinde, ter eine unerhörte, schauder. Das Unternehmertum, das die Situation erkennt, macht hafte Lügenpropaganda gegen uns trieb und dabei vollständig den Versuch, die Gewerkschaften vom Boden des Klaffen­freien Spielraum hatte. Wir konnten nichts dagegen unterneh tampfes hinwegzuloden. Es nähert sich den Gewerkschaften, Darauf wendet der Borsibende sich an den Staatssekretär men. Die amerikanische Regierung hat uns gegenüber nach verbündet sich mit ihnen zu Arbeitsgemeinschaften", zeigt a. D. Selfferich und zu dessen Bekundungen über seine gemeiner Ansicht nicht ihre Schuldigkeit getan. Je länger der Sieg sich jederzeit zu Verhandlungen über die Lohnbedingungen änderte Stellungnahme zum rücksichtslosen Bootkrieg. Dr. dauerte, desto mehr wurde Amerika gegen uns boreingenommen. Selfferich habe mitgeteilt, daß drei Gründe für die Aenderung Deshalb hielt ich die Aussicht auf eine Friedensaftion Amerikas und zum Abschluß von Tarifen bereit. Kurs, es geht auf alle Forderungen ein, die früher den Hauptinhalt der Ge­feines Standpuntes maßgebend gewesen seien, und zwar für uns ein rettungsloses Unternehmen. 1. Einzelheiten, die ihm über die Verhandlungen in Bleg mit Graf Bernstorff: Die öffentliche Meinung in Amerika war werschaftskämpfe ausmachten, und bietet somit den an der geteilt worden feien, nach denen er annehunen mußte, daß bis zum Lusitaniafall wenn auch uns nicht freundlich so doch Arbeitsgemeinschaften" beteiligten Gewerkschafsführern die es feinen Frieden ohne weiteren Kampf geben fonnte, 2. das einigermaßen neutral. Eine direkte Einwirkung auf die Preffe Möglichkeit billiger Erfolge, was, wie die Unter­Schweigen Wilsons und 3. die Senatebotschaft vom 22. Januar, und Privatunternehmungen wie Kinos war der Regierung nicht nehmer durchaus richtig spekulieren, bei diesen die Neigung aus der er ein Geschehen lassen, wenn nicht eine Billi möglich. Nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den gung der Bedingungen der Entente durch Wilson herauslas. Krieg hat sich hierin alles geändert, weil zu dieser Zeit eine Staatsjetretär a. D. Selfferich weist zunächst darauf hin, amtliche amerikanische Propaganda eingeführt wurde, die vor daß es sich bei der U- Bootsfrage nicht um eine Glaubens dem nicht bestanden hatte. fache und nicht um eine grundsäbliche Frage, sondern um Dr. Helfferich: Wie die amerikanische Regierung fish gegen­eine tartische Frage handle. Das gehe auch aus der Haltung über den Leuten verhielt, die die Ententeintereffen vertraten, Es liegt auf der Sand, daß die von den höchsten Spizen der Fortschrittlichen Voltspartei hervor. und wie fie fich demgegenüber gegen die deutschen Vertreter ver der Gewerkschaftsbureaukratie beliebte Methode angesichts Gothein und Strube bätten sich damals für den beschleu halten hat, geht wohl aus dem Falle des Generaltonius der höheren Aufgaben der Gewerkschaftsbewegung im Beit­nigten Bau von N- Booten eingefest. Sie wollten biefe natürlich Bünz herbor. nicht zuhause laffen, sondern rechneten alio mit der Eventualität, Graf Bernstorff: Der Fall Büng lag so, daß die Reichs. alter der sozialen Revolution verfehlt ist. Der Klassen­daß von ihnen in einer gegebenen Situation nachhaltiger Geregierung mit der Hamburg - Amenta- Linie einen Vertrag hatte, fampf läßt sich nicht in Kooperation mit dem Unter­brauch gemacht würde. eute geigen die Serren aber wonach die Hapag berpflichtet war, unsere Kriegsschiffe zu be- nehmertum führen. Er ist nur zu führen durch eine Ge­rine prinzipielle Gegnerschaft. Für mich war fohlen. Dies ist auch geschehen, Proteste der Entente sind erfolgt. werkschaftsbewegung, die sich ihre Unabhängigkeit wefen.tlich mito: stimmend die Antwort der Entente, durch die ie Die Bestrafung des früheren Generalfonfuls Büng erfolgte, meil vom Unternehmertum restlos bewahrt und mit der Friedenstür schallend ins Schloß geworfen wurde. Bethman es notwendig war, um die Striegsschiffe zu befohlen, falsche politischen Bewegung des revolutionären flaffenbewußten berichtete aus Bleß, daß die Oberste cerealeitung erklärt habe, Deklarationen in den Häfen abzugeben. Sie wurden angemeldet, Proletariats enge geistige und tattische Füb­daß ihr eine Fortsetzung des Krieges gegenüber den bevorstehen als führen sie nach irgend einem fremden Safen. Auf Grund lung hält. den feindlichen Offensiven unmöglich erscheine und daß sie die dieser falschen Deklarationen ist Generalkonsul Bünz vor Gericht Verantwortung für die weitere Fortseßung der Kriegsoperationen gezogen und verurteilt wurden. ( Die Sigung dauert fort.) nicht übernehmen fönne, wenn nicht unserer fchwerbebrängten Westfront durch jedes denkbare Mitte! Erleichterung verschafft werde und wenn nicht durch den U- Bootkrieg die Zufuhr von feindlichen Verstärkungen und Munition behindert werde.

