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Der Steuerabzug
Neue Ausführungsvorschriften im Ausschuß Es läßt fich taum ein größerer Wirrwarr vorstellen, wie er fich über die Frage des Steuerabzuges vom Lohn herausgebildet hat. Im Reichseintommensteuergeset war bestimmt worden, bag zehn Prozent vom Lohn und Gehalt bet jeder Zahlung abzuziehen feien; durch die Ausführungsbestimmungen des Reichsfinanzmini steriums wurde der 25. Juni als Beginn des Abzugs bezeichnet. Inzwischen hat der Reichstag ergänzende Bestimmungen ge chaffen, die am 1. August in Kraft treten sollen. Danach sollte der Steuerfreie Teil des Einkommens abzugsfrei bleiben, bis zu einem Einkommen von 15 000 M. sollte der Abzug 10 Prozent betragen, für die mutmaßlichen Einkommen von über 15 000 M. im Jahre ollte der Abzug von 15 Prozent an nach oben geftaffelt werden. Aber auch diese neuen Bestimmungen haben teine Klarheit ge= chaffen. Weber die amtlichen Stellen, noch die vielen Ausleger des Einkommensteuergesetzes können darüber bestimmte Auskunft geben, wie der Steuerabzug jetzt in den einzelnen Fällen ge= handhabt werden soll. Das Ergänzungsgesetz selbst ist noch nicht in Kraft getreten, es ist auch faum anzunehmen, daß der dafür vorgesehene 1. August innegehalten merden tann.
Im Reichsfinanzministerium hat jegt eine Besprechung stattgefunden, an der Vertreter der Arbeiter und der Unternehmerorganisationen teilnahmen. Es bestand Uebereinstimmung darüber, daß das vom Reichstag beschlossene Ergänzungsgeseh vom 1. August ab nicht durchzuführen sei. Es sollen nun in den nächsten Tagen vom Reichsfinanzministerium neue, vorläufige Ausführungsvorschriften erlassen werden, wonach vom Bruttoeintommen voraussichtlich für Alleinstehende monatlich 200 M. und für Verheiratete monatlich 300 m.( 125 m. als Existenzminimum und 75 und 175 M. für sonstige Abzüge) in Abzug zu bringen sind, so daß nur der Restbetrag dem Steuerabzug, ber jetzt bis 15 000 Mart Lohn 10 Prozent betragen soll und bei höherem Lohn in Staffeln auf 15 bis 55 Prozent steigt, unterliegt. Näheres darliber soll mitgeteilt werden, jobalb die vorläufigen Ausführungsbestimmungen vom Reichsfinanzministerium bekannt gegeben
werben.
Bet der Abfaffung des Reichseinkommensteuergefeßes hat die Rationalversammlung so flüchtig gearbeitet, daß jest nichts anderes übrig bleibt, als im Wege von Ausführungsvorschriften einige Klarheit zu schaffen. Db das mit den jetzt angekündigten Ausfüh rungsvorschriften erreicht wird, scheint uns noch immer zweifelhaft. Grundfäßlich ist aber bazu zu bemerken, daß der Erlaß solcher Aus führungsvorschriften eine Umgebung des Rechts des Reichstags bebeutet, Gesetze zu erfassen. Nach dem Beispiel des Reichsfinanzministeriums fönnte sich jebe andere Behörde herausnehmen, Gefegesbestimmungen so auszulegen, wie es ihren Bedürfnissen ent präche. Dann lämen wir dahin, daß an die Stelle von Gelegen Berordnungen und Borschriften treten, die von der Bureaufrafte erlassen werben. Im Reichstag wird über diesen Zustand noch ein scharfes Wort zu reben sein.
Partikularistische Bestrebungen
Rat ber Entente für die Abberufung des französi
schen Gesandten in München zu wirten."
