Eine AnterreÄung mit Kopp Viktor Kopp, der Vertreter der Sowjetregierung in Berlin . hatte vor einiger Zeit eine Reise nach Moskau angetreten, um die Anbahnung der Wiederherstellung der dentsch-rnssischen Beziehungen vorzubereiten. Nach seiner Rückkehr hat Gen. Kopp einem unserer Mitarbeiter in einer Unterredung über die deutsch - russischen Beziehungen solgendes mitgeteilt: Frag«: Nach Zeitungsmeldungen haben Sie auf Ihrer Reise nach Moskau in Reoal geLuhert, Sah Sie«ährend Ihres Aufent- Haltes in Deutschland sich davon überzeugt Hütten, daß Deutschland wissenschaftliche und technische Arbeitskräfte in genügender Menge dcflfce, die für den Aufbau der russischen Wirt- schuft nutzbar gemacht werden könnten. Geben diese Zcitungs- Meldungen Ihre Ansicht richtig wieder und wie hat man sich in Moskau dazu verhalten? Kopp erwide rte: Meine Ansichten sind durch die zitierten Zeitungsmeldungen im groben und ganzen richtig wiedergegeben worden. Es kommt aber immer auf die praktische Durch- fuhrung dieser Hilfeleistung Deutschlands für die russische Wirtschaft an. Die in machen deutschen Ar« beiterkreisen leider weitverbreitete Ansicht, daß Rutzland imstande sei, sofort eine grohe Anzahl von Arbeitskräften aufzunehmen, wird weder von den mabgebenden Kreisen in Moskau noch von mir persönlich geteilt. Für eine Massenauswanderung ist Ruszland gegenwärtig nicht da» passende Land. Die Gründe dafür sind sehr mennigfaltig. Es genügt schon der Hin- weis ans den noch nicht liquidierten Krieg und auf die Zerrüttung der Transportverhältnisse. Was Ruhland jetzt braucht, ist eine verhäktnismäbig fehegcringeAnzahl von hochqualifizierte» Arbeitern und Technikern, von denen ein jeder von vornherein nur für ein ganz bestimmtes Arbeitsgebiet oder«ine vorher genau fest- gelegte Arbeitsaufgabe herangezogen werden soll. Di« M a s f e u» auswandernng von Deutschland nach Ruhland würde meines Erachtcns erst nach Ablauf einiger Zeit nach Brcodigung des Krieges und erfolgten Wiederaufbau des Transportwefcus möglich und ersprießlich fein. Die hier in Deutschland betrieben« Propaganda für eine Massen- auswandernng nach Ruhland hat deshalb keiner- lei tatsächliche Unterlagen und muh aus das schärfst« zurückgewiesen werden. Als sin nicht ganz unwichtiger Umstand motz in Betracht gezogen werden, datz in Deutschland gegenwärtig »och 200 000 russische Kriegsgefangene vorhanden find, unter denen sich ein« ganze Anzahl qualifizierter Arbeiter befindet. Für ein« Masienanswanderung nach Rutzland kommen doch zuerst diese Leute in Frage. Frag«: Sie haben wohl gehört, datz im Zusammenhang mit Ihrer Reise nach Rutzland von französischer Seit«, offenbar zum Zwecke der Stimmungsmache sowohl gegen die russische wie auch gegen die deutsche Regierung die Mär verbreitet worden ist, Sie hätten mit Vertretern der deutschen Regierung geheime Ber« träge abgeschlossen, die irgendeine Bedrohung der west- lichen Staaten darstellten und iu Moskau ihre Genehmigung finden sollten? Was können Sie gegenüber diese» Behauptungen«r- widern? Bittor Kopp: Di« französische Presse besleitzigt sich, wenn sie auf da» Thema: Deutschland — Rutzland zu sprechen kommt, ab- wechselnd zweier Methoden. Spekuliert mau auf die Wirkung aus dcndeutschenDurchschnittsleser.so wird von der nahen- den roten Flut gesprochen, die nach Beseitigung der polnischen Barriere Deutschland kulturell vernichten soll. Deutschland soll dann die