Die Bedingungen für die französische Partei

Das Präsidium des zweiten Kongresses der kommunistischen Internationale veröffentlicht an alle Mitglieder der französischen sozialistischen Partei, an alle flassenbewußten Proletarier Frant­reichs ein Schreiben, das von Sinowjeff, Lenin , Serrati, Levn und Roßmer gezeichnet ist.

Das Schreiben enthält zunächst eine sehr heftige Kritik der fran­ zösischen Partei, die ihre Pflicht im Kampfe gegen die französische Bourgeoiste, die zu einem Bollwert der Reaktion geworden sei, nicht erfüllt habe. Während des Krieges sei das Verhalten der Führer der früheren Parteimehrheit Renaudel, Thomas, Gombat nicht besser gewesen, als das schmutzige Verhalten der Scheidemann und Noste. Die frühere minder heit habe gegen die scheußliche Mehrheit nie einen prinzipiellen flaren Kampf geführt. Zur Mehrheit geworden, setze sie dieselbe zweideutige Bolitit fort und spiele eine traurige opportunistische Rolle. Sie und ihre Führer wie Longuet sehen sehr nach So­zialpatrioten aus. Die französische Partei sei noch hinter den deutschen Unabhängigen zurüdgeblieben, da sie sich noch nicht einmal von ihren offenen Verrätern und Sozialpatrioten losgelöst habe. 3u ihrer Partei," heißt es in dem Schreiben, gehören noch Personen wie Renaudel, der treueste Stlave der französischen Bourgeoisie. Sie dulden noch solche Verräter an der Arbeiterfache wie Jouhaug und seine Gesinnungs­genossen, die sich jetzt bemühen, die gelbe Jnternationale der Gewerkschaften nen zu errichten. In ihrer Partet dürfen noch immer diejenigen ihrer Mitglieder verbleiben, die die Unver­Schämtheit hatten, bei der Abstimmung über den schmachvollen und blutig räuberischen Versailler Frieden in der französischen De putiertenfammer sich mit Stimmenthaltung zu begnügen." So treibe die jetzige Mehrheit eine Politit noller Schwankungen, 3weldeutigkeiten und Falschheiten.

Diese Kritik wird nun im einzelnen ausgeführt, namentlich wird das Fehlen einer illegalen Tätigkeit, insbesondere im Seere, gerügt. Die franzöfifche Partei habe es auch unterlassen, die Führer der Confederation du Travail( Gewerkschaftsbund) für ihre niedrigen Verrätereien an den Pranger zu stellen und den Kampf gegen fte zu eröffnen, um die französischen Gewerkschaften von dem torrumpierenden Einfluß des Kapitals zu befreien". Frossard hätte das zögernde Berhalten gegenüber der dritten Internationale damit zu entschuldigen versucht, daß die größten europäischen sozialistischen Parteien bisher ber dritten Inter­nationale noch nicht beigetreten sind. Demgegenüber müßte ge fagt werden: Wenn unter den größten europäischen die vom Sozialpatriotismus verseuchten Parteien gemeint find, fo wünschen wir ihren Beitritt in die fommunisti. iche Internationale nicht und werden sie nie hineinnehmen. Alle wirklichen revolutionären Parteten Europas und Ameritas sind bereits in unseren Reihen. Die tom­munistische Internationale hat sich bereits zu einer solchen Macht gestaltet, daß sie für einen gewissen Teil der Sozialisten zur Mode geworden ist. Einige Anhänger des Zentrums legten sich die Be­zeichnung Kommunisten zu und glauben, daß man sich der britten Internationale anschließen fann, ohne in Wirklichkeit mit der bisherigen opportunistischen Politik zu brechen. Das kann die tommunistische Internationale nicht dulden. Wir werden unsere Organisation nicht verwässern lassen. Die tommunistische Inter nationale muß eine schlagfräftige internationale Gemein. schaft der tommunistischen Arbeiterschaft werden." Das Schreiben behandelt dann das Verhalten der Gewert Schaften und erflärt: Die Gewertschaften bebeuten füz bie Sozialpatrioten ihren legten Stütpuntt Die zweite Internationale als politische Organisation zerfiel wie ein Kartenhäuschen, die neue gelbe Amsterdamer Inter nationale aber ist eine zu schwache Basis für die So zialverzätet. Diese Amsterdamer Internationale ist momentan noch mehr als die Liga der Nationen schädlich und gefährlich für die Weltrevolution. Mit Hilfe der Legien, Gompers und Jouhaug versucht die Bourgeoisie, aus der Amsterdamer Internationale der Gewerkschaften eine ebensolche Waffe für ihre räuberischen 3iele zu machen, wie es die sozialdemokratischen Parteien der ganzen Welt während des imperialistischen Krieges gewesen waren." Es seien deshalb innerhalb der Gewerkschaften tommunisti sche Bellen zu organisieren, die den Kampf gegen die Machen schaften der großen und fleinen Jouhaug führen bis zur Ber