Bu derselben Zeit, in der ble bayerischen Rechtssozialisten fich
Staatspräsident Ulrich, ihr Parteigenosse, in der heistso für die Einheit des Reiches einsetzten, hat der hessische schen Kammer ein heftige Rede gegen Berlin " gehalten. Hessen , so erklärte Herr Ulrich, werde sich nicht als preußische Proving" behandeln lassen. Man sieht daraus, daß die Rechtssozialisten fich nur dann gegen partitularistische Bestrebungen wenden, wenn sie sich in der Opposition befinden und das Bedürfnis haben, sich vor dem Bolte als die Hüter der Einheit des Reichs zu gebärden. Wo sie selbst in der Regierung Ren, haben sie noch stets die einzelStaatlichen Vorrechte mit allen Mitteln der Demagogie verteidigt. In derselben Rede erklärte Herr Ulrich noch, daß die hessische Regierung nicht daran dente, die Konsequenzen aus dem Ausfall der Reichstagswahlen zu ziehen, die auch in Hessen eine Niederlage der Koalitionsparteien gebracht haben, und den Landtag aufzulösen. So wird die Demokratie, der Wille des Boltes von den Rechtssozialisten dort respektiert, wo sie Nachteile für sich selbst von ihr befürchten!
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Das naive Reichswehrministerium Nirgends ist der Beamtenverbrauch so groß wie in der Pressestelle des Reichswehrministeriums. Alle 14 Tage braucht das Reichswehrminsterium einen neuen Pressedezernenten, weil überhaupt niemand die Nervenkraft aufbringen tann, bie Schwindelnachrichten und Ausreden länger als 14 Tage der Deffentlichkeit vorzusetzen. Jetzt möchte das Reichswehrministerium der Oeffentlichkeit vorreden, die Angelegenheit in Cuyhaven, wo die schwarz- weiß- rote Flagge auf den Kasernen, der in Shiffsstamm- Divifionen umgetauften Marine Brigade Ehrhardt flattert, set in bester Ordnung. Die Flagge sei die rechtmäßige Kriegsflagge, die man offenbar darum hißt, weil man fich im Kriegszustand mit allen Nicht monarchisten und sonstigen Juden befindet, sie sei auch nicht ständig auf der Kaserne, wie Böswillige behaupten, sondern man habe sie jetzt heruntergeholt und sie werde nur noch auf Befehl des KommanSanten gehißt. Saten treuze felen zwar auch noch an den Selmen, aber das Reichswehrminifterium tönne nichts dafür, benn fie seien verboten, und alle Mannschaften hätten sie ja auch nicht an den Helmen, sondern nur ein Teil derfelben. Ebenso sei bie Sache in Osnabrüd. Das Militärgericht, das seltsamer weise den Mann nicht finden fonnte, der in der Versammlung der Friedensgesellschaft einen Teilnehmer schwer verlegt hat, obwohl diefer bereits am 21. verhaftet und die Tat gestanden hatte, habe jetzt zum ersten Male überhaupt den Namen des Mannes gehört. Es hat ihm, nachdem er von den Zivilbehörden aus der Saft entlassen worden ist, einen mehr als zweimonatigen Bor Sprung für die Flucht verschafft. Im Reichswehrministerium fächelt man stil: na, was ist schon dabei, es ist doch alles in Ordnung!
Das Arbeitsprogramm des
Reichstages
Am tommenben Montag wird der Reichstag feine Tagung wieder aufnehmen. Ein Nachrichtenbureau macht über die zu er Tebigenden Arbetten folgende Angaben: Montag sollen bie. beutschen Delegierten Don Spaa thren Bericht er
ginnen und man hofft, fie unter Beschränkung der Redebauer, am gleichen Tage zu Ende zu bringen. Darauf soll bte Bera tung des Rotetats beginnen. Man will persuchen, bie Reben dazu zu Lontingentieren, um dadurch diese Berhandlungen möglichst noch in der lommenden Woche zum Abschluß zu bringen. Daneben sind noch zahlreiche Einzelaufgaben zu lösen, so bie Verlängerung der Retchstohlensteuer und die Gr lebigung des Reichswehrgefeges, das sich auf den Be Schliffen von Spaa aufbauen muß. Auch die Vorlage zur Durch ferten verabschiebet werden. Außerdem find noch zahlreiche Interpellationen zu erledigen.
