Die militärische Verbrecherzentrale
Vorläufiges Nachwort zum Blau- Prozeß
Vor dem Moabiter Geschworenengericht hat gestern in den späten Abendstunden ein Prozeß sein Ende gefunden, der für das politische Leben Deutschlands von größter Bedeutung ist. Drei junge Kommunisten waren angeklagt, den Lockspitzel Blau ermordet zu haben. Die Beweisaufnahme hat aber ergeben, daß nicht die jungen Kommunisten die Täter waren, sondern daß der Mord von Spizeln, die im Dienste militärischer Nachrichtenstellen standen, vorbere tet und durchgeführt wurde, um die kommunistische Vartei mit dem Verbrechen zu belaften und sie politisch unmöglich an machen. Das ganze verwerfliche 2ockspigelsystem, das die rechtssozialistisch demokratische Regierung in der Republik groß gezüchtet hat, wurde durch den Prozeß schonungslos bloßgestellt. Es ist nunmehr gerichtsnotorisch geworden, daß amtliche Regierungstellen, insbesondere aber die Reichswehr, Verbrecher in hren Dienst gestellt haben, denen die Aufgabe zugewiesen ist, politisch unbequeme Parteien zu schädigen oder gar zu vernichten. Dieses Lockspite system der Republik arbeitet mit nie berträch tigeren Mitteln, als es jemals unter einer kaiserlichen Nenierung der Fall war. Es find die verbrecherischen Methoden Ludendorffs, die, während des Krieges in der Hauptsache im neutralen Auslande erprobt, ießt in Innern des Landes
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angewendet werden.
Borerst die eine Feststellung: die gegen die Rommunisten erhobene Anklage fügte sich auf die Aussagen von Spigeln, die an em Verbrechen entweder selbst mit gewirkt oder sich der Beibilfe dazu schuldig gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft hat utcht für nötig erachtet, diese Leute wen gstens als Zeuge vor Bericht zu zitieren und es bedurfte erft der angestrengten. Rühewaltung der Berteidigung, um wenigstens einen dieser Berbrecher, den Lockspigel Toiff, zur Vernehmung zu zwingen. Ein weiterer Mitschuldiger, der Spitzel Schreiber, der sich außerdem noch in München eines Mordes schuldig gemacht hat, ist von der Polizei nach der Schweiz abgeschoben worden, achdem er vorher schwerbelastende protokollartsche Aussagen gegen le ang flagten Kommunisten gemacht hatte. Es war der Vereidigung nicht möglich, diesen Zeugen aus der Schweiz zurückzuolen, durch dessen Bernehmung der Prozeß sicher eine ganz andere Bendung bekommen hätte. Denn dann wäre vor Gericht festgestellt vorden, daß die wahren Mörder des Lockspitels Blan seine eigenen Rameraden aus der Lockspielzunft waren und daß die intellektuellen Urheber des Verbrechens in jenen Na ch richtenzentralen zu suchen sind, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, durch Brandstiftung die inneren Unruhen an schüren und der Militärkamarilla die Wege zur Alleinherrschaft zu ebnen.
Auch der ermordete Polizeiinspektor Blan war ein schwerer Verbrecher. Es ist erwiesen, daß er während der Januarkämpfe im amtlichen Auftrag die Bügenstein Druckerei besetzte, Autos beschlagnahmte und Räuberfahrten unternahm, die dann der revolutionären Arbeiterschaft zur Last gelegt wurden. Selbst der Staatsanwalt mußte in seinem Blädoyer zugeben, daß dieser Blau ein ganz verwerfliches Subjett gewesen sei und eine sehr dunkle Rolle gespielt habe. Wir wissen insbesondere, daß Blau neben der Ausführung von Verbrechen und der Auftiftung dazu in Berlin , im Ruhrgebiet und vor allem in München wit ste 20dfpigeleien betrieb und viele unschuldige Arbeiter auf diese Weise ins Berderben geführt hat. Am schlimmsten aber wurde der Lockfpigel Zoifl belastet, der im Auftrage der militärischen Nachrichtensielle des ans dem LedebourProzeß bekannten Grafen Weftaip handelte. Er hat im Auftrage feiner Dienststelle Naubzüge unternommen, Erpressungen verübt und unter den jungen Kommunisten, deren Vertrauen sich Dieser Bursche erschlichen hatte, fortgefest zu Mordtaten, Raubzügen und ähnlichen Verbrechen aufgefordert. Er hat selbst den Ueberfall auf den Diamantenhändler Orlowsti ausgearbeitet, die jungen Kommunisten zur Teilnahme an diesem Verbrechen überredet, er hat sie mit Waffen, Munition und militärischen Kleidungstüden versehen und dann die Tat selbst mit ausgeführt. Trotzdem lag für die Staatsanwaltschaft bisher keine Veranlassung vor, dieses gefährliche Subjekt hinter Schloß und Riegel zu bringen. Es wurde ihm vielmehr Gelegenheit gegeben, als Zenge vor dem auß.rordentlichen Kriegsgericht eine Aussage zu beschwören, die der Wahrheit widersprach. Auf diese Weise wurde der an dem Ueberfall auf Orlowati gänzlich unbeteiligte Ficht. mann au 12 Jahren Buchthaus verurteilt, während der witliche Verbrecher, d.r Lecipizel Zoift, auf freiem Zuße blieb und jetzt wieder in dem Blauprozeß Aussagen beschwören konnte, für die jeder andere wegen Meineids auf der Stelle ver haftet worden wäre.
