Ginzelpreis 30 Pfg. 4. Jahrgang

terethet eriche morgens une nachmittags, Sometags and Montage einmal. Der Bezugspreis beträgt bet freier Zuftellung ins Haus für Groß- Berli 10,-. tur voraus zahlbaz, non der Spedition felbft abgebolt 8,50 M. Für Bot bezug nehmen fämtliche Boftenftalten Bestellungen entgegen. Unter Streifpand bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 M. zuzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30,-. Bebaktian, Cxpedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße 69.

Donnerstag, 10. Februar 1921

Nummer 67

e

Morgen- Ausgabe

De achtgespaltene Ronparetezette ober beren Raum koftet 6,-. einschließlich Seuerungszufchlag. Kleine Anzeigen: Das fertgedruckte Wort 2,-., fedes weitere ort 1,50 m., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Gesuche Wort- Anzeigen: has fettgedruckte Wort 1,50 M.. fedes weitere Wort- geraipredjer: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4803, 4635, 4649, 4921

Freiheit

Berliner Organ

ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Der Gesundheitszustand

der Berliner Schulkinder Gegen die Zerstörung des Wirtschaftslebens!

Es ist eine befannte Tatsache, daß sich der größte Teil der Merzie stillschweigend der Forderung, nichts über den Stand unserer Boltsgesundheit zu veröffentlichen fügte, ja, daß piele, wie z. B. Prof. Boas, sich bereit fanden, öffentlich zu erklären, daß eine Beeinträchtigung unserer Volksgesund heit durch die Einschränkung der Lebensmittel nicht zu befürchten sei.

Gegen Chauvinismus und Nationalbolfchewismus!

Jm Kampf gegen den imperialistischen Krieg ift die U. G. P. D. entstanden. Sie hat dem erobernden Kapitalismus die selbständige Politik der revolutionären Arbeitertiasse, dem Massenmord die internationale Solidarität des Weltproletariats entgegengestellt. Die U.S. P. D. hat alle Eroberungsabsichten befämpft und ist für einen Frieden ohne Annegionen und Entschädigungen einge­treten, den auch das revolutionäre Rußland verlangt hat. Nur ein solcher Friede wäre eine sichere Grundlage für die gemeinsame Kulturarbeit der Nationen und für den sozia­listischen Wiederaufbau der Weltproduktion gewesen. Für die Wiedergutmachung der Schäden, die der deutsche Militarismus anderen Völkern zugefügt hat, ist die U. G. B. D. jederzeit eingetreten. Darum darf die U. S. B. D. mehr als irgend eine andere Partei sich auch gegen die wirtschaftlichen Forderungen der Pariser Konferenz wenden. Diese Forderungen des Ententefapitalismus gehen weit über die Leistungsfähigkeit der deutschen Wschaft hinaus und sind deshalb unerfüllbar. Sie würden das deutsche und sind deshalb unerfüllbar. Sie würden das deutsche Proletariat in ein noch größeres hoffnungsloses Massenelend stürzen. Sie würden nicht nur das deutsche, nicht nur das europäische, sondern das Proletariat aller Länder aufs schwerste treffen. Denn die Berelendung der deutschen Wirt­

Bei solch allgemein herrschenden Anschauungen mar es baher nicht weiter verwunderlich, wenn auch die Gut­echten der Berliner Schulärzte, die zwar nie gewohnt waren, den Gesundheitszustand der Berliner Ge meindeschüler mit allzustrengem Maßstab zu messen, wäh­rend des Krieges jeder ärztlichen Gewissenhaftigkeit Sohn sprachen. Noch am 2. Dezember 1917, also nach fast 3% jähriger Kriegsdauer sandte der Vorstand des Aerzte­ausschusses von Groß- Berlin ein Zirkular an die Berliner Aerzte, in dem zu lesen stand: Schulärzte haben einwandfrei festgestellt, daß die erste Jugend eine ges Jundheitliche Schädigung gegen früher ers fennen läßt, und die Kindersterblichkeit zurüd­gegangen ist." Der Zusammenbruch Dom November 1918 erst bewirkte es, daß sich die Aerzte mit unabhängige ren Urteilen hervorwagten, und all die Gutachten, die von ärztlicher Seite seither veröffentlicht wurden, legen in er Shredender Weise dafür Zeugnis ab, in welch hohem Maße die durch den Kriegswahnsinn der befizenden Klassen her­vorgerufene schwierige Ernährungslage ben Gesundheitszuschaft würde ihre Aufnahmefähigkeit für ausländische Pro­Hand und die Entwicklung der Jugend ungünstig beein flußt haben. Erklärte doch z. B. bereits am 2. Dezember 1918 der bedeutende Kinderarzt, Prof. Dr. Czerny, daß mehr als an Säuglingen die Folgen der Ernährungsschwierigkeiten an größeren Kindern in Erscheinung treten.