Wir haben in dem Beltartttet unserer geftrigen Morgennummer barauf hingewiesen, bak rantreid in anden eine besondere Gesandtschaft errichten wolle. Diese An gelegenheit hat am Freitag den bayerischen Landtag beschäftigt. Der Ministerpräsident Dr. v. Kahr erflärte bazu, daß nach Artitel 78 ber Reichsverfassung bie Frage bez Beziehungen zu den auswärtigen Staaten ausschließlich durch das Reich ge tegelt fei. Die bayerische Regierung habe nun ber franzöfifchen Botschaft in Berlin wissen lassen, daß bas Schretben ber franzöfiftatten. Die Aussprache darüber soll Dienstag um ein Uhr be fchen Regierung wegen Errichtung einer französischen Gesandtschaft in München dem Auswärtigen Amt in Berlin übermittelt worden Jet. Inzwischen habe sich der französische Botschafter in München eingefunden und Herrn Dr. Kahr fein Beglaubigungsschreiben überreicht, daß er nach einer Berständigung mit dem früheren Reichsminister des Auswärtigen auch entgegengenommen habe. Die Rechtssozialisten gaben dazu eine Erklärung ab, wonach die Einsetzung eines französischen Gesandten in München in ben breitesten Kreisen der bayerischen Bevölkerung die lebhafteften Befürchführung der Entwaffnung soll noch vor den Sommertungen hervorgerufen habe. In der Erklärung heißt es weiter: Wir bebauern jedoch lebhaft, aus den Worten des Minister präsidenten nicht entnehmen za tönnen, daß er bei bem Empfange des Herrn Dard, unbeschadet der Wahrung der Formen der inter nationalen Höflichkeit, eine förmliche und feierliche Rechtsverwahrung auf Grund des Artikels 78 ber Reichsverwahrung abgegeben hat. Wir bedauern ferner, daß angesichts des ungebührlichen Borgehens der französischen Regierung ber Ministerpräsident nicht sofort durch eine amtliche Erklärung die Besorgnis im Bolte zerstreut hat. Wir erflären auch bei dieser Gelegenheit, daß alle Versuche, die Einheit und Geschlossenheit der deutschen Republit und des deutschen Voltes zu unterwühlen und zu zermürben, ben gefchloffenen Widerstand bet Sozialdemokratie und der Arbeiterschaft finden wird. Von der bayerischen Regierung erwarten wir, daß fie bie Reichsregierung ersucht, durch geeignete Schritte beim Oberften
zurück und erschöpften sich in einem nuglosen Kampfe gegen bie Elemente. Dugende von Straßen, Hunderte von Häusern brannten zugleich und stellten die schaurigste Brandfadel bar, die ber Weltkrieg angezündet hat. Im Angesicht eines solchen Ber ftörungswertes, dessen militärische Notwendigkeit" dem Laienderstand nicht einleuchten will, versteht der Besucher, wie schwer es für das französische Bolt ist, über das Geschehene hinwegzu tommen. Und doch, anders als durch Zusammenarbeit zwischen ben Nationen fann eine Stadt wie Reims nicht aufgebaut werben!
Briefe vom Lande
Taufende von Großstadtkindern werben ben Sommer über aufs Land geschickt, um sich bort von den typischen Großstadtkinderkrant heiten, wie Blutarmut , Bleichsucht, Unterernährung zu erholen, um neue Kräfte zu sammeln für ben Winter. Die meisten biefer Kinder haben es gut in törperlicher Beziehung, umsomehr müssen fie aber geistig leiden. Am schlimmsten find die Kinder daran, deren Eltern Sozialisten sind und ihre Kinder schon frühzeitig mit ben Schäben der sogenannten göttlichen Weltordnung vertraut gemacht haben. Vor mir liegen Briefe eines aufgewedten Neuköllner Jungen, bie schon wegen ihrer Auffaffungsgabe, die fte aufweisen, verdienen, ans Tageslicht gezogen zu werden unb bie nebenbei bem aufmerksamen Beobachter der Kindesfeele so viel Serzeletb offenbaren, daß es unbedingt notwendig ist, die maßgebenden Stellen barauf aufmerksam zu machen. Die Eltern bes fleinen Briefschreibers hatten ihm aufgegeben, den Zettel betreffs Be freiung vom Religionsunterricht dem Lehrer abzugeben. Der Kleine schreibt seinen Eltern, er traue sich das nicht, da der Lehrer zu anderen Jungen gesagt hat, jo etwas gibt es nicht, wer feinen Religionsunterricht mitnimmt, ist ein Spartatist." In einem andern Briefe heißt es: In der Schule wird es statt besser nur noch schlechter. Jo mußte gestern dreimal die erste Bitte abschreiben. Das sind über zwei Seiten." Und weiter:„ Wenn wir in Religion nichts fönnen, müssen wir es abschreiben. Das muß ich auch machen und zwar Gebote." Wenn wir Turnen haben, müssen wir immer stramm stehen und die ganze Stunde mar Schieren. Und dann sagt der Lehrer immer, bas ist nicht militariss mus, sondern Ordnung. Einmal rühmte er sich, indem er sagte, ja, seht ihr, ich bin noch einer vom alten Schrot und Korn. Und Ihmisen tut man, immer in der Sonnenhige marschieren und immer Laufschritt. Ich sage Euch in der Schule gefällts mir am Schlechte -Am Sonntag war hier Kinderfest. Es wurde eine große chwarzweißrote Fahne getragen und Deutschland , Deutschland über alles mußten wir fingen." Aus diesen Zeilen ersieht und fühit man, wie notwendig es ist, blejen Angelegenheiten die vollste Aufmerisamkeit zu fchenten. Bor allen Dingen follten unsere Bar teigenossen in ber Broving es sich angelegen jein lassen, hier eine mal nach dem Rechten zu sehen. Karl Schneider, Neukölln.
