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Mittwoch, den 11. Februar 1920
Tr. 27/ B 12 Abend- Ausgabe
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Freiheit
Gestern fand in der ersten Bone des ftrittigen Gebietes in der Nordmark die Bolks abstimmung statt. Die Abstimmung selbst vollzog sich unter starkem nationalen Gepränge von beiden Seiten. Ueber das Wahlresultat selbst unterrichtet folgende Wolff- Meldung: Kiel , 11. Februar.
Bis 3½ Uhr morgens waren in der ersten Zone der Nordmark für Deutschland 20'924 timmen, für Dänemark 55 279 Stimmen gezählt. Eine Anzahl von Landgemeinden stehen noch aus.
Damit ist das Schicksal der Nordmark besiegelt. Der Ausfall dieser Abstimmung bedeutet die natürliche Folge der Unterdrüdungspolitik des alten Regimes, die hier wie vor ber in Belen und Elsaß- Lothringen ihre Früchte trug.
Der nationale Hummel.
Willtür!
fahe'n Meuchelmord, den es bereits am Freitag gegen aller Gegner der Auslieferung proflamiert hatte. Es hatte erklärt, jeder, der sich durch die Feinde gegen die auf Wie abgeffumpft ist doch das Rechtsgefühl im deutschen die Auslieferungsliste verzeichneten Deutschen gebrauchen" laffe, müßte a 13 Landesfeind für vogelfreier- Wolfe, und wie selbstverständlich nimmt man hier die Willlärt und dem gemäß rüdsichtslos und straf- für hin, wenn sie nur nüßlich zu sein scheint und den los behandelt werden". Und die" Post" hatte diese anderen trifft! Die Handhabung des Belagerungszustandes ist diesmal Aufforderung zum politischen Meuchelmord noch dahin erläutert, daß es sich hier ausschließlich um die 11. S. p. nocy willfürlicher als sonst. Das erklärt sich ohne weiteres, handele, gegen die die Regierung die notwendigen Maß- da der Grund, weshalb er verhängt worden ist, von Anfang nahmen ergreifen müffe, damit das Volf nicht genötigt wäre an binfällig war. Es war einfach nicht wahr, daß ein zur Selbstjustiz" zu greifen. Heute erklärt die Deutsche Butsch oder ein gewaltsamer Versuch zum Sturz der ReTageszeitung", fie finde es recht auffallend, daß sich die gierung geplant war. Selbst angenommen, die Regierung linksstehende Bresse über ihren Vorschlag entrüstet habe. hätte an das Putschmärchen einen Augenblid lang geglaubt, Das führende Organ der deutschnationalen Kreise kann es fo hätte sie nach wenigen Tagen einsehen müssen, daß ihre also noch immer nicht begreifen, daß sich Leute finden, die Angst ganz unbegründet war. mittelalterliche Kampfmethoden als Barbarei und Ver- bleibt aber aufrecht erhalten und die militärischen Befehlsbrechen betrachten. Für die„ Deutsche Tageszeitung" und baber schalten nach wie vor, als ob es gälte, mit allen Machtdie ihr nahestehenden Elemente ist die Propaganda des mitteln des Staates eine allgemeine Erhebung zu Meuchelmords und der Lynchjustiz nach wie vor das A und bindern. So wirkt diesmal der Belagerungszustand willkürlicher, seine Maßnahmen O ihrer venffischen Politik. erfcheinen noch unbegründeter als je.
Die deutschnationale Bresse fucht unter Aufbietung London , 10. Februar.( Reuter.) bller möglichen Schlagworte die gespannte politiche Situation noch mehr zu verschärfen, indem fie die AuslieferungsIm Unterhaus behandelte Lloyd George bei frage zur Aufpeitschung der nationalistischen und politischen ber Debatte über die Adresse auf die Thronrede in der Leidenschaften mißbraucht. Ihr genügt die Stellung der Hauptsache Fragen innerer Art. Er beantwortete die Kribit Regierung nicht, fie erflärt schon jest in allen Tonarten, damsons und Macleans und wies darauf hin, daß das bie Regierung lebne zwar heute die Auslieferung ab, fte Budget 1919/20 günstig ausfallen werde. Er nahm Bezug tverde aber in fürzester Beit umfallen, und deshalb gelte auf seine Erklärung über die Lage in Europa bei der Bees, selbst auf dem Bosten zu sein. Recht bezeichnend für handlung des liberalen Amendements, in dem eine Abdiese Art der Agitation ist folgende Erklärung, die die änderung des Friedensvertrages gefordert wird, und be Kreuzzeitung" unter der stolzen Ueberschrift„ Ein mann- schränkte fich bei seiner Erklärung über die auswärtigen baftes Wort" veröffentlicht: Angelegenheiten auf Rußland .