Wie sehr sich die Folgen der Unterernährung und der mangelnden Pflege während des Krieges gerade bei der heranwachsenden Jugend geltend machen, und wie sehr durch die verderbliche Kriegspolitik der bürgerlichen Parteien, die den Krieg bis zum Weißbluten fortsetzen wollten, an der Vollsgesundheit ein nie wieder gut zu machender Schaden angerichtet worden ist, zeigt der jetzt erschienene Bericht über die Tätigkeit der Berliner Schul­ärzte im Jahre 1918/19, der vom Medizinalamt ber Stadt Berlin zusammengestellt worden ist.

-

Der Bericht enthält neben einem allgemeinen Bericht und einer Tabelle über die zurüfgestellten und über die in Ueberwachung genommenen Schulanfänger Auszüge aus 29 Einzelberichten von Schulärzten Berlin hat 50 Schul­arztbezirke, die durchweg nur ungünstige Urteile bringen, und die insbesondere soweit sie die Ernährungslage behan­beln, ganz anders lauten als die Berichte aus dem vorher:

gebenden Jahre.

66

31

#

So berichtet Schularzt Dr. Bernhard, der noch im vorhergehenden Jahre geurteilt hatte, daß der Gesundheits zustand der Kinder im Berichtsjahre recht befriedigend ge wesen sei und sich eine wesentliche Verschlechterung des Er­nährungszustandes im allgemeinen nicht habe feststellen Iassen, berichtet jetzt: Der Gesundheitszustand der Kinder stand unter der Einwirkung der Hungerblodade. Mußte ich Schon im vorigen Jahresberichte mitteilen. daß der Er nährungszustand sich wesentlich verschlech tert habe(?), so ist dies im vergangenen Jahr in er höhtem Maße der Fall gewesen..... Mangel an Seife und Heizmaterial haben einen üblen Einfluß auf die Rein­lichkeit der Kinder gehabt. Sauterfrantungen sind dadurch entstanden und bestehende schwerer zu beseitigen ge wefen. Dr. Julius Rau berichtet jetzt: Wenn man fich bis dahin freuen fonnte, daß eine Einwirkung der Blodade auf das Aussehen und die Konstitution der Schuffinder wenig zu bemerken war, so begann jetzt dieje Wirkung von Woche zu Woche fichtbar zu werden... Bei einem großen Teil wurde immer offenfundiger, was die lange Unter­ernährung an nicht mehrgutzumachendem Schaden angerichtet hatte Aehnliche Auffassungen treten in all den anderen Gutachten zutage, die über den Ernährungs­zustand berichten. Echularzt Dr. Hahn: Schon das Aeußere vieler Kinder war gegen die Friedenszeit wesentlich Zahllose Kinder gingen barfuß..... Der Ernährungszustand der Kinder, besonders der jüngeren, ließ durchweg jichtlich nach Dr. Landsberger; Die Kinder find unterernährt und machen oft den Eindrud als feien fie zwei Jahre in der Entwicklung zurüdgeblieben." Dr. Kindler: Blutarme und Rervenschwache Tamen reichlich zur Behandlung. Es scheint mir, als ob die mangelhafte Ernährung, besonders das Fehlen der Milch zu ihrer Entstehung beiträgt und den hartnädigen Verlauf be­bingt." Dr.& lifter: Die Bedrängnisse des Krieges warfen ihre Schatten ganz besonders auf die förperliche Ent­widlung der Kinder. Wegen der schwierinen Lebensver hältnisse litten sie unter Körperschräche, Blutarmut und Strophulole" Charakteristisch ist das Urteil des Echul­arztes Dr. Grünbaum, das wie eine Bestätiguna ber Latfade flingt, wie sehr die Herzte vor der Revolution in ihrem Urteil beeinflußt waren: Der Ernährungszustand ist. mie zu erwarten war, und wie man wohl ohne wohl ohne Scheu(!) sagen darf, bei den Kindern immer schlechter ge­

verändert...

