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Einzelpreis 15 Pfennig 2. Jahrgang Mittwoch, den 17. Dezember 1919

Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, an Sonn- und fefttagen nur morgens Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 4- m., bel direktem Postbezug monatl. 4.65 m bei Zustellung unter Streifband für Deutschland 6.50 m fürs Uusland 7.50 m, per Brief 12.80 m. Redaktion und Expedition: Berlin N. 6, Schiffbauerdamm 19 III. Bernsprecher: Amt Norden 2895 und 2896.

fir. 613/ B 279 Abend- Ausgabe

Jnferate foften die achtgespalt. Nonpareillezeile oder deren Raum 120 mt, Wortanzeigen das fettgedruckte Wort 50 Pt. jedes weitere Wort 26 Pf. Cenerungszuschlag 20 Pro Bei familiens u. Derfammlungsanzeigen fällt der Zuschlag fort. Inferate für den daraufe folgenden Tag müffen spätestens bis 5 Uhr nachmittags bei der Expedition aufgegeben fein Inferaten- Abteilung: Berlin N. 6, Schiffbanerdamm 19 Fernsprecher: Amt Norden 9768

greibeit

Berliner Organ

Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Wachsendes Elend.

Höhere Brot- und Kartoffelpreise.

Protest der Arbeiterschaft.

Die bereits vor einiger Zeit angekündigte Absicht der Regierung, durch Gewährung von hohen Brä­

gen, wenn die Preise für Lebensmittel und dergleichen er- 1 höht werden,

Die tragische Lage Desterreichs.

Reichsrats die Ursachen für diesen Müdgang der Abliefe wieder aufzunehmen. tung nur in der verspäteten Ernte und in der Ueberlastung

"

Die Ausbeutungsschraube.

"

