Einzelpreis 1.50 Mk.

Die zetbeit erscheint täglich einmal als Moiyenausgabe uns Montags als Abenbausgabe mit den Unterhaltungsbeilagen Greie Bell, Frauen- Weit" und Der Jugend- Genosse". Der Bezugspreis beträgt bei freier Bustellung ins Haus für den Monat Mai 35, M. im boraus zahlbar. Bestellungen nehnten fämtliche Bostanstalten ent gegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Eaar Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens und Luxemburg 69,- m., für das übrige Ausland 87,- m.

Mittwoch, den 17. Mat 1922

214

5. Jahrg. Nummer 127

Die sebgefbaltene Stonbareilleselle ober beren Raum loftet 189 einfließlich Inferatenfteuer. Aleine Anzeigen: Das fettgebrudte Bort # 32,50 m., iebes weitere oct 1,75 m. einschließlich Inferatenfteuer Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gelude 12, M. netto pro Beile. Etellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: bas fett gebrudte Wort 2, M.. tedes wettere Wort 1,50 M. Fernsprecher Zentrum 152 30-152 88

greibeir

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Noch mehr Metallarbeiter ausgesperrt

Hungerpeifsche der Scharfmacher

Frankfurt a. M., 16. Mat. Bell die ausgesperrten Metallarbeiter in Südwestdeutsch­land die Verlängerung der Arbeitszeit ablehnten, hat nun­mehr der Verband der Metall- Industriellen die Aus­perrung auch der bisher noch nicht betroffenen Metall­arbeiter in den Bezirken Frankfurt, Darmstadt, Sanau, Offenbach und Oberursel vom 17. What ab perfügt. Insgesamt werden 30 000 Arbeiter betroffen.

Der Wiederaufbau" der Unternehmer

Die füddeutschen Metallindustriellen begründen ihr Berlangen nach Einführung der 48- Stundenwoche be­fanntlich mit der Notwendigkeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaues. In Wirklichkeit handelt sich aber um den Versuch, dem deutschen Proletariat auch die lezte Errungenschaft vom November 1918 zu nehmen. Stame es den Unternehmern wirklich auf die Gesun sung der Wirtschaft an, wie könnten sie dann den Schaden, den sie mit der jetzt schon wochenlangen Aus­sperrung ihrer Arbeiter anrichten, verantworten. Seit 18 Wochen sind die süddeutschen Metallarbeiter aus­gesperrt. Das macht 18 mal 46 Stunden. Also 598 Arbeitsstunden pro Arbeiter(!), bei üben 100 000 Ausgesperrten, gehen durch den Herrenstand punkt der Unternehmer der deutschen Wirtschaft ver­loren. Die zwei Stunden, die die Unternehmer ihren Arbeitern mehr an Arbeitszeit aufzwingen wollten, stehen zu diesem Schaden in gar keinem Verhältnis. Bürde die Regierung wirklich die Allgemeininter­effen wahrnehmen, sie müßte die füddeutschen Metall­arbeiter mit allen Mitteln unterstützen.

Freilich, vom Standpunkte des Profitinteresses, der heute alle wirtschaftlichen Fragen beherrscht, verlieren dte Metallindustriellen nicht allzuviel. Sie machen fa, Riesengewinne. Die Daimler- Motoren Gesellschaft, bekannt durch rücksichtsloses Vor­gehen gegen die Arbeiter und Angestellten und noch mehr durch die unerhörten Kriegsgewinne durch Staatsfaffenplündereien, stellte in einer Aufsichtsrats­fizung am 11. Mai( zur selben Zeit also, wo ihre Ar­beiter brotlos auf der Straße lagen) folgende Gewinn­rechnung für 1921 feſt:

Das Geschäftsjahr 1921, zu dessen Anfang das Aktienkapital vou 100 auf 200 Millionen erhöht wor­den ist, schließt mit einem Reingewinn von 22 570 810,17 Mart( im Vorjahre 5 653 353,45 f.). Zur Berteilung vorgeschlagen werden: 4 Prozent auf 4 Millionen Vorzugsaktien und 10 Prozent auf 196 Millionen Stammattien. Auf neue Rechnung vorgetragen werden 682 296,67 Mark."