Aufgabe erfüllen, die Polen zu lösen nicht imstande war. Wird dagegen für das französische Publikum geschrieben, so wird von einer militärischen Allianz zwischen den Militaristen Deutschlands und de» Bolschewisten Rutzlands gesäbelt. Segen diese Allianz gebe es nur ein Gegengift: die Besetzung des Ruhr- gebietes. Beide Methoden verfolgen im Grunde genommen nur ein und dasselbe Ziel, die sich anbahnende Wirtschaft- liche Annäherung zwi sch e« Deutschland uud Ruß« land zu hintert reiben. Ich betrachte diese AnnäherunJ als einen Prozetz, der mit natürlicher Notwendigkeit sich vollzieht und der nur den Zwecken des wirtschaftlichen Wieder« aufhaue» beider Länder zu dienen hat, nicht aber eine Bedrohung irgendeiner dritten Macht bedeutet� Eine solche Bt« drohung geht im Gegenteil im gegeuwärtigen Augenblick aus« schlietzlich von Frankreich aus, das nicht nur das Bestehen Sowjet« rutzlands, sondern auch die deutsche Neutralität bedroht. Der sran« zösische Imperialismus, der sich jetzt anschickt, Deutschland wegen seiner Neutralität politisch und militärisch zu drangsalieren, scheint ein kurzes Gedächtnis zu haben. Es sollte ihm eigentlich noch in Erinnerung sein, datz er nur allzu oft das gegenwärtige Schicksal Deutschlands als eine Sühne für die Verletzung der belgtsche« Neutralität hingestellt hat. Eine geschichtliche Wiederholung dieser Neutralitätsverletzung, angewandt aus den vorliegenden Fall» mühte bedeuten, datz Dentschland bei der Wahrung seiner Neutralität volle Unterstützung bei dem russi« scheu Bolkcsinden würde. Ich wage diesen geschichtlichen Gesetzen nicht zu widersprechen und bin der Ueberzeugung, datz das russische Volk sich niemals seiner moralischen Verpflichtung ent« ziehen wird. Frage: Sind Sie in der Lage, Mitteilungen darüber z« machen, welche Haltung die russische Regierung zu der Genug« tnungsforderong der deutschen Regierung in der Mirbach-Angelegenheit einnimmt und glauben Sie, datz dir etwa bestehenden Differenzen in dieser Frage sich bei beider« seitigem guten Willen werden überwinde« lasien? Viktor Kopp : Zu dieseu Frage, die die schwebenden Per- Handlungen betrifft, möchte ich mich augenblicklich nicht bestimmt äutzern. Ich kann nur sagen, datz nach meiner feste» Ucberzeugung diese Frage kein Hindernis bilden kann und bilde» wird bei der Wiederaufnahm« der beiderseitigen diplomatischen Beziehungen. Frage: Ist die russische Regierung der Ueberzeugung, datz auf einem grotzen gemeinsamen Friedenskongretz, an dem auch Deutschland mit denselben Rechten wie alle anderen Mächte teilnimmt, die schwebenden politischen Fragen gelöst werden können, oder geht Ihr Bestreben dahin, Einzelverhandluugen in den entsprechende» Fragen vorzunehmen? Viktor Kopp : Nach dem Bersailler Experiment verspüre« wir wenig Neigung, die schwebenden politischen Fragen auf einem sogenannten Weltlongretz zu erörtern. Wir stehen vielmehr aus dem Standpunkt, datz wir mit de» einzelnen Völkern. mit denen wir Differenzen hatten oder«och haben, uns viel eher und bester verständigen könne«, als es auf einem von dm vielen „Weltkongresten", die nach der jetzigen politischen Konstellatio» nicht» anderes darstelle« als eine Organisationssorm des sieg» reichen Imperialismus der Weftmächte, geschehen könnt«. Als Be» weis dafür führ« ich die Friedensjchliisse mit E st h land — bezeichnenderweise wurde dieser Frieden gegen den Willen de» damals anders orientierten