Unternehmer und Unternehmerföldlinge arbeiten fieber haft an der Steigerung der Produktivität der Paris , 16. Dezember. Arbeit. Das charakteristische Merkmal dieser emfigen Staatstangler Renner erstattete dem Obersten Rat ein Erposé Tätigkeit ist es, daß alle mittel, die zu dem genannten mien die Landwirte zur Ablieferung ihrer Erzeugnisse zu über die tragische Lage der Bewohner Desterreichs, deren Ver- Swed in Vorschlag oder zur Anwendung fommen, mit pein beranlassen, droht jetzt, trotz aller Warnungen der Arbeiter, forgung nur bis zum 21. Januar gesichert sei. Der Nat beschloß, lichster Sorgfalt nach dem Grundsatz ausgewählt werden, greifbare Gestalt anzunehmen. In der gestrigen Sitzung 30 000 Tonnen Getreide, die gegenwärtig in Triest lagern, nach daß die Steigerung der Produktivität lediglich auf Kosten des Reichsrats wurde der Entwurf einer Verordnung über Desterreich zu senden. Die finanzielle Silfe Ameritas der Arbeiterschaft zu geschehen hat. Um die Deffent­au die Bahlung von Ablieferungsprämien für Brotgetreide, wurde als unerläßlich betrachtet. Zum Schluß erklärte Renner, lichkeit und die Masse des harmlojen Publikums" für die Gerfte und Kartoffeln beraten. Dabei wurde mitgeteilt, sein Land wünsche von den Alliierten die Ausarbeitung eines all- Methoden des Unternehmertums, die letzten Endes nur Me baß die Ablieferung von Brotgetreide im vergangenen Jahre gemeinen Bersorgungsschemas, bas auf eine Beit von 10 bis thoden verschärfter Ausbeutung sind, empfänglich zu machen, baß die Ablieferung von Brotgetreide im vergangenen Jahre 12 Monaten dem Volte gestatte, sich wieder an die Arbeit zu begründet man ihre Notwendigkeit mit der angeblichen Ar­2030 000 Tonnen, im laufenden Jahre aber erst 1 100 000 feben, feine Industrien aufzurichten und seine Schulden zu be- beitsunlust" der verhetten Arbeiterschaft, die das Wirtschafts­2030 000 Tonnen, im laufenden Jahre aber erst 1 100 000 betragen habe. Der ift alio im vollsten Gange, wenn auch die hohen Herren des sablen. Er fügte bei, daß Oesterreich bereit fet, die Beziehungen leben ruiniere und gegen das Gesamtinteresse des deute Jugoslawen und Tschecho- Slowaten die bürgerliche Breffe betätigt sich als williges Werkzeug dieser Art der Wieder­Nach dem Exposé des Staatskanglers Renner erklärte der belebung des deutschen Wirtschaftslebens" und auch die der Verkehrsmittel sehen wollen. Denn im Widerspruch zu Borsigende des Organisationskomitees der Reparationsfommission rechtssozialistischen Organe tanzen unbedenklich mit im diesen angeblichen Gründen wurde erklärt, daß es nur ein Boucheur, nachdem er den Beschluß des Obersten Rates mit Reigen des Unternehmertums. Das wissenschaftliche Organ Mittel zur Steigerung der Ablieferung gäbe, nämlich die geteilt hatte, zunächst die sofortige Absendung von der Rechtssozialisten, Die Neue Beit", gibt dazu den wesentliche Erhöhung der Preise. 30 000 Tonnen Getreide, die bereits in Triest lagern, Ton an. Herr Richard Woldt , bekannt als Fachmann Welche Belastung diese Prämien für die Verbraucher nach Desterreich zu beranlassen. Die Alliierten würden Süd­barstellen, geht aus der Tatsache hervor, daß ihre Kosten auf flavien einen Stredit gewähren zur Lieferung von Lebensmitteln für Betriebstechnik, und einst ein grimmiger Feind ver­ine Milliarde geschätzt werden, die durch Erhöhung an Oesterreich . Eine eigene vom Obersten Rat eingesetzte Kom- därfter, angeblich wissenschaftlicher Ausbeutungsmethoden, Mehl- bzw. Brotpreises eingebracht werden soll. Der mission werde sich mit der Durchführung dieser Lebensmittel betrachtet dort die Dinge von der höheren Warte", wobei er Mehlpreis foll mehr als verdoppelt werden, die Erhöhung transporte beschäftigen. Drittens würde, wenn möglich, binnen ebenfalls zu dem Schluß fommt, daß der Beitlohn nicht bird pro Doppelzentner 46,50 Mark betragen, so daß der einer Woche entschieden, welche von den zur Zeit der Repara- felten eine Prämie auf die Arbeitsunlust" ist. Wer nicht Breis für ein Brot im Gewicht bon tionstommission berpfändeten österreichischen Attien sur felb. arbeiten will", erklärt Herr Woldt, kann zur Arbeit nicht Gramm auf 2,45 mart steigen wird. Auch ständigen Kreditbeschaffung freigegeben werden sollen. Biertens gezwungen werden, er hat für nicht geleistete Arbeit aber die Kosten für die Ablieferungsprämien für Kartoffeln erteile der Oberste Rat seine Bustimmung aur Beendigung von auch keinen Lohn zu beanspruchen." Schöner bringt es ein follen die Verbraucher tragen. Der Erzeugerpreis wird Berhandlungen der öftereichischen Regierung mit einem holländi Söldling des Unternehmertums auch nicht fertig. Und um 2,50 Mark pro Bentner, also um mehr als ein Viertel chen Konsortium wegen Verpfändung des österreichischen Tabat. leichter fann er es sich auch nicht machen, denn Herr Woldt erhöht werden. Reimen aber selbst diefe Erhöhungen nicht monopols. Der hieraus zunächst zu erzielende Vorschuß von stützt sich auni Beweise für die Notwendigkeit der Afford­erhöht werden. Reichen aber selbst diefe Erhöhungen nicht 30 Millionen holländischer Gulden wäre in erster Linie zum arbeit lediglich auf einen der bekannten