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Dienstag, den 10. februar 1920

Nr. 24/ A 14 Morgen- Ausgab

Inferate foften die adtgefpalt. Nonpareillezeile ed. deren Raum einscht. Leuerungszufchleg 8,20 m, das fettgedrudte Wort 1.15 m, iedes weitere Wort 85 Of. familiens un Organisationsanzeigen die achtgespaltene Nonpareillegeile 2.40 mt, das fettgedruckte Wort 75 Pi, jedes weitere Wort 45 Pf. Inferate für den darauf olgenden Tag muffe ipdteftens bis 3 Uhr nachmittags in der Expedition aufgegeben sein. Inferaten- Abteilung: Berlin NW. 6, Schiffbanerdamm 19 Fernsprecher: Amt Norben 2895-96, 9768

Freiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutſchlands

Deutschnationale Hezze.

Die Drahtzieher. Minister mater

Die Regierung wird die Antwort der Entente auf den deutsajen Vorschlag, die Kriegsschuldigen von dem Reichsgericht in Leipzig aburteilen zu lassen, abwarten, bebor fie weitere Echritte unternimmt. Diese Beit darf aber nicht unnük berstreichen. Es müßte endlich vor aller Welt gezeigt werden, daß die ernste Absicht besteht, die begangenen Verbrechen zu fühnen.

über die Wiedergnima.hung.

In einem dem Berliner Vertreter der Chicago ribune" gewährten Interview verwahrte fich Reichs­minister Hermann Müller mit großer Entschiedenheit gegen die in der Entente presse immer wieder aufgestellte Behauptung, daß Deutschland den Friedens. bertrag nicht erfüllen wolle, daß es bisher so gut Die Note der Entente enthält eine ganze Reihe fon- wie nichts geleistet habe und daß es, wo es fich um eine unan freter Beschuldigungen unter Anführung von Beugen genehme Leistung handele, den Vertrag nicht anerkennen wolle. angaben. Damit ist die Möglichkeit, aber auch die Not- Der Minister bezeichnete diese Behauptung als grotest unrichtig wendigkeit gegeben, auf Grund des Gesetzes vom 18. De- und versicherte, daß man sich weder in Deutschland noch fonit in zember, mit dem Verfahren vor dem Reichsgericht zu begin- der Welt genügend flar darüber sei, welche ungeheure Verpflich nen. Es kommt sehr viel darauf an, zu zeigen, daß nicht tungen aus dem Waffenstillstand und Friebensvertrage Deutsch­die Absicht besteht, Berbrecher zu fügen und Verbrechen land bereits erfüllt habe. ungefühnt zu lassen, sondern daß es sich bei dem Wider­fland gegen das Auslieferungsbegehren der Entente nur barum handeln kann, Garantien für die Unpar teilichkeit des Gerichtshofes zu schaffen.

Die Regierung hat den Friedensvertrag unterzeichnet. Die Entente hat auf Grund diefer Unterzeichnung das formale Recht, die Auslieferung zu verlangen, mag dieſes formale Recht in Wirklichkeit noch so sehr gegen das Gebot der Gerechtigkeit verstoßen. Will man zur Aende rung gelangen, so gibt es vernünftigerweise nur den Weg der Berhandlungen, die nicht durch die nationa­listische Verhehung erschwert werden dürfen.

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Fefebensvertrag, ift fcftver zu verstehen. Die borstehenden Ba len find mit großer Vorsicht aufgestellt worden. So wird bei. Spielsweise der Verlust Deutschlands burch die Liquidationen, der hier mit 12 Milliarden angesetzt ist, von anderer Seite mit Rüd­ficht auf die Wertsteigerung auf 30 Milliarden geschätzt. Wer die Zahlen unbefangen prüft, der kann unmöglich leugnen, daß Deutschland schon jetzt be an die Grenze feiner Leistungsfähigkeit bestrebt getvejen ist, den durch den Krieg entstandenen Schaben wieder gut zu machen."

nach

Der Minister schlof: Wir sind auch weiter bereit, nadj Kräften zu leisten, aber die Wortussekung dafür ist die Aufrecht. vrhaltung und Stärkung ber eigenen Volkswirtschaft. Eine ger rüttete Wolfswirtschaft kann nicht die schweren Lasten der Wieder. gutmachung erfüllen. Die deutsche Volkswirtschaft braucht dringend Sdredite und Rohstoffe."

Die Nationalversammlung für die Regierungspolitit.