ften."
Der Filmbezernent
Die Untoerfums Filmattiengesellschaft, furz Ufa" genannt, it burch gewaltige Kapitalübernahme aus amerikanischen Quellen ein mit überwiegend ausländischem Kapital betriebenes Unter nehmen. Um thre fapitalistischen Interessen auch in amtlichen Stellen wirkungsvoll vertreten zu können, hat diese Gesellschaft jegt einen ihrer Beamten, Herrn von Mombart, den ehe maligen Bresseleiter der Gesellschaft, an die leitende Stelle des Film- Dezernat des Auswärtigen Amtes geschmuggelt. Das Auswärtige Amt entschuldigt sich jetzt mit der Behauptung, bak Herr Mombart aus der Ufa ausgefchieden jei und irgendeinen Films fachmann habe man doch nehmen müssen. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß Herr v. Mombart niemals Film Fachmann gewesen ist, sondern bis vor wenigen Wochen noch Königl. Preuß. Offizier war. Vor allem aber ist Herr v. Mombart ber Schwager des Herrn von Straub, bes Vorsitzenden bes Aufsichtsrates der Ufa, hat also auf diese Art die engsten Be ziehungen zu dem Unternehmen. Nach diesen Enthüllungen, ble jegt allgemein die Presse beschäftigen dürften, wird sich das Aus wärtige Amt wohl doch entschließen müssen, sich an Stelle des Serrn v. Mombart einen anderen Film Dezernenten zu suchen.
Wo steckt Kessel?
Eine langwierige Grippe Genosse Kunert hat im Reichstage nachstehende Anfrage ein gebracht:
Jm März 1919 übte der Hauptmann v. Steffel bel ber furchtbaren Aufsehen erregenden Massenhinschlachtung von 32 Mairosen völlig schuldlosen Männern in ber Französischen in der Französischen Straße zu Berlin einen Einfluß aus, ber im berüchtigten Mare loh- Prozeß dazu führte, v. Reflet als Beugen wegen Ber dachts der Begünstigung des Morbes, des Verdachts ber An Stiftung zur Mordtat und wegen mehrfachen Meineibs im Februar 1920 unter Antlage zu stellen.
Unmittelbar vor Verkündigung des Urteils Bewirtte ein Grippeanfall bes Angeklagten bie Prozeßvertagung. Wenige Tage barauf beteiligte fich v. Kessel energisch am Kapp Aufruhr, wobei et als Kommandeur von reattio nären Butschisten einen schneidigen Kampf gegen Arbeiter führte, ble Verfassung und Republit verteidigten. Mit dem Verschwin den ber Kapp, Lüttwig, Lubendorff und Komplizen verschwand auch v. Kessel von der Bildfläche, um sich zunächst nach den poraufgegangenen Aufregungen und Anstrengungen in einer Seilanstalt zu erholen. Nach der Prozeßvertagung find nun mehr fünf Monate vergangen.
Erlaubt es der angegriffene Gesundheitszustand des Serra Angeklagten, bie Weiterführung des Prozesses in Aussicht zu
nehmen?
Was gebentt die Reichsregierung zu tun, um mit nötiger Be schleunigung die Fortführung und Beendigung des Strafverfahrens in die Wege zu feiten?"
Wenn die zuständigen Richter diesen Kessel jetzt nicht endlich inter Anflage stellen, wird es notwendig sein, gegen sie ein Strafverfahren einzuleiten, wegen des Verdachts, einen Verbrecher Jeinem ordentlichen Richter entzogen zu haben. Darauf gibt es 3uchthausstrafe!
