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Montag, den 17. Mai 1920

Alummer 179 Abend- Ausgabe

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Freiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Pommersche Schulreaktion und Kultusministerium.

Von Profellor Dr. W. Werdmeister.

Die pommeriche Schulreaktion ist nicht eine selbstän­bige Lebenserscheinung, sondern fann nur verstanden und gewürdigt werden auf dem politischen reaftionä­ren Hintergrund, vor dem sie sich abgespielt und der ihr Lebenselement ist. Bommern gehört zu den besten reaftionär organisierten Ländern der deutschen Republik. Es ist dies das Verdienst nicht nur der pom­merschen Junker und Großagrarier, jowie der Groß- Stet­tiner Großindustriellen, die schon seit Februar 1919 Gelder zusammengeschossen haben, von denen jetzt 23 Barteisefre­täre dis brave Pommernland bearbeiten, sondern hervor­ragenden Anteil an dieser geradezu glänzenden politischen Organisation haben vor allem auch die hochbezahlten poli­tischen Drahtzieher der Stettiner Landwirt. fchaftskammer und eine große Menge von Intelligen­zen aus dem Bürgerstande, die zum Teil mit den ge­nannten reaktionären Streisen finanziell verwachsen find und zum ganz kleinen Teile politisch völlig ungeschulte und ungebildete Ideologen darstellen.

In diefem unseren reaktionären Hinterlande, in dem fich Rebellen und Hochverräter auf den großagrarischen Gü­tern rubia ichlafen legen fönnen, ist natürlich auch die Echule ganz reaktionär.

Unabhängige Wahlerfolge.

Die Wahlen in Danzig .

( Eigene Drahimeldung der Freiheit".) Danzig , 17. Mai. Bei den gestern stattgefundenen Wahlen zur verfassung: ber gebenden Berfammlung Stadt freien Danzig wurden Stimmen abgegeben: für die Unabhängige Sozialdemokratie 26 345 Stimmen,

Deutschnationalen 42 259 Stimmen, Rechtssozialisten 23 706 Stimmen,

Freie wirtschaftliche Vereinigung 14 759 Stimmen, Zentrumspartei 21 128 Stimmen, Deutschdemokraten 13 342 Stimmen, Polen 9400 Stimmen.

haben die Rechtssozialisten in der Stadt Braunschweig nur 8188 Stimmen auf sich vereinigt, während sie noch bei der Landtags wahl im Dezember 1918 13 165 Stimmen zählen konnten. Die Wahlbeteiligung war überaus start. Von den 95 000 Wahlberechtigten haben heute in der Stadt Braunschweig run 72 000 Bersonen gewählt.

Bis abends 10 11hr lag folgendes Wahlergebnis bor : Landeswahlverband 47 306 Stimmen, Unabhängige 47 250,

Rechtssozialisten 16 551,

Demokraten 11 247,

Rommunisten 2044 Stimmen.

Dieses Resultat zeigt eine geringfügige Mehrheit des Lanteswahlverbandes, des reaktionären bürgerlichen Blods, gegenüber unserer Partei. Das endgültige Ergebnis lieg noch nicht vor.

Die Räumung des Maingaues.

Maina, 16. Mai. ( avas.) General Nollet, der Chef der interalliierten militärisches

