Nr. 318 Beilage zur„Freiheit" Sonnabend, 7. August 1920 Iur Charakteristik des Krieges mit Polen *) Bon Kart Nadek L. ÜL Bor welche Fragen stellt uns der kompliziert« Charakter de, Krieges, der uns aufgezwungen wird und den wir mit voller Energie zu End« führen muffen? Vom taktischen Standpunkt au, muffen wir vor allem zwei Fehler»u vermeiden suchen. W i r dürfen den rufjischen Cdanvinismu,, den Sah gegen alles polnische nicht schüren. Wir führen nicht nur keinen Krieg gegen das polnische Volk, wir sind nicht nur voll- kommen solidarisch mit der polnischen Arbeiterklasse, der wir«inen ungeheuren Dienst erweisen, wenn wir die Truppen des weiß- gardistischen Polens in alle Winde schlagen, sondern wir appellieren auch an die Solidarität des polnische» Proletariats, wir suchen ihm zu beweisen, daß es in seinem Interesse liegt, uns durch Ausstände hinter der Front zu unterstützen. Wir müssen dem polnischen Prole- tarnt beweisen, daß Sowjetruhland nicht nur die Errungenschaften der russischen Revolution, den Grund und Boden und die Fabriken. d,e proletarische Macht der russischen Arbeiter verteidigt, sondern -i? CScJU!; ber Weltrevolution geworden ist, daß das pol- Nische Proletariat, wenn« die Sowjetregierung zum Nachbar hat, .m Moment eines Ausstände« zehnmal stärker wird, als wenn es m Rugland keine starke Arbeitermacht gäbe. Besteht tatsächlich die Eesahr, daß dieser Erundcharakter unserer Agitation dadurch ver- nichtet wird, wenn wir gleichzeitig unterstreichen, bah dieser Krieg der Krieg um die Unabhängigkeit Rußlands ist, daß wir in diesem Krieg die Kräfte aller in Anspruch nehmen, die uns zu Hisse kam- men, nicht weil wir die Sowjetmacht und den Kommunismus ver» teidigen, sondern weil wir die Unabhängigkeit Rußlands schützen? Wer das behauptet, der unterschätzt unser« Kraft. Wir sind die herrschende Partei, in unser» Händen liegt die Regierungsgewalt, die Presse, die Propaganda an und hinter der Front, wir sind die einzige Macht mit einer einheitlichen Ideologie, wir sind die Ver- treter der allgemeinen Interessen des werktätigen Volkes Ruß- lands und wir haben keine Grund, zu befürchten, daß wir nicht imstande sein werden, alle auszunutzen, die uns helfen wollen, ohne daß diese Leute un« ihre Ideologie aufzwingen. So zu glaube» wäre lächerlich und unwürdig. Wäs haben wir zu befürchten?— Daß in unserer Seele die alten nationalistischen Instinkte erwache», daß die Well« des Nationalismus uns von innen heraus über- schwemmt? In unseren Reihen befinden sich Leute bürgerlicher und adeliger Herkunft, in denen nationalistische Vorurteile wieder erwachen känten, aber in ihre Mehrheit, war unserer starken prole- tarischen Partei seit jeher aller Chauvinismus nichts zu befürchten. Uns droht ein« ander« Gefahr, die darin besteht, daß wir in diesem schweren Kampf, der uns bevorsteht, nicht imstande fein werden, alle gefunden patriotischen In- stinkte genügend auszunutzen, die in den Volks- massen Rußland « und den breiten Klassen der Intelligenz leben, die un» bisher nicht au« so- zialen Gründen feindlich gegenüberstand, fön- dcrn weil sie uns für Elemente der Zersetzung des russischen Volkes betrachtete. Der Bauer war kein Patriot, solange er sich unter dem Joch, in vollständiger Rechtlosig- keit befand. Di« Revolution hat ihm