Cinzelpreis 20 Pfg. 4. Jahrgang

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Dienstag, 29. März 1921

Nummer 144

Abend- Ausgabe

The airfpatterne Nonparelliegelle oder beren Raum koftet 5,-. einfegi Tenerungszufchlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jebes weitere Bert 1,50. einschließlich Teuerungszufchlag. Laufende Angelgen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gefuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche Wort- Anzeigen: das fettgedrudite Wort 1,50 M., jebes weitere Wort 1,- Fernsprecher: Zentrum Nr. 15230-152 39

Freiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Keine Ausdehnung des Generalstreiks

- Das Leunawerk besetzt Kämpfe im Industriegebiet

Ruhe in Berlin Die entfeffelte Ordnungsbestie Die Osterartikel der bürgerlichen Bresse tragen einen recht merkwürdigen Charakter. Neben den üblichen Phrasen über Auferstehung und Gottesglaube, über Gegenwartsnot und Butunftshoffnung, neben schönen Worten über Menschheitss intereffen und Menschenliebe bricht sich fast überall der wütende, durch feinerlei Humanitätsgedanken gezügelte Saß bes in feiner beschaulichen Ruhe gestörten Bürgers gegen die Arbeiterschaft Bahn und nach den unaufrichtigen Flötentönen über menschliche Auferstehung gellt schrill und schneidend der Schrei des Befigenden nach Bernichtung und Berdammnis des Besitzlofen.

Wir wundern uns über diese Ausbrüche des Klasenhaftes nicht. Wir wissen, daß die Elendsziffern der deutschen Ar beiterflaffe zwar in den an die Entente gerichteten Noten und Denkschriften Berücksichtigung finden, daß sie aber in der Bersenfung verschwinden und vom mißtönigen Geheul der fapitalistischen Hyänen übertönt werden, wenn irgendwelche Ereignisse die Gelegenheit günstig erscheinen lassen, die Deffentlichkeit gegen die revolutionäre Gesinnung des Proles tariats mobil zu machen und die fümmerlichen Rechte der Arbeiterklasse noch mehr zu beschneiden.

Wir wundern uns auch nicht, daß die Parteien der äußer ten Reaktion die gegenwärtigen Borgänge für ihre parteis politischen Interessen auszuschlachten suchen, über die Schwäche" und Unfähigkeit" der Regierung zetern, die an­geblich nicht energisch genug gegen die Aufrührer" vorgehe, und die durch den Grafen West arp in der ,, Kreuz- Beitung den Ruf nach dem starken Monarchen, nach einem Nibe

und ehernem Schenkel beherrschen soll. Das alles ist in

barin einig, daß der gegenwärtige fritische Zustand um so eher und um so leichter überwunden werden tönnte, wenn

durch eine Intervention der sozialistischen Parteien und der Gewerkschaften der andauern den Gärung in den im Aufstande befindlichen Industriebezir­fen ein Ende gesezt werden würde. Das Gefreisch der Ord­nungsbestie fann die Situation nur verschlechtern. Ein ausweg aus der fritischen Lage fann nur durch das ge­Schloffene Vorgehen der politischen und gewerk. schaftlichen Organisationen des Proletariats ge­funden werden.

Die Lage in Berlin

Die Arbeit überall aufgenommen

In verschiedenen Großbetrieben versuchten die Kommunisten heute morgen, die Belegschaft von der Arbeit fernzuhalten. Sie

fanden jedoch für ihre Machenschaften bei der großen Mehrheit der Arbeiterschaft kein Verständnis.

Im Meffingwert in Reinidendorf gelang es den Kommunisten, bei der Abstimmung eine geringe Mehrheit zu bekommen, so daß das Werk für heute stillgelegt worden ist. Die Arbeit wird aber morgen wieder geschlossen aufgenommen werden.

In der Turbinenfabrit Moabit versuchten die Kommunisten, die Belegschaft gewaltfam herauszuholen. Die Arbeiter fetzten fich dem aber zur Wehr und verblieben zum allergrößten Teil im Betrieb. Der Betrieb selbst wird von der Sicherheitspolizei bewacht.

Heute morgen sollte eine Belegschaftsversammlung der Firma Beschäftigten waren jedoch nur etwa 700 erschienen. Diese 700

Knorr- Bremse in Lichtenberg stattfinden. Von den etwa 3500 Beschäftigten gehören zur Nachmittagsschicht. Der andere früh bereits geschloffen die Arbeit aufge.