Auf der Auslieferungsliste stehe auch ich.
Mit
Die Regierung lehnt heute die Auslieferung ab. hrem Umfallen ist in kürzester Zeit au rechnen, denn die hrem Umfallen ist in kürzester Zeit zu rechnen, denn die Worte unausführbar",„ verdorrte Hand" um sind in unserem Gebächtnis, ebenso die Taten, die diesen Worten folgten.
Freiwillig stelle ich mich nicht, erkläre jeden Menschen, der mich mit Gewalt zwingen wollte, für einen Schuft und würde in diesem Falle von meinem Revolver Gebrauch machen, aber nicht etiva, um mir selbst etwa das Leben zu nehmen.
b. La Chevallerie,
Generalleutnant u. Kommandeur der 4. Inf.- Division." In ähnlichem Sinne wie der tapfere General, der jeden mit dem Revolver bedroht, der ihn etwa verhaften wollte, äußerte sich Prof. Dr. Roethe, die berichtigte nationale Geistesgröße der Berliner Universität, in einer gestern veranstalteten Protestvecsamu: lung des deutschnitionalen Jugendbundes in der Philharmonie. Auch er erklärte, das niemals" der deutschen Regierung werde versagen. Auf folche Erklärungen wolle er nicht rechnen. Wir haben nicht nur Feinde draußen, sondern die Ehr tojen im eigenen Vaterlande zu fürchten. Zu Tagen Bismards wußten wir, daß alles von oben her zum Besten des deut schen Volkes geschah; heute wissen wir gerade das Gegenteil. Steiner von Euch, der deutschen Jugend, dari ruhen und sich des Lebens freuen, bie nicht wieder die schwarz- weiß- rote Flagge an der Weichfel weht und Straßburg den deutschen Raijer grüßt."
Der Belagerungszustand
ber
Man hat sich in Berlin entschlossen, die Presse freizugeben. Es wäre auch unmöglich gewesen, schon wegen des Eindruds im Auslande, die Unabhängige Sozialdemokratie noch länger völlig mundtot zu machen. Aber murum bleiben
die Verbote in der Provinz, z. B. in Leipzig und Salle, aufrecht erhalten? Die Leipziger VollsBeitung" hat doch mit den Berliner Vorgängen nicht das geringste zu tun gehabt; in Leipzig ist es nicht zum geringsten Zwischenfall gefommen, und trotzdem bleibt die Zeitung nun schon die vierte Woche verboten! Als das Verbot erfelgte, mußte sogar die bürgerliche Bresse anerkennen, daß die Gründe gänzlich unstichhaltig sind. Und heute noch ist das Verbot aufrecht.
Zu den alten Verboten treten immer wieder nene. Im Lloyd George berteidigte die russische Politik der Kriege, unter dem Ludendorff- Regiment wurden die ZeiRegierning und legte Nachdruck darauf, daß Guropa nicht tungen zuerst vertvarnt und wurden dann auf drei oder acht wiederhergestellt werden könnte, bevor die russischen Hilfs. Tage verboten. Jekt erfolgt, oft aus den geringfügigsten quellen wieder zur Verfügung ständen. Lloyd George wies Anlässen, ohne jede Warnung ein Verbot gleich für einen auf die 3wedlofigfeit anderer politischer bollen Monat! Das gefchab z. B. dem Gothaer VolksRichtlinien hin. Der Premierminister sagte, es sei blatt", weil es in einem Artikel jene Berhaftung unseres deutlich, daß der Bolschewismus nicht durch Waffengewalt Kollegen Robold in durchaus ruhiger Weise kritisiert hatte, vernichtet werden könne. Bereits vor einem Jahre sei er die felbft bei den bürgerlichen Bressevertretern einen Sturm dieser Ansicht gewesen. Er befürchte feine militärische In- der Entrüstung erregt hatte. Die Verhaftung war so willvasion durch den Bolschewismus, weder im Westen, noch im fürlich, daß Rabold entlassen werden mußte. Aber für die mittleren Osten, da die Bolschewisten nicht über die nötigen Kritik, deren Berechtigung überhaupt nicht angezweifelt Ausrüstungs- und Transportmittel verfügen und da kein werden kann, wird eine Seitung von irgendeinem unterAnreiz zu einer Invasion bestehe, weil die Länder um Nuß - geordneten militärischen Befehlshaber einfach wochenlang land herum dem Erindringling nichts bieten fönnten. Unter unterdrückt und ihre materielle Eristenz mit Vernichtung Bezugnahme auf den Vorschlag des Friedensschlusses mit bedroht. Und gegen diese Willkürherrschaft nibt es fein den Bolschewisten wiederholte Lloyd George , daß, bevor die Rechtsmittel und die öffentliche Meinung läßt sich das Regierung, die Rußland verwalte, die barbarische Methode widerstandslos gefallen! aufgegeben habe, und auf zivilisierte Weise regiere, fein In Sachsen herrscht überhaupt ein tahres Streckens zibilisiertes Gemeinwesen in der Welt geneigt sein werde, regiment. Am vorigen Freitag wurde auch das Dresdener unmittelbar Frieden zu schließen. Es bestehe keine Regie- Barteiblatt verboten, und damit sind fast alle fäciirung, die das Recht habe, für ganz Rußland zu sprechen. fchen Tageszeitungen der„ Unabhängigen SozialDer einzig übrigbleibende Weg sei, Rußland durch den demokratischen Partei in diefer Reit wichtigster politischer Handel zu retten', was einen beruhigenden Einfluß Entscheidungen unterdrückt. Die Chemnitzer „ Bolkszeitung" haben würde und mehr als jede andere Methode die Grau- und die„ Volkszeitung für das Muldental" find ebenfalls berboten; nur die Volkszeitung" für Planen ist noch unfamkeit und Raubsucht der Bolschewisten ausrotten werde. behelligt. Sachsen gehört zum IV. Wehrbezirk, und dort führt der Generalmajor Maer fer das Regiment. Er hat auch außerhalb Cochfens fast alle sonst noch in seinem Bezirk vorhandenen Blätter der Unabhängigen Sozialdentofratischen Partei verboten, darunter das„ Volksblatt für Halle" auf unbestimmte Zeit. Immer wieder muß berborgehoben werden, weil es so ungeheuer charakteristisch für die deutschen Verhältnisse ist, daß die Handhabung des Be lagerungszustandes praktisch in den Sänden der Militärs liegt, dok damit trot aller juristischen Benoch immer schönigungen der Militarismus über der 3ivilgewalt steht.
Senat.
Zur Lage in Irland , wo die feigsten und verächtWir wissen nicht, ob Professor Roethe Straßburg nur lichsten Morde begangen würden, fagte Lloyd George : Könfür den Deserteur in Amerongen erobern will. Der frühere nen unter diesen Umständen die englischen Truppen aus Jr Kronprinz dürfte für ihn ausscheiden, nachdem er die un- land zurückgerufen werden? Solange die Regierung für erhörte Schmach auf sich geladen, daß er erklärt hat, sich frei- die öffentliche Ordnung und Sicherheit in Irland verantmillig stellen zu wollen. Die Deutsche Tageszeitung", die wortlich ist, muß sie ihre Pflicht tun. Montag abend erklärt hatte, daß die Selbstgestellung ein Berbrechen gegen Staat und Volk" bilde, attestiert heute den früheren Kronprinzen mit unzufriedener Miene, daß fein Gedankengang sich nicht mit der Wirklichkeit dede und nur ein Moment der Verwirrung für die auf den Listen Der Senat hat mit 62 gegen 10 Stimmen eine Resolution terzeichneten Beriönlichkeiten schaffe. Im übrigen bemerkt angenommen, bie van ten demokratischen und republikanischen das Blatt mit baum verhüllter Bosheit, daß der frühere Führern unterstützt wurde und derzufolge der Friedens. Kronprinz sich wohl nur deshalb der Entente angeboten vertrag an die Kommission für auswärtige Angelegenheiten babe, weil er fich in Holland befinde und überzeugt fei, aurüdverwiesen pird, mit der Weisung. einen Bericht dak die niederländische Regierung ihn nicht ausliefern werde, über die republikanischen Reserven, die in der letzten Sigung an falls er sich nicht freiwillig stelle. genommen wurden, abzustatten. Die Kommission tritt heute Ale wichtigste Waffe der deutschnationalen Kreise Dienstag zusammen. Ran erwartet, daß der Bericht sofort er empfiehlt das Agrarierblatt nach wie vor den politi- tattet werden wird.
Wie lange soll dieser Zustand nun eigentlich noch dauern. Glaubt die Regierung wirklich, daß diese Maßregeln irgendeinen Sinn haben? Der Partei als solcher fönnen sie nichts anhaben. Sie scen nur immer erneute Erbitterung und dienen nur der völligen Bloßstellung einer Demokratie", die ihre eigenen Grundfäbe in leichtfertigfter Weise vreisaibt.