d«N Grund und Boden ge- geben, der Bauer fühlt jetzt, daß der Boden ihm gehört, daß er sich das Recht auf Patriotismu, erkämpft hat und er muß die Pflicht fühlen, feinen Boden zu verteidigen. Es ist schwerer, ihn im Namen der internationalen Aufgaben der russischen Revolution in den Kampf zu schicken, als im Namen feiner nächsten patriotischen Ausgabe. Wir wären die letzten politischen Dummköpfe, wenn wir Angst hätten, ihm zu sagen:„Du hast den Grund und Boden, du bist verpflichtet, ihn zu vrktrtdigen"! wenn wir versuchen würden, ihn ausschließlich unter der Losung der Solidarität Mit dem ihm wenig bekannten polnischen Arbeiter oder weißrussischen Bauer zu mobilisieren. Der russische Arbeiter war vollkommen bewußt antipatriotisch gestimmt, als die Bourgeoisie am Ruder stand und als Patriotismus gleichbedeutend war mit der Opferung der Ar- beiterklasse im Interesse der Bourgeoisie, aber er ist ver- pflichtet, patriotisch zu sein, wenn er dt« Macht in Händen hält, wenn er Führer des russischen Bäk- tte und für sein Schicksal verantwortlich ist. Der russische Arbeiter ist Internationalist, aber in diesem Krieg« b»- stehen zwischen unserer patriotischen und unserer internationali- Siehe auch„Freiheit" Nr. ZS8. Infolge Raummangels lönnen wir den Schluß des Artikel» erst heute bringen. stischen Ausaabr kein Unterschied und kein Widerspruch. Alle Arbeiter der ganzen Welt müssen jetzt russische Patrioten sein, denn Rußland ist das einzige Land, in der die Arbeiterklasse die Macht in den Händen hat. Sollen wir darauf verzichten, das proletarische Gefühl eines Teils der Intelligenz und der Offiziere, die mit uns arbeiten wollen, auszunutzen? Wenn wir das täten,.würden wir deweisen, daß wir die Rolle einer Arbeitrrregie» rung, der Rolle eines Führers indsr Revolution nicht gewachsen sind. Jede Revolution fordert von den führenden Klasse» da» Vrrständr.i,. für Ausnützung der Kräfte der andern Klassen, die ihnen unterstellt stnd, diese Kräfte zu verwenden, bedeutet nicht nur, sie durch Zwang zu kom- mandieren, sondern auch sie ideell zu beeinflussen, an ihre Gefühl« und Stimmungen zu appellieren. Di« Arbeiterklasse ist herrschend im russischen Voss. Sie hat die Macht der bürgerlichen Konterrevolution gebrochen, sie ist ver- pflichtet, die kleinbürgerlichen Schichten der Bevölkerung mit sich in den Kampf zu ziehen und alles auszunutzen, was der Weltrevo- lution nur irgend dienen kann. Sie dient der internationalen Revolution, indem sie die Einheit und Unabhängigkeit des Landes verteidigt, sie kann patriotisch sein, denn ihr Land ist dos erst» Land de » siegreichen Weltproletariats. IV. Betrachtet man die ideell« Seite des russtsch-polnischen Krieges, so unterliegt ee keinem Zweifel, daß da« ungeheure moralisch« Uebergewichl auf unserer Seite liegt. Wie müde die Rote Armee auch sein mag, und wie berechtigt ihr Wunsch nach Friede auch ist. sie ist die Armee des Bauerntums, an deren Spitze Arbeiter stehen, sie ist eine Armee, die wir im Znteresse der Arbeiter und Bauern organisiert haben, und, die fütm« Interessen Sowjetruhlands zu kämpfen versteht. Sie ist«ine Armee, in der es leine Klassen- gegenfätze gibt, in der die Soldaten nicht das Gefühl haben, daß sie für«ine fremd« Sache kämpfen. Dir polnische Armee besteht hauptsächlich aus