Das war zur Zeit der 46- Stundenwoche! Und um Diese Riesengewinne noch mehr zu erhöhen, sollen die Arbeiter zwei Stunden wöchentlich mehr schuften. Die geschlossene Ablehnung dieses unerhörten Ansinnens durch die Metallarbeiter ist nicht nur begreiflich, sens

bern unumgänglich.

Amerika lehnt ab

berfchaffen. Er fragte u. a., warum Deutschland von der Sach berſtändigenkommiffion ausgenommen sei. Antwort: Weil Deutsch land bereits einen Vertrag mit Rußland abgeschlossen hat.

Tschitscherin fragte ferner, wie es mit der de jure- An­erkennung der Sowjetregierung stehe. Es wurde erwidert, dies sei Angelegenheit der einzelnen Regierungen, sobald die Arbeiten der verschiedenen Kommissionen abgeschlossen seien.

Tschitscherin fragte, warum der Haag als Versammlungs­ort für die Kommission gewählt worden set. Antwort: Man sei berelt, andere Vorschläge entgegenzunehmen.

Tschitscherin: Würden alle Mächte durch die Mehrheits. beschlüsse gebunden sein? Antwort: hierüber wird die Kom­mission zu entscheiben haben.

Frage: Wird der Burgfriede nur während der Arbeit der gesetzt sind? Antwort: Diese Angelegenheit kann erörtert geplanten Rommiffion dauern, oder bis die Grenzen endgültig fest­

werden.

Frage: Wird in Genua ein Schriftstück bezüglich des Burg friedens ober ein Balt abgeschlossen und unterzeichnet werden? Antwort: Ja

Eschitscherin tam sodann auf die Lage in Ostsibirien zu sprechen. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion zwischen Eschitscherin und Jihii, in die auch Lloyd George eingriff, indem er bemerkte, es wäre gut, wenn der Burgfriedenspatt bereits in der gegenwärtigen Sigung zur Anwendung tame. Hierauf fagte Delegation Gelegenheit zu geben, die Vorschläge sorgfältig zu prü Tschitscherin, es feien 24 Stunden erforderlich, um der russischen

fen. Sodann wurde die Sigung der Unterkommission auf morgen bormittag 11 Uhr bertagt.

Schluß am Freitag

Paris, 16. Mai. Nach Ansicht der Sonderberichterstattung der Pariser Nachrichtenpresse dürfte die Sigung, durch die die Genue. ser Konferenz geschlossen werden soll, erst Ende der Woche stattfinden. Der Petit Parisien" spricht von Frei­tag oder Sonnabend.

Genua, 16. Mai.

Die Vertreter der einladenden Mächte besprachen heute nachmittag das Programm für die legien Tage der Konfe. renz. Ein Tag für die Plenarsizung ist noch nicht festgesetzt. Die Hughes- Note ist noch nicht besprochen. Die Konfe. renzfreise glauben, es werde eine Antwort erfolgen, da der Schluß der Antwort von Hughes für eine Fortsetzung des Meinungsaustausches die Tür offen lasse.

Die Einigkeit" gegen Rußland

Paris, 16. Mai.

Nach einer Havasmeldung aus Genua ist die fran­aösische Delegation, um die Einheit der Mächte gegenüber Rußland zum Ausdruck zu bringen, ermächtigt worden, heute der Sigung der Unterfommission, in der den Vertretern der Moskauer Regierung die Antwort auf ihr Memorandum überreicht werden soll, beizuwohnen.