Wie groß das Schuldkonto diefes bon amtlichen Stellen beauftragten Verbrechers ist, geht allein aus dem Umftande hervor, daß er auf alle wichtigen Fragen die Aussage verweigerte mit dem Hinweis darauf, daß er sich sonst strafbar machen würde. Trotzdem wagte der Staatsanwalt in seinem Plädoy r diese Kreatur als Kriegshelden zu feiern, der, wenn er überhaupt etwas Böses egangen habe, im Auftrage der sogenannten Fichtmanngruppe jehandelt habe. Das ist eine völlige Berdrehung der Wahrheit. Mit eht führte der Verteidiger Dr. Weinberg aus, daß es in der inmunistischen Parle teine T- Gruppen gäbe, wenn solche uppen überhaupt vort, anden selen, dann feten es Toifl- Gruppen, e im militärischen Auftrage Verbrechen verüben, um für die Netchser den Nachmets thres Bestehens zu liefern. Es ist ein Standal Ar die republikanische Staatsform und ein Beweis für die Ver= odderung unserer Rechtsverhältniffe, baß sich Verbrecher wie Toist der ungestörten Freiheit erfreuen können und saß nichts unternommen wird, um ihren Auftraggebern das Handverf zu legen. Wir verlangen die Erhebung der Anklage gegen den Grafen Westarp und den Hauptmann v. Ledebur vegen der Anstiftung der Berbrechen, die der Lockspizel Toift in ihrem Auftrage begangen hat.
Die Militärkamarilla und die mit ihr verbündeten Rechtsparteien aubten, aus diesem Prozeß politischen Gewinn schlagen * tönnen. Die Rechtspresse hat seit Monaten den Mord an Blau a der gewisser lofesten Weise ausgeschlachtet und die„ Deutsche Tageszeitung erbreiftete fich fogar, den Berhandlungsbericht unter Der Ueberschrift Gin jüdisch tommunistischer Mord viederzugeben. Nun hat das Urteil ergeben, daß der einzige üdische Angeklagte fälschlicherweise verdächtigt wurde und deshalb reigesprochen werden mußte. Bei den anderen Angeklagten onnte nur die Beihilfe zum Mord angenommen werden, aber auch diese Beweisführung steht auf sehr schwankendem Boden und vir werden das noch im Einzelnen nachweisen. Die eigent ichen Täter sind durch die Beweisautnahme leider nicht ernittelt worden und es ist nur zu sehr die Annahme berechtigt, daß ie von ihren Auftraggebern absichtlich im Berborgenen sehalten wurden, damit die Militärkamarilla, die sich dieser Berbrecher bedient, nicht restlos der Schande und der Verachtung preisgegeben werde. Biel zu viel Schmuz und Unrat wurde durch diesen Prozeß schon zutage gefördert. Ein Mehr ist für den Militarismus, wenn er noch Ghrgefühl hätte, fchlechterdings nicht mehr ju tragen.
Der Prozeß hat noch aur rechten Zelt stattgefunden. Auf der Konferenz in Spaa wollen die Rechisparteien die Notwendigkeit eines starten Heeres mit der Gefahr innerer Unordnung begründen. Die Welt weiß nunmehr, wo die wirtlichen Un ruhestifter zu suchen sind, wer in Deutschland politische Vers brechen begeht und welche Kreise an diesen Verbrechen interessiert find. Nur durch eine Herabsehung und Beseitigung ber Wehrmacht, nur durch eine völlige unschädlich machung des ge famten militärischen Betriebs tann Deutschland zur Ruhe und Ordnung tommen. Der deutsche Militarismus hat außenpolitisch immer de Rolle des Brand= stifters in Europa gespielt, seit der Revolution hat er seine verbrecherische Tätigkeit in das eigene Land verlegt und damit alle schändlichen Vorkommnisse des letzten Jahres auf sein Gewiffen
celaren.