denjenigen Bauern, denen die polnischen Grund- besitzer keinen Boden geben wollten, obgleich der polnische Landtag beschlossen hatte, den Grund und Boden der Großgrundbesitzer, der mehr als 200 Hektar beträgt, zu verteilen. Aber selbst dieses hakbe Gesetz ist bis zum heutigen Tage nicht durchgeführt. In Polen hat der Bauer noch den Grundbesitzer auf dem Hals und er haßt ihn au« ganzer Seele. Außerdem dienen in der polnischen Armee noch Landarbeiier, die in Landarbeiterverbänden organisiert sind und überall in Polen einen energischen Kampf führen. In der pol- nischen Armee dienen ferner Arbeiter, die die polnische Regierung als ihren Feind betrachten. Arbeiter, gegen die die Regierung mit der Waff« in der Hand kämpft und mit denen sie alle Gefängnisse Polens füllt. Die Entente vergißt dteLehren, dieihrder Krieg Dentkins gegen uns gegeben hat, wenn sie auf den polnischen Angriff rechnet. Im Jahre 1019 wollt« sie gegen Sowjetrußkand«ine Front schaffen, die uns von allen Seiten ein- geschlossen hätte, und an dieser Front sollten die Polen die Haupt- toll« spi«l«n. Warum sind aber die Polen nicht gegen Sowjet- rußland vorgegangen, al» Denikin bei Orel stand? Wenn dir Polen gegen un» vorgegangen wären, zu der Zeit, als Judenitsch 6 Werst vor Petrograd und Denikin bei Orel stand, wenn in diesem Moment die Polen Smolensch, Polotsk, Witebsk besetzt hätten, und weiter auf Moskau marschiert wären, so wären wir vielleicht be- siegt worden. Warum sind die Polen damals nicht Denikin zu Hilf« gekommen? Es unterliegt keinem Zweifel, daß st« genug konterrevolutionär« Sympathie für Denikin hatten. Sie haben es nicht getan, weil sie wußten, daß die weißen Generäle, wenn sie an di, Macht gelangt fein werden, Polen wieder erobern würden und dann einen Krieg nach allen Seiten hin beginnen müßten, um das Boss mit großen Siegen zu betäuben. Und di« Polen , die damals mit den Waffen in der Hand dastanden, knüpften mit uns geheim« Verhandlungen an und erklärten, daß sie ein« bestimmte Grenze nicht überschreiten würden. Wie steht es jetzt? Wir haben den Brief, den der Oberkommandierende A.». BruMlow an die Sowieitsflictung gerichtet hat. gelesen. Daß Brusfilow kein Kam- munist ist, weiß jeder, Brussilew, der in seinem Brief unterstreicht, daß das Land, welche« die Polen fordern, von jeher„rechtgläubig" gewesen sei, hat sicher, was sozial« Weltanschauung anbetrifft, nichts mit Sowjetrußland gemein. Warum also ist Brussilow in unseren Dienst getreten? Derselbe Brussilow. der während unsere» Kampfes gegen Denikin gar nicht daran dachte, auf unserer Seite zu kämpfen. Es ist klar, daß in dem Moment, wo die Entente die polnischen weißen Garden auf die Karte stellten, st« die rufst- schen weißen Garden von sich stoßen. Die Eowsetregietung. die di« Einheit und Unabhängigkeit des Gebietes, auf dem Russen wohnen, verteidigt, ist dagegen M Pie ehrlichen wcißgardistischen Regi- menter, ein« Regierung, di« die Unabhängigkeit Rußland » schützt. Es ist möglich, daß General Biussilow hofft, ipätci mit uns fertig zu werden, es ist möglich, daß all die Generäle, die heute mit uns sind, Hintergedanken haben, aber es ist selbstverständlich, daß diese Leute�wenn sie ehrlich sind, jetzt nicht zu der Entente gehen können. denn sie haben da» Banner des Aufsiandes gegen