Keine Antwort auf Rußlands Protest

zu

( EP.) Genna, 16. Mat Die einladenden Mächte haben heute nachmittag be­schlossen, auf jede polemische Erwiderung und Widerlegung der russischen Antwort zu ver­aichten, nachdem Frankreich und Belgien sich im politischen Unterausschuß geweigert haben, eine Erwiderung Genna, 16. Mai. Statt einer ausführlichen Antwort be­unterzeichnen. schränken sich die Mächte darauf, den Russen das Protokoll mit den in der Villa Alberti gefaßten Beschlüssen und Ver­einbarungen zuzustellen, die heute von den übrigen Mit­gliedern des politischen Ausschusses angenommen worden sind. Tschitscherin wurde bei der Uebergabe nochmals bemerkt, daß das Verbot von Sonderabkommen sich nicht gegen die ruffische Souveränität richte,

Der amerikanische Botschafter Child hat heute dem ita­lienischen Minister Schanzer den Wortlaut einer Note der amerikanischen Regierung übermittelt, in der die Teilnahme ber Ver Staaten an der Haager Konferenz abgelehnt wird, die nur eine Fortsetzung der Genueser Konfrenz sei. Etwas Er prießliches sei von der Haager Konferenz nicht zu er.

warten.

London, 16. Mai.

Giner Reutermeldung aus Genua zufolge hat die Mel Bang über die Weigerung der Vereinigten Staaten, an der Haager Konferenz teilzunehmen, Enttäuschung und Ueber­

raschung hervorgerufen.

Frage und Antwortspiel

Genua, 16. Mai.

Heute vormittag um 10,30 Uhr trat die Unterfommission bet ersten Rommission unter dem Vorsitz von Facta zu­fammen, um der russischen Delegation die Beschlüsse der anderen in der Inhalt des geflera veröffentlichten Doluments tourbe berlesen. Hierauf stellte schitscherin eine Reihe von Fragen über die verschiebenen Klauseln, um sich über ihre Tragweite Klarheit zu

Die Bolschewisten gegen den Kommunismus

Moskau, 15. Mai

Der Rätetongreß trat heute unter dem Vorsitz Ka­Iinins zusammen. Von den 825 Mitgliedern sind noch nicht alle anwesend. Die Verweisung des Agrargeseses an einen Ausschuß wurde nach furzer Berichterstattung ge= nehmigt. Das Gesez enthält die wesentlichen Gedanken der Agrarreform Stolupin 8. Er erkennt das unbes dingte Eigentumsrecht für beruflich bewährte Acerbaner an. Deutschland zahlt

Paris, 16. Mat. Wie die Reparationskommission mitteilt, hat die deutsche Regierung gestern bei der vor dem Garantie­ausschuß bestimmten Bant eine Zahlung von ungefähr 50 Millionen Goldmark geleistet.

Krise in Sachsen

Jm Sächsischen Landtage hatten bie bürgerlichen Parteien, denen die geseggeberischen Arbeiten ber sozialistischen Regierung immer mehr auf die Nägel brennen, Anordnung von Neuwahlen beantragt. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Darauf forderten sie in einem weiteren Antrage, durch Volksbegehren über die Auflösung des Landtags entscheiden zu lassen, Auch dieser Antrag wurde von der sozialistischen Mehrheit abgelehnt. Bulegt wandten sie sich mit einem Antrage, den Auflösungsentscheid durch Volks begehren herbeizuführen, an die Regierung. Die Regierung hat diesem Antrage stattgegeben. Aus Sachsen wird uns zu der jest borliegenden Situation geschrieben:

Die Bürgerlichen Sachsens haben in dieser Woche eine Partie ihres Spiels um die Macht verloren; ihr Antrag, den Landtag aufzulösen, ist von dieser Körperschaft selbst mit Mehrheit abgelehnt worden. Das konnte erwartet werden, nachdem die drei prole­tarischen Parteien in gemeinsamer Beratung be schloffen hatten, sich die Gesetze des Handelns nicht vom Bürgertum vorschreiben zu lassen. Auch die Kom­munisten haben sich an die gemeinsam von den anderen beiden proletarischen Parteien aufgestellte Marschroute gehalten, so daß also eine Ueberraschung nicht zu ver zeichnen ist. Die Bürgerlichen sind um eine Ent täuschung reicher, aber sie haben sich in ihrem Kampf gegen die Mehrheit des Landtages und die Regierung schon so viele Niederlagen geholt, daß auch die neueste durchaus nichts Ungewöhnliches mehr darstellt. Ihre Aktion außerhalb des Parlaments, nämlich durch Volksbegehren und Voltsentscheid ans Ziel ihrer. Wünsche zu gelangen, kann also ihren Fortgang nehmen, und da ihnen dabei selber einigermaßen un wohl wird, wenn sie an den Ausgang ihres pompós eingeleiteten, aber bisher weniger frappierend durch geführten Vorstoßes denken, so hat unsere Partet fet­nen Anlaß, die kühle Abwehrentschlossenheit aufzu­geben, die von Anfang der gegenwärtigen Regierung an gegenüber den Bürgerlichen das Gegebene war.

Soweit demnach die kapitalistischen Parteien in Be­tracht kommen, ist die Lage klar und deren Verhalten kann nur der Klarheit dienen. Es ist kein prinzipieller Unterschied zwischen den sogenannten Demokraten und den Deutschnationalen. Die ganze bürgerliche Gesell­schaft hat sich vereinigt und treibt mit den Begriffen von Demokratie und Volksfreiheit ebenso demagogisch wie durchsichtig Spott, Jm Namen der Demokratie möchten die Demokraten die sozialistische Regie rung, die sich auf die Mehrheit des Randtages stüßt, zugunsten der kleinen und noch besser der großen" Stoalition beseitigen, und wenn man die Dosis Heuchelei nicht rechnet, die sie dabei zur Anwendung bringen, ist zwischen ihrem Verlangen und dem der Deutschnationalen auch nicht der mindeste Unterschied sichtbar. In den jüngsten Verhandlungen des Land­tags stimmten die bürgerlichen Parteien wie immer geschloffen eine anschauliche Illustration zu der Auf­faffung mancher Sozialisten" mit den Demokraten oder gav mit den deutschen Volksparteilern, eine Gemeinschaft einzugehen; eine Volksgemeinschaft, wie fie vom Bürgertum ersehnt wird.

-

Im Namen der Demokratie bliesen vor allem auch die Deutsch nationalen das Streithorn. Und auch sie ja sie vor allem- sorgten für den nötigen Anschauungsunterricht, auf daß das Volk wisse, was es von ihnen zu erwarten hat. In verbissener Wut öffnete der dentschnationale Sprecher in der Hitze des Wortgefechts die geheimen Falten seines reaktionären Busens, und was dabei sichtbar wurde, ist recht ge­eignet, der sozialistischen Aufklärung im Lande zu dienen. Der deutschnationale Redner erklärte unter dem Beifallsjubel seiner Freunde, wie bedauerlich und verwerflich der Systemwechsel des 9. November 1918 gewesen sei, bedauerlich vor allem, daß er sich ohne wesentlichen Widerstand vollzogen habe! Wenn es nach ihm gegangen wäre, so wäre die Monarchie mit allen Mitteln verteidigt worden, en hätte am 9. November schießen lassen!

Und trotz allem, es lebe die Demokratie! Wahrlich, es ist eine föstliche Komödie, die die geborenen Ver­ächter jeglicher Volksfreiheit aufführen. Das Wort Demokratie nimmt sich gut aus im Munde von Leuten, die sich als Massenschlächter offerieren. Aber wir kön­nen ihnen wenigstens für ihre Offenherzigkeit danken. Es gibt leider auch sehr viele in der Arbeiterschaft, die nach dem bekannten Wort ein sehr kurzes Gedärm haben. Sie vergessen, daß dieselben Herrschaften, die