Freigewerkschaftliche Betriebs
rätezentrale
зи
Am 5. Juni tagte eine Konferenz der Vertreter der Bezirke und Ortskartelle des Allgemeinen deutschen Gewert schaftsbundes( Generalfommission) und der Arbeitsge= meinschaft freier Angestelltenverbände, um dem Aufbau der wirtschaftlichen Räteorganisation auf gewertijd aftlicher Grundlage Stellung zu nehmen. Auf der Tagesordnung stand: 1. Die Organisation der Betriebsräte, 2. Die Aufgaben der Betriebsräte. Auf Antrag von Münchener Delegierten wurde als 3. Verhandlungspunft die Lage der Arbeiterschaft bestimmt. Brolat erläuterte die Richtlinien für die Zusammenfassung der Betriebsräte. Die Richtlinien wären nichts endgültiges, durch die Erfahrung und die praktischen Bedürfnisse müßten fie entsprechend torrigiert werden.
Nörpel führte aus, die Gewerkschaften müßten Träger er Betriebsräteorganisation sein. Er stellte Leitsätze auf für die arbeiten der Betriebsräte. Die Aufgaben find: 1. Die Einwirtung auf die Produktion ist Aufgabe der Betriebsräte und Obleute. 2. Bei der Geschäftsführung greifen die Funktionen der Betriebsräte, der Betriebsobleute, der Arbeiter- und Angestelltenräte ineinander. 3. Ebenso ist es bei den sozialen und Berufsgruppen. 3. Die Kenntnis der Gebiete, die nur ideell mit dem Gesetz zusammenhängen, wie Wirtschaftslage, innen- und außenpolitische Berhältnisse, Weltmarkt, Rohstoffquellen, Absatzgebiete, Bedarf und Verbrauch. Die Trennung dieser Aufgaben durch das Gesetz sei eine fünftliche.
Digmann( Metallarbeiter): Das der Konferenz vorgelegte reich haltige Material tann nicht in der Kürze der Zeit durchgearbeitet werden, deshalb tann auch teine Verpflichtung bestehen, alle Richtlinien anzunehmen. Die Gewerkschaften hätten 20 Jahre gefämpft für die Anerkennung der Arbeiterausschüsse. Deren Aufgaben hätten jetzt die Betriebsräte mit zu erfüllen, deshalb sei die Kontrolle derer Tätigkeit durch die Gewerkschaften eine zwingende Notwendigkeit. Ueber das Gesetz hinaus zu erstrebende Aufgaben der Betriebsräte gehören ebeenfalls zu den Funktionen der Gewerkschaften. Dißmann wies auf Rußland hin, wo die Genossenschaften den Umstellungsprozeß des Wirtschaftslebens vollziehen. Die Betriebsräte müssen örtlich durch die Gewerkschaften erfaßt werden und zwar: 1. eine allgemeine Zusammenfassung aller Betriebsräte, 2. durch den einzelnen Verband. Diese Betriebsräte müssen den ihnen gebührenden Einfluß auf die Verwaltung des Verbandes erhalten. Gemeinsam arbeiten, als Gleiche mit Gleichen, unter Umgestaltung der Gewerkschaften zu revolutionären Rampforganisationen, dann werden wir auch das Ziel erreichen. Schilling, Leipzig : Durch Dißmanns Ausführungen ist den Verwaltungen des Metallarbeiterverbandes der Boden entzogen worden, die glaubten, der Organisationsplan der Metallarbeiter perbiete die gemeinsame Organisation. In Leipzig sind wir mitten in der Arbeit des Aufbaues. Deshalb fommt die Generalfommis fton reichlich spät mit ihrem, Blan. In der Betriebsräteorgani sation müsse die parteipolitische und gewerkschaft. liche Reutralität herrschen. Nur das Bekenntnis zum Sozialismus werde in Leipzig verlangt. So werden die Gewert schaften nicht nur Träger des wirtschaftlichen Rätesystems, sondern auch die politische Bewegung des Proletariats.