Teil der Belegschaft, etwa 2800, hatte heute

nommen. Nach Bekanntwerden dieses Resultats erklärte der größte Teil der Bersammelten, daß sie nunmehr auch heute nach­größte Teil der Versammelten, daß sie nunmehr auch heute nach­mittag die Arbeit wieder aufnehmn werden. Damit ist in der Knorr- Bremse die Attion, wie sie von den Kommunisten geplant war, ins Wasser gefallen.

Bei den gesamten Siemens- Werken wurde heute morgen die Arbett geschlossen aufgenommen Es wurden auch feinerlet Störungsversuche unternommen.

Bei der Firma Borsig wird ebenfalls voll gearbeitet.

lungen- Enfel", ertönen lassen, der die Zeit mit eherner Faust diesem Deutschland, in dem ein monarchistisches Bürgertum taum die Zeit erwarten fann, um sein republitanisches Mas lenkostüm in die Ede zu schleudern und unverhüllt ben tapi talistischen Terror aufzurichten, vollkommen in der Ordnung. In der Ordnung ist es auch, daß in diesem Deutschland, dessen eigentliche Machthaber das Entwaffnungsgefet in wei tem Bogen umgehen, wenn es sich um die vielgeliebte Orgesch handelt, jetzt dieses Gesetz aus der Schublade hervorziehen und durch den Vorsitzenden des parlamentarischen Beirates, Serrn von Brüninghaus, eine Attade eröffnen gegen den Oberpräsidenten Sörfing, der im Interesse einer fchnelleren Beilegung der Unruhen in Mitteldeutschland den Berfonen, die die Waffen abliefern wollten, Straffreiheit zus ficherte. Und in der Ordnung ist es schließlich, daß in diesem Deutschland, in dem fein Kriegsverbrecher oder Mörder im Offiziersrang, tein Soldatenschinder und fein Kappist von ber Justiz erfaßt wird, in dem Leitartikel der offiziöfen schloffen aufgenommen werden. Deutschen Allgemeinen Zeitung" die Forderung aufgestellt wird, daß es nicht länger geschehen dürfe, daß ein zuchtloser Böbel" versuchen dürfe, der Justiz in den Arm zu fallen und bas Schwert der Justiz stumpf und schartig" zu machen. In diesem Deutschland, in dem die hochgestellten Verbrecher frei umherlaufen dürfen, während die Frauen politischer Ge­fangener, die das Elend und die Not ihrer Kinder nicht mehr länger ertragen fönnen, freiwillig in den Tod gehen, diesem Deutschland ist es allerdings die Hauptaufgabe der Gegenwart, dafür zu sorgen, daß das Schwert der Justiz" nicht stumpf und schartig" werden folli

in

Jm A. E. 6.- Konzern wurde die Arbeit heute noch nicht auf genommen, da die A. E. G. auch in diesem Jahre, wie bisher üblich, drei Osterfeiertage angesetzt hat. Die Arbeit wird aber, wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, morgen ge

Bei der Firma Stod- Marienfelde wurde die Arbeit heute wie gewöhnlich aufgenommen. Die Belegschaft arbeitet voll.

Bei der Firma Panzer, bei der am Sonnabend die halbe Beleg schaft nicht zur Arbeit erschienen war, wurde heute morgen die Arbeit ebenfalls geschlossen wieder aufgenommen

In den Berlin- Borsigwalder Metallwerten ist etwa die Hälfte ber Belegschaft im Ausstand.

Jm Arbeitsnachweis in der Linienstraße verfuchten einige tommunistische Redner, die dort versammelten Arbeitslosen auf­zufordern, einen geschlossenen Zug zu bilden und nach der Gass anstalt in der Holzmarktstraße zu marschieren Die Arbeitslosen beförderten fie aus dem Arbeitsnachweis.

Vor dem Arbeitsnachweis in der Gormannstraße steht gegenwärtig ein Zug Arbeitsloser, die noch völlig unschlüssig sind, was zu tun ist. Die Kommunisten versuchen dort ebenfalls, die Ar­beitslosen in einem geschlossenen Zug nach der Stadt zu führen. Wie uns weiter gemeldet wird, herrscht in den meisten Großbetrieben völlige Ruhe. Die Arbeit ist heute überall aufgenommen worden.