feinen internationalen Rurs hat, ist es für viele unmöglich, fich etwas zu faufen, und manche laffen fich zur Hergabe von Aus rüftungsgegenständen verleiten. Man wird hoffentlich mit allen Mitteln gegen ble verbrecherischen Bucherer vorgehen, die auf so un­rechtmäßige Weise sich selbstsüchtig bereichern.

Lagertreiben

Diese Armee it nicht mehr die alte zariftische. Man merkt es auf den ersten Blid, man merkt es besonders bet einem Gang burch das Lager. Ich tam am Morgen hin; an allen Pumpen wuschen fich die Leute, alle machten einen fauberen, freundlichen Einbruc und gaben mir liebenswürdig auf die Fragen Auskunft, die ich ihnen dolmetschen ließ. Ihre Uniformen sind nicht von der straffen Einheitlichkeit, die wir von den Armeen unferes imperialistischen Zeitalters tennen. Aber von mehreren Seiten wurde mir erklärt, daß fie trob ichrrr Verschiedenheit und Buntheit in gutem Zustand waren, als fie ins Feld zogen.

Sie haben einen achtwöchigen Vormarsch hinter sich; fte haben, gulegt ohne Munition, Feinde vor und hinter sich, schwere Rämpfe durchgemacht, aber man merft nichts mehr von Ermüdung oder gar Difsiplinlosigkeit. Dabei baben fie vter Tage wenig mehr als Suppe au effen bekommen, da Deutschland auf den plöglichen zahl­reichen Besuch nicht annäherub vorbereitet war.

Ste fizen und liegen in phantastischem Durcheinander mit ihren Pferden an allen freien Plägen. An rasch entzündeten Feuern werden mit etwas meh! und Pferdefett breiige Kuchen gebacken. Irgendwo flingt eine Blehharmonika und zwei Kosaten ianzen banach seltsame Bewegungen. Entblößten Oberkörpers näht einer an seinem Hemb. Eine Kompagnie ist angetreten. Ueberall Leben und Be­triebfamkeit.

Ich gebe mit einem Rommiffar durch das Lager, fpreche mit vielen Beuten; nicht alle sind Kommunisten, aber faum einen fand ich, der nicht die Größe der sozialistischen Jdee fühlte, und niemand zweifelte an dem schließlichen Stege des proletarischen Rußlands .

Es gibt auch Frauen bei der roten Armee. Frauen verschiedener Art. Da find bekannte Erscheinungen, Krankenschwestern, die bas Genfer Abzeichen am Armt tragen. Schreibmaschinenmädchen, die auch bei dieser proletarischen Arnee meist nicht häßlich find, ver fchönern die Stäbe. Aber das ist schließlich nichte besonderes.

jagung der sozialverräterischen Führer. Denn nur gegen diese sei eine Revolution möglich. Die roten Gewerkschaften be­ginnen sich jetzt im internationalen Maßstabe zu organisieren. Auf die Initiative des Erefutiotomitees der kommunistischen Internationale schufen die Iinfen Gewerkschaften Italiens, Rußlands und Englands einen Dreibund, der im Auguft oder September seinen internationalen Kongreß der roten Gewerkschaften haben wird. Er soll das Gegengewicht gegen die Amsterdamer Internationale der gelben Gewerkschaften dar­stellen. Unterstützt dieses Unternehmen in Frankreich ! Bringt es soweit, daß Eure Syndikate sich der Internationale der roten Ge­werkschaften anschließen und ein für alle mal mit den gelben brechen! Das ist die Aufgabe der aufrichtigen Revolutionäre in Frankreich .