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Ruf, München Aus der Unfähigkeit der drei sozialisti schen Parteien die Interessen der Arbeiter zu vertreten ergebe sich für die Gewerkschaften die Notwendigkeit, sozialistische Pos Titit zu treiben. Die Angestellten seien in München seyr unzuverlässig und arbeiten fast nicht mit; nach ihren Erfahrungen tönne man nur mit freigewertschaftlichen Organisationen etwas erreichen. Bollmerhaus, Berlin : Es ist notwendig, daß die Ort aus schüsse , nachdem dieselben Glieder des A. D. G. B. geworden sind, öfters in wichtigen Angelegenheiten gehört werden müssen. Die Erfassung der Betriebsräte durch die Gewerkschaften darf unter feinen Umständen dazu führen, sie nur als Gewertschaftsfunttionär zu betrachten und den Arbeitsgemeinschaften dienstbar zu machen. Durch den Entwurf der Gewerkschaftskommission Berlins sei der Bundesvorstand zum schnelleren Handeln getrieben worden. Nicht die Organisationsform macht den Betriebsrat zum Mithelfer der Umgestaltung des Wirtschaftslebens, sondern der Geist der herrschend ist. Die Berufsorganisationen dürfen der Entwic lung nicht hemmend im Wege zur Industrieorganisation stehen. Die politische Neutralität der Gewerkschaften gehöre der Bergangen heit an.
Lütge, Hamburg : Die Betriebsräte dürfen nicht Organe einer bestimmten politischen Partei sein. Nach diesem Grundsage haben wir in Hamburg gearbeitet. Einige Arbeitergruppen haben sich bei uns noch abseits gestellt.
Schenker, Chemnig: Hier habe man schon mit der Bezirksorganisation begonnen. Man müsse auch die Betriebsräte mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen vertraut machen.
Umbreit, Berlin wehrt die Angriffe auf den Bundesvorstand ab, daß er sehr spät mit dem Entwurf herausfomme. Nicht die Firigkeit, sondern die Richtigteit jei entscheidend. Dikmanns Ausführungen tlangen versöhnlich, doch sei der Entwurf der Metallarbeiter zweideutig. Die Reibungen würden überwunden werden durch die weitere Klärung.
Winkler, Salle berichtet über Halle und Mitteldeutschland. In der Abstimmung wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Sie lautet:
Die am 5. Juli im Gewerkschaftshaus zu Berlin versammelten Vertreter der Bezirke und Ortstartelle des ADGB . und der Aja stellen sich auf den Boden des Aufrufs und der Richtlinien der beis ben Spizenorganisationen zur Bildung reinewertschaftlicher Betriebsrätezentralen. In Anlehnung an das Betriebsrätegejek, deffen Mängel und Hemmnisse für die Arbeiterklasse beseitigt wer den müssen, muß der Kampf zur Ceringung des vollen Mitbestimmungsrechts und zur Bergesellschaftung der Brobunion aufgenom
men werden.
Im derzeitigen Betriebsrätegesek bleiben weite Kreise der in Kleinbetrieben tätigen Arbeitnehmer völlig unberücfiunt. Schon biese Tatsache bedingt ein inniges Zusammenarbeiten von Be triebsräten, Betriebsobleuten und Gewerimoften.
räte in
Die Konferenz erblickt die bringendste Aufgabe der Betriebs 1. der Einarbeitung in die Warenerzeugrna und Warenverteilung, 2. der Ausgestaltung der Geschäftsführung nach einheitlichen GeFichtspunkten, 3. der Lösung der sozialen und Berufsfragen,
4. der Fortführung von volkswirtschaftlicher Ausbildung der Be triebsräte.
Zur Erreichung dieser Ziele ist es notwendig, in den örtlichen Betriebsrätezentralen
1. bas Maierial der einzelnen Industriegruppen zu sammeln und einheitlich zu bearbeiten,
2. besgleichen die Bilanzen und Gewinn- und Berlustrechnungen zusammenzustellen,
3. auf diese Weije einen Ueberblid über den Stand der Industries gruppen zu gewinnen,
4. bura Vorträge die so gewonnene Kenntnis zu verbreiten, 5. durch Kurje die Betriebräte für ihre Aufgabe zu schulen,
6. für Verbreitung der Betriebsrätegetischriften zu wirten,
7. zur Bearbeitung ber si aus ber Geschäftsführung ergebendes Fragen and Differenzen, eine Organisationstommission zu wählen besgleichen fe fagiale and Berufsfragen eine Kommission jür So zialpolitik und für die Probuftion Betreffende Angelegenheites eine Remmiffion für Wirtschaftspolitit,
8. zu allen Fragen in den Vollversammlungen Stellung zu neh men, die notwendigen Maßnahmen zu beschließen und für deren Durchführung Sorge zu tragen,
9. auf Grund der bei der Durchführung dieser vorgenannten Mahnahmen gesammelten Kenntnis der Lage der Industriezweigt gemeinsam mit den Funktionären der Gewerkschaften die Rist linien für die Lohn- und Arbeitsverhältnisse auszuarbeiten.