Wozu wir das alles erwähnen? Weil in den geschilderten lehnten bas ab, hinderten die Kommunisten am Weiterreden und Gegensätzen und Verhältnissen jene Triebfräfte bloẞgelegt werden, die dahin führen, daß die bürgerliche Presse wieder mit Schauergeschichten über Schlachten"," Aufstände" usw. angefüllt ist und fich wie in der Kriegszeit nicht genug tun tann an Uebertreibungen und Sehereien, um die Bolls­feele" des Spießertums gegen die Arbeiterklasse zum Kochen zu bringen. Die reaktionären Verschwörer, die politische Ges fchäfte machen wollen, und die fapitalistischen Profitmacher, die in ihren Geschäften gestört sind, fte alle tönnen faum die Stunde erwarten, wo die glorreiche Reichswehr gegen die mitteldeutschen Industriebezirke marschiert und einen frisch­fröhlichen Krieg nach dem Muster von Mechterstädt gegen die Arbeiterschaft entfesselt.

Weil dieses scharfmacherische Treiben immer mehr an Stärke zunimmt und Gefahren heraufzubeschwören droht, auf beren Ernst wir nicht näher einzugehen brauchen, wieder­holen wir nochmals mit aller Entschiedenheit, daß die Ars beiterschaft sich mit aller Energie jebem Bersuch widerlegen würde, die gegenwärti. gen Vorgänge in Mitteldeutschland usw. zu einer neuen Attade gegen die Arbeiter. bewegung auszunuzen.

Bei aller Ablehnung der kommunistischen Putschparolen, benen nur eine fleine, irregeleitete Minderheit folgt, ist fich bie gesamte beutsche Arbeiterklasse darin einig, daß fie jebem reaktionären Borstoß mit den schärf Ren Mitteln begegnen wirbe. Sie ist sich ferner

früh

Die Lage in Mitteldeutschland Die von den offiziellen Bureaus herausgegebenen Meldun gen berichten, daß es während der Feiertage wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Polizeitruppen, die durch Reichs­wehr verstärkt wurden, und bewaffneten Putschisten ge­tommen ist. Wir geben diese Meldungen mit allem Vor behalt wieder, da es nicht möglich ist, sie auf ihre Richtig teit zu prüfen.

Besetzung des Leunawerks

Merseburg, 29. März.( W.T.B.) Seute morgen in früher Stunde wurde das Leunawerk ge­nommen. Dem musterhaft durchgeführten Angriff wurde zunächst heftiger Widerstand geleistet. Erst als ein das Wert umgebender hoher Bretterzaun burch bie stürmende Gruppe des Grafen Boninski überwunden war und unter diesem Maschinengewehre

in Stellung gebracht worden waren, fieß der Widerstand der Auf ständischen nach. Ein Entkommen war für die Eingeschlossenen

unmöglich, da vom Norden die Gruppe Merseburg, Dom Cüber

eine fombinierte Gruppe Göhrig das Wert eingeschlossen hatten und außerdem die Brüden über die Saale durch Lasttraftwagen mit bewaffneten Mannschaften gesperrt waren. Sämtliche Trup pen, die an der Unternehmung beteiligt waren, standen unter der Leitung des Obersten Kluesser. Es wurden bisher 1000 Ge fangene gezählt. Die Beute an Material ist sehr groß.

Berschärfter Belagerungszustand in Halle Salle, 27. März. Seute mittag wurde hier der verschärfte Belagerungszustand verkündet.

Berlin, 28. März.( m. T.3.) In Mitteldeutschland nimmt die Polizeiaktion ihren Fortgang. Das Detachement v. Boninsti hat sich mit den Polizeitruppen des Obersten v. Hertwig vereinigt. Mehrere Lastautos mit bewaff neten Aufrührern, die im Begriff waren, nach Süden und Westen auszubrechen, wurden abgefangen. Ernstere Gefechte haben nicht stattgefunden. Während es in den Hauptorten des Aufruhrgebiets ruhig ist, treten auf dem Lande hier und da kleine plündernde Banden auf. Die Versuche, den Bahnverkehr durch Zerstörung von Bahnanlagen und Brüden lahmzulegen, fönnen die Durchführung der Aktion nicht aufhalten. Im Einvernehmen mit der preußischen Regierung zieht die Reichsregierung militärische Kräfte heran, die eingesetzt werden sollen, falls es erforderlich wird. Mit Rüdsicht auf die Versuche der Kommunisten, die mitteldeutsche Aufruhr­bewegung durch Putsche und Unruhe in anderen Landesteilen zu halten, haben die Behörden überall Weisung, fest durchzugreifen und Gewalttätigkeiten mit der Wasse zu begegnen.