der Herren bon

Abg. Dr. Sinzheimer: Genügte zur Behinderung der Muni­tionszufuhr nicht der Kreuzerkrieg?

Borsigender Warmuth: Darüber werden die militärischen In­flanzen Auskunft geben.

Abbruch der militärischen Intervention Frankreichs in Rußland .

Schweizer Grenze, 15. November.

zum Hinnehmen des Gebotenen und zum Verzicht auf weiter­gehende Forderungen auslöst. So bewahrt sich das Unter­nehmertum die ungeminderte Gewalt im eigenen Hause, in­dem es den Herr- im- Hause- Standpunkt" scheinbar aufgibt.

Das soll nicht geschehen, indem die Gewerkschafts­bewegung der politischen oder einer anderen, etwa der Räte­bewegung untergeordnet und zu einer besonderen, mehr oder minder unbedeutenden Waffe im allgemeinen Klassenkampf gestempelt wird. Politische und gewerkschaftliche Bewegung müssen als gleichberechtigte Faktoren nebeneinander bestehen. Obwohl die gewerkschaftlichen Kämpfe durch die auf die Be­triebsdemokratie gerichteten Forderungen ihrem inne­Die Kölnische Zeitung " berichtet: In einer soeben verren Gehalt nach zu lassenfämpfen in des Dr. Helfferich: Eine so kategorische Erklärung der maßgeben Regie- Mortes den Stellen konnte auf mein Urteil nicht ohne Einfluß bleiben. öffentlichten amtlichen Note gibt die franzöfifche Regie- Wortes bester Bedeutung werden, so bleiben fie doch reine ir standen nun einer militärischen Zwangslage gegenüber. Wir rung ihr grundsätzliches Einverständnis mit Gewerkschaftskämpfe. Der Unterschied ist nur, daß befanden uns vor einer furchtbaren Offensive. Die Oberste Heeres dem Abbruch der militärischen Einmischung in Rußland der gewerkschaftliche Kampf in der revolutionär augespitzten leitung erklärte, daß sie keine Verantwortung übernehmen könne, bekannt. Der plöysiche Gesinnungswechsel am Quay Situation und infolge der Eigenart der neuen Forderungen wenn nicht mit größter Beschleunigung für Erleichterung gesorgt würde. Sollte da der Reichskanzler oder ich, soweit ich mit d'Orsay wird dadurch verständlich, daß Frankreich von der höhere Bedeutung im Klassenfam pf empfängt und stärkere mittelbare politische Auswir daß Russischen Räteregierung die Versicherung erhalten hat, kungen zeitigt, als der reine Lohnkampf. zureden hatte, eg darauf anfommen laffen, Hindenburg und Ludendorff Wenn erklärten: man daß diese zur Sicherung der Schulden nicht nur des alten die Rittel nicht bie mir bewilligt, brauchen, Barenreiches, sondern aus der Zeit Kerenstis bereit jei. wenn man politische Gesichtspunkte, bie nicht für ben Augenblic wicken, höher einschätzt, dann müffen wir erklären, bag wir nich: Die Erklärung diefer Bereitwilligkeit macht die Ueberein itimmung mit dem Standpunkt Lloyd Georges möglich. mebr mitipielen. Diese Araumente mußten wirten

uns

Wächst eine Bewegung auch in ihrem äußeren Um­fange über den Rahmen des Berufstampfes hinaus, macht sich das solidarische Eingreifen anderer Arbeiter­gruppen nötig, näbert sich die Bewegung somit and in

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