Das Schreiben wendet sich dann der Frage des An= schlusses zu. Es wiederholt, daß die französische Partei hinter den deutschen Unabhängigen zurückgeblieben sei und fordert mit größtem Nachdruck den Ausschluß von Longuet. Wir er tlären mit voller Bestimmtheit, daß trotz des Kampjes, den Longuet für die russische Revolution führt, troß des Befennt­nisses seines Mundes zur Diktatur des Proletariats wir nach der ideologischen Position und der ganzen Tätigkeit des Longuet sowohl in der Presse wie im Parlament in ihm den zweiten Kautsky sehen. Ja, es ist unvermeidlich, daß Sie mit einer Reihe Jhrer rechtsstehenden Führer, die bis zum Mart ihrer Knochen vom Reformismus infiziert sind, brechen."

Die Hauptsache set aber, die reformistischen Tradi tionen aufzugeben. Man perlange von der Partei nicht, daß fie sofort eine Sowjet- Revolution mache", aber sie müsse eine rücksichtslose Propaganda für die Jbeen der proletarischen Diktatur und des Kommunisums treiben. Cachin und Frossard hätten sich mit den Bedingungen einverstanden erklärt. Das Schreiben fährt dann fort: Der Kongreß werde das Exekutiv­tomitee bevollmächtigen, die französische Partet aufzunehmen, wenn sie die vom Kongreß gestellten Bedingungen annehmen und durchführen wird."

Wir bestätigen voll und ganz unsere Antwort an die deutschen Unabhängigen, die auch in der fran­ zösischen kommunistischen Presse abgedruckt war. Diese Ant wort war fast im selben Maße auch an Sie gerich tet, d. h. an die Mehrheit der franzöfifchen sozialistischen Partei. Den besonderen Verhältnissen in Frankreich entsprechend stellen wir folgende 10 Punkte auf:

1. Die französische sozialistische Partet muß den Charakter ihrer täglichen Propagandaarbeit und ihre Agitation in der Presse radikal ändern, in dem Sinne wie wir es schon oben aus­geführt haben.

2. In der Frage der Kolonien ist eine deutliche und flare Linie für die Parteien von großer Wichtigkeit, besonders in jenen Ländern, deren Bourgeoisie ihre Macht auch über Kolonialvölfer verbreitet. Die französische Partei muß rücksichtslos die Machen schaften der französischen Imperialisten in Bezug auf die Kolonien enthüllen, muß nicht nur in Worten, sondern auch durch Taten jebe Befreiungsbewegung in den Kolonien unterstügen, muß die Losung popularisieren: Fort mit den Imperialisten aus den Ko­Ionten", muß die Arbeitermassen Frankreichs zu einem aufrichtig brüderlichen Berhalten gegenüber den Arbeitermassen der Ko Ionien erziehen und eine systematische Agitation im französischen Seere gegen die Unterdrückung der Kolonial­bevölkerung treiben.

8. Die französische Partet muß die Berlogenheit und die Heuche­lei bes Sozialpazifismus enthüllen, muß den Arbeitern fyftematisch bemetsen, baß ohne revolutionären Kampf gegen den Kapitalismus alle internationalen Schiedsgerichte, alles Reden von Verminderung der Waffen die Menschheit vor neuen impe­rialistischen Kriegen nicht zu retten vermögen.

4. Die franzöfifche sozialistische Partei muß mit der Organi lation ber revolutionären tommunistischen Gle mente innerhalb der Ilgemeinen Arbeitstonföde­ration den Kampf gegen die sozialverräterischen Führer der Konföderation beginnen.

5. Die französische sozialistische Partei muß nicht nur in Worten, fondern auch tatsächlich bie Unterwerfung der parla mentarischen Frattion unter die Partei im allgemeinen aufs Strengste durchführen. Sie muß nur jene Deputierten der Frattion anerkennen, die gewissenhaft sich an die Beschlüsse der Bartei halten und ihre ganze parlamentarische Arbeit im oben erwähnten Sinne einstellen.