Salle, 28. März. In Eisleben ist die Lage auch heute ruhig. Der Eisenbahn und Drahtverkehr ist noch nicht wieder aufgenommen.

In Hettstedt herrscht Ruhe, ebenso in Mansfeld, in Sangerhausen waffnete auswärtige Kommunisten zum Streifen gezwungen. Auch und in Artern. Jn Micheln wurden die Bergarbeiter durch 8 bes in den Schächten des Geisetales ruht überall der Betrieb.

In Wittenberg ist der Streit auf allen großen Werken durch­geführt.

Bei Ammendorf wurde die Eisenbahnbrüde gesprengt und der Eisenbahnverkehr unmöglich gemacht.

Die Stadt Bitterfeld ist von den Kommunisten geräumt worden. Die ordentlichen Behörden haben den Dienst wiederaufgenommen. In Golpa wird gearbeitet. Unter der Leitung des Direktors bil dete sich aus der Arbeiterschaft des Wertes in 3schornewig eine Abwehrmannschaft gegen fommunistische Störungen.

Leipzig, 28. März.

In der Nähe von Markranstädt fand zwischen bewaffneten Ar­beitern, die von Leipzig nach den Leunawerken zogen, und Schuh polizei ein Feuergefecht statt. Näheres ist bisher nicht bekannt. Bei dem gestrigen Gefecht in Möllau, das mit der Flucht der zwei Schwer und zwei Leichtverwundete. Der Landespolizek Aufrührer endete, hatten diese, wie jetzt feststeht, einen Toten, fielen zahlreiche Waffen und Munition in die Hände.

Beginn des Generalstreiks in Leipzig ausgegeben. Die Leipziger Die Kommunisten haben für heute nacht 12 Uhr die Parole zum Boltszeitung", das Boltshaus und die Konsumvereine werden von Anhängern der U. S. B. D. bewacht, um Anschlägen der Kom­munisten vorzubeugen.

Sänden vor 700 Kommunisten mit etwa 25 Maschinengewehren. Nach zuverlässigen Nachrichten befindet sich Delitsch in den

Magdeburg, 28. März, 10 Uhr abends. Die Melbestelle beim Oberpräsidenten teilt mit: Oberst von Poninsti hat seinen Vormarsch auf dem Südgebiet bis hinter Schafstedt fortgesetzt und dabei eine größere Beute einges bracht: 84 Gefangene, zwei Lasttraftwagen, einen Anhängewagen, zwei schwere Maschinengewehre und einige 30 Gewehre. Die Geis feln aus Sangerhausen und Querfurt wurden von ihm befreit. Die nach Lauchstädt unternommene Attion ist ebenfalls erfolg reich verlaufen. Zwischen Leipzig und Markranstädt wurde ein tommunistischer Verbindungsradfahrer festgenommen mit einem Ausweis aus Mostau. Die Lage in Erfurt ist ruhig, ebenso in Suhl und Sommerda. Die Unabhängige Partei in Erfurt läßt heute abend und morgen vormittag noch Flugblätter verteilen, in welchen dringend vor einer Beteiligung an einem etwaigen Streit gewarnt wird. In Zörbig hatte sich gestern eine fleine Bande von ungefähr 30 jungen, unreifen Leuten im dortigen Rathaus festgesetzt und Plünderungsversuche unternommen. Ja 31chornewig wird noch gestreift. Die Notstandsarbeiten werden verrichtet. Die Streifenden sollen versucht haben, die Leitung nach Berlin abzuschalten, was ihnen aber nicht gelungen ist. In Lenna ist die Lage noch unverändert. In Borna hat eine Betriebskonfe renz stattgefunden, in welcher sich nur die Kommunisten und Unionisten für den Streit, dagegen alle anderen gegen den Streit entschieden haben. Die Mehrzahl der Arbeiter will ich mit Macht