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Frauenftimme

Nr.12 47. Jahraang

Beilage zum Vorwärts

Kleiner Kommentar.

Wenn die Leute nur Geld verdienen.:.

Es ist überhaupt nur die Habsucht der Proletarier, die ble Grau aus dem Haus in den Erwerb gedrängt hat und ein friebliches Familienleben verhindert. Im Reichsboten" plaubert eine Dame über Frauenberufe. Natürlich darf die Frau in ihrem Haushalt nicht überlaftet sein und Berufsarbeit oder Helmarbelt über. saften sie. Wie steht's denn dann aus in den Wohnungen solcher unordentlicher Hausfrauen, die durchaus mit Helmarbelt Geld ver­dienen wollen? Die Dame hat es gesehen: In der elnen Familie fand ich ein Zimmer fast ohne Möbel, im höchsten Grade schmutzig und verkommen. Die Frau fam eine in diesem Raum mündende Treppe herunter, mehrere Kinder verschiedenen Alters polterten ihr nach. Wie fah ble Frau aus, wie die Kinder! Der schmutzstarrende Nod voller Risse wurde durch einen Bindfaden zusammengehalten. Das ungefämmte Haar stand in wirren Zöpfen vom Kopje ab. Da­ bel stand die Frau vor ihrer Niederkunft. Die Kinder, ihrer sieben, fahen ähnlich verwahriost aus. Von der Art ihrer Heimarbeit fonnte ich nichts erbliden, der Arbeitsraum war oben, wohl im Schlaf. zimmer. Ich erbat mich, die beiden Jüngsten während der Zeit ihrer Niederkunft zu mir zu nehmen. Ich erbettelte Kleidungsstücke und die beiden Kleinsten wurden ausgestattet, damit sie in mein Haus paßten( 1) aber ble Frau gab fie schließlich nicht her.(!) Ich bat die Gemeindeschwester, sich um die Familie zu bekümmern, da sagte die, denen sel nicht zu helfen, die Frau sei zu faul." Und was für Schlüsse zieht ble Beobachterin, nachdem sie noch andere Fälle, wo die ganze Familie in einem armseligen Loch Bigarren machend zufammenboden muß, mit eigenen Augen gesehen hat, als Ertenntnis aus diesem grauenvollen foglalen Elend? Läßt ste ihr Gewissen und Ihr Berstand nicht ahnen, warum Menschen so ent­feglich vegetleren? Ihr Bürgerhirn findet nur bas elne Fazit: Wenn die Leute nur Gelb verdienen, so ist ihnen

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alles andere gleichgültig"!

Der Herr Generaldireffor fommentiert.

19. Juni 1930

Direttors? lnter 100 Mt.", erwiderte der Herr des Unter Kaffee und Butterftullen, und tragen Seidenstrümpfe", und lächelnd nehmens! Und wie können sie damit existieren?" Sie leben von fügt er hinzu: ich sage dies nicht, um blese glänzenden Ar­beiterinnen herabzusehen. Ich möchte damit nur ihre Menta lität charakterisieren. Sie wollen lieber hungern als schlecht ge­den Herrn in einer Mentalität nicht einmal in den Sinn, daß diese fleidet gehen"." Sie möchten lieber hungern? Kommt es dem lächeln im Monat hungern müssen- auch wenn sie nicht die zwei Baar .glänzenden Arbeiterinnen" mit ihrem Einkommen unter 100 Mt. Kunstfeldenstrümpfe befigen, die für die gut aussehenjollende Ver. fäuferin feln Lurusbedarf find?

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Die fatholischen Frauen.

Der Kapitaltsmus hat auch vor den fatholischen Frauen nicht baltgemacht, er hat sie ebenso unerbittlich in den Erwerbstampf ge­riffen wie die andern. Aber auf welchem Wege hat sich die fatholische Arbeiterin in diesem Kampf durchzusetzen? Ihr löst sich die soziale, Krisis ganz einfach. Auf der Jubiläumstagung des Verbandes katholischer Beretne erwerbstätiger Frauen und Mädchen" in Beuthen führte nämlich der Bezirkspräses, ein oberschlesischer Pfarrer, aus: Wir sind nach wie vor der lleberzeugung, daß die wirtschaftliche Frage nur gelöst werden kann und gelöst werden muß vom Rell­giösen her. Die Arbeitsfreude, das Ehrgefühl und Dienstgefühl fann man nur bekommen, wenn man die Arbeit als in der gött. lichen Weltorbnung begründet empfindet. Das was ble Arbeit wieder veredeln faun, ist der Entschluß, sie als höhere Sügung hinzunehmen. Dann ist das Eigentliche entschieben". Das Rezept ist also sehr einfach: Profetarierinnen, fügt Euch- und alles wird wieder gut werden!

Kaun, Berufsfreude" Proletarisierung verhindern?

Auch in ,, Der Welt der Frau" des Berliner Lokalanzeigers hat man mun eingesehen, daß die Frau im Beruf heute eine Massen­erscheinung mit Maffeninteressen und Massensorgen ist. Wer tagaus tagein an der Büromaschine steht oder hinter dem Labentisch und Sommerturhaus und Wintersportplatz nur aus den illustrierten Zelt­fchriften tennt, hat andere Neigungen, weniger hohe, weniger ethische und ästhetische, als sie unentwegt der berufstätigen Frau in ber frei­gebigften form angeboten werden", heißt es fehr vernünftig la einem Auffah. Sie ist taufmännische Angestellte...". Die ganze Diskussion um Frauenberufsarbeit geht noch immer von der Basis der Berufsnelgung aus... aber es ist die Not, die diese Maffen von. und was folgt daraus für die Frauen in den Beruf führen". Ja Berfasserin? Sie meint, dle berufstätige Frau habe es verstanden, in die seelenlos und feindlich gewordene Arbeit die seelische Verbin dung mit dem Beruf, die Berufsfreude wieder hineinzutragen und biese Berufsfreubigfelt wird verhindern, was gewisse Leute aus elgenen Wünschen heraus immer wieder pro­phezeien: Die Proletarisierung ber taufmännischen Berufe". Berufsfreude contra Unternehmertum- dlejer Kampf ist sinnlos. Nicht die Proletarisierung der faufmännischen Berufe ,. sondern etwas anderes wird durch solche Ideologie verhindert: dle Einsicht, daß nur durch bewußte Einglleberung auch der Angestellten in die proletarische Kampffront die Arbeit wieder menschenmürdig

Der Reporter eines großen westfälischen Generalanzeigers unter nimmt eine Entdeckungsfahrt durch das Berlin der arbeitenden Frauen. Er steht morgens am Potsdamer Platz und sieht die Armee ber arbeitenden Frauen marschieren, verhärmte Frauen mit müdem Blick und bleichen Wangen, ein Momentbild der Gegenwart, grau­fam, herzlos, unvergeßlich". Er will wiffen ,, unter welchen Bebin­gungen sie arbeiten und leben. Wen wird er fragen? Stun, welche Frage! Hundert Schritte meller und eine Stunde später sige ich dem Generaldirektor eines Weltunternehmens gegenüber".( Unter bem tut ers nicht!) Er fragt ihn, warum die Frau im Existenzkampf sich leichter durchsetzen fann als der Mann. Der Generaldirektor denkt nach. Er blickt auf die blauen Ringe seiner Henry Clay , als würde er durch die Rauchwolten den grauen Weg von Millionen deutscher Frauen verfolgen. Dann antwortet er fächelnd: weil die Frau härter ist als der Mann, sie erträgt Sorgen und Entbehrungen besser. Und dann noch etnes: die Frauenarbelt ist erwünscht. Denn ble Frau ist genügfam, fleißig und anpassungsfähig; ihre Arbeit ist billig. Haben Sie nicht den Eindruck, daß in den großen Warenhäusern Nachfrage nach billigen Sachen herrscht, die gerabe noch gut sind und den Massen genügen? Run, so ist es auch im größten Kaufhaus, im Waren­haus des Lebens, wo menschliche Arbeitskraft getauft wird. Man| gemacht werden kann.

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braucht nicht sentimental zu werden. Jeder kauft das, was billiger Das Borleben" vom Mann- und von der Frau,

ist, sofern es ihm genügt., Die Frau ist Intelligent geworden, ver.

wendbar für die meisten Berufe- und der Mann hat aufgehört, oder das Kammergericht als moralische Anstalt. Die bürgerliche unerfeßflch zu fein" Lächelnd und klar fagt es der Herr General- boppelte Moral" der Sittenfodeg bes Korpsstudenten, der bem birektor warum sentimental sein? Na, und was fostet also diese

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billigste Sorte menschliche Arbeltstraft im Warenhaus des Herrn

Mann vor der Che jede seruelle Frethelt als erlaubt, das Vorleben der Frau jedoch in voller Keuschheit vorschreibt, gilt auch im Jahre