Das Landtagswahgefeh für Baben ist vom Landtag in erster Lesung einstimmig angenommen worden. Das Gejes schließt sich im mesentlichen an das Reichswahlgefet an. Das Landtagswahl gesetz enthält auch die Bestimmung für das Boltsvorschlagsrecht und die Boltsabstimmung
Der Textilarbeiterverband gegen die selbständige Räteorganisation
Bon Hugo Rödel
Der Beirat des Deutschen Textilarbeiterverbandes beschäftigte fich in seiner Sigung vom 18.- 19. Juli besonders auch mit der Organisation der Betriebsräte. Die Stellung dieses Verbandes, der auf seiner legten Generalversammlung mit einer BierfünftelMajorität die Kriegspolitik der Generalfommission verurteilte und dessen Zentralvorstand und Beirat jetzt eine oppofitionelle Mehr heit aufweist, zur Betriebsrätezentrale, ist nicht ohne Bedeutung hinsichtlich der Beschlüsse die lehthin in Berlin gefaßt worden sind. Seine Verhandlungen und Beschlüsse über die Betriebsräteorgani sation bedeuten eine glatte Absage an die Anhänger der selbstän bigen Räteorganisation.
Nicht ein einziger Rebner der drei vertretenen Barteirichtungen ist für die Betriebsräte- Zentrale eingetreten, sondern es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:
straße 4,
Der Beirat des Deutschen Tegtilarbeiterverbandes lehnt alle, auf Loslösung der Betriebsräte von den Gewerkschaften und Bildung einer absolut selbständigen Räteorganisation und selb ständiger Verwaltung abzielenden Bestrebungen ab.
Jede besondere Beitragsleistung für die Zentralstelle der Betriebsräte sowie jede Beteiligung an den von dieser Zentrale veranstalteten Sammlungen und die Beteiligung an dem von jener Seite in Aussicht genommenen Betriebsrätefongreß ist von den Mitgliedern des Deutschen Textilarbeiterverbandes ab zulehnen." Der Beschluß ist auch deshalb von größerer Bedeutung, well die Mehrheit des Beirates Jagungsgemäß Nichtangestellte sind und außerdem zum größten Teile selbst Betriebsräte.
Aber auch die Stellung der Angestellten ist von Wichtigkeit. Der der U. G. B. D. haben das Gegenteil beschlossen und die Gewert Verband hat seinen Sitz in Berlin . Die Berliner Parteifunktionäre schaftsfunktionäre verpflichtet, im Sinne ihres Beschlusses zu han
deln.
Sieraus entstehende Differenzen sind unvermeiblich, wenn nicht der Beschluß der Parteifunktionäre aufgehoben wird. Er stellt eine Ueberschreitung der Kompetenz der Parteifunktionäre dar, und richtet sich gegen Parteigenossen, die für sich in Anspruch neh men, auch einige Kenntnisse und Erfahrungen nicht nur in gewert fchaftlicher, sondern auch in politischer Hinsicht zu befizen und die auf Grund derer in der Betriebsrätefrage zu einer anderen Auffaffung gefommen find, als die Mehrheit der Berliner Funktionäre der Partei.
Der Beirat beschloß ferner Richtlinien, nach denen die Betriebs räte innerhalb der Gewerkschaften zusammengefaßt und in zmed mäßiger Weise den Ortsverwaltungen und Gauvorständen ange gliebert werden sollen, bie wiederum eine Zentralinstanz bilden, die gemeinsam mit dem Zentralvorstand in allen für die Bes triebsräte in Betracht tommenden Angelegenheiten zusammenwirkt.