Der gewaltige Erfolg unserer Partei und der fallastrophaie Stimmenausfall für die Rechtssozialisten wird erft flar, wenn wir die Stimmenverteilung bei den Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung em 19. Januar 1919 zum Ber­gleich heranzichen: für die Unabhängige Sozialdemo tratie 9 667, Deutschnationalen 30 033, Rechtssoziali. sten 65 623, gentumspartei 28 060, Deutschdemokraten 41 708. Kontrollkommiffion, bestätigte offiziell, daß die deutschen Streit Die Unabhängige Sozialbechofpatie hat also ihre Stimmenzahl un fräfte in der neutralen Zone die vorgefchriebene Zahl nicht über das dreifache erhöht, während die Rechtesozialisten nur schreiten. Infolgedeffen hat Marschall Foch den Befehl gegeben, den dritten Teil ihrer Stimmen aufbringen fonnten. Allerdings die neu befesten Gebiete zu verlassen und die Befagung an bis Als am Sonnabend, den 13. März 1920, der Draht die ist eine Einbuße an sozialistischen Stimmen überhaupt zu vermer- ehemaligen Grenzen des Brückenkopfes zurückzuführen. Die Rüd Runde von dem Kapp- Butich auch an Bommerns schönen fen. Unsere Partei hat besonders unter der Landbevölke zugsbewegung wird am Montag, den 17. Mai, stattfinden. Ostseestrand brachte, da strömten die bürgerlichen Schichten rung einen großen Stimmenzuwachs zu verzeichnen. In Stellung von Geiseln für die Zeit der Räumung. boller Begeisterung für die erhabene reaktionäre Sache hin Danzig selbst haben wir etwa einen Stimmenzuwachs Frankfurt a. M., 16. Mai. zu den Fahnen der Zeitfreiwilligen. Unter ihnen auch eine von 75 Prozent, während wir unter der Landbevölkerung Bahl von Lehrern und Beamten. Steinem der etwa 4-500 Prozent mehr herausgeholt haben. Die Wahlresultate früb mitgteilt haben, wird die Räumung Frankfurts und bes Wie die französischen Behörden hiesigen Amtsstellen heut Lehrer, die so an dem Kapp- Butsch teilgenommen haben, von 31 Bezirken, die sicherlich noch zu unseren Gusten ausfallen, Maingaus Montag, den 17. Ma, früh 4 Uhr beginnen. Um wäh fann unbekannt geblieben sein, zu weisen Gunst en stehen noch aus. rnd der Räumung unliebsamen Vorfällen vorzubeugen, fordert die er zu den Waffen eilte. Die Tatsache des vollen- Die Verteilung der Mandate ist folgende: Deutsch französische Behörde für Montag früh Stellung von Geijeln, und deten Hochberrais war und ist hier in Pom nationale 34, Rechtssozialisten 19, Unabhängige 21, zwar den Regierungspräsidentn Cogmann, Oberbürgermeister mern gegeben. Ebensowenig dürfte es den in Frage Freie wirtschaftliche Bereinigung 12, Zentrumspartei 17, Deutsch Boigt, Polizeipräsidenten Ehrler , Stadtverordnetenvorsteher Hopf, kommenden Schulleitern verborgen geblieben fein, demokraten 10, Bolen 7 Stadtrat Dr. Rumpf, Stadtverordneten Lion. Außerdem muß weshalb ihre Lehrer vom Dienst gefehlt haben. Diese Zahlen dürften sich nach dem endgültigen Resultat noch eine Bürgschaftsjumme von einer Million Mar! hinter­legt werden.

Es sind jetzt bereits 1% Monate seit dem Stapp- Butich etwas verschieben. berflossen. Man hat auf jozialistischer Seite wir Un­

abhängigen waren in diesem Punkte mit unseren rechtsjogia Die Landtagswahlen in Braunschweig .

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Der Ansturm des gesamten Bürgertums gegen unsere Partei

Auch die Belgier ziehen ab.

H. N.Brüssel, 16. Mai. listischen Kollegen einig von Woche zu Woche gewartet, ob und was das Kultusministerium gegen die Die belgischen Truppen in der Gegend von Franki pommerschen Kapp- Schul- Rebellen unternehmen werde. So in Braunschweig ist läglich gescheitert. Unsere Partei furt haben den Befehl erhalten, das bejezte Gebiet zu räumen. gar von seiten der sonst so zahmen pommerschen rechts- marschiert wieber an der Epiße der Stimmen, ebenfalls sozialistischen jog. Arbeitsgemeinschaften liefen bei dem Sul- geht die Bahl der abgegebenen sozialistischen Stimmen überhaupt Annahme der Friedensresolution in Amerita. tusministerium ernsthafte Protefte gegenüber diesem Ge- nach dem vorliegenden Resultat noch mit über 7000 über die baren der pommerschen Schulreaktion ein. Ich habe im Gesamtzahl aller bürgerlichen Stimmen hinaua. Namen des pommerschen sozialistischen Erzieher nisten und Rechtssozialisten haben eine erfledliche gung bes Kriegszustandes mit Deutschland und bundes wiederholt und sehr eingehend dem Kultus. Niederlage erlitten. In ihrer angeblichen Hochburg Braun- Desterreich mit 43 gegen 38 Stimmen angenommen. Er ministerium die Lage der pommerichen Schulverhältnisse schweig haben die Kommunisten ganze 1692 Stimmen erhalten hat an die Stelle der fürzlich vom Repräsentantenhaus angenom dargestellt und um Klarstellung und Untersuchung derselben gegen 28 022, bie für unsere Partei abgegeben wurden. Ebenso menen Resolution die des Senators R nog gesent. gebeten, aber bis heute ist vom Kultusministerium nichts Durchgreifendes geschehen, um die Schuldigen zur

Red nichaft zu ziehen.