frisierten Berichte aus, so soll die Reichskasse für Fehlbeträge aufkommen. Ankauf der notwendigsten Lebensmittel zu verwenden. Fünftens aus den Eisenbahnwerkstätten. Von seinen theoretischen Durch diese drohenden Preiserhöhungen für die aller- würde die Reparationstommiffion das vom Staatssekretär der Legründungen wollen wir im Interesse des Verfassers fein wichtigsten Nahrungsmittel werden nicht nur alle Lohn- Boffsernährung ausgearbeitete Programm für die Ernährung Aufhebens machen. Die Unternehmer verfolgen eine sehr gewandte Taftit. erhöhungen zunichte gemacht, sondern die Lebenshaltung der Oesterreichs in den nächsten zehn Monaten unverzüglich prüfen. Massen wird geradezu gefährdet, wenn es nicht gelingt, Staatskanzler Dr. Renner dankte dem Obersten Rat und Sie stellen zunächst ausschließlich die Affordentlohnung als durch neue Steigerungen der Löhne einen Aus- hob die Notwendigkeit hervor, die Transporte aus Triest schnell- Mittel zur Steigerung der Arbeitsleistung in den Borders gleich für diese Erhöhungen der Preise zu schaffen. Aus stens durchzuführen. Da die bisherigen Schritte zur Erlangung grund und fonzentrieren alle Kraft auf die Durchießung biefer Erkenntnis heraus hatte deshalb sowohl die Ber - größerer Mengen Lebensmittel aus Südflavien fehlschlugen, dieser Forderung. Ist diese Forderung durchgesetzt, dann liner Verwaltungsstelle des Metallarbeiterverbandes, wie bedürfe es des ganzen Einflusses der Alliierten, um die füd- wird eine andere Parole ausgegeben und mit der gleichen Ferner betonte der Einseitigkeit propagiert. Die Heilslofung: Burück zur auf ihre Veranlaffung bin die Berliner Gewerkschaftstom- slabische Aushilfe wirksam zu machen. mission sich mit aller Entschiedenheit gegen diese Absichten Staatskanzler die Notwendigkeit baldigfter Entscheidung über die Affordarbeit!"( auch Herr Woldt betitelt feinen Artikel so) der Regierung gewendet. Auf ein Schreiben des Metall- Freigabe von Attiben, um Desterreich im Auslande zahlungs­arbeiterverbandes an das Reichsarbeitsministerium, das fähig zu machen. um Eingreifen aufgefordert wurde, ist bezeichnenderweise nicht einmal eine Antwort erteilt worden. Die Berliner Gewerkschaftskommission hat deshalb jetzt be­Für die Zeichnung der Prämienanleihe ist eine Werbetätig schlossen, durch ihren Vorsitzenden Rörst en dem volks-| wirtschaftlichen Ausschuß der Nationalversammlung, der in eit entfaltet worden, deren Koften, wie vorauszusehen war, un für den Eisenbahnfiskus wie für die vernünftige Arbeiter diesen Tagen über die Prämiengewährung zu entscheiden gebeure Summen verschlangen. Die Ausgaben für diesen Broed fdjaft, die sehnsüchtig der Befreiung vom Terror einer bat, ben nach baltigsten Broteft der gewerkschaftlich werben auf etwa 10 Millionen Ma: angegeben. Neben radikalen Minderheit" harrt. Daneben tritt die Tatsache, organisierten Arbeiter zu unterbreiten. Bisher steht leider der Berschleuberung von öffentlichen Mitteln ist besonders be daß sich die organisierten Eisenbahner aller Nichungen ein­bie Gemerfichaftskommiſſion mit ihrem Protest allein da, seichnen ihre einseitige Verwendung und die Bewilligung so mütig gegen die Affordarbeit wenden, indem sie mit facha bezeidmemberweise die Leitung des Gemert- bober Breise für die Drüderzeugung, daß die wenigen beteiligten lichen technischen Gründen ihre Unawed mäßigkeit einsteden konnten. In einzelnen schaftsbundes für diese eminent wichtige Frage fein| darlegen, ganz zuriüd. Ganz unbeachtet bleibt es, daß die Interesse an den Tag legt und diesen Anschlag gegen die Bällen soll nahezu das Doppelte für die Druckfachen bezahlt worden bereinigten Eisenbahnerorganisationen einen Tarif mit Lebenshaltung der Arbeitermassen ruhig geschehen mit dem Versprechen von Sonderhonoraren beran- Beitlöhnen vorgelegt haben, in dem als Mittel zur getreten sein, deren Höhe einer Bestechung gleichfommt, damit Sebung der Arbeitsfreudigkeit und der Arbeitsleistung an­gemeiiene Rechte für die Arbeiterbertre gibt, so wenig ist sie anscheinend gewillt, die Forderungen| So willig die Regierung dem Drucke der Agrarier nach biefe in ihren Blättern günstige Werbeartikel schreiben. Selbst der Vorwärts" sieht sich veranlaßt, wegen diefer tungen in den Betrieben und bei den Direktionen gefor­der Arbeiterklasse zu berücksichtigen. Denn bisher ist noch Storruptionserscheinungen strengste Untersuchung durch die Ein- dert werden. Trobbem über diesen Tarif bereits verhandelt nichts darüber bekannt geworden, daß sie irgend welche fegung einer Kommission zu berlangen. Das mus fofort ge- wird, werden die Treibereien fortgesetzt und von den Rechts­Schritte zu unternehmen gedenkt, diese drohende Ver- fchehen und forüdsichtslos eingeschritten werden, daß solche Sozialisten gefördert. Ichlechterung der Lebenshaltung der Arbeiterflaffe abzu- Vorfälle für die Folge unmöglich werden. wehren. Glaubt die Regierung aber, gegenwärtig zur Ab­wendung der Lebensmittelnot in den Städten fein anderes| Mittel zu befizen, als die Forderungen der Agrarier nach Breiserhöhung zu bewilligen, so darf das auf feinen Fall gefchehen, ehe nicht die Kaufkraft der Massen durch Er­