Das Reichswehrgesetz
Dem Reichsrat ist der Entwurf eines Reichswehrgesetzes zu gegangen, der auch dem Reichstag , der am Montag seine Tagung beginnt, noch vorgelegt werben soll. Der Entwurf gibt der ur= reaktionären Gefinnung, die im Reichswehrministerium herrscht, deutlichen Ausbrud. Daß wir eine Revolution hatten, die boch immerhin mancherlei Neues gebracht hat, wird in dem Gnt wurf völlig außer acht gelassen. Und noch mehr die Tatsache, daß bet alte taiserliche Militarismus nur geschlagen aus dem Felbe zurückkehrte und daß die Ursachen der schmählichen Rieber I age, die er sich zugezogen hatte, nicht in legter Linie in der Zu fammenfegung des alten Seres wurzelten. Jrgend eine Reform hätte daher doch auch dem verbohrtesten Militariften notwendig erscheinen missen, wenn an den Aufbau des neuen Heeres heran gegangen wurde. Aber davon atmet der Entwurf teine Spur. Es ift potenziertes Sohenzollerntum, das sich in seinen Paragraphen austobt. Die Wehrlosmachung des einfachen Soldaten ist bas Leitprinzip; mit den wenigen Mannschaften, die uns der Frie bensvertrag zugesteht, einen Stoßtrupp ber Konterrevolution zu bilben, ber sich fest in den Sänden einiger machthungriger Generäle befindet und sich zu jedem Staatsverbrechen mißbrauchen läßt, das ist der Grundgedante, der die Schöpfer des Reichsweht geseges beseelte.
Wir tommen auf den Entwurf noch zurüd. Für heute aber set schon soviel gesagt, daß es für unsere Abgeordneten im Parlament nur ein Unannehmbar gibt. Wir brauchen tein Soldatens Spielzeug für 2½ Milliarden jährlich! Eine Polizeitruppe genügt für Deutschlands Intereffen vollauf. Mögen Seedt und Geßler nach Paraguay gehen und dort Wiederbelebungsversuche des Hohenzollernheeres anstellen. Wir haben dazu wahr haftig teine Zeit!
Dichtung und Wahrheit
Rach der reaktionären Breffe fofften fich in den letzten Wochen besonders in Braunschweig und in Samburg große Umftursherbe gebildet haben. Das stimmt auch. Nur find an den Borbereitungen zum Umsturz nicht Arbeiter, sondern Offiziere, Studenten und monarchistische Bürger beteiligt. So wurden in ben Tetten Tagen allein auf einem Gute bei Samburg 600 Ge wehre, 600 Stahlhelme und 20 Maschinengewehre beschlagnahmt. Das ist nur ein Fall, ber zufällig ans Licht fam. In Frella stadt bei Braunschweig sind auf einem Gute 80 Gewehre be Schlagnahmt worden, die frisch von der Reichswehr bezogen waren. Auch das ist nur ein Ausnahmefall, der aber wiederum zeigt, wo bie Waffen tatsächlich lagern. Geedt und Geßler heuchelten in Spaa , bie Arbeiterschaft habe Waffenlager angelegt. Tate fache ist, daß ausschließlich die Reaktion im Besik von Waffen ist, und daß fie diese nur durch die Silfe der militärischen Dienst stellen erhalten hat!
Die Lebenshaltung in England. Nach der„ Labour- Gazette find die Kosten der Lebenshaltung in England mit Einschluß der Die Mietszinsen feit Juli 1914 um 152 Prozent gestiegen. Lebensmittelpreise allein erfuhren eine Steigerung um 158 Proz Der Streit der englischen Marconisten wird wahrscheinlich am Freitag beginnen, ba ber Zeitpunkt, bis zu bem eine Regelung erfolgen follte, abgelaufen ist.
Der ameritanije Milliardär William Banderbilt ist in seiner Pariser Wohnung gestorben.
Frankreichs Beziehungen zum Vatikan . Die Finanzkommission ber französischen Kammer nahm den Bericht Millerands über den Gelegentwurf betreffend die Wiederherstellung der Beziehungen zum Batitan entgegen und genehmigte ihn mit 19 gegen 15 Stimmen.
Erhöhung der Kohlenerzeugung im Bas de Calais. Aus der offiziellen Statistit ergibt sich, daß die Kohlenerzeugung im Bas be Calais im Jult wesentlich zugenommen, hat. 3m Mat stellte sich bie 3iffer auf 414 000, im Juli dagegen auf 726 000 Tonnen.
Kohle in China . Der allgemeine Kohlenhunger Europas ers möglicht es auch China , jezt auf den europäischen Martte Fuß zu fassen. Es ist nur wenig bekannt, daß China jeht schon Kohlen ausführt. So hat sich Frankreich vor furzem eine Lieferung von 100 000 Tonnen chinesischer Kohle nach Marseille gesichert. Die jährliche Kohlenproduktion China tann man auf 20 Millionen Tonnen veranschlagen.