Im Hinblick auf den vorstehenden Aufgabentreis ist ein ges trenntes Arbeiten von Betriebsräten und Gewerkschaften völlig unbentbar. Nur das engste Zusammenwirken beider Teile der Arbeiterbewegung fann zum Erfolg führen. Je gründ licher die Arbeiter und Angestellten in das Wesen der heutigen ta pitalistischen Wirtschaft eindringen und je fachkundiger fie dem Unternehmer entgegentreten, um so unüberwindlicher wird die Macht der Arbeiterklasse.
Legien äußerte sich zur Forderung nach einem Rätefongres nicht ablehnend. Er sei durchaus tein grundsäglicher Gegner eines Kongresses und zur gegebener Zeit werde man darauf zurüc fommen, wenn der örtliche Aufbau vollendet sei.
Die Lage der Arbeiterschaft wurde besonders von Schiffeze München in eindringlichen Worten über die ernste Situation dar gelegt. Der Bundesvorstand möge zur einheitlichen Aktion aufrufen um die Lage der Arbeiter erträglicher zu gestalten. Die Unruhen wurden durch die Reaktionäre gefürt. Ein Redner aus Breslau besprach die Wirkungen der Kohlennot und verlangte ein Eingreifen des Reiches, um der Arbeitslosigkeit zu steuern. Ents Sprechende Anträge fanden Annahme.
In einer längeren Aussprache über den 10prozentigen Steuerabzug führte Legien aus, daß wir immer für direkte Steuern eingetreten wären und nun nicht im Handumdrehen einen Beschluß über eine ungenügend geklärte Frage fassen könnten. Der Bundesvorstand wurde schließlich beauftragt, bei der Regierung vorstellig zu werden, um eine vorläufige Einstellung des Steuerabzuges zu erreichen. Damit waren die Arbeiten der Konferenz beendet.
Groß- Berlin
Die Beisetzung unseres Genossen Remer Am vergangenen Donnerstag wurde unser von bem Forsteleven Bertram erschossene Genosse Remer zu Grabe getragen. Es wat für Alt- Lüdersdorf ein ungewöhnliches Leichenbegängnis. Die Genofsinnen und Genossen waren überaus zahlreich erschienen. Im Namen der Partei sprach am Grabe Genosse Baul Schind Ter, Pantow. Knapp hatte er begonnen, trat der Pastor zu ihm, mit den Worten: Aber nur einige Worte, Sie dürfen nicht länger reben, das verstößt gegen die Kirchhofsordnung!" Gen. Schindler ließ sich aber nicht im geringsten stören und sprach weiter. Bon tiefstem Schmerz und Mitgefühlt bewegt, aber auch erfüllt von gerechter Empörung über die Tat des leichtfertinent Buben, widmete Gen. Schindler dem toten Freunde Worte des Dantes und der Licbe. Auch diese Tat, so führte er aus, ist legten Endes feine individuelle, sondern ist zu sehen auf das Konto der herrschenden Gesellschaftsordnung und ist ein Ausfluß jener leichtfertigen Wertung des Menschenlebens, die der Krieg verurs facht hat. Nur einem Zufall ist es zu danten, daß nicht drei Menschenleben zerstört wurden. Die Sühne des Verbrechens foll für uns darin bestehen, mit verdoppelten Anstrengungen und nie erlahmender Kraft dem Ziele zuzustreben, dem auch die Lebens arbeit Remers gehörte.
Das Dazwischentreten des Pastors löfte bei vielen Anwesenden das größte Mißfallen aus.
Im übrigen fei noch erwähnt, daß nach den an Ort und Stelle ge. machten Erfundigungen von einer Berfolgung des Täters und von Notwehr bei ihm gar feine Rede sein tann. Recht bezeichnend ist es, wie die Presse darüber informiert wurde bzw. f informieren ließ. Der erschossene Genosse Remer hat im Genenteil versucht, den mit der Waffe herumhantierenden Forsteleven Bertram zu bewegen, die Waffe wegzufteden und noch ehe Remer an den Täter herangekommen, war, fchoß dieser. Der ärztliche Befund be stätigt, daß der erste Schuß in einer gewissen Entfernung ab gegeben wurde. Die Gerichtsverhandlung wird beweisen, daß von einer Notwehr und Berfolgung des Täters teine Rede sein kann. Wem schuldet der Beamte seine Arbeitskraft?