Die Catentepreffe zur Auslieferungsfrage.

dieser Beziehung bisher lediglich einige Notizen gebracht hätte, Auf die Bemerkung des Interviewers, daß die Presse in wieviel Deutschland von den 20 Milliarden, die bis zum 1. Mai 1921 gedeckt sein müssen, geleistet habe, führte der Minister aus: Berlin , 9. Februar. Wenn man die Sache so betrachtet, so erhält man ein Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten beschäftigte sich gänzlich falsches Bild, da auf diese Weise nur die Leistungen heute nachmittag mit der Auslieferungsfrage Bum berüdsichtigt werden, die nach den auch in dieser Beziehung Schluffe der Verhandlungen, die wie alle Sigungen dieses Aus. berücksichtigt werden, die nach den völlig willkürlichen Bestimmungen des Friedensvertrages schuffes streng vertraulich waren, faßte der Vorsitzende Scheides Deutschland auf seine Wiedergutmachungsschulden angerechnet mann das Ergebnis der Berhandlungen folgendermaßen zu werden sollen. Für die Frage, was Deutschland positiv geleistet fammen: hat, was es aus seinen Vermögen bereits hat hergeben müssen, Unbeschadet mancherlei Ausstellungen im einzelnen stelle idj ist es aber natürlich gleichgültig, ob die einzelne Leistung nach fest, daß der Ausschuß sich in der Auslieferungsfrage ein­ Diese Sete aber wird von den Deuticnatio bem Friedensvertrag als Wiedergutmachung anerfannt wird berstanden erklärt mit dem bisherigen Ber. nalen in einer Weise inszeniert, die alles Bisherige in den oder nicht und insbesondere, ob fie auf die ersten 20 Milliarden halten und den vorgesehenen Schritten der Schatten stellt. Sie verfolgen damit verschiedene Swede. anzurechnen ist. Die Berringerung des deutschen Boltsberegierung. Der Ausschuß erwartet, daß er bor weiteren Einmal erwarten fie, daß die nationale Erregung, zu deren mögens bleibt die gleiche, ob die Anrechnung erfolgt oder nicht entscheidenden Schritten der Regierung jo rechtzeitig berufen Steigerung die bisherige Politik der Entente immer neue Nach Schähungen, die von den zuständigen deutschen Zentral. Ursachen geschaffen hat, ihr Barteiinteresse fördern und stellen aufgestellt worden find, und bei denen, so gut bies möglich wird, baß er Stellung dazu nehmen kann. ihnen neue Anhänger zuführen werde. Deshalb ihr be- war, der Wert im Zeitpunkt der Lieferung oder Leistung auf ständiges Geschrei über die Unterzeichnung des Schmach Goldmark geschäßt worden ist, find bisher Leistungen im Gesamt­friedens", obwohl sie genau wissen, daß es ihre verruchte betrage von 36 722 Millionen Goldmar! bewirkt worden. Kriegspolitik gewesen ist, und die Niederlage, zu der ihre Hierzu kommen die bereits begonnenen aber noch nicht ab­Amsterdam, 9. Februar. Heerführer das deutsche Bolt geführt haben, die die Zwangs- gefchloffenen Lieferungen von Vieh im Werte von 390" Telegraaf" meldet aus London : In der englischen lage geidhaffen hat, in der der Friede unterzeichnet werden millionen Golbmart und von Farbstoffen im Werte Preise ist eine ausgesprochene Steattion gegen die Ber­mußte. Sie wissen ebenso genau, daß ihre politischen Führer von 200 millionen Goldmart, sowie die Forderun.folgung der deutschen Kriegsverbrecher wahrzu­in der Friedenskrise es ausdrücklich ablehnen mußten, die gen gegen Oesterreich, Ungarn, Bulgarien und die Türkei im nehmen. Die Ansicht geht dahin, daß mit der Verfolgung nur Regierung zu übernehmen, weil auch sie nicht die Berant- Betrage von 7000 millionen Golom art. Ausdrücklich dem Rütschritt in Deutschland in die Hänce gearbeitet werden wortung für die Nichtunterzeichnung des Friedens tragen ervorgehoben sei, daß bei diesen Biffern die zurückgelieferten würde. Sunday Obsecver" und" Sunday Times" schreiben, es fonnten. Werbe, Bargeld, namentlich die belgischen Tepots, Effetten usw., dürfte nichts unternommen werden, was die jetzige deutsche Re­Zugleich versuchen Sie aber durch ihre Entrüstungs- im Betrage von 4800 Millionen Goldmart nicht mit gierung in Gefahr bringen könnte. Der Teil des deutschen Volkes Tampagne zu verhindern, daß es überhaupt zu einer Be gerechnet worden find. müsse gestärkt werden, der ein Bollwert gegen das Junkertum ftrafung der Kriegsverbrechen fommt. Da muß doch mit einerseits und gegen die Sotvjotherrschaft andererseits sei. Tr aller Entschiedenheit gesagt werden, daß, soweit es sich um politische Mitarbeiter des Sunday Pictorial" schreibt, England gemeine Verbreden handelt, diese Sühnung eine un­wolle feine militärische Unterstützung bei der Verhaftung der bedingte Notwendigkeit ist, die schon längst hätte eerführer gewähren. erfolgen müssen. Es darf der deutschnationalen Hebe nicht gelingen, unter dem Vorwand, daß es sich um Kriegsheroen handelt, die Bestrafung von Verbrechern zu hindern, welchen Nang immer fie im deutschen Militarismus einst einge­nommen haben.