worden"

"

tag stellte der Sprecher der Kommunisten ben nationalisti fchen Massenschlächter Enver Pascha den deutschen Chau­vinisten als Vorbild hin für einen Bund der, unterdrückten Böller" mit den russischen Kommunisten und forderte den gemeinsamen Kampf. Jn München wurde diese kommu­nistische Parole weitergegeben. Dort riefen Kommunisten das nationalistische Jungdeutschland auf, sich mit dem Pro letariat und mit Rußland zu vereinigen, den Friedensver trag von Versailles zu zerreißen, die Waffen nicht abzu liefern, sondern mit den Kommunisten zu teilen und sich gegen den Ententefapitalismus zu erheben. Diese national­bolschewistischen Treibereien haben unter dem flassenbewuß ten Proletariat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Dadurch sah sich die kommunistische Zentrale gezwungen, durch eine unflare und fragwürdige Erklärung gegen ihre Parteiführer in München die wahren Bestrebungen der tommunistischen Führer zu verschleiern. Die Kommunisten in München haben die Ausführung der Parole ihres Partei vorsitzenden gar zu plump getrieben. Die national- bolsche­mistische Propaganda wird aber nur gefährlicher im 3wie­licht eines parteipolitischen Demagogentums. Das Verhalten der Kommunistenführet in München entspricht genau dem Bündnis der russischen Kommunistenführer mit Enver Bascha und dessen Erhebung zum Vorbild für deutsche Nationalisten.

entgegen.

dufte vermindern, dadurch immer neue Krisen und Arbeits­losigkeit überall hervorrufen. Der gezwungen übermäßig gesteigerte Export würde zugleich den ausländischen Indu­Den chauvinistischen wie den national­trien schwere Konkurrenz bereiten und dadurch die Serab- bolschewistischen Kriegstreibereien tritt die Unab brüdung der Lähne in Deutschland über die hängige Sozialdemokratie mit fester Entschlossenheit ganze Welt verpflanzen. Die Produktion in den einzelnen Ländern und damit die Produktion der ganzen Welt fann nur gesteigert und der Gütervorrat vermehrt werden, wenn die Arbeiter nicht der völligen Berelendung verfallen. Die Forderungen des Ententekapitalismus find nicht französisch oder englisch, sie sind kapitalistisch.

In ihnen enthüllt sich der schmutz und bluttriefende Jm­perialismus, der während des Krieges und nach dem Kriege aus tapitalistischer Profitgier Berge von Leichen häuft. Die Ertenntnis wird erneut bestätigt, daß Gewalt und Ausbeutung nur im Klaffentampf der Ar­beiter aller Länder beseitigt werden fön= nen. Die internationale Solidarität der Arbeiter ver­bietet, daß irgend eine Arbeiterklasse, in diesem Fall die deutsche Arbeiterklasse, durch die Kapitalisten irgend eines Landes, in ihrer Lebenshaltung tiefer herabgedrückt werden als die Arbeiter anderer Länder. Der Gewaltfriede von Versailles fann nur überwunden wer= ben durch internationale Attionen der tfallenbewußten Arbeiter. Gemeinsame Gefahr forbert gemeinsamen Kampf!

Der Kampf der Arbeiter gegen den Kapitalismus fann nur als selbständiger proletarischer Klassen tampf geführt werden.

Hier gibt es keine Bündnisse mit bürgerlichen Parteien und Klassen,

weil es feinerlei Interessengemeinschaft zwischen Arbeiter und Kapitalisten gibt. Das. Geschrei der deutschen natio­nalistischen Kreise nach einer Einleitsfront entspringt nur den reaktionären Absichten auf Wiederherstellung des Mili­tarismus und der Monarchie. Die Forderungen des Entente fapitalismus werden von den nationalen Parteien zu einer

nugt. Sie erklären jogar die Entwaffnungsfrage für wich­tiger als die Zahlungsfrage und suchen auf die Regierung einzuwirken, feine Zugeständnisse in der Entwaffnungsfrage zu machen.