6. Die heutige Mehrheit der französischen sozialistischen Bartet muß ihr Verhalten gegen den linten kommunistischen Flügel der französischen Arbeiterbewegung ändern. Die Partei muß die Spalten ihrer Blätter den Kommunisten öffnen. Die jezige Mehrheit muß aufrichtige Annäherung an die kommunisti. fchen Elemente Frankreichs suchen.

7. Die französische Partei muß rabital mit dem Reformismus brechen und muß die systematische Entfernung aller jener Elemente, die den neuen Weg zu beschreiten nicht fähig sind, durchführen.

8. Die französische Partet muß auch ihren Namen ändern und sich vor der ganzen Welt als tommunistische Partei Frant reichs bekennen.

9. Die franzöfifchen Genoffen müssen die Notwendigkeit der gleichzeitigen legalen und illegalen Arbeit in einer Epoche, in der die Bourgeoisie den Belagerungszustand über die Arbeiter und ihre Führer verhängen, anerkennen.

10. Die französische Partei, wie alle Parteien, die sich der britten Internationale anschließen wollen, muß die Gültigkeit der Beschlüsse der fommunistischen Internationale aner fennen. Die fommunistische Internationale anerkennt durchaus die Verschiedenheit der Verhältnisse, unter denen die Parteien der verschiedenen Länder zu kämpfen haben. Die Kongresse der tom­munistischen Internationale werden diesen Umstand stets auf die Wagschale legen und allgemeine Beschlüsse nur dann und nur in solchen Fragen annehmen, wo für ihre Durchführung keine Hinder­nisse vorliegen.

Wir bitten Sie, alle französischen Arbeiter von dieser unserer Antwort zu unterrichten.

Die Franzosen und Moskau Sigung des Parteiausschusses

HN. Paris, 9. September.

Der fozialistische Parteiansschuß verhandelte gestern über die von Frossard der französischen Partet für den Beitritt zar 8. Internationale überbrachten nenn Puntte. Es soll, lant Petit Parisienne, in dieser Verhandlung sehr lebhaft angegangen sein. Wieberholt wurde die Frage gestellt, ob diese neun Punkte bie en da gültigen Bebingungen darstellen, da man der deutschen Un­abhängigen Partet 21 Punkte gestellt unb bas französische kommn

Etwas besonderes find die Frauen, die als Soldaten ins Feld gezogen sind. Sie tun denselben Dienst wie die männlichen Genossen, aber für ihre freiwillige Meldung war häufig ein Grund bestimmend, ber doch echt weiblich ist. So erzählte mir etne, ihr set die Revo­lution ziemlich gleichgültig, bie Erschütterung der ganzen Welt Iteße fie talt, ste set mitgegangen aus Liebe zu ihrem Wann, ben fie nicht berlaffen wollte, und mit dem sie entschloffen fei, alles ungemnach zu teilen. Als einziges Abzeichen tragen alle Rotarmisten an der Kopfbeatftische Organ gegen 18 Puntte veröffentlicht habe. Frosfarb beckung die profetarische Stofarbe, einen fünfectigen, rotemallierten Stern, der in Bronze das Comfet- Emblem, Sichel und Hammer, zeigt. Auf einem anderen Abzeichen sieht man die rote Fahne mit der flammenden Inschrift: Proletarier aller Bänder Dereinigt Euch!" Hanns Erich Kaminali.

erklärte, daß diese neun Punkte als die endgültigen Bedingungen Moskaus anzusehen seien. Der Ausschuß beschloß, bie ganze Partet über ben evt. Beitritt gur britten Internationale entscheiben zu laffen und den Bericht möglichst balb bruden zu lassen.

Betriebsräte

Achtung! Betriebsräte!

Am Dienstag, den 14. beginnen in der Räteschule folgende Kurse: Elementarrechnen: Winkelmann. Beginn 5 Uhr, Zimmer 28. Weltwirtschaftliche Beziehungen: Winkelmann. Beginn 7 Uhr, Bimmer 28.