uns nicht nur im Namen der Bourgeoisie und der Junkerherrschaft in Rußland er- hoben, sondern auch im Namen des russischen Nationalismus. Ur.s. die Entente, die uns bis dahin als«ine kleine Hand voll Menschen betrachtete, die die Macht erobert hatten, verhilft uns jetzt dazu, ein Zentrum zu werden, um das sich alle Elemente sammeln wer- den. die die Unabhängikeit Rußlands verteidigen wollen. Die Rechten Sozialrevolutionäre brandmarken in ihrem Brief an das Zentral-Exekutivkomitee. der noch vollständig veröffentlicht werden soll, einen Ssawintoff und Burzew als Verräter, sie sagen der Entent« und Polen , daß sie auf die Hoffnung der„Demokratie" nicht bauen sollten, dies«„Demokratie" erklärt, daß sie bereit sei, gegen den polnischen Uebetfall zu kämpfen. Was bedeutet das? Das bedeutet eine groß« Erstarkung. Zweifellos gibt es viel kon- terrevolutionäre Elemente, die bereit sind. Rußland auch an Polen zu verkaufen. Ja, es gibt noch solche Elemente! Immer wenn ein Bürgerkieg besteht, gibt es Konterevalutionäre. die Verrat üben. Ihr wißt, daß Publizisten der Kad-ttenpartet. wie Filosatom und Mereschlowski Polen offen erklärt haben:„Kommt nach Nko:-- lau. man wird euch dort mit Brot und Salz empfangen." Aber mit solchen Lumpen kann«ine Armee nicht aufgebaut werden. Denikin. Koltschak und Judenitsch konnten sich nur darum solange halten, weil sie eine Menge aufrichtig vattiotlsch gesonnener ehr- licher junger Leute um sich gesammelt hatten, die gegen uii, kämpsicn im Glauben, eine gute Sache zu verteidigen. Wenn die Entente die ehrlichen konterrevolutionären Elemente, die wir mit der notwendigen Vorsicht empfangen, aber denen wir gestatten werden, am Kampf gegen Polen teilzunehmen, in unser Lager stößt, für sich und Polen aber nur die Geschäftspatrioten behalten wird, so werden Polen und di« Entente Millionen und aber Millio- nen dafür zahlen müssen, uns aber keinen Schaden zufügen, denn die Geschäftspatrioten sind uns nicht gefährlich, sie sitzen lieber hinter der Front, als an der Front. Die Entente, die auf den polnischen Krieg rechnet, kann nur dazu beitragen, daß wir eine bedeutende Zahl von Fachleuten gewinnen, die die Rote Armee stärken. Wir werden ihr dafür dankbar sein, denn Fachleute können wir für den Krieg gut gebrauchen...., V. Welche Ziele verfolgen wir in diesem Krieg? Di« Sowjet- regierung war stets zu Zugeständnissen Polen gegenüber bereit. Die Sowjetregierung. di» selbst mit den weißgardistischen Polen in Frieden leben wollte, wußte, daß man mit Räubern keinen ehr- lichen Frieden abschließen kann, daß ein Räuber erst von einem ehrlichen Frieden spricht, wenn er auf dem Boden liegt und wenn derjenige, den er ausplündern wollte, ihm feine Knie auf die Brun gesetzt hat. Dann sagt er:„Du willst einen unbewaffneten Menschen töten?" Der deutsche Imperialismus, der uns aus- plünderte, sprach in Versailles von einem ehrlichen Frieden. Al? wir mit Polen Frieden schließen wollten, waren wir bereit, ihm «inen Teil des weiß-russifchen Gebietes, vielleicht sogar«inen Teil Wolhyniens abzutreten. Das taten wir, weil wir mußten, daß in Polen die revolutionäre Bewegung der Arbeiter im Wachsen bc- griffen ist, daß st« in Polen vielleicht in einem halben oder in einem ganzen Jahr die Macht erobern, die Bauern in Litauen und