Wie man angesichts diefer geradezu unerhörten Leistungen immer wieder die Behauptung aufstellen kann, Deutschland hobe durch den Krieg nicht gelitten, es habe nichts getan, um feinen Verpflichtungen nachzukommen und sabotiere systematisch ben

ziehen."

fchloffen, jebe Folge aus diefem unserm Heiligen Willen zu Gerade weil die deutsche Regierung in der Auslieferungs­frage unfähig ist, die Forderung der Entente, wie sie ge­Es ist selbstverständlich, daß Verhandlungen, die zum Und ebenso wissen die Deutschnationalen, daß dank stellt ist, zu erfüllen, gerade deshalb ist es außerordentlich Ziele führen sollen, nur auf dieser Basis geführt werden der unseligen Politik der rechtssozialistischen Regierung die wichtig, daß kein Zweifel darüber aufkommen darf, daß fönnen. Deshalb tommt alles darauf an, daß der Wille, ührung der Reichswehr und ein großer Teil der Bureau- Deutschland alle anderen Friedensbesti m- die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, so flar erkennbar fratie auf ihrer Seite steht. Dazu kommt eine wahre mungen auszuführen mit aller kraft be­ist, daß er auch von der Entente nicht angezweifelt werden Pogromhehe. Jeden Tag tann man in der deutschnatio- ft rebt sein werde. Das Treiben der Deutschnationalen fann. Gerade deshalb erklären die Deutschnationalen, daß nalen Bresse lesen, daß, wer es wagen würde, gegen die richtet sich aber gegen die Einhaltung des Friedensver­Verhandlungen überhaupt nicht stattfinden dürfen, und Auszuliefernden vorzugehen, niedergeknallt werden müßte. trages überhaupt, und ihre beständigen Agitationen haben wollen uns so in eine neue Ratastrophe hineintreiben. Und gegen die Unabhängige Sozialdemokratie ergießt sich bereits dahin geführt, daß einzelne Offiziere und Beamte

Es ist nun außerordentlich bezeichnend, mit welchem eine Schlammflut von Beschimpfungen und Berbegungen. anfangen, auf eigene Faust Politik zu machen und eine Machtbewußtsein die Nationalisten bereits aufzutreten Es sind sehr ernste Vorgänge, um die es sich handelt. Art Privatsabotage des Friedensvertrages in Szene zu wagen. Die Deutschynationalen fühlen sich als Herren der Denn sie zeigen das außerordentlich gesteigerte 2 a cht- setzen. Die beständige Nachgiebigfeit gegenüber diesen Lage. In der Kreuzzeitung" erklärbe fürzlich Graf 5 ewußtsein und die Stärke der Reaktion. nationalistischen Hezereien führt so zu immer unhaltbare­estarp, daß es auf den Willen und die Festigkeit der Die übrigen Parteien stehen diesem Treiben untätig gegen- ren Zuständen. Regierung gar nicht mehr anlomme. Der Kreis derer, über; aus Angst vor dem Nationalismus werden sie durch Deshalb hätte die Regierung alle Veranlassung, end­die unter allen Umständen entschlossen sind, diese Schmach ihre schwankende und unschlüssige Saltung selbst dessen lich sich zu einer flareren und vernünftigeren Politik zu zu verhindern, ist geschlossen und groß und start genug, um beste Helfer. Sie haben es dahin gebracht, daß heute die entschließen. Geschrien und gelärmt ist genug. Jezi feinen Willen durchzarseßen." Und Herr v. Westarp fann Deutschnationalen fich als die Diktatoren Deutsch muß gehandelt werden, indem endlich mit dem Verfahren fich dabei auf die Rundgebung des deutschen Offiziersbun. I and 3 gebärden fönnen in einer Situation, in der vor dem Reichsgericht Ernst gemacht wird, und es muß da­des und des Nationalverbandes deutscher Offiziere berufen, gerade nationalistischer Ueberschwang alles ver für gesorgt werden, daß nicht die notwendigen Verhandlun in der es heißt: derben kann, gen erschwert und aussichtslos gemacht werden, indem man die öffentliche Meinung in Deutschland sich bis zur völlige Befingslosigkeit erregen läßt.

Wir deutschen Offiziere beden mis unferem Dieses Treiben ist um fo berwerflicher, als es bereits Beben die ersehnten Nacheopier unferer Beinde, und find ent au Folgen geführt hat. Die sehr unheilpoll worien fönnen.