Am Mittwoch, den 15.:

Einführung in die wissenschaftlichen Grundlagen des Marriss mus: Winkelmann. Beginn 5 Uhr, Zimmer 28.

Sozialistische Wirtschaftsorganisation( Sozialisierung der In dustrie): Dehring. Beginn 6 Uhr, Zimmer 33.

Rechte und Pflichten der Betriebsräte: Schönbed. Beginn 16 Uhr, Zimmer 34.

Schriftlicher und mündlicher Ausdrud: Kehler. Beginn 6 Uhr, Zimmer 35.

Klassenkampfschulung, Gesamtunterricht. Beginn 28 Uhr, Zimmer 27.

Sämtliche Kurse finden Hinter der Garnisonkirche 2 statt. An meldungen unbedingt bis Sonnabend, den 11., nachmittags 4 Uhr im Bureau der Räteschule, Münzstr. 24.

Gewerkschaftliches

Die Handelshilfsarbeiter im Einzelhandel Nach der Unionsbrauerei in der Hafenhetbe hatte die Branchen leitung der Handelshilfsarbeiter im Einzelhandel des Deutschen Transportarbeiterverbandes ihre Mitglieder zu einer Versammlung gerufen, um zu der Kündigung des Lohntarifs durch den Arbeit­geber- Verband im Einzelhandel Stellung zu nehmen. Der Referent Bollmeter führte zu Beginn seines Referates aus, daß der Arbeitgeberverband im Einzelhandel sich der Einzelhandelsgemeinschaft angeschlossen hat und daß diefelben Vertreter der Arbeitgeber, mit benen man bisher verhandelt hat, jezt als Zartffommission der Ginzelhandelsgemeinschaft auftreten. Als einziger Grund für die Kündigung des Tarifvertrages tann nur der ohnabbau in Frage kommen, da man auch den Handlungsgehilfen den Tarif gekündigt hat. Der Arbeitgeberverband hat in den letzten Monaten eifright gearbeitet, ungeheure Summen sind ihm zugeflossen, sodaß seine Strettkaffe gefüllt ist, und er bereit ist, im Falle eines Streits feinen Mitgliedern auch den Verdienstausfall zu ersetzen.

Die angebahnten Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband find jedoch baran gescheitert, daß der Chriftliche Transportarbeiterverband mit seiner sehr geringen Mitgliederzahl als Tariffontrahent auftrat. Die Bertreter des Deutschen Transportarbeiterverbandes lehnten entschieben ein gemeinsames Verhandeln mit den Christlichen ab. Jederzeit zum Verhandeln geneigt, im äußersten Fall auch zum Rampf berett, ist die Devise für die kommende Belt.

Ortmann gab dann den Bericht der Lohnkommission über die Sonnabendsigung beim Arbeitgeberverband. Troz des vorherigen ablehnenden Bescheids waren die Christlichen mit ihrem Borsigenden Kühn doch zu den Verhandlungen erschienen. Erft als wiederholt die Vertreter des Transportarbeiterverbandes die Anwesenheits­berechtigung der Christlichen in Zweifel stellten, und auf Grund der minimalen Mitgliederzahl dieses Vereins sich beharrlich weigerten, mit ihnen gemeinsam in Verhandlungen einzutreten, faßten die Arbeitgeber, die schon geneigt waren, mit den Chriftlichen an ver handeln, den Beschluß, die Entscheidung, ob der Christliche Transport arbeiterverband eine Gewerkschaft ist, den maßgebenden Stellen zu überlassen. Das Auftreten der Chriftlichen, die auf ihrem letzten Kongres für Aufhebung des Achtstundentages sich aussprachen, hatte die Wirkung, die Arbeitgeber in ihrem Bemüthen, die Berhandlungen zu verschleppen, auch noch zu unterstüßen. Die freien Gewertschaften in Berlin haben es bisher stets abgelehnt, die Christlichen als Tarif fontrahent anzuerkennen. Deshalb fonnte auch diesmal von diesem Standpunkt nicht abgewichen werden. Das Ziel der Arbeitgeber ist der Sohn bbau. Deutlich muß unseren Gegnern jedoch unser uner schütterlicher Wille zum Bewußtsein gebracht werden, daß erst ein Sinfen der Lebensmittelpreise und der übrigen Kosten der Lebenss baltung eintreten muß, ehe baran zu benten ist. Die Gefahr ist groß. Alle Säumigen müssen noch in letter Stunde herangeholt werben, um auch erfolgreich die Aftion, in die man eingetreten ist, zu beendigen.