Diese Kriegsheye hat im tommunistischen Lager Unterstügung gefunden. Schon im Reichs­Berlin, den 9. Februar 1921.

Die Frage der Entwaffnung darf zu feinerlei neuen Schwierigkeiten oder Konflikten führen. Handelt es sich doch um die Entwaffnung der deutschen Konters versteckten militaristischen Keimzellen, um die Frage der revolution, um die Entwaffnung aller offenen und raditalen Vernichtung aller nationalistischen Rachepläne. Neue Kriege würden neue Sieger und Besiegte und neuen Gewaltfrieden schaffen.

Wir fordern von der deutschen Regierung, daß fie ernste und gründliche Berhandlungen über die wirts schaftlichen Forderungen führt. Sie hat dabei die Pflicht der Wiedergutmachung anzuerkennen. Das deutsche Bolt muß verlangen, daß es dauernd über alle Vorgänge sofort und ausreichend unterrichtet wird. In der Außenpolitik Deutschlands muß endlich alle Geheim­diplomatie aufhören. Die deutsche Außenpolitik muß in den Dienst der wirtschaftlichen Bedürfnisse der brei­ten arbeitenden Massen gestellt werden. Nur dann wird sie der Annäherung und Versöhnung dienen.

Die U. G. P. D. fordert ihre Parteimitglieder auf, gegen über den deutschen nationalistischen und national- bolfche mistischen Treibereien die flare revolutionäre Arbeiterpolitit der Partei zu vertreten. In der äußeren wie in der inneren Politik gilt es gegen die kapitalistischen Verelendungstenden­zen und für die Verwirklichung des Sozialismus zu tämpfen.

Die Wahlkämpfe in Preußen, in Mecklenburg, in Hamburg und Bremen müssen mit aller Energie ausgenugt werden, um die Grundsäge der USPD.

in weitere Bolkskreise zu tragen. Diese Wahlkämpfe, grundsätzlich geführt, werden unserer Be­wegung neue überzeugte Anhänger und Mitfämpfer bringen. Nur die flare Politik der U. S. P. D., die sich mehr und mehr national und international durchseht, kann das sozialistische Ziel verwirklichen: alle Völker von jeglicher Unterdrüdung und Ausbeutung zu bes freien!

Zentralkomitee ver Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Ein sehr ungünstiges Bild über den Gesundheitszustand| äußerten sich 171 dahin, daß der Gesundheitszustand nicht der jüngeren Kinder bietet auch die Tabelle über die Zu­rüdstellung und Ueberwachung der Schul­anfänger.

In den 50 Schularztbezirken wurden von 24 392 zweds Einschulung untersuchten Schulanfänger 1949 zurückgestellt, 4201 Kinder in Ueberwachung genommen; besonders häufig mußte die Zurüdstellung wegen ungenügenden Kräfte­zustandes erfolgen.

Im Gegensag hierzu, mutet es recht sonderbar an, wenn man in dem gleichen Jahresbericht von den Berichten der Rettoren der Berliner Gemeindeschulen lieft, die auf Umfrage im Herbst 1918 nach dem Einfluß der Ernährungs­schwierigkeiten auf den Gesundheitszustand der Schulkinder erfolgt find. Bon insgesamt 333 eingegangenen Berichten

beeinträchtigt worden sei, 135 Berichte stellten eine mehr oder weniger bemerkbare Beeinträchtigung fest, während 27 Berichte so unbestimmt lauteten, daß sie sich weder der einen noch der anderen Gruppe zuweisen ließen. Ein ähn fiches Ergebnis hatte bereits die im Januar und März Juni 1917 und März- Juni 1918 erfolgten Umfragen gehabt, ein deutlicher Beweis für den Geist, der auch die Berliner Gemeindeschulrektoren beherrscht.

Treten jetzt erst Lehrer wie Aerzte mit threr wahren Meinung über die Gesundheit der Schulkinder in die Deffentlichkeit, so müssen sich die Proletarier und insbeson dere die proletarischen Mütter bewußt bleiben, daß es die Folgen des Krieges sind, die so verderblich auf den Gesundheitszustand ihrer Kinder eingewirkt haben. Gie