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Geldverschleuderung und Bestechung.

Schweres Explosionsunglüd.

Wilhelmshaven , 16. Dezember.

ertönt foft täglich in allen Beitungen und verdrängt alle anderen Gefichtspunkte. Die Arbeiter der Eisenbahn­werfftätten werden wiederholt der Foulheit oder der beipußten Serabminderung der Arbeitsleistung bezichtigt und die Akkordentlohnung wird auch hier als die Er­föfuna gepriesen- selbstverständlich für die Gesamtheit,

Gelingt die Einführung von Entlohnungsmethoden und Arbeitsordnungen, die den kapitalistischen Wünschen der Unternehmer genügen, nicht auf friedlichem Wege, so wendet das Unternehmertum Gewalt an. Neben der Schließung der Vulkanwerft in Samburg, über die wir be Heute mittag entstand beim Entladen von Granaten in dem richteten, ist ein ähnlicher Vorgang in den AtI a 3 werfen Die Zahl der allen Umständen die Affordarbeit eingeführt werden, und

höhung der Löhne vorgenommen worden ist. Wir fordern Munitionsdepot Mariensiel eine starke Explosion, durch in Bremen charakteristisch dafür. Auch hier sollte unter deshalb mit aller Entschiedenheit, daß die Prämiengewäh. die zahlreiche Personen verwundet wurden. tung an die Landwirte solange unterbleibt, bis die Toten steht noch nicht fest. Durch die Gemalt der Explosion da fich die Arbeiter der Werbe, im Gegensatz zur Belegschaft Regierung durch die von uns bereits früher geforderten wurden viele Dächer abgebedt und auf 3 Km. Entfernung fämt anderer Werften, durch Abstimmung gegen die Akkorde abnahmen Safür sorgt, daß die Löhne der Arbeiter ftei- liche Fensterscheiben gertrümmert, Der Materialschaben ist groß- lentlobnuna erillärt batten. perrte die ershire