Jeber, der diese Frage beantworten soll, wird sagen: dem, der sie ihm bezahlt; also der Kommunalbeamte der Gemeinde, der Staatsbeamte dem Staat, der Reichsbeamte dem Reich. In der Praxis wird davon aber vielfach abgewichen. Des öfteren find wir z. B. in Zuschriften darauf hingewiesen worden, daß Beamte während ihrer Dienstzeit zum Zwecke irgend eines Nebenverdienstes beurlaubt worden. So wird uns jegt wieder mitgeteilt, daß Beamte des Zentral- Nachweis- Amts an Renntagen beurlaubt werden, um auf Rennbahnen sich bes tätigen zu können. Das muß sowohl im Interesse der Steuerzahler, wie auch der vielen Arbeitslosen, sofort verhindert wer den.
Im Freibad Müggeljee gelandet wurde die Leiche einer un befannten Frau von etwa 30 Jahren. Die Tote hatte sich ihrer Oberkleidung entledigt und trug Strandschuhe. Sie ist etwa 1,65 Meter groß, hat hellblondes Saar und trug einen Ehering.
In der Wohnung ihres Bräutigams vergiftet hat sich die 27 Jahre alte Arbeiterin Hedwig Benz aus der Wichertstraße 68. Sie wurde um 11 Uhr abends in der Wohnung ihres Bräutigams in der Stralsunder Straße mit Leuchtgas vergiffet tot aufgefun den. In einem hinterlassenen Brief teilte die Lebensmüde mit, daß fie freiwillig den Tod gesucht habe.
Voraussichtliches Wetter für Berlin und Umgebung am Mittwoch: ziemlich warm, zeitweise heiter, aber veränderlich bet mäßigen südwestlichen Winden etwas Regen und Gewitterneigung.
Aus den Organisationen
8. Diftritt. 7. Abteilung, Mittwoch, 7 Uhr, bei Meyer, Tiffter Straße 64, Abteilungsversammlung. 13. Deftritt. Vollversammlung der Belltischen und der Agitationstommiffion, Donnerstag, 7 Uhr, Bornholmer Str. 72, Ede Malmber Str. 16. Diftritt. Seute, 7 Uhr, Berstandsfigung bei Barleben , Burgsdorf, Ede Wildenowstraße. Mittwoch, 7 Uhr, Kommunale Rommiffion, Schulaula, Dazu alle Stabt und Bezirksverordnete bes Donnerstag,
Die
Tegeler Str. 18-21, Sigung. Ditrifts. Bortrag über Kommunalisierung der Lebensmittel, 48 Uhr. 2. Abteilung Leseabend bei Erdmann, Schönwalder Str. 25. Funktionäre des 16. Diftritts haben zur Funktionärversammlung Berlin - Bran benburg, die am Mittwoch stattfindet, ihre Einlahtarte am Eingang bes Saales in Empfang zu nehmen.
18. District. Stenographieturfus, Mittwoch 7 Uhr, bei Meyer, Wriegener Str. 6. 1. 3ujammenfunft aller Teilnehmer. Charlottenburg . Bergnügungskommission, heute 7 Uhr, Sigung bei Saase, Spreeftr. 50.
Bereinstalender
Zentralverband der Angestellten. Jugendgruppe. Mitgliederversamına lung 7. 7., Sophienfäle, Sophienstraße 17-18, 7 Uhr.& a gruppe 14a. ( Femmechant! und Optif) Mitgliederversammlung 7. 7., Berbandsbureau,
6% Uhr.
Soz. prol. Jugend, Charlottenburg . Mittwoch, Spaziergang. Treffpunkt 7 Uhr vor dem Volkshause. Freitag, 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Bettshause, Lotal, fleines Jimmer.
grele longend Reinidendorf. Dienstag, 18 Uhr, wietige Witgftebevoorfa Inng des Artionsbegirls im Jugendheim, Reinikondorf- ek, Thornweber. 10. Freis sez. Jugend, Aftionsbegirt Gäben. Soute, 68 We, im Seim, igbo Berjammlung.
Brele fez. Jugend, Attionsbegie! Often. Seute, 18 Uhr, Mitgliederversammlung In der Martusstraße.