Weißrußland befreien werden. Wir schonten da» Blut d:. Arbeiter und Bauern Rußlands und der Ukraine md schützten gleichzeitig damit auch vor Zerstörung alles, was die Bauern in Litauen und Weißrußland noch besitzen. Jetzt hat Sowjetrußland nur ein Ziel— dasSowjetgebietvor dem polnischen Ueberfall zu schützen. Wir führen. einen Verteidigungskrieg im vollen Sinn» dieses Wortes. Mir stellen in diesem Moment keine offizielle Losung auf. wir sagen nicht, daß wir nur mit einem Sowjetpolcn, nur mit einem Arbeiter, und Bauernpolen Fric- den machen werden, denn wenn unsere Sieg» die polnischen Weißgardisten zwingen werden, mit uns Frieden zu schließen- jetzt naturlich schon unter anderen Bedingungen, als es im Marz mag- ltchwar—, sowerfdenwiraufdiesenFriedenelN- gehen, um zu unserer Arbeit zurückzukehren. Wenn aber die polnische weißgardistische Regierung un» einen Krieg ms zum Ende aufzwingen will, so wird dieser Krieg, je mehr Opfer er unter den Volksmassen Polens fordern wird, dazu beitragen, daß die polnischen Arbeiter sagm werden:„Man muß di« verbreche- rische Clique der polnischen Grundbesitzer und Kapitalisten bc- seitigen, die mit Sowjetrußland nicht in Frieden leben wollten. Wenn da, wetßgardistische Polen kein friedlicher Nachbar Sowiet- Die schwere Stunde Roma» von Biet«« Pckuin Nach dem Essen heimgekehrt, nehme ich den in den Pelz ae- "üllten Wowa in mein Kabinett, hole dorthin das für mich übriggelassene Stückchen Brot und die kalt gewordene schließe die Tür zu, damit niemand hineinkommt, und gebe Wowa zu essen. „ Anfange bereitet es mir eine ganz besondere Freude, die f eele®IlLtb mit einer leisen Rührung erfüllt. Als aber Wowa am zweiten Tage mein Stück Brot isst, schließe ich die Augen, um sein Kauen nicht zu sehen. Am dritten Tage des voll- �ommenen Hungers kann ich die Nähe und den Geruch des Brotes nicht vertragen. Ich öffne ein wenig den Pelz, befreie Wowas Hände, gebe ihm mein Stückchen Brot. „Iß , sag« ich zu ihm und trete selbst weiter zum Fenster, stütze mich mit dem Ellenbogen auf da« Fensterbrett und halte meinen Kopf m,t den Händen,«» schwindelt mir. und...Oy Schrecken!... ich ertappe mich auf dem Ge- danken, daß in diesem Augenblick Wowa mir fremd wird... ein kaum bewußter Wurm deo Aergers, der Bosheit gegen hn regt sich in meiner Bnist. Aber ich beiße die Zähne zu- ammen und iagc V»: Schäm« dich! Bist du wirklich fähig, 0 tief zu fallen'. Ich fühle starke Schmerzen im Magen, die Füße zittern und ich»tze mich hastig, um nicht zu fallen. » Den in meinen Pelz gehüllten Wowa nehme ich zuweilen auf ineino Knie. � geht nicht, mein"LÜ>M o-. t Winter." "Du meinst, weil e« viel Schnee gibt? „Aber wie wäre es, wenn die Engel auf die Dächer fliegen wurden? Sie brauchen ja gar nicht auf dem Schnee zu gehen, sie»nnten ja am Himmel entlang fliegen?....* »Auch dort ist es kalt, mein Junge, die Flügel würden erfrieren!" »Es geht also nicht, Väterchen?" sagt er traurig. „Es geht nicht", murmele ich dumpf. Ts tritt ein minutenlange« Schweinen ein. „Papachen, aber wenn die Sonne kommt, glaubst du, daß Man dann auch Brot bringen wird?" „3a. mein Lieber'." „Dann Wörde ich essen, Väterchen", sagt er, mich mit freude- strahlenden Augen anblickend. „Väterchen, gibt es im Reiche der Märchen auch Milch?" „Ja, das gibt es, viel, viel Milch!" „Warum sollten wir nicht zusammen ins Reich der Märchen gehen?", Ich schweige.____ „Glaubst Du, weil wir keine Flügel haben, Papachen?" Ich schweige. „Ja, wir haben keine Flügel, Väterchen!" sagt Wowa und seufzt tief und lange dabei. Es kommt mir vor, als bohrten sich mir taufende von spitzen Nadeln in da» Herz. Ich möchte stöhnen, heulen wie ein tödlich verwundetes Tier, ich möchte davonlaufen, ohne mich umzusehen, weit, weit weg. wo es weder Gedanken an Brot und Hunger, noch Wowas Seufzer gibt..... Er aber fitzt auf meinen Knien, wie soll ich ihn denn ver- lassen, wohin soll ich gehen?... Er tut einem so leid, ein so schwacher, hilfloser Kleiner...., ein so unendlich Lieber, gerade seiner Schwäche und Hilflosigkeit wegen.... Ich laufe nicht weg, ich beiße mir bloß stark bis aufs Blut in die Lippe, um nicht aufzuschreien, um Wowa nicht zu er- �Von Zeit zu Zeit fühle ich eine unendliche Schwäche im ganzen Körper. Mit einer tierischen Gier möchte ich essen, und ich ertappe mich oft bei der Sünde, daß ich bei ge- schlossciirn Augen stundenlang nur an Essen denke. Ich rufe mir Episoden au« unserem früheren lukullischen Leben ins Gedächtnis zurück, obwohl es«in Unsinn ist, es vergrößert nur noch den Appetit. Oft fühle ich jetzt im Kopf einen schrecklichen Lärm, es wird mir dunkel vor den Augen, die Füße beben. Der Kopf sihwm- delt mir, und der ganze Körper bedeckt sich mit einem klebrigen Schweiß. Danach tritt eine völlige Abstumpfung ein. im Kopf« habe ich ketnsn einzigen Gedanken. Ich fühle, wie De einzelnen Teile meines Körpers schmerzen, und ,ch habe vre Illusion, daß mein Körper auseinanderfallen muß. aber mir ist es gleichgültig. Ich höre auf, auf die Umgebung z reagieren.~ Des Nachte erwache ich häufig von fchttcklichen TrMmeiu Ich fetze Mich im Bett auf und sehe in der Dunkelheit vor mir «ine Unzahl im Finstern hüpfende Funken deren grünlich feurigen Schein, wie mir scheint, süM ducktet bat mit einem unheilvollen, hungrigen Lichte bc ch h• Jetzt höre ich scheindar schon auf. an«rot u�i Mn zu. denken, und dnvon zu träumen! ich bm a Z PlOI I) Leiden, den Folgen dieses Huna«» jj''chwinden diese Äk.rnrnf« Pfühle sie nicht mehr, jühle aber auch �? rna ,?; es kommt mir vor. als existierte ich niS Ä aftÄete t.mand.der sich von mir losgelöst �Ab'�auM Mse�?l ugenblicke der Schwäche gehen vorbei und ntM tn�er ich die Willenskraft nehme. Ich aebeiche tief in der Brust verborgene Feder an mm n.fc# Lwene mich.»de. und es ist bei meinem Anblick schwer zu glauben, daß ich ein den, Hunger preisgegebenes Opfer bin. 00� Den 15. November.' fruit«fifiien bei mir eine ganze Deputation von Kunst- lern Malern. Schriftstellern. Prozessoren der Stadt. Es waren ihrer viele, ungefähr zehn Herren junge und alte. aber alle ohne Ausnahme, waren abgerissen, abgemagert, schmutzig und mit vernachlässigten Haaren. Wir find zu Ihnen gekommen, lieber Stepnoi beginnt ein Greis, ein Universitätvprofessor. etwas übertrieben feier- lich...als zu einer erstklassigen Größe, alo zu einem leuchten- den Stern unseres Landes, auf daß Sie sich in unsere Lage hineinversetzen, in die Lage der Arbeiter der Kunst und Wissenschaft, auf daß Sie sowohl sich selbst, als auch uns (Fortsetzung folgt.)
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