England abgefchlosten—.Litauen » Lettland und die jetzt bevorstehenden Friedenaoerhandlungc» mit P o l« n an. Ich glaube, datz wie mit Deutschland über die ichwebend«« Fragen uns direkt verständige« werden und nicht in Gemeinschaft mit den Mächten, die für das deutsche Volk de« Bersailler Friedensvertrag geschaffen haben und die jetzt immer noch bemüht sind, de« Freiheitswillen des russischen Volkes durch Hungerblockade, Waffentransporte und tausend ander» Mittel zu brechen. Strengste Neutralität Aus den Funkspruch TschÜscherinS, der die deutsche Regierung fragte, ob sie bereit sei. in? Abstimmungsgebiet eindringende polnische Truppen zu entwaffnen, erklärt die deutsche Negieruug, daß sich zur Zeit in den Abstimmungsgebieten keine polnische» Truppen befinden. Sollten an irgend einer Stelle polnische Truppen auf deutsches Ge- biet übertreten, so würdm sie, wie es bereits in mehreren Fällen ge« fcheheu ist, auch künftighin sofort entwaffnet werden. die Hinzuziehung Deutschlands , ohne dessen Mitwirkung in der Tat alle diese. Probleme einer endgültigen Lösung nicht näher gebracht werden können. Sie empfindet die stärlste Abneigung besonders gegen jene russischen Forderungen, die sich auf die Schaffung unmittelbarer Verkehrsbeziehungen zwischen Deutschland und Rußland erstrecken. Sie will den „eisernen Ring" um die Sowjetrepublik nicht gesprengt sehen und fie ist entsetzt bei dem Gedanken, daß Polen aufhören könne, eine unübersteigliche Barriere zwischen zwei Staaten zu bilden, von denen die jetzige preußische Regierung freund- schastliche Empfindungen nicht erwarten kann. Frankreich weiß, daß, wenn die Konferenz überhaupt zu- stand« kommt, ihr Ausgang kaum zweifelhaft fein kann. Des- halb will es die W e g e z u i h r v e r b a u e n. Es möchte die Russen zu Schritten verleiten, durch die die Pläne Lloyd Georges durchkreuzt werden. Aber wir halten es für ausge- schlössen, daß der russische Gegenspieler in die ihm gelegten Schlingen hineintappen wird. Die Stellung des Bolschewis- «us und seine propagandistische Kraft sind durch die erfolgreiche Abwehr des kapitalistisch-imperialistifchen Angriffs, den Polen als der Beauftragte Frankreichs führen mußte, so außerordentlich gefestigt worden, daß er es nicht nötig hat, zu gewaltsamen Lösungsversuchen seine Zuflucht zu nehmen, fondern nur die diplomatischen Möglichleiten ergreifen kann, die ihm zunächst den inneren Wiederaufbau Rußlands ge- statten. Die Stellung der englischen Regierung London » 1Z. August. Reuter erfährt: Wegen der Anerkennung des Generals Wrangel sind in Feankreich durch Vermittlung der englischen Botschaft in Pari»»»rläufige Forderungen gestellt worden. Es ist aber keine direkt« formelle Note abgegangen. Die englisch « Regie- rang wird sich genau an die Vereinbarung halten, datz kein« MatznahmegegendieSowjetregierung unternommen wird, Sevoe die Haltung der Alliierte« in der Waffenstillstands- und Friedensfrag« deutlich geworden ist. Dir englisch « Regierung wird genau so handeln, als ob da» isolierte Borgehen Frankreichs nicht erfolgt wäre. Itatemdnng Lloyd Georges mit dem französischen Geschäftsträger TU. London, 18. August. Lloyd George hatte gestern in Downing Street eine lang« Unterredung mit dem bevollmächtigte» Minister Frankreich», der de« auf Urlaub befindlichen Botschafter Eambon vertritt. Obschon über den Verlauf dieser Unterredung offiziell»och nichts bekannt «egebe« wurde, besteht in amtlichen Kreisen die Auffassung, daß auf beiden Seiten der gute Wille zu einer Lösung de? gefährliche» Konfliktes besteht. Die englische Presse zu dem Konflikt HR. London, 13. August. In einem Leitartikel schreibt., E v e n i n g Standard": Die «bsichtlich« Aktion der französischen Regierung Wrangel gegen- über kann, wenn sie in ihrea logischen Konsequenzen fortgeführt wird, nichts anderes herbeiführen, als ein« weitgehende Ab- änderung des gesamten Systems der sranzösisch-britischen Zusam- menurbeit wie fie die europäisch« Politik seit IS Iahren beherrscht hat.—„Evening Rems" meinen, es sei die Äussasiung der f«offiziellen Kreise in London , datz binnen weniger Tage da» un- "ifffelig« Mißverständnis aufgellärt sein«erde.— Der„Star" rf in seinem Leitartikel: Zum erstenmal seit August 1014 sind r verpflichtet, öffentlicht unser Bedauern'und unserer Sorge Ausdruck zu verleihen über den absichtlichen Schritt, den die kianzöftlche Regierung gemacht hat. Das Blatt sagt dann weiter, »atz die Politik«inen politischen Abenteurer nach dem anderen in den Vordergrund zu schieben, um die Sowjetregierung anzu- greife», eine Serie von Katastrophen und Mißerfolgen nach sich gezogen Hab«, von denen aber da» augenblickliche polnische Aben- teuer das unglückseligste sei.„W e st m i n st e r G a z e t t e" urteilt folgendermaßen: Wir wären nur allzu froh, wenn noch ein kleines Loch gefunden«erden könnte, durch welches die englische und franzönsch« Regierung au» der Katastrophe entschlüpfen könnten. Da8»ffi»iöse Organ Lloyd G«org« S. der»Daily «hrontcle.« sagt ,nr Lage. Frankreich müsse fich klar machen. daß es. wen»«S beabsichtig«,«citerhin ein« Politik zu«erfolgeu. die die ein« Partei in Rußland gegen die andere ausspiele, indem es Munition, Ratschläge und Geld gebe, bei der Anesührung dieser Absicht allein stehen werde. Da? englische Volk verlange den Frieden und»olle nicht in irgendtine« Krieg hineiuaeschleppt werden, der «iu anderes Ziel habe, als die Verteidigung der Freiheit derer, die zu schützen versprochen worden sei. Französische Preßstimme« Pari-, 13. August. Saint Brie« sagt im..I»»»na N die Affäre Wrangel sei nur eine Episode, die Uneinigkeit zwischen England und Frank- reich liege tiefer. Sie beschrank« sich nicht auf die russische vo- litik. Das ganz« System von Versailles stehe auf dem Spiel. Seit Monaten schrecke man vor einer entscheidenden Auseinander- seNuna zurück. Würde man das jetzt wieder tun, dann würde man nur die Schwierigkeiten vertagen. Es sei höchste Zeit, die Entente Eordial« auf einer soliden Grundlage wieder aufzubauen. Millerand habe den Finger auf die Wund« gelegt, er dürfe nicht vor der Heilung zurückschrecken.„Echo de Part»" sagt, Frank- reich sei der Ansicht, in dem Augenblick, in dem die Sowjets die «thnoaraÄffchen Grenzen Polen überschritten und ihren Willen zun« Einfall bekundeten, habe man nur einen Beweis von Schwäche gegeben, als man trotzdem die Verhandlungen mit ihnen fortgesetzt habe. Nachdem die Sowjets der Entente nicht erlaubt hätten, sich in ihre Verhandlungen mit Palen einzumischen, würde e» einen Rückzug bedeuten,>o«nn man ihnen eine allgemeine »«Handlung in London bewilligt«. Dieser Konferenz scheine aber England ein« Hauptbedeutung beizulegen. Die Sowjets ver- langten zudem die Beteiligung Deutschland ». Dadurch sei die Anerkennung Wrangels nur eme nebensachliche Episode. Die wahre und tiefe Meinungsverschiedenheit zwischen der englischen und der französischen Politik bestehe darin, daß Frankreich die Bolschewisten als eine Macht betrachte, die sich um keine Grenzen, keinen Vertrag und kein« Verpflichtung kümmere, während Eng- land sie als ein« revolutionäre Macht ansehe, di« im Begriffe steh«, sich zu mäßigen, und di« man führen könne. Eine Verschwörung gegen' Lloyd Georg«? Lsndv», ,8. August. „Baily Expreß' glaubt zu wissen,«an habe gestern im Ministerium de» Innern Kenntnis von einer Verschwörung gegen Lloyd George erhalten. SS seien desondereMaftnahme« ergriffen worden, »« de» Premierministe?»n schätzen. Nach demselben Blatte wird der Besuch Lloyd George » auf dem Kontinent wahrscheinlich nicht ftattfiudrn.__ Per Ausnahmezustand in Hamburg ist durch Verfügung des Reichspräsidenten aufgehoben, worden. Die Kohlenliefernngen ausreichend. Ter times-Sorrelpondent >» Pari? meldet, daß die deutschen Kohlenlteserunaen bisher auLreicheud waren. Während der ersten zehn Tag« dieseS Monats seien im Durchschnitt 80000 Tonne» pro Tag ge» liefe« worden. Friedensschlüsse mit Lettland und Armenien (Eigene Drahtmeldung der„Freiheit".) Paris , 13. August. Die russische Regierung drahtet an Kamenew : Am 11. August ist der Frieden mit Lettland unterzeichnet worden. Unsere Delegation kehrte nach Moskau zurück. Am 10. August wurde der Borfriede mit Armenien unterschrieben. Die strittigen Gebiete zwischen Ar- menien und Adserbadjan bleiben, bis der Streit von Rußland entschieden ist, in russischem Besttz. Die Lage im Saarrevier � � M �, Saarbrücken , 13. August. W. T. B. meldet: Seit heut« früh herrscht hier Allgemein- ausstand, zunächst aus 24 Stunden: morgen nehmen alle Ausständigen die Arbeit wieder aus. Sollten die Verhandlungen fehlschlagen, tritt Montag d»r Allgemeinausstand wieder ein. Die Verhandlungen führt die interalliierte Rheinlandkommission in Koblenz unter Hinzuziehung von Echeimrat von Vach. Alle Ban- ken, Geschäfte und Wirtshäuser sind geschlossen, die Straßenbahnen feiern, die Straßen sind ruhig, auf den wichtigsten Plätzen und auf verschiedenen Dachern stehen Maschinengewehre. Die Waffenschiebungen Aus Schmalkalden�wird uns mitgeteilt: Am letzten Sonnabend fiel uns hier ein Mann Namens Weber auf. der Waffen auskausts. Wir veranlaßten seine Ver- Haftung und fanden bei ihm ein A k t e n b ü n d« l. aus dem her- vorging, daß er die Waffen für Pole n auskauft. Es handelt sich um etwa 5000 Gewehre und größere Munitionsmenaen. Am Sonntag erschienen nun mehrer« Herren, die sich als Kriminal- beamt«, die in O b e r h o f stationiert seien, ausgaben. Sie machten den Eindruck von Offizieren. Einer derselben gab dies auch zu. Die Beamten nahmen den Lerbafteten und führten ihn in der Nacht zum Montag angeblich nach Berlin ins Auswärtige Ami. Weber will im Austrage dcr.R eichswerftDanzig ge- kauft haben. Es geht aber au» dem beschlagnahmte« Schriftwechsel hervor, daß die Massen mit falscher De» klaration versandt werden sollten; Ansfohrbewilligungen nach Solen waren schon vorhanden. Der hiesig« Landrat, Rech 'tssozialist chubert und der Polizeikommissar hielten die Beamten für echt(deshalb haben die Beamten den Weber auch in ihre Hände bekommen), unsere Genossen haben den Eindruck einer grog an- gelegten Schiebung bekommen. Sie werden auf der Hut sein und jeden Versuch einer Waffenlieferung gründlich unterbinden. Auch in Suhl stehen sechs Waggons Waffe«, bei denen di« Dinge ähnlich liegen. Am Freitag der vorigen Woche traf aus Berlin der Dampfer Derfflinger vom Berliner Lloyd mit Waffe nvndMunition in Stettin ein. Dar Dampfer hatte 80 Kisten Minenwerfer »M Zubehörteile und außerdem sechs Laffetten mit den dazu-, gehörigen Teilen an Bord. Minenwerfer und Munition stammten von der Firma R. Wolf- Magdeburg-Buckau und sollten laut Deklarierung andasZeugamtinPillau gehen. Auf Veranlassung der Ü. E. P. D. tagt« am Montag, den S. August, eine von allen Parteien, unter Hinzuziehung des Ee- wcrkschaftsbundes. des Transportarbeiter-Verbandes und des See- mannsbundes veranstaltete Sitzung. Sie beschloß einstimmig, daß Waffen und Munition nicht verladen und transportiert werden dürien. Die Zentralinstanzen der Parteien und der Gewerk- schaften sollen dahin wirken, daß jedwede Herstellung von Waffen und Munition unterbunden wird und ein« Verladung von Munition nirgends erfolgen darf. Wir ermahnen die Genossen erneut zur Wachsamkeit. Zeder Waffentransport oder der Versuch dazu, muh sofort gemeldet werden, damit rechtzeitig ein« Unterbindung erfolgen kann. Die konfuse Verwalwng Eine treffliche Illustration zu der völligen Desorganisation, die im Pressedien st der Reichsregierung zurzeit herrscht, bietet der Fall des französischen Journalisten Chasseianes vom„Journal". Dieser hatte seiner Zeitung ein angebliches Interview mit dem Reichsfinanzminister Wirth übermittelt, in dem der Finanzminister die seltsamsten Erklärungen abgab, die im schärfsten Widerspruch mit der vom deutschen Außenminister pro- klamiertcn Politik standen. Der Reichsfinanzminister läßt nun erklären, daß er diesen französischen Journalisten nie gesprochen hat. Dieser habe vielmehr lediglich sich in der Presseftelle des Reichsfinanzministeriums über gewisse Steuersragcn orientiert, sein Interview aber sei frei erfunden. Soweit wäre die Angelegen- heit völlig geklärt, wenn nicht die Tatsache bestände, daß das osiiziöse Wolfffche Telegraphenbureau dieses Interview mit Zu- stimmung der deutschen Regierungsstellen ver» breitet hätte. Ein Beweis dafür, wie reformbedürftig die ganze Einrichtung der Pressestellen bei der Reichsregierung ist. Ostpreußischer Landarvcitertarifoertrag. Nach vierinonatNchen Verhandlungen ist endlich ein Landarbeitertarifvcrtrag für Ost- preußen und den Rest der Provinz Westpreußen abgeschlossen worden. Die Agrarier hatten sich mit Händen und Füßen gegen diesen Tarifvertrag gesträubt und kein Mittel unversucht gelassen, um sein Zustandekommen zu verhindern. Schließlich haben sie sich aber doch der geschlossenen Macht des Landarbeiterproletariat« beugen müssen. Die Regierung spricht die Zuversicht aus, daß dieser Vertrag bis zum Herbst seine Gültigkeit behalten werde. so daß die diesjährigen Erntearbeiten als gesichert gelten können. Schändung des Hamburger Heinedenkmal». Das einzige Heine- denlmal Deutschlands , das vor einem Kontorhause Hamburgs in der Mönckebergstraße aufgestellt war, wurde Donnerstagnacht aber- mals mit roter Farbe überschmiert. Wegen des Verdachtes der Täterschaft wurden drei Personen verhaftet. Das Heinedsnkmal, da» ehemals auf Korfu stand, wurde, nachdem das Achilleon in den Besitz des deuiichen Kaisers überging, von dem Buchhändler Campe für 10000 Mark angekauft. Dann wurde es Eigentum de» Pesitzerp des Barkhofs.
Ausgabe
3 (14.8.1920) 330
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