Alle Diskussionsrebner lehnten es ab, mit den Vertretern des Christlichen Transportarbeiterverbandes, den Hemmschuhen der stimmig wurde eine Resolution im Sinne des Referats angenommen. Arbeiterbewegung, sich an einen Verhandlungstisch zu sehen. Ein Bollmeier teille bann den Lohn- Tarifvertragsentwurf mit. In der Diskussion wird sowohl eine Ausschaltung der Staffelung bei den Arbeiterinnen als auch eine Familienzulage gefördert. Da vor der Familienzulage von verschiedenen Rednern als zweischneidige Waffe gewarnt wird, wird der bahingehende Antrag der Lohn tommission als Material überwiesen.

Jm weiteren Verlauf der Versammlung wurden noch organisatorische Branchenangelegenheiten erörtert.

Lohnbewegung in der Damenkonfektion

Die Herstellung ber bielgepriesenen und photographterten Mode fchöpfungen wird in einem Ausbeutungssystem betrieben, das gegen anderen Berufen in nichts zurücksteht. Die Unternehmer dieser Branche, bie in der Ronjuntiur Riefengewinne eingesteckt haben, möchten am liebsten in der Zeit ber Stagnation den bescheidensten Tarifvertrag beseitigen, um, wie in der guten alten Zeit, unbeschränkt ausbeuten zu können. Nur mit Mühe konnte der Verband der Be

fleidungsarbeiter eine Verlängerung des Tarifes unter der Bes bingung durchsetzen, daß die vielfach veralteten Bestimmungen einer Revision unterzogen werden. Es sind sehr bescheidene Renderungen, bie verlangt werden: Die Lieferung des Nähmaterials, auch für das erste Stück. Grhöhung der Ueberstundenaufschläge. Bezahlung der Feiertage. Ferien. Einführung einer Stundenberechnung und eine Kontrolle über die Einhaltung ber tariflichen Löhne.

In mehreren Versammlungen, bie Montags und Dienstagabend stattfanden, haben die Berufsangehörigen zu biefen Fragen Stellung genommen und folgende Resolution beschlossen:

Die Versammelten sprechen aus, daß das schroffe ablehnenda Verhalten der Arbeitgeber, insbesondere der Zwischenmeister, wieder einmal gezeigt hat, es gibt für die Arbeiterschaft nur einen Feind, das ist das Unternehmertum! Die in der Damenkonfektion be fchäftigten Schneider und Schueiberinnen richten an die Arbeitgebers organisationen noch einmal die Forderung, den jetzigen teuren Lebensverhältnissen bei der Revffion des Tarifvertrages Rechnung zu tragen. Würden die Damenmäntelfabrikanten sowie die Zwischen meister dieser Forderung nicht entsprechen, hätten sie es sich selbst zuzuschreiben, wenn zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine Spannung Play greift, die eines Tages für die Arbeitgeber unan genehme Folgen zeitigen würde.

Die Betriebsorganisation in der Allgemeinen Detsa krankenkasse der Stadt Berlin . In der Versammlung der Gewerkschaftsfunktionäre, die am 1. September in der Nenen Welt" flattfand, war von dem Referenten Genossen& rth Schmidt sowohl wie von dem Vorfizenden Genossen Sabath darauf hin gewiesen worden, daß n. a. auch in der Allgemeinen Ortskranten fasse der Stadt Berlin die Betriebsorganisation start vertreten set,

Z

ähne 4 u. 7 mk. mit Friedenskautschuk

5 Jahre sdiriftliche Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bel Bestellung von Gebissen gratis. Kronen D. 30 mk, an Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine fruxuspreise, Zahn- Praxis Matvani, Danziger Straße 1