Kommu

Washington, 15. Mai. ( Reuter.) Der Senat hat die Resolution betreffend die Beendi

Das Kultusministerium hatte zwar nach Ostern zwei berhöhnen können, bebor diefe überhaupt Durchgreifendes gegen die Schulrebellen Mitglieder nach Stettin gesandt, die mit einigen Sozialisten gegen die Reaktionäre den Mund aufgetan geschehen. Mit den wichtigsten Erlassen des Stultusministeriums berhandelten und sich allgemeine Informationen geben baben. Dem Kultusministerium ist diese Stimmung und ließen; ebenso wurde ein Mitglied nach Greifswald ge- Saltung der reaktionären pommierschen Lehrerschaft be- feit November 1918 ist von seiten der reaktionären Direk schickt, aber seitdem hat man nichts mehr vom Kultusmini- fannt, aber bis jetzt ist nichts geschehen, um diesen reaktio- toren- und Lehrerschaft vielfach versteckte oder offene fterium in Pommern gehört. Alles ich weigt von nären Uebermut zu dämpfen. Sabotage getrieben worden. Man denke nur an den dieser Seite, und die reaftionären Herren Was müßte, was fann das Kultusministerium Hae- ersten Elternbeiratserlaß von 19181 Gewiß, es muß zu­Schulleiter und Lehrer lachen sich ins nisch tun. um hier Wandel zu schaffen? Das Ministerium gegeben werden, daß die Hauptschuld daran der Umstand Fäust chen! müßte unverzüglich untersuchungskommissio- hat, daß die Lehrer- und Schulverwaltungsbeamtenschaft

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Inzwischen hat das preußische Staatsministerium ja nen einsetzen, in denen nur organisierte Arbeiter durchaus reaktionär sind. Aber das wissen doch die sozia­nun auch beschlossen, bei den Oberpräsidien sog. Unter- und Lehrer der sozialistischen Parteien listischen Mitarbeiter des Ministers Haenisch schon bor­fuchungsfommissionen einzusehen. Diese sollen sich aus je jäßen und denen die gesamten Schulbehörden der Provinzen her! Jene von Haenisch neu berufenen Mitarbeiter einem Mitgliede der drei Koalitionsparteien zujammen- glatt unterstellt pürden. Eine Einsetzung solcher soziali- oder Dezernenten des Kultusministeriums hätten daher fetzen. stischer Untersuchungskommissionen widerspricht aber tan- die Pflicht gehabt, bei jedem Erlaß zu prüfen und Zunächst ist bei uns in Pommern von einer Ronsti- ienderlei staatsrechtlichen Baragraphen des geltenden Rech zu erwägen, auf welche Weise der Erlaß tuierung solcher Rommission noch nichts bekannt tes. Haenisch ist einfach nicht in der Lage, auf diesem ein- unter allen Umständen auch gegen der geworden; und sodann möchte ich fragen, ob man ernst- fachsten und geraden Wege etwas Durdgreifendes zu willen der widerstrebenden Direktorer haft glaubt, daß auch nur ein Sozialist sein machen. Das ist nicht seine periönliche Schuld, das muß und Lehrer zur Wirklichkeit und Geltung Anflagematerial einer solchen Kommis- bier rubig zugegeben werden, sondern Schuld ist einfach gebracht werden kann. fion auslieiern wird, in denen zwei Drit- dicie verhängnisvolle Roalition, die die Es handelt sich daher bei dieier Forderung nicht nur tel Mitglieder Bürgerliche sind? Wo sind Nechtsiozialisten mit den bürgerlichen Parteien eingegan- darum, Grlasse vom Kultusministerium hinausgehen zu die Garantien für die sozialistischen Lebrer. daß der Pfeil, den gen sind und die in jedem einzelnen Regierungsreffort flipp lassen, sondern auch zugleich für ihre Uebermitt­fie auf des Bogens Ecbne legen. fich nicht nachher gegen sie und flar beweist, daß fie einen glatten Verrat der prole- Iung und Ausführung derartige unzweideutige An­selbst richtet und daß sie nicht schutlos dem fanatischen Saß tarischen Interessen bedeutet, weil sie die Regierungsiozia weisungen zu geben, daß eine Nichtbefolgung oder eine der großen Masse der reaktionären Zebrer ausgeliefert sind! listen, ihren guten Willen vorausgesetzt, an jedem energi- ftille oder offene Umgebung der betreffenden ministerieller Das Ministerium und der liebe Gott find weit! Ricat es fchen Echritt hindert. Erlasse unmöglich ist.

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doch schon jetzt so, daß Schulleiter ibre soziali- Aber es bleibt dem Kultusminister doch noch sehr wohl stischen Lebrer rubia als Denunzianter" der Berwaltunaswca übria. Auch bier ist nichts

Freilich, mit den Mitteln des bisherigen feierlichen Berwaltungs- und